Laufbahn eines Rollenspielers: Nukleare Probleme


„Ok, beim letzten Mal waren wir gerade dabei die Schule zu betreten. Also wir sind ja immer noch hinter den Nahrungsmittelvorräten her, um unsere Schuld wiedergutzumachen und zum Vault zurückzukehren. Dank der Voraussetzung, das niemand vorher wusste, was die jeweils anderen für Charaktere erstellen würden, haben wir, wie ich nochmal erwähnen möchte, übrigens drei Wissenschaftler.“
„Zwei Wissenschaftler und einen Pseudowissenschaftler.“
„Hey, ich habe mich verlesen. Das hätte euch auch passieren können.“
„Mir sicher nicht“, warf Björn ein.
„Dann wäre das wichtigste ja geklärt. Ihr betretet also die dunklen Gänge der North High. Eure Schritte hallen in der Eingangshalle wieder, von der sich drei weitere Wege abzweigen…“

„Habt ihr das gehört?“, fragte Mason unsicher, als er versuchte, in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Zwar drang etwas Licht von draußen hinein, aber Staub, Gerümpel und Geröll versperrten alle paar Meter den Weg und so ließ sich nicht feststellen, was in der Ferne vor sich ging. Die Eingangshalle war klein und die Worte der streitlustigen Gruppe warfen ein unheimliches Echo, wenn man genau hinhörte. Das tat aber niemand.
„Also wenn wir zufällig auf einen Robco Roboter stoßen sollten, dann können wir dessen Batterie als Energiequelle für den Schlagstock modifizieren. Die sollte genug Saft haben, um jeden plötzlichen Angreifer außer Gefecht zu setzen.“

„Mein geschätzter Kollege.“, Sarkasmus triefte in jeder einzelnen Silbe, die Cleves aussprach.“Ihr vergesst, dass ein Roboter mit intakter Batterie nicht einverstanden damit wäre, wenn ihr diese zu entfernen versucht. Wir bräuchten also eine Waffe, um an das Bauteil zu bekommen, das wir für eine Waffe brauchen. Ihr seht, wohin das führt?“
„Ich könnte ihn mit Sicherheit hacken.“
„Das wage ich doch arg zu bezweifeln.“
„Ruhe, ich habe gefragt, ob ihr das gehört habt?“
„Was?“, kam es unisono aus zwei Mündern zurück.
 
„Ich glaube, da war ein Geräusch. Etwas, das nicht mit euch zwei Streithammeln zu tun hat. Vielleicht eine Katze. Jetzt ist es auf jeden Fall weg,“ sagte Mason und versuchte zu lauschen. Er hörte nichts mehr und war sich auch nicht sicher, ob er sich das nicht doch nur eingebildet hatte. Die Zeit mit seinen Kollegen nagte langsam an seinem Verstand. Das musste es sein. Diese arroganten Trottel würden ihn noch umbringen.
 
„Nein, ich höre nichts. Vielleicht solltest du mal eine deiner Kristallkugeln befragen“, murrte Björnson. „Wenn ich doch nur eine Kartoffel hätte oder zwei.“
„Nun seid ihr völlig übergeschnappt. Mit einer Kartoffelbatterie könnt ihr niemals genug Strom erzeugen.“
„Wer spricht denn von einer Batterie? Ich habe hunger. Kartoffelscheiben mit Olivenöl, Pfeffer, Salz, Kümmel. Ein paar Minuten im vorgeheizten Backofen; das wäre genau das Richtige.“
„Ich bin sprachlos und fassungslos.“
„Ich wünschte, ihr beide wärt sprachlos“, warf Mason ein und versuchte, seine Worte mit einem Finger auf den Lippen zu unterstreichen.“Hat irgendjemand eine Taschenlampe dabei?“

„Klar, wer wäre schon so dumm ohne Taschenlampe aufzubrechen?“, fragte Björnson und kramte in einer Ledertasche, die mit allerlei kleinen Werkzeugen gefüllt war. Mason wusste, das es sich dabei um Dinge handelte, mit denen man feinste Arbeiten an Computern und deren Hardware vornehmen konnte. Schließlich kramte Björnson eine Lampe hervor, die mit einem Kabel an einen kleinen Kasten mit einer Kurbel verbunden war. Der Techniker befestigte den Kasten an seinen Gürtel und begann die Kurbel zu drehen, bis die Lampe schließlich leuchtete.

„Die scheint mir ein bisschen klein zu sein“, warf Mason ein. „Wenn du eine größere hast, steht es dir frei, sie rauszuholen.“
Alle drei sahen sich peinlich berührt an, bis Björnson sich räusperte. „Ich habe das so nie gesagt.“
„In Ordnung. Wir müssen von hier aus zur Mensa. Dort müsste sich das Lager für die Nahrungsmittel befinden und von denen nehmen wir so viele mit, wie wir tragen können. Das wird ein Kinderspiel.“

„Allerdings, ich habe mich schon gefragt, warum das nicht schon vor uns jemand gemacht hat. Ich meine, die Jungs die auf die Erkundungsmissionen geschickt werden, das sind echt harte Burschen“, sagte Mason, der sich der Sache nicht ganz so sicher war.
„Ich habe gehört, der hat einen Roboter im Ringkampf besiegt. Der soll Muskel wie Bowlingkugeln haben. Da hätte ich ja zu gerne mal zugesehen“, warf Björnson ein.
„Also, wenn hier ein Lager voller Konserven auf uns wartet, dann wäre doch jemand wie Malcolm oder dieser Brad, ihr wisst schon, der einem Raider auf 50 Meter Entfernung das rechte Ohrläppchen wegschießen kann, schon längst hier gewesen, um es für den Vault zu plündern.“
 
„Natürlich. Das ist ein Trick.“, sagte Cleves mit aller Verachtung, die er in seine Stimme legen konnte. Jetzt wartete er wie eine Viper darauf, dass die anderen Fragen würden und er wurde nicht enttäuscht. „Was für ein Trick?“, brach es aus Mason hervor, während Björnson sich auf die Lippe biss, um seine Neugier zurückzuhalten. Er wollte nicht wie ein Schuljunge von Cleves belehrt werden.

„Das ist doch eindeutig. Malcolm oder Brad oder einer der anderen haben hier ein paar Vorräte versteckt, damit sie Leute wie uns bestrafen können. Die Sache ist doch ganz einfach. Wir, oder zumindest ich, bin viel zu wichtig, um für den Vault verloren zu gehen. Also stellt man eine vermeintlich gefährliche Aufgabe und inszeniert ein kleines Abenteuer. Dabei ist dieses Gebäude schon längst gesichert und geplündert worden. Wir müssen einfach nur zum Lager, die vorsorglich hinterlegten Vorräte einsammeln und uns bei der Rückkehr reumütig zeigen. Am besten machen wir uns gleich an die Arbeit. Hier sind drei Gänge. Einer für jeden von uns. Das ist schon beinahe ein bisschen zu offensichtlich.“

„Ich weiß nicht, wie es dir geht“, sagte Björnson zu Mason. „aber wir haben nur eine Taschenlampe und ich glaube, es ist besser, wenn wir zusammen laufen.“
„Schnickschnack. Es scheint noch genug Licht durch die Fenster und wir haben noch etwas Zeit, bis es zu Dunkel ist, um etwas zu sehen. Wenn wir uns aufteilen, sind wir sicher viel schneller fertig mit der Aufgabe“, sagte Cleves und ging entschlossen nach in den Gang zu seiner rechten. Er stieg über einen umgefallenen Schrank und zwängte sich an mehreren Balken vorbei, die von der Decke ragten.

Mason und Björnson warteten eine Weile, bis Cleves ausser Sicht und hörweite war. „Wir bleiben doch zusammen, oder?“
„Auf jeden Fall.“

Lukas Kebel

Lukas Kebel

Hat sich schon in früher Kindheit mit Rollenspiel infiziert und gilt als Überträger der Stufe 12. Sammelt nun EP in der Prestigeklasse Artikelknecht.
Hauptthemen: Pen&Paper, Games

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