Beispielcharaktere: Erbarmungsloser Kopfgeldjäger


Strahlende Helden oder egoistische Bösewichte kann jeder. Warum nicht einfach einen ehrbaren Söldner spielen? So jemand wie Boba Fett aus Star Wars, der vielleicht auf der “falschen” Seite stehen mag, die aber einfach besser bezahlt…

Auf den ersten Blick mag es einfach aussehen, einen Söldner zu spielen, der sich vom Geld leiten lässt. Aber glaubt mir, es wird im Laufe des Spiels nicht unbedingt einfacher. Allerdings ist die Haltung bei unserem Vorbild Boba Fett (ja, schon wieder Star Wars) recht eindeutig: Du bezahlst mich für einen Auftrag und ich führe ihn aus! Dabei ist es sogar egal, was dazwischen kommt: Ein Krieg, eine große Anzahl an mächtigen Gegnern oder gar ein besseres Angebot. Ihr habt einen Ruf zu verlieren, der euch als zuverlässigen Kopfgeldjäger und Söldner tituliert.

Wie bauen wir einen solchen Söldner nun aber auf? Boba Fett bietet insofern ein gutes Vorbild, weil er sowohl für Settings aus Fantasy (sogar Low Fantasy), Science Fiction oder eigentlich so ziemlich alles andere geeignet ist. Deshalb halte ich es hier so allgemein, wie es geht.

Boba Fett ist ausgerüstet mit allerlei technischen Spielereien, die ihr für euren Charakter und die entsprechende Technologie jederzeit anpassen könnt. Gibt es Flammenwerfer? Dann gebt eurem Söldner einen! Gibt es Repetierarmbrüste? There you go. Befindet ihr euch im Steampunk? Dann verpasst ihm einen dampfbetriebenen Anzug, der ihm körperliche Vorteile verschafft. Boba Fett baut zu großem Teil auf seine Ausrüstung und weiß, diese einzusetzen.

Gute Ausrüstung, einschüchternde Erscheinung? Wer braucht da schon Charisma!

Gute Ausrüstung, einschüchternde Erscheinung? Wer braucht da schon Charisma!

Für die Attribute bedeutet das: Er ist clever. Mehr braucht ihr als erfolgreicher Kopfgeldjäger nicht unbedingt. Sofern ihr mehr auf Nahkampf gehen wollt oder müsst, sollte er auch entsprechend gut in den körperlichen Attributen sein, der Rest kann durch Technologie oder magische Artefakte aufgefangen werden. Nur schießen sollte euer Söldner noch können, sonst strahlt er nicht gerade eine große Bedrohung aus.

Alternativ könnt ihr euren Söldner auch primär auf den körperlichen Kampf ausrichten. Dann spielt Technologie keine so große Rolle, sondern eure Überlegenheit bei körperlichen Attributen, Fähigkeiten sowie im Umgang mit starken und mächtigen Waffen, sowohl im Nah- als auch Fernkampf.

Vom Charakter her seid ihr vor allem auf Geld aus, warum sonst solltet ihr eure Fähigkeiten “verkaufen”. Allerdings folgt ihr dabei auch einem gewissen Kodex. Wenn ihr einmal einen Auftrag angenommen habt, dann wollt ihr ihn auch ausführen. Sollten scheinbar unüberwindbare Hindernisse vor euch liegen, dann tüftelt ihr einen Plan aus, um diese zu umgehen, oder zeigt Geduld. Vieles geht von selbst weg. Auch ein besseres Angebot sollte euch nicht locken, ihr seid schließlich kein einfacher Gauner, sondern ein Profi.

Lasst Taten sprechen

Nach und nach werdet ihr euch so den Ruf eines zuverlässigen und erbarmungslosen Söldners erarbeiten. Sollte sich die Möglichkeit ergeben, dann macht auch steckbrieflich gesuchte Verbrecher dingfest. Das hilft eurem Ruf und bringt euch Geld.

Daneben ist Boba Fett jedoch keiner, der mit seinen Taten prahlt. Was er kann und macht wird sich von ganz alleine rumsprechen. Wenn ihr dieser Richtung also folgt, seid ihr nicht unbedingt der gesprächige Typ und häufig genug auch der einsame Wolf. Sollte die Gruppe in eine andere Richtung gehen wollen, als ihr für richtig haltet, dann zählt zuerst der Job. Ihr macht euch damit nicht nur Freunde, weshalb ich eingangs erwähnte, dass dieser Weg nicht so leicht ist, wie er zunächst scheint. Sollte aber die Gruppe hinter euch stehen und eure Fähigkeiten zu schätzen wissen, dann könnt ihr alle sehr weit nach vorne bringen.

Die weitere Entwicklung dieses Charakters wird vor allem in seinen Fähigkeiten sowie der Ausrüstung liegen. Steckt euer Geld in immer bessere neue Spielereien, die euch das Leben leichter machen. Seien es nun Rüstungen, Granaten oder ein neues, schnelles Transportmittel. Solange ihr damit effektiver Arbeiten könnt, ist es etwas für euch. Die Fähigkeiten solltet ihr entsprechend entwickeln. Verbessert eure körperlichen Talente ebenso wie euer Wissen und den Umgang mit Waffen. Alles was auf Charisma baut, kann euch jedoch recht egal sein.

Etwas komplizierter ist es bei der charakterlichen Entwicklung. Grundsätzlich solltet ihr hier recht gefestigt sein und euch nicht einfach ändern. Es muss schon etwas sehr einschneidendes passieren, dass ihr euch persönlich weiterentwickelt. Eine Möglichkeit wäre, dass plötzlich ein Kopfgeld auf euch ausgesetzt wird. Dann könnte es sein, dass ihr vielleicht etwas mehr Verständnis und Milde mit einem Teil eurer potenziellen Opfer zeigt. Auch könnte euch die Gruppe mehr als einmal den Arsch retten, was euch wohl etwas von der Schiene des Einsamen Wolfs herunterholen könnte. Unter normalen Bedingungen sollte sich hier aber nicht zu viel ändern.

Falls ihr wollt, dass ich für ein bestimmtes Setting etwas mehr ins Detail gehe, dann gebt Bescheid und ich werde das berücksichtigen. Dennoch hoffe ich, dass der grobe Überblick für euch einen guten Denkanstoß für einen künftigen Charakter geben konnte.

Edit: Definition “ehrbar”

Da sich scheinbar einige am Begriff ehrbar “stören”, möchte ich dies hier nochmal kurz aufschlüsseln. Für mich ist in diesem Fall ehrbar nicht, weil jemand “ehrenvolle” oder edle Taten bewerkstelligt. Ein Söldner oder Kopfgeldjäger kommt nicht darauf, einfach so mal ein Dorf zu retten.

Mir geht es hierbei vielmehr um eine klare Leitlinie und einen Art Kodex. Vielleicht schließt ihr gewisse Aufträge von vornherein aus? Das wäre näher dran an dem, was viele vermutlich unter Ehre verstehen.

Ein anderer Ansatz ist, dass ihr jeden Auftrag verfolgt, egal, was dazwischen kommt. Alles andere würde an eurer Berufsehre kratzen. Und schon haben wir wieder diesen Begriff der Ehre. Kurz gesagt: Was ihr oder euer Charakter als ehrvoll erachtet, solltet ihr überlegen. Dieser Charakter ist nicht der strahlende Ritter, der irgendetwas nur für seine Ehre macht, sondern vielmehr viel für seine Berufsehre bleiben lässt. Es gibt einen Auftrag und den führt ihr aus. Da kann auch kein vermeintlich besseres Angebot dazwischen kommen… oder Mitleid.

Ich hoffe, dass ihr nun versteht, was ich mit ehrbarer Söldner und Kopfgeldjäger meine. Grundsätzlich könnt ihr aber natürlich hier auch selbst Akzente setzen und in der Hintergrundgeschichte überlegen, wie sich euer Charakter verhält. Eventuell hat er einen Hass auf Volk X und würde niemals einen Auftrag von diesem annehmen, egal, wie lohnenswert er ist. Aber das sind letztlich Akzente, die ihr selbst setzen müsst. Ich liefere nur Inspiration.

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Felix Mohring

Mit 11 Jahren aus Versehen in die Rollenspielrunde des großen Bruders gerutscht und seither nicht mehr von dem Hobby losgekommen. Gründer und Marketing-Äffchen, Moderator und Formatentwickler der NonPlayableCharacters.
Hauptthemen: Pen&Paper

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