Wenn NPCs die Welt beherrschen


Künstliche Intelligenzen werden eines Tages die Welt beherrschen. Alter Hut! Bei dem Comic Nonplayer wird dies jedoch neu angegangen und aus einem MMORPG heraus entwickelt.

Der Comic beginnt mit einem Trupp Soldaten, seltsamen Wesen und einem Herrscherpaar, die alle gemeinsam offensichtlich durch eine Fantasy-Welt zieht. Allerdings steht das Herrscherpaar unter Beobachtung.

"Zum Angriff!" Nonplayer geizt auch nicht mit brutaleren Szenen. (© Splitter Verlag)

Die Kampfszenen in Nonplayer sind in der Onlinewelt gut inszeniert. (© Splitter Verlag)

Zwei Vagabunden haben sich auf die Lauer gelegt und wollen den Tross angreifen. Als einer der beiden plötzlich von Korea und anderen, die keine Zeit hätten, spricht, merkte ich als Leser, dass an dieser Welt irgendwas anders ist. Spätestens als die Protagonistin Dana zu ihrer geflügelten Raubkatze sagt, sie solle sich aus dem Kampf raushalten, weil sie kein Respawn-Geld übrig hätte, klingelt jedoch was. Wir befinden uns nicht in der “realen” Welt des Comics, sondern in einem Computerspiel.

Damit wäre ein Teil des Settings geklärt. Dana kämpft sich regelmäßig durch ein MMORPG, bei dem die Nonplayer mehr Leben eingehaucht bekommen als bei uns üblich ist. Ein kurzes Interview mit dem Betreiber des Spiels offenbart, dass die computergesteuerten Charaktere geboren werden, leben und wieder sterben. Ein cooles Feature, das ich auch gerne hätte.

Wahrnehmung nur leicht verändert

Abseits des Computerspiels befinden wir uns in einer Zukunftsvision, bei der Roboter uns sehr viel Arbeit abgenommen haben und ein kleiner Computer an der Schläfe jederzeit unsere Wahrnehmung mit Hologrammen überlagern kann. Keine Lust auf die schmutzigen Straßen der Stadt? Dann lassen wir eben alles so aussehen wie unser Lieblingsgame. Auch das ein cooles Feature, das es hoffentlich irgendwann einmal geben wird.

Auf was ich jedoch verzichten könnte, ist das Problem, mit der diese Welt zu kämpfen hat: Zu kluge künstliche Intelligenzen. Das Grundszenario ist seit vielen Jahren bekannt: Was passiert, wenn die Computer klüger werden als der Mensch und ihre Ketten der Knechtschaft abschütteln wollen?

Warum will man wohl dieser schicken Zukunftswelt entfliehen? (© Splitter Verlag)

Warum will man wohl dieser schicken Zukunftswelt entfliehen? (© Splitter Verlag)

Glaubwürdige KI in einem Computerspiel wünschen wir uns alle, aber bitte keine, die sich irgendwann unseres Computers bemächtigt. Dieses Problem wird im zweiten Kapitel des Buches eindrucksvoll dargestellt, in dem ein Einsatzteam gegen einen Amok laufenden Roboter ausrückt. Die Maschinen gehorchen also nicht ganz so gut, wie sie sollten.

Dennoch ist Nonplayer kein Abklatsch von Terminator und ähnlichen Werken. Nate Simpson hat hier eine alte Idee genommen und sie komplett neu umgesetzt. Die Menschen wissen bereits, dass künstliche Intelligenzen ab einem bestimmten Grad eine Gefahr darstellen können und haben sie gewissen Reglementierungen unterworfen. Doch Irgendetwas oder Irgendjemand scheint sich bei Nonplayer nicht an diese Regeln gehalten haben.

Nate Simpson gelingt in seinem Erstlingswerk gerade der Wechsel von realer futuristischer Welt zur virtuellen Fantasywelt sehr gut, und das nicht nur gestalterisch. Denn Simpson hat die Geschichte sowohl gezeichnet als auch geschrieben.

Viel Liebe zu Detail

Der Zeichenstil ist dabei sehr schick und Simpson nimmt sich immer wieder heraus einfach ein Bild über zwei Seiten zu ziehen, ohne Text oder Action. Mir ging es so, dass ich mich gerade in diesen großformatigen Zeichnungen verloren habe und auch beim dritten Durchblättern immer wieder etwas neues, sehr cooles entdecke. Dabei steckt so viel Liebe zum Detail in jeder Zeichnung, was ich sehr schätze.

Es gibt ein Problem mit einem Roboter? Schickt einen ferngesteuerten Kampfbot rein! (© Splitter Verlag)

Es gibt ein Problem mit einem Roboter? Schickt einen ferngesteuerten Kampfbot rein! (© Splitter Verlag)

Zu den Protagonisten kann ich noch nicht besonders viel sagen. Dana ist sympathisch, ihr wurde aber noch nicht viel Raum geboten. Sie kann sich in den beiden Folgebänden allerdings noch zu einem sehr interessanten Charakter mausern. Im zweiten Kapitel zeigte sich eine Art Cop auf der Jagd nach aggressiven Robotern, der vermutlich als zweiter Protagonist etabliert wird. Ganz klar ist es jedoch noch nicht. Auch er blieb noch vergleichsweise oberflächlich.

Meine Hoffnung liegt, was die Charaktere angeht, auf dem zweiten Band. Im ersten Teil hat Nate Simpson nun sehr gut das Setting sowie die Geschichte vorgestellt. Im folgenden Band können sich die Charaktere voll austoben. Potenzial erkenne ich auf jeden Fall bei ihnen.

Übrigens kein Wunder, dass es bei Simpsons Comic um ein Computerspiel geht, hat er doch selbst viele Jahre als Art Director und Lead Artist für diverse Spieleschmieden gearbeitet. Seine Liebe für das digitale Unterhaltungsmedium ist also verständlich und echt.

Fazit

Nonplayer überzeugt mich in allen Belangen und kommt mit einem neuen Ansatz daher. Die Zeichnungen sind schick und sehr erfrischend finde ich, dass die Protagonistin nicht zwei DDD-Brüste vor sich herschiebt. Nicht einmal im MMORPG. Danke für dieses realistische und vor allem vernünftige Frauenbild. Die Geschichte hat mich in ihren Bann gezogen. Ursprünglich wollte ich in der Bahn ein paar Seiten anschauen, schon habe ich das ganze Buch verschlungen. Klare Kaufempfehlung von mir.

Was bedeutet diese Wertung? Lest es nach einem Klick.

Nonplayer: Buch 1.

Price: EUR 15,80

3.5 von 5 Sternen (2 customer reviews)

72 used & new available from EUR 10,45

Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden