Mit Walküre zu den Göttern


Spätestens seit Marvels Thor sind die Grundzüge der nordischen Götter ein Begriff – auch wenn ich Marvel hier nicht als vernünftiges Bildungswerk anführen möchte. Tieferen Einblick in die nordische Mythologie bietet da der Comic Walküre und erschafft dennoch etwas völlig Eigenes.

Dass Wikinger cool sind, wissen wir schon seit einiger Zeit. Sie haben Bärte, trinken aus Hörnern und plündern, was sie so brauchen. Zumindest fällt das so ziemlich jedem als erstes ein. Vor dem Hintergrund dieses Coolness-Faktors kommt Alrik ins Spiel, Sohn des Häuptlings und Badass-Krieger im Comic Walküre von Sylvain Cordurié (Text), Drazen Kovacevic (Zeichnungen) und Simon Champelovier (Farben). Er ist sogar so ein Badass, dass er sich freiwillig mit den stärksten Kriegern seines Stammes prügelt – und sie einfach zerlegt.

Immer mitten in die Fresse rein!

Immer mitten in die Fresse rein!

Dennoch ist Alrik kein dummer Haudrauf, sondern ein Draufgänger, der für sein Volk alles macht. Dazu kommt, dass er ein gute Anführer ist. Dies zeigt sich, als ein plötzlicher schlimmer Winter über das Land hereinbricht und mysteriöse Morde geschehen. Alrik fühlt sich von den Göttern alleingelassen und möchte eine Expedition nach Asgard führen, damit er mit dem Göttervater Odin sprechen kann. Zwar kennt er den Weg zu den Asen nicht, doch bevor der Winter hereinbrach, begegnete der Protagonist einer Walküre und dem Asen Hermod, die sie führen sollen.

Beide wurden verbannt, da sie ein Verhältnis miteinander hatten. Obwohl beide nicht nach Asgard zurückkehren dürfen, geben sie der Verzweiflung der Menschen nach und zeigen ihnen den Weg.

Auf den anschließenden Seiten geraten Alrik, die Walküre, Hermod und die anderen Gefährten in einen Krieg, der die Welten erschütttern wird. Vieles erinnert an Ragnarök, die Götterdämmerung und das Ende der Welt, doch verbirgt sich ein anderer als Loki oder Fenrir als Drahtzieher dahinter. Wer der Kopf hinter den Geschehnissen ist, sei hier nicht verraten. Ich kann nur sagen, dass sowohl die Dunkelelfen als auch die Eisriesen ihre jeweilige Rolle spielen.

"Was liegt da? Eine Frau? Eine Kriegerin? Nein, es ist eine Walküre."

“Was liegt da? Eine Frau? Eine Kriegerin? Nein, es ist eine Walküre.”

Dabei scheinen die Menschen zwischen den Fronten der mächtigen Völker zu geraten und einfach zerrieben zu werden. Dennoch findt nicht nur Alrik sondern auch andere Wikinger ihren Platz in diesem Untergangsszenario, ohne in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.

Interessant bei dem Comic ist die Einbindung von Hermod, der in der nordischen Mythologie Hermodr oder Hermóðr genannt wird. Er ist ein Sohn Odins und direkter Bruder von Balder und Hödur. In den Sagen spielt Hermod keine große Rolle und ist im Gegensatz zu Thor, Loki oder Heimdal einer der unbekannteren Söhne Odins.

Die Wahl ist sehr clever, da er wohl den wenigsten ein Begriff sein sollte und somit die Geschichte und das Wesen von Hermod für den Autoren Cordurié fast komplett frei war. Dennoch bezieht er sich damit auf die nordische Mythologie und muss nicht erst etwas komplett neu schaffen.

Er kommt laut Wikipedia nur in einer Sage vor. In dieser reitet er mit Odins Pferd Sleipnir in das Totenreich von Hel, um seinen durch eine List Lokis getöteten Bruder Balder zurückzuholen. Dies misslingt (auch hier hatte Loki seine Finger im Spiel) und er kann Odin nur den Ring Draupnir zurückbringen, der Balder mit in den Tod gegeben wurde.

Leg dich nicht mit Hermod an!

Leg dich nicht mit Hermod an!

Alles in allem ist Hermod eine passende Wahl, vor allem in Verbindung mit der Verbannung. Denn das würde erklären, warum er nicht noch mehr in den Sagen auftaucht: Er musste Asgard verlassen. Außerdem scheint auch diese Bereitschaft zur Aufopferung zu passen, die in der Sage liegt: Er unterstützt und beschützt seine Gruppe mit seinen Kräften, ohne Rücksicht auf sich selbst. Hinzu kommt der erbarmungslose Kampf für seinen Vater und seine (Halb-)Brüder.

Der Zeichenstil passt gut zu der Geschichte und die Farben sind nicht zu kräftig, was dem ganzen Werk einen etwas realistischeren Stil gibt. Hinzu kommen düsterere Farben, die der bedrohlichen Stimmung gerecht werden. Auch die Asen sind nicht als strahlende Götter dargestellt, wie Marvel das gerne macht: Odin, Thor und auch Hermod sind Krieger, die für den Kampf gemacht und gerüstet sind und dabei vor allem auf ihr Wohlergehen bedacht sind.

Alles in allem sind alle Panels hübsch anzuschauen und auch die Gesichter machen was her. Traurig, dass ich das extra erwähnen muss, aber: Ihr erkennt auch wirklich Unterschiede in den Gesichtern und könnt sie recht schnell den Namen zuordnen.

Fazit

Auch wenn die ein oder andere überraschende Wendung in dem Comic Walküre vorkommt, verläuft die Geschichte nach der ersten Überraschung relativ vorhersehbar und ist dann auch leider nicht mehr so tiefgreifend, wie erhofft. Von da an haben die Macher einen größeren Wert auf die Darstellung der Kämpfe gelegt, welche zwar gut inszeniert sind aber nicht spektakulär und damit nicht mit beispielsweise einem Battle Chasers mithalten kann.

Trotz allem ist der Comic Walküre aus dem Splitter Verlag unterhaltsam und ich blättere auch jetzt noch gerne immer mal wieder durch das Buch, um mir hier und da ein paar Zeichnungen anzuschauen.

Walküre

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4.0 von 5 Sternen (2 customer reviews)

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Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

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