Ein Blick über den Tellerrand – Japanische Superhelden


Wenn wir in Deutschland oder den USA an japanische Pop-Kultur denken, denken wir im Positiven nahezu immer an Manga und Anime, sowie den einen oder anderen Horror-Film. Oder im negativen an verrückte Game-Shows und Dinge die wir schon fast als pervers bezeichnen würden. Schauen wir uns aber mal etwas genauer hin.

Während Anime seit Dragonball und Sailor Moon stetig an Popularität gewinnen und auch Horror-Filme, spätestens seit den erfolgreichen Remakes von The Ring und The Grudge, auch hierzulande ihre Fans haben, sind andere Formate bisher immer noch sehr unbekannt. Für einige dieser Serien will ich hier einmal eine Lanze brechen.

Japanische Superhelden sind allerdings nicht gänzlich unbekannt. Spätestens seit den 90ern und der zeitweilig massiven Popularität der Power Rangers, kennen wir Vertreter dessen, was in Japan “Tokusatsu” genannt wird. Tokusatsu (auch “Toku” genannt) ist, kurz gesagt, alles, in dem reale Leute in Kostümen gegen andere Leute in Kostümen kämpfen. Diese Serien lassen sich grob in drei Kategorien einsortieren:

(Super) Sentai

Dies sind Serien, welche für den westlichen Markt adaptiert wurden, wie Zyuranger als Power Rangers. Anders als Power Rangers wird bei Sentai jedes Jahr ein neues Team mit neuen Schauspielern und neuem Spielzeug herausgebracht. Generell ist bei Sentai und anderen Toku-Serien anzumerken, dass die Schauspieler durch die Bank besser sind als in der amerikanischen Adaption.

Für viele der Schauspieler ist die Rolle in Sentai ein Sprungbrett zu einer erfolgreichen Karriere innerhalb Japans. Der Einfluss von Sentai auf andere Medien ist nicht zu unterschätzen, gerade das Einnehmen von Posen bei einem Team wurde viel persifliert. Wer sich an das Ginyu-Sonderkommando aus Dragon Ball Z erinnert, weiß was ich meine. Sentai ist mit Sicherheit die kindergerechteste Toku-Serie. Wobei generell zu sagen ist, dass auch hier durchaus interessante Geschichten erzählt werden. Auf jeden Fall bessere als in Power Rangers, welches sehr oberflächlich bleibt.

Metal Heroes

Die Toku-Serien, mit denen ich mich am wenigsten auskenne. Metal Heroes fasst all die Serien zusammen, in denen Charaktere sich mechanisch und/oder technologisch zu Helden machen. Westliche Pendants wären Robocop oder Iron Man. Was im übrigen auch die Popularität des Millionärs in seiner mechanisierten Rüstung erklärt. Adaptiert wurde dies mit Beetleborgs und VR Troopers, sowie einigen anderen, noch unbekannteren Werken.

Kamen Rider

Der Urvater des Genres, erste Superhelden-Unterhaltung mit Live-Action nach Batman und Superman und meines Erachtens nach immer noch die beste Toku-Serie. Der erste Kamen Rider (dt. wörtlich: “Maskierter Reiter”, gemeint ist allerdings ein Motorradfahrer) bestieg 1971 sein Motorrad und begründete damit dieses Genre. Vor allem der Ausspruch “Henshin” (dt. “Verwandlung”) wurde bezeichnend für alle nachfolgenden Serien.

Die damit gestartete Transformationssequenz fand ihren Weg sogar in diverse Animes wie Sailor Moon. Animes und Mangas haben sich allerdings auch in weiteren Punkten von Kamen Rider inspirieren lassen. So erinnert das Kostüm von Gohan in Dragon Ball Z sehr an Kamen Rider

Die Serie wurde ebenfalls adaptiert und gelangte in den USA als Masked Rider an Popularität. Allerdings wurde die Serie in Japan eingestellt, weswegen auch in westlichen Märkten trotz guter Einschaltquoten der Stecker gezogen wurde – das Originalmaterial fehlte. 1999 wurde die Serie dann mit Kamen Rider Kuuga wiederbelebt. Ähnlich wie Doctor Who wird die Reige in zwei Äras unterschieden, zwischen denen es nur One-Shot Filme gab.

Zwar ist auch Kamen Rider strenggenommen eine Kinderserie, aber in Japan gelten da etwas andere Maßstäbe. So finden sich hier eine ganze Reihe von Body-Horror Beispielen, gerade in dem Film Kamen Rider Shin, in dem der Protagonist keinen Anzug anzieht, sondern sich körperlich in ein Monster verwandelt.

Außerdem sind die Japaner nicht so zimperlich und es wird bereitwillig zugegeben, dass die Monster (genannt “Kaijin”) sowohl Menschen töten als auch selber das Leben aushauchen. Hinzu kommt, dass es in Kamen Rider der Protagonist oder einige seiner Freunde das Finale nicht überleben. 

Lohnt sich diese Reihe nun? Ja und Nein. Es kommt sehr auf die aktuelle Staffel an. Die Serien sind äußerst unterschiedlich. Kabuto ist sehr ernst mit gelegentlichem (Slapstick-)Humor und einem sehr kaltblütigen Hauptcharakter, wohingegen Den-O eher auf Humor angelegt ist. Kiva geht mit seinem Vampir-Motiv etwas in Richtung Horror. Alle drei sind meines Erachtens nach lohnenswert und gut.

Gerade Kabuto wird in recht viel in anderen Medien aufgegriffen. Wohingegen Serien wie Hibiki nicht so recht wissen, wo sie hinwollen, und Fourze sehr kindisch ist und gefühlt nur existiert um Spielzeug und Playstation Spiele zu verkaufen (wohingegen die anderen Serien überhaupt nichts mit Merchandising machen (/sarkasmus) ).

Trotz alledem empfehle ich Kamen Rider weiter, schon alleine für die relativ guten Choreographien. Diese sind zwar nicht so gut wie in Arrow oder Daredevil, aber dafür gibt es bei den Japanern deutlich mehr “Superhelden-Kämpfe”. Außerdem sind sie amüsant trashig. Wer also mal mehr über japanische Pop-Kultur erfahren will als nur Mangas und Animes oder etwas trashige Action sehen will, dem empfehle ich mal über den Tellerrand zu schauen und einen Blick in die oben genannten Serien zu werfen.

Gerrit Buse

Gerrit Buse

Anglist, Informatiker, Vollzeit-Nerd und Teilzeit-Otaku. Braucht dringend Lagerraum für Miniaturen und Kostüme.
Hauptthemen: Comics, Larp und Bücher

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