Der Drache und das Mädchen


Das Buch Drachenmahr von Robert Corvus beginnt in einer Stadt im Krieg, überrannt von Feinden. Die Bevölkerung hat sich in der Kathedrale über der Stadt versammelt, um für ein Wunder zu beten. Dieses Wunder kommt in der Gestalt eines kleinen Mädchens und ihrer Glasbläserkunst.

Zeitsprung

csm_produkt-11423_ab8ac1530eViele Jahrzehnte später beginnt die eigentliche Geschichte. Man findet sich in der befriedeten Stadt und begleitet die junge Stadtgardistin Zarria, die versucht, sich in ihrem neuen Posten als Leutnant zu behaupten. Die Stadt ist seit dem Krieg komplett von einer Nebelwand eingeschlossen und von der Welt abgeschottet. Wer in den Nebel geht, wird von den Geistern des Krieges in den Wahnsinn getrieben oder getötet.

Das kleine Mädchen Josefa ist fast 100 Jahre alt und die heimliche Herrscherin der Stadt. Sie hat die alte Religion verdrängt und lebt nun in der Kathedrale zusammen mit einem Drachen, der dort von ihr festgebunden und kontrolliert wird. Jede Nacht ziehen die Kinder des Drachen, Draken genannt, aus, um unvorsichtigen Bürgern die schlimmsten Alpträume zu entlocken. Diese nehmen sie in sich auf und gewinnen daraus die magische Energie des Drachen.

Ein Prozess, der die Opfer nicht selten für Tage ins Koma schickt oder gar in den Wahnsinn treibt. Die Patrizier-Familien aus der Vorkriegszeit bilden auch jetzt noch einen Senat, um weiterhin über die Stadt und ihre Bürger mit eiserner Hand zu regieren und die Stadt in diesem realen Albtraum gefangen zu halten.

Gleich zu Beginn geschieht etwas nie Dagewesenes. Geister fallen in einen Wachturm ein, der als Vorposten dient und töten die Gardisten. Ein Vorkommnis das als unmöglich galt.  Kurz darauf kommt es zu einem Mord in der reichsten Patrizier Familie der Stadt und unsere Protagonistin Zarria leitet die Untersuchung. Den Mord an dem Bruder des Patriziers und Anführer der Drachengarde, welche die Draken und die Kathedrale beschützen, kann man schließlich nicht auf die leichte Schulter nehmen. Von hier aus entwickelt sich eine immer spannender werdende Geschichte mit Geheimnissen, Mord, Verschwörung, Drachenmagie und Revolution.

Und was denkt der Sprecher?

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Der zu Recht stolze Autor: Robert Corvus

Corvus erzählt diese Geschichte mit sehr gekonnten Wendungen und viel Spannung. Die Wahl der Ich-Perspektive für Zarria ist hier sehr gelungen und glaubhaft, obwohl ich zugegebener Maßen noch nie ein Fan dieser Variante war. Auch gelingen ihm glaubhafte Dialoge und Beschreibungen von Personen und Orten in und um die Stadt herum. Figuren wirken nur selten zweidimensional und wegwerfbar und an einigen rieche ich die Geheimnisse förmlich. Ich war mir beim Lesen nie sicher, welche Figur vertrauenswürdig ist. Nichts ist Schwarz oder Weiß und jeder ist verdächtig. 

Etwas was mir beim Lesen negativ auffiel, war seine Angewohnheit prophetischer Bemerkungen. Da die Geschichte so geschrieben ist, als ob Zarria sie erzählt, kommt es öfters zu Sätzen a là „Hätte ich gewusst, dass dies unser letztes Gespräch war, hätte ich…“. Dies soll natürlich Zarrias Gefühle und Ansichten ausdrücken, beraubte mich aber oft der Überraschung und Spannung bestimmter Momente und Wendungen. Auch stellte sich bei mir die Erkenntnis, dass die Bürger in ewiger Angst leben, sehr spät ein. So eröffneten sich mir bestimmte Aussagen oder Reaktionen erst nach zahlreichen Seiten als sinnvoll.

Dafür sind Kämpfe glaubhaft, schnell und übersichtlich dargestellt. Nicht einmal fühlte ich mich verloren oder desorientiert, wenn ich mir Räume, Orte oder die ganze Stadt vorstellen wollte. Auch Personen hatten ganz klare Formen und spezifische Wiedererkennungswerte. Wenn eine Figur einen zweiten Auftritt hatte, fragte ich mich nie, wer denn das jetzt nochmal war. 

Corvus führt gekonnt und glaubhaft durch seine Geschichte und liefert ein gekonntes, wenn auch abruptes, Ende. Ja, das Ende fühlt sich schnell und abrupt an. Das könnte man anderen als Negativ vorwerfen, aber hier empfand ich es als passend und gut geschrieben. Wäre es Länger, dann hätte es sich gestreckt angefühlt. Ein Gefühl, das mir persönlich in diesem Werk nie über den Weg lief.

Fazit

Wer ein Fan von Fantasy, Historienkrimis oder glaubhaften weiblichen Figuren ist, bekommt hier von mir eine klare Kaufempfehlung. Auch wer Drachen mag, sollte in dieses Buch reinschnuppern. Aber eine klare Warnung von mir: Drachenenthusiasten werden eher enttäuscht sein von der Quantität der Drachenauftritte, dafür haben diese sehr viel Qualität. Ich bin durch dieses Buch auf alle Fälle gespannt auf Robert Corvus weitere Werke und ein wenig enttäuscht, dass ich nicht früher auf ihn aufmerksam geworden bin. Anzumerken sei noch, dass 2016 seine Schwertfeuer-Saga veröffentlicht wird und ich mir diese auf keinen Fall entgehen lassen werde.

Drachenmahr: Roman

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4.3 von 5 Sternen (17 customer reviews)

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Jakob Rabenhorst

Jakob Rabenhorst

Er zockt, wie es ihm gefällt, und liest sich durch die Welt. Wenn er nicht gerade am PC daddelt oder einen Roman liest, denkt er daran und freut sich darauf.
Hauptthemen: Games, Bücher.

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