Tipps für LARP-Spieler Teil: Suchen und Finden


Nachdem Thomas, Felix und Marten schon einige Tipps für Spieler geschrieben habe, widme ich mich hiermit der Übertragung ihrer Lektionen vom Spieltisch zum Liverollenspiel. Ich werde mich hiermit auf einige der Inhalte von ihren Artikeln beziehen, daher kann es sich eventuell lohnen, erst diese zu lesen, bevor ihr hier weitermacht.

Erstellung eines Charakters

Anders als am Spieltisch habt ihr deutlich weniger Vorgaben durch ein Regelsystem oder eine Gruppe. Generell seid ihr bei der Erstellung eures Charakters in einer von zwei Situationen: Entweder ihr erschafft ihn im Rahmen einer bestehenden Gruppe oder ihr mehr oder weniger in einem Vakuum. Diese Situationen sind allerdings nicht vollständig entgegengesetzt.

Falls ihr den Charakter für ein bestehendes Gruppengefüge oder einen bestimmten Spielhintergrund erstellt, seid ihr unterschiedlich eingeschränkt. Im DSA-Larp könnt ihr nur Charaktere spielen, welche auch aus diesem Hintergrund stammen. Theoretisch mag das vielleicht nicht so sein, aber wenn ihr euch nicht an den Hintergrund haltet, macht ihr euch erfahrungsgemäß bei den anderen Spielern unbeliebt, da DSA in sich geschlossen ist. Falls ihr den Charakter für zum Beispiel Das Drachenfest erstellt, habt ihr keinerlei Vorgaben was den Hintergrund angeht, ihr erstellt den Charakter also quasi in einem Vakuum.

Falls ihr allerdings eine Gruppe von Mitspielern habt, mit denen ihr zu einer Con geht und dort spielen wollt, seid ihr durch deren Gruppenkonzept eingeschränkt. Wobei eine Einschränkung nicht schlecht sein muss. Als einheitliche Militäreinheit aufzutreten kann sehr cool sein, wenn ihr Spaß daran habt. Die Gruppe gibt euch in diesem Fall einen bestimmten Rahmen vor, in den euer Charakter passen sollte.

So seid ihr im humanozentrischen Mythodea-Ost mit nichtmenschlichen Charakteren eventuell nicht ganz richtig aufgehoben. Genausowenig passt der Adelssprößling in den dreckigen Söldnerhaufen, es sei denn natürlich, genau dieser Konflikt ist (beidseitig!) erwünscht. Daher sollte die Ausrichtung der Gruppe beziehungsweise der Welt immer im Auge behalten werden, zumindest sofern sie relevant ist.

Über die Findung des passenden Charakters

Anders als im Pen&Paper spielt bei der Wahl des Charakters im Larp noch euer eigenes Wesen hinein – und zwar nicht nur körperlich. Zwar stimmt es, dass ich mit meinen 1,95 Meter nie einen Zwerg oder mit meiner Statur und meinem Bart nie einen Elfen spielen sollte, aber tatsächlich geht es noch darüber hinaus. Wenn ihr von Natur aus ruhiger Natur seid, werdet ihr, zumindest am Anfang, kein guter Hassprediger sein. Wenn ihr eher schüchtern seid, könnt ihr keinen Schausteller mimen.

Das ist beim besten Willen nichts was ihr nicht ändern oder lernen könnt, aber anfänglich wird dies für die Meisten sehr schwierig sein. Anders als am Spieltisch müsst ihr euch im Larp die Spielszene nehmen, wenn sie kommt. Ihr kriegt nicht die Gelegenheit vom Spielleiter präsentiert und könnt nicht mangelnde Realkenntnisse durch einen Talentwurf überspielen. All das könnt ihr lernen und irgendwann erreichen. Aber nur weil ihr einen Kleriker spielt, könnt ihr nicht automatisch andere Spieler bekehren. Bleibt also bei einem Charakter, der einigermaßen zu eurer eigenen realen Persönlichkeit passt.

…oder nicht. Gerade im Liverollenspiel habt ihr die Chance, über eure eigenen Grenzen hinauszuwachsen und endlich mal die Sau rauszulassen. Ihr könnt euch also den feinen Schnösel vornehmen, der ihr sonst vielleicht nicht seid. Wenn ihr ein netter Mensch seid, dann spielt einfach mal das Arschloch, das nur an sich denkt. Hasst im Spiele andere, nur weil sie Grüne Haut und Hauer haben. Vergesst dabei nur nie, dass dies auch Spieler sind.

Ihr könnt einen Charakter spielen, der euch in nichts ähnelt, wie auch am Spieltisch. Allerdings ist es beim Larp viel schwieriger als im Pen&Paper, da ihr gerade im Umgang mit anderen darstellen müsst, was ihr euch vorgenommen habt. Ich erinnere mich, dass es für mich schwierig war, einem Menschen, den ich vorher nie gesehen habe, mit Hass und Vorurteilen zu begegnen, nur weil er als Ork angezogen war. Im Gegensatz zum heimischen Spieltisch kennt ihr die Vielzahl der Spieler vermutlich nicht, was es schwierig macht, diesen mit negativen Emotionen zu begegnen.

Einen Tipp gebe ich von Felix aus Tipps für Spieler Teil 1: Wie finde ich den passenden Charakter? weiter, da dieser im Larp genauso funktioniert wie im Pen&Paper:

Macht kleine Schritte. Gebt ein bisschen von euch dazu oder greift auf bekannte Grundmuster zurück und biegt sie dann zurecht. Das macht es für euch am Anfang etwas leichter, falls ihr euch nicht sicher genug für den Sprung ins kalte Wasser fühlt.

Was erwartet euch noch?

In den nächsten Wochen werde ich die anderen Artikel von Felix, Thomas und Marten aufarbeiten, für das Liverollenspiel adaptieren und wo nötig erweitern.

Gerrit Buse

Gerrit Buse

Anglist, Informatiker, Vollzeit-Nerd und Teilzeit-Otaku. Braucht dringend Lagerraum für Miniaturen und Kostüme.
Hauptthemen: Comics, Larp und Bücher

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