Mysterium – Traumcluedo


Kooperative Brettspiele gibt es immer mehr, und eines davon, Mysterium, erfreute sich auf der Spiel’15 besonders großer Beliebtheit. Dabei erschien bereits 2013 das Original unter dem Namen Tajemnicze Domostwo. Wurde das Spiel tatsächlich verbessert?

Ein Mysterium geht um die Welt

MysCoverZwei relativ unbekannte ukrainische Spieleautoren, Oleg Sidorenko und Oleksandr Nevskiy, brachten der polnischen Brettspielcommunity 2012 ein neues kooperatives Brettpiel namens Tajemnicze Domostwo (auf Deutsch in etwa: Das geheimnisvolle Haus). Drei Jahre lang bewegte sich dieser Geheimtipp durch verschiedene Editionen. Nach seiner polnischen Auflage erschien das Spiel auch in Russland, der Ukraine und Italien, außerdem gibt es seit diesem Jahr auch eine Edition für die baltischen Staaten. Wer diese Sprachen nicht spricht, wird nun bei Libellud fündig: Der französische Verlag (bekannt geworden durch Dixit) hat sich des Spiels angenommen und vertreibt es mit neuen Grafiken und überarbeiteten Regeln unter dem westlich klingenden Namen Mysterium in zehn weiteren Spracheditionen.

Wie man mit Verstorbenen kommuniziert…

Mysterium TischGespielt wird mit zwei bis sieben Personen, wobei einem der Spieler eine besondere Rolle zukommt: Er übernimmt die Rolle eines Geistes, und versucht seinen Mitspielern (in den Rollen verschiedener Spiritisten) die Identität seines Mörders mitzuteilen. Allerdings ist der Geist selbst nicht ganz sicher, wer der Täter war, und er hat erst in der finalen Runde Klarheit darüber.

 

 

 

 

Mysterium TäterVorher gibt es lediglich einen Kreis von Verdächtigen. Bis zum Morgengrauen versucht der Geist nun mit Hilfe von Bildern, die er den Spiritisten in Träumen und Visionen zeigt, diesen Kreis einzuengen. Dabei liegen je nach erwähltem Schwierigkeitsgrad mehr oder weniger viele potentielle Täter vor. Der Spieler des Geistes hat nun sieben Runden Zeit, um seinen Mitspielern über diverse Karten mit Bildern, die Identitäten der Verdächtigen, sowie die in Frage kommenden Tatorte und Tatwaffen zu vermitteln. Jeder Spiritist verfolgt dabei seine eigene Konstellation dieser drei Informationen (für zwei und drei Spieler gibt es Varianten). Am Ende jeder Runde können die Spiritisten tippen, wer ihr jeweiliger Verdächtiger ist, die Spieler können sich gegenseitig Hilfestellung leisten, und tippen, ob ihre Mitspieler richtig oder falsch liegen. Wer seinen Verdächtigen gefunden hat, darf in den folgenden Runden versuchen, den Tatort, und schlussendlich die Tatwaffe, herauszufinden. Je schneller man alle drei Informationen beisammen hat, und je öfter man bei seinen Mitspielern korrekt mitgetippt hat, desto mehr Hinweise darf der Geistspieler den Spiritisten in der letzten Runde geben (maximal drei Karten). Mysterium SchirmErst wenn alle Spiritisten ihre Kombination herausgefunden haben, lost der Geistpieler aus, wer der tatsächliche Täter war, und darf nun, abhängig davon wie gut die einzelnen Spiritisten abgeschnitten haben, ein, zwei oder drei Karten als Hinweis geben. In dieser letzten Runde ist es allerdings, im Gegensatz zum Rest des Spieles, verboten, dass die Spiritisten miteinander kommunizieren. Jeder muss für sich raten, wer der Täter war, und seinen Tipp im Geheimen abgeben. Wenn sich die Mehrheit der Spiritisten für die richtige Kartenkombination entschieden hat, hat die Gruppe das Spiel gewonnen.

 

Ein geistreiches Spiel?

TraumkartenMysterium lebt vom Flair und von der Kommunikation der Spieler untereinander. Deswegen empfinde ich das „Wetten“ darauf, ob ein Mitspieler richtig oder falsch liegt, und die letzte Runde, in der die Spiritisten nicht miteinander kommunizieren dürfen, als unpassend. Diese beiden Mechanismen fühlen sich aufgesetzt an, und tatsächlich gibt es diese im Original Tajemnicze Domostwo nicht. Warum also hat man sie eingebaut? Die Gründe dafür kann ich nur vermuten und werde mich deshalb nicht weiter darüber auslassen. Das Artwork der Libellud-Variante wiederum gefällt mir persönlich besser, aber das ist Geschmackssache. Glücklicherweise lässt sich Mysterium aber auch nach den Regeln des Originals spielen. Ein PDF dazu gibt’s hier auf Englisch: https://boardgamegeek.com/filepage/110627/english-rules-tajemnicze-domostwo-mysterium-portal

 

 

Außerdem ist für den Spieler des Geistes das Spielgefühl anders als für die anderen Mitspieler. Es ist ihm verboten, irgendwelche Hinweise außer den Karten zu geben. Abgesehen von der Auswahl der Hinweiskarten besteht der Spaß für diesen Spieler also darin, den anderen beim Raten zuzusehen. Das ist nicht unbedingt für jeden etwas, und sollte demjenigen, der diese Rolle übernimmt, vorher klar sein.

Fazit

Wer Spaß an Kommunikationspielen, Bilderdeutung und schönem Spielmaterial hat, kann bei Mysterium bedenkenlos zuschlagen. Für alle anderen Spieler gebe ich dem Spiel ein unterhaltsam und die Empfehlung, es nach den Originalregeln zu spielen: Denn so kann man es auch seinen Nichtspielerfreunden beibringen, und den einen oder anderen langen Winterabend gemeinsam gut verbringen.

Was bedeutet diese Wertung? Klickt hier und findet es heraus.

Libellud 002955 – Mysterium

Price: EUR 37,61

4.6 von 5 Sternen (82 customer reviews)

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Christian Turkiewicz

Liest bevorzugt Regeln zu Brett- und Rollenspielen. Liebt Bingewatching, hat aber keinen TV-Anschluss.
Hauptthemen: Gesellschaftsspiele, Pen&Paper, Serien

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