Reden über Weltenbau: Postapokalypse


Gefühlt spielt es gerade jeder dritte Mensch auf Erden und alle finden es super: Fallout 4. Doch nicht nur hier sondern in vielen postapokalyptischen Szenarien stoßen mir einige Details im Aufbau der Welten bitter auf.

Doch bevor ich loslege kurz etwas zu dieser Reihe: Ich führe dies hier gemeinsam mit Michael von der Seite Weltenbau Wissen. Es wird sich in den kommenden Wochen ein Dialog über die Grenzen unserer Seiten hinweg entspinnen, der sich um den Aufbau bestehender fiktiver Welten drehen wird. Es lohnt sich also, beide Sites anzusteuern.

Nun aber zum eigentlichen Thema: Postapokalyptische Welten. Es gibt zahlreiche verschiedene Szenarien für die Apokalypse und wie sich die Menschen künftig durchschlagen. Hier berufe ich mich vor allem auf die Vorgeschichte eines Atomkriegs, was vor allem daran liegt, dass ich Zombies nicht so gerne mag.

Halten wir uns aber erst einmal aktuell: Fallout 4 ist gerade der Renner und mag wohl auch ein gutes Spiel sein, doch der Aufbau der Welt ist alles andere als logisch. Gehen wir zunächst auf den Punkt ein, dass das Spiel ungefähr 200 Jahre nach dem einschneidenden Atomkrieg spielt. Es gibt also mindestens 100 bis 150 Jahre schon wieder Menschen, die auf außerhalb ihrer Bunker nach Vorräten, Schätzen und Ausrüstung gesucht haben. Besonders Wagemutige sind sicher schon vorher in ihrem Schutzanzug durch die Wüsten gewandelt.

Allein dieser kleine und schon fast unbedeutende Fakt bedeutet, dass in diesen zahlreichen Jahren sicher jedes Haus schon mehrfach durchsucht und alle Geräte ausgeschlachtet worden sind. Aber wie langweilig wäre es für Spieler, durch eine Welt zu marschieren, wo es nichts zu plündern gibt? Warum solltet ihr als Spieler dann die ehemaligen Wohnstätten durchsuchen, wenn es nichts gibt?

Aus diesem Blickpunkt betrachtet mag es einleuchten, dass ihr in Fallout 4 selbst 200 Jahre nach dem verheerenden “Unglück” so wertvolle Sachen wie Verbandszeug findet. Wenn ihr aber einmal wirklich logisch nachdenkt, kann es nicht sein, dass solche Sachen wirklich noch auffindbar sind. Das zerstört die Konsistenz der Welt und macht sie in sich selbst unlogisch.

Daneben hat mich Marten kürzlich darauf hingewiesen, dass die Entwickler, wie in vielen Spielen üblich, gewisse Gegenstände als Schrott betitelt haben. Das ist also Loot, den ihr nicht braucht und der eigentlich nur zum Verkaufen da ist. Tatsächlich störe ich mich in vielen Spielen daran, dass diese Items als Schrott bezeichnet werden. Wenn sie wirklich Schrott oder Müll wären, warum kauft sie dann überhaupt irgendjemand?

Ganz davon ab, passt es gerade bei Fallout zu manchen Gegenständen noch weniger als in anderen Spielen. So findet ihr im Laufe des Spiels sicher einmal eine verstellbare Zange. In jedem guten Werkzeugkasten befindet sich so ein Teil und gerade in Zeiten der Not sind universell einsetzbare Gegenstände super. Und ja, die Postapokalypse ist so eine Zeit der Not. Nun haben die Entwickler für aber eben solche Zangen keine Verwendung für den Spieler vorgesehen und sie als Schrott tituliert.

Wie gesagt, viele andere Spiele nutzen den Ausdruck auch, aber gerade in dieser Welt passt es noch weniger auf Werkzeug, das jeder brauchen kann. Einmal logisch nachgedacht und das würde auch jedem Entwickler sofort auffallen. Doch auch hier hat jemand nicht aufgepasst und lieber nach bekanntem Muster gehandelt. Schade, denn auch das beschädigt die Konzeption der Welt.

Zu guter letzt möchte ich noch auf die beliebten Feinde zu sprechen kommen, die nach einem nuklearen Schlag in diesen Welten eingesetzt werden: Mutanten! Leider verkommen Mutanten häufig zu etwas ähnlichem wie Zombies und wollen euch einfach nur fressen, sehen hässlich aus und sind komplett degeneriert. Woran ich mich aber viel mehr störe, ist, dass diese meist auf Säugetiere zurückzuführen sind.

Tatsächlich ist es sehr wahrscheinlich, dass nach einer nukularen Katastrophe vielmehr die Zeit der Insekten kommen wird und diese den Platz der heute vorherrschenden Art (Säugetiere) einnehmen wird. Denn Säugetieren sind aktuell vielleicht überall zu finden und scheinbar sehr anpassungsfähig, aber die Widerstandsfähigkeit finden wir bei Insekten, Arachniden und anderen ähnlichen Tieren.

Weshalb also sehen Mutanten meist aus, wie veränderte Raubtiere, wie es sie heute schon unter den Säugetieren zu finden gibt. Oder was es auch häufig gibt, sind humanoide Mutanten. Dabei ziele ich nicht nur auf Fallout, sondern auch bei beispielsweise Metro sind die meisten gefährlichen Mutanten auf Säugetieren basierend. Es mag zwar sein, dass es auch einige Säugetiere geben wird, doch es fehlen einfach die insektoiden Kreaturen, die nach aktuellem wissenschaftlichem Standard sehr wahrscheinlich die Welt beherrschen werden, vor allem nach einem Atomkrieg.

Noch ein paar abschließende Worte: Dies ist der Start eines Dialogs und ich habe bewusst Platz gelassen, um noch tiefer in die Thematik einzusteigen. Schließlich soll Michael ja auch noch Entfaltungsmöglichkeiten haben. Eventuell bringen wir so Gedanken auf, die wir alleine nicht gehabt hätten.

Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

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