Tipps für Spieler – LARP Edition, Teil 3


Einen erstellten und ausgedachten Charakter nun wirklich in eine LARP-Runde zu bringen, stellt im Vergleich zum Spieltisch noch einmal eine ganz andere Art der Hürde dar.

Die Umsetzung des Konzepts, welche Marten, Thomas und Felix in ihrem Artikel diskutiert haben, stellt sich im LARP ebenfalls anders dar als beim Pen&Paper. Die Differenzen und wie ihr damit in den Einzelfällen umgehen könnt, werde ich im Folgenden versuchen, etwas aufzudröseln. Regelsysteme im Liverollenspiel teilen sich in zwei grundlegende Lager: “Klassische Regelwerke”, mit Punkten und Fähigkeiten welche man mit Erfahrungspunkten kauft, und “Du kannst, was du darstellen kannst” oder kurz: DKWDDK. 

Bei den klassischen Regelwerken baut ihr euch zuhause vor der Con euren Charakter zusammen. Nach der Con erhaltet ihr Erfahrungspunkte basierend auf der Dauer der Con (sogenannt Con-Tage). Ein großer Unterschied zum P&P ist allerdings, dass jeder Spieler seine eigenen Erfahrungspunkte nachhält und effektiv seinen Charakter für jede Con neu bauen kann, nur halt jetzt mit mehr Punkten. Zumindest mache ich das so, wenn ich mir mal die Mühe mache, einen Charakterbogen mitzubringen. Bekanntestes Beispiel dürfte hier Dragonsys sein.

In DKWDDK gibt es keine Regeln zur Erstellung des Charakters und auch nicht zum Spielen an sich. Alles wird darüber geregelt was dargestellt wird. Das heisst: Wenn ihr den menschlichen Fernkämpfer spielen wollt, solltet ihr mit eurem Bogen oder eurer Armbrust tatsächlich umgehen können – was bei der durchschnittlichen Schußweite von Larp-Pfeilen aber viel einfacher ist als in der Realität.

Aber was bedeutet diese Unterteilung für die Umsetzung des Konzepts? Letzten Endes überraschend wenig, falls auf eurem Charakterbogen steht, dass ihr Wunden versorgen könnt, solltet ihr das auch darstellen können. Etwas nicht darzustellen, das darstellbar ist, gilt als unheimlich schlechter Ton in LARPer-Kreisen. Die Umsetzung eures Konzeptes ist also von euren eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten abhängig. Das ist aber viel einfacher, als es klingt.

Um einen Kämpfer zu spielen, müsst ihr kämpfen können. Aber niemand hat gesagt, dass ihr gut kämpfen können müsst. Das scharfe Ende gehört in den Anderen und ihr versucht, nicht selber getroffen zu werden. Außerdem nie vergessen, dass eure Waffe in der Realität deutlich schwerer wäre, tragt dem Gewicht also Rechnung.

Falls ihr getroffen werdet, spielt den Treffer aus. Wenig ist so langweilig wie zwei Kämpfer, die sich gegenüberstehen und sich ohne ihre Miene zu verziehen die Lebenspunkte runterschlagen. Ein Tipp von meiner Seite ist, dass ihr euch hier passende Filme anseht. Die Kämpfe sind zwar nicht realistisch, sehen aber gut aus. Und darum geht es im LARP genauso sehr wie um realistische Darstellung.

Ähnlich wie mit dem Kämpfen verhält es sich mit allen anderen Fähigkeiten, die euer Charakter hat: Ihr müsst es darstellen können. Euer Magier muss keine teuren Bühnentricks vorführen, sondern nur so aussehen, als würde er zaubern. Hierzu reichen dramatische Gesten und ein paar Zaubersprüche auf den Lippen. Requisiten, die dann leuchten, Geräusche machen oder Rauch verströmen, sind nicht nötig, werden aber gerne gesehen.

Genauso müsst ihr als Heiler nicht mehr wissen, als ihr über Medizin ohnehin schon aufgeschnappt habt. Gebrochen -> Schienen, Blutet -> Auswaschen und Verbinden; Krank -> Aderlass. ( “Leck-An-Der-Kröte” je nach Konzept ergänzbar).

Das Einzige, das ihr nicht (vollständig) selber darstellen könnt, ist der Stand. Zwar ist der fahrende Ritter ein legitimes Konzept, aber wenn ihr auch nur eine Person habt, die einen Untergebenen oder euren Knappen spielt, holt ihr bei allen anderen Spielern ne Menge Respekt ein. Und die Größe des Gefolges sollte proportional zum Titel mit wachsen.

Ein Paar Worte zum Spiel als und mit Gefolge: Wenn ihr Gefolge(-Spieler) habt, dann sind diese nicht dafür da, um euch den Arsch hinterher zu tragen – schon gar nicht ohne deren explizite Zustimmung. Im Gegenzug seid ihr in der Verantwortung ihnen Spiel zuzuschieben, dafür dass diese Spieler euer Konzept mittragen. Das ist nicht immer ganz einfach, aber mit ausreichend Kommunikation in der Gruppe geht das.

Eine andere Nettigkeit, die ihr als “Häuptling” übernehmen könnt, ist der Abwasch. Da dieser nahezu immer im OT stattfindet, ist das eine Geste, die euch eigentlich nichts kostet.  

Aber natürlich könnt ihr auch im LARP reines Charakterspiel betreiben, komplett losgelöst von Fähigkeiten und der Not, etwas zu können. Reines Ambientespiel kann sehr schön sein, lebt nur meiner Meinung nach davon, dass Charaktere auch etwas erleben, von dem sie erzählen können. Aber ein Neureicher, der jetzt sein Geld verprasst und nichts Produktives tut, kann auch sehr amüsant sein.

Nächstes Mal: Ausrüstung, mit einem Fokus darauf, was einen Charakter vom Umfeld abhebt.

Gerrit Buse

Gerrit Buse

Anglist, Informatiker, Vollzeit-Nerd und Teilzeit-Otaku. Braucht dringend Lagerraum für Miniaturen und Kostüme.
Hauptthemen: Comics, Larp und Bücher

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