Tipps für Spieler – LARP Edition, Teil 4


Ist es beim Pen&Paper nützlich sich intensiv mit der Ausrüstung des eigenen Charakters zu befassen, ist es im LARP unabdingbar. Letzten Endes ist eure Ausrüstung das, was euren Charakter ausmacht, eventuell sogar noch mehr als ihr selbst es tut. Nicht umsonst verbringen manche Spieler mehr Zeit mit dem Herstellen ihrer Ausrüstung als mit dem Tragen derselben. Doch wie geht man an so etwas ran?

Die Ausrüstung, oder Gewandung wie LARPer es bevorzugt nennen, ist in der Regel das Erste, womit ihr mit anderen Spielern in Kontakt tretet. Ihr werdet schließlich früher gesehen als gehört, zumindest meistens. Daher sollte euer Charakter eindeutig an der Gewandung zu erkennen sein, ob nun durch die Farben, den Schnitt, den Hut oder bestimmte Accessoires.

Den einfachsten Anfang habt ihr bei der Konzeption, wenn ihr schon in eine Gruppe integriert seid. Häufig gibt es dort Wappen(-farben), die aufgegriffen und eingebaut werden können, und euren Charakter für andere Spieler direkt in einen Kontext bringen. In manchen Fällen, wie zum Beispiel das Ork-Lager auf dem Drachenfest oder viele NSC-Fraktionen auf dem Conquest, gibt es ausführliche Style-Guides für Spieler, an welche ihr euch halten müsst, um in der Gruppe aufgenommen zu werden. Dies ist zwar potentiell deutlich arbeitsintensiver als freie Gestaltung der Gewandung, führt aber zu einem sehr stimmigen Gesamtbild der Gruppe und der Charaktere.

In den meisten Fällen sind neue Charaktere aber nicht in so feste Vorgaben eingebettet. Daher folgen hier mal drei Konzepte und wie ihr diese umsetzen könnt. Eines ist jedoch für alle Charaktere im LARP unabdingbar: festes Schuhwerk! Keine Verletzung ist auf Cons häufiger als vestauchte Knöchel und nichts ist ärgerlicher, als sich am ersten Tag den Knöchel zu verstauchen und dann die Con aussitzen zu müssen.

Konzept 1: Der Kämpfer

Waffe(n) und Rüstung, Hauptbestandteil jedes P&P-Kämpfer-Charakters, sind im LARP größtenteils Geschmackssache. Ja, wer Platte trägt, hat mehr Trefferpunkte, aber der schleppt halt auch Kiloweise Metall mit sich herum. Daher seid ihr hier sehr frei. Wozu ich rate ist ein Helm. Helme lassen jeden Charakter militärischer aussehen. Bei Waldläufer-Charakteren passt dieser allerdings zum Klischee, daher kann er dort am ehesten fehlen, ohne dass der Charakter “unrealistisch” wirkt.

Bei der Kleidung empfehle ich robuste und einfache, je nach Konzept auch verschlissene, Klamotten. Auch bei Konzepten wie Rittern sind auf Kampf-Cons, also quasi “im Feld”, einfache oder “alte” Sachen angemessen. Es muss funktionieren, nicht schön sein, aber sollte nicht heruntergekommen sein. Als Kämpfer ist eure Ausrüstung euer Leben. Ganz gleich ob als heruntergekommener Söldner oder als wohlhabender Ritter, ihr steht und fallt damit, dass eure Ausrüstung in Schuss ist. Als Ritter solltet ihr natürlich in euren Wappenfarben ausgestattet sein, eventuell auch einfach durch einen Stoffbezug für euren Schild, idealerweise aber durch einen Wappenrock, sofern dieser zum Konzept passt.

Konzept 2: Der Heiler/Feldscher

Heiler sollten in der Regel praktische Kleidung tragen. Enge Ärmel, die nicht im weg rumschlabbern, Röcke die nicht zu lang sind und ähnliches. Hinzu kommen Taschen für Werkzeug, Verbände und Salben oder Heiltränke. Eine der besten „Heilmethoden“, die ich einmal erlebt habe, war eine Heilerin, welche mir eine Weingummi-Eidechse über den Mund hielt und sagte, ich solle am besten zuerst den Kopf abbeißen, bevor diese mir in die Zunge beißt, das wäre gesund. Nicht gerade normal, aber amüsant. Trotzdem muss bei allen Heilmitteln immer gefragt werden, ob der Patient dieses OT verzehren will. Hier sollte auch die Hygiene im Blick behalten werden.

Eines der effektvollsten Gewandungsteile für Heiler ist eine Schürze, die für die Arbeit angelegt wird – bestenfalls mit eingetrocknetem Kunstblut, der Patient soll schließlich Angst kriegen. Vielleicht ist er dann beim nächsten Mal schlau genug, sich nicht verletzen zu lassen. (Hier zynisch-resigniertes Lachen von Heilern einspielen)

Konzept 3: Der Magier und der Priester

Viel von dem, was für Magier gilt, gilt auch für Priester. Auf die Unterschiede gehe ich später ein.

Beim Magierspiel solltet ihr nach der Gewandung, welche sich an einem Magier-Image nach Wahl orientieren kann, das Augenmerk auf eure Zauberkomponenten richten. Viele Systeme und Settings setzen bestimmte Gegenstände zum Zaubern bestimmter Zauber voraus. Daher benötigt ihr diese, um die Zauber darzustellen.

Darüber hinaus sind euch beim Magier nur Grenzen durch eure technischen Fähigkeiten gesetzt. Gaskartuschen für den Windstoß, beleuchtete Kleidung für die Magische Rüstung, Soundwürfel in Gürteltaschen. Alles ist machbar, wenn ihr entsprechend Zeit und Arbeit reinsteckt. Gerade der Bereich LED ist sehr Dankbarfür solche Projekte, da er relativ einfach zu bewerkstelligen ist.

Was für den Magier seine Komponenten sind, sind für den Priester die Symbole seines Glaubens. Auch diese können gut mit Hilfe von Beleuchtung ergänzt werden. Schließlich ist das leuchtende Symbol des Glaubens als Bild recht präsent.

Bei der Gewandung könnt ihr euch sowohl an gängigen Darstellungen von Klerikern aus bekannten Rollenspielsystem als auch an reelen Vorlagen orientieren. Wobei ihr euch hier nicht nur am Römisch-katholischen Ornat orientieren solltet. Auch die Orthodoxe Kirche, der Buddhismus oder Shintoismus können als Referenz dienen. Oder ihr greift euch Vorbilder aus der Geschichte und sucht beispielsweise nach Abbildungen von Priestern des Zeus oder der Isis.

Accessoires können eurem Charakter optisch den letzten Schliff geben oder unnützer Klimmbimm sein. Die Grenze ist da leider nicht wirklich festzulegen. Passend sind nahezu immer Anhänger und Halsketten, da diese in der Regel gut sichtbar und daher spielrelevant sind. Die genaue Natur dieser Sachen ist dabei variabel, es kann ein Symbol des Glaubens oder ein Talisman gegen Hexen, Orks oder Kaninchen sein – vor was auch immer euer Charakter sich fürchtet. Oder es kann bei wohlhabenderen Charakteren eine Amts- oder Prunkkette sein. Ganz abgefahren wäre natürlich, wenn es einfach nur Schmuck ist.

Ein letztes Wort noch: Dreck ist dein Freund! Ich erinnere mich an ein Gespräch zwischen einem Praiosgeweihten und einem Spieler: Spieler: „Euer Gnaden, eure Robe ist dreckig!“ Geweihter: „Ja, die Straße ist ja auch schlammig.“

Eure Sachen werden dreckig , wird eure Jeans ja auch wenn ihr ins Gelände geht. Ihr müsst eure Sachen nicht penibel sauber halten. Ja, da steckt eventuell mehr Geld drin, als in eurer Straßenkleidung, aber es ist dann doch irgendwie komisch, wenn jemand ohnmächtig ist, aber noch steht, weil der Wappenrock nicht dreckig werden soll.

Reinigt eure Sachen wenn sie gereinigt werden müssen: Niemand will, dass euer Gambeson nie gewaschen wird, weil das „authentisch“ ist. Aber es ist halt auch bescheuert im LARP zu erwarten, dass jeder immer wie aus dem Ei gepellt aussieht.

Gerrit Buse

Gerrit Buse

Anglist, Informatiker, Vollzeit-Nerd und Teilzeit-Otaku. Braucht dringend Lagerraum für Miniaturen und Kostüme.
Hauptthemen: Comics, Larp und Bücher

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