Tipps für Spieler – Larp Edition Teil 5


Was die Ausarbeitung der Hintergrundgeschichte eines LARP-Charakters angeht gibt es einige Unterschiede zum Pen&Paper, zum besseren Verständnis empfehle ich hier die Lektüre des Original Artikels von Marten, Felix und Thomas. An deren Strukturierung werde ich mich auch bei diesem Artikel orientieren. Wie also arbeitet man die Hintergrundgeschichte eines LARP-Charakters aus?

Ein Aufschreiben des Hintergrundes kann nützlich sein, ihr solltet aber bedenken, dass ihr im Spiel nicht dazu kommen werdet, diesen nachzuschlagen. Unerlässlich ist es jedoch, spontane Erfindungen im Spiel nachher einzutragen. Und sei es nur, damit ihr euch nicht später selber widersprecht.

Dennoch sollte angemerkt sein, dass euer Charakterhintergrund in LARP weniger relevant ist als im P&P. Ein Spielleiter kann für seine 4-6 Spieler recht gut die Hintergründe einbinden. Eine Con-Orga hat es bei zwischen 30 und 120 Spielern ungleich schwieriger. Von Großcons ganz zu schweigen.

Daher zunächst die einfachste Option: Kein Hintergrund. Überlegt einmal, wann das letzte Mal in einem Gespräch mit einem Fremden oder neuem Bekannten relevant war, wo ihr aufgewachsen seid oder auf welcher Schule ihr wart. Zwar sind das gängige Themen beim kennenlernen, sie stehen auf Cons aber meistens hinter den akuten Problemen zurück. Problematisch wird es erst, wenn ihr etwas zu eurem Hintergrund gefragt werdet und keine Antwort habt. “Habt ihr Geschwister?” “Öööööh….”

Background aus Charakterwerten

Ist im LARP eher irrelevant, da Charakterwerte ohnehin nur eure eigenen Darstellungsmöglichkeiten abbilden. Wenn auch in unterschiedlichen Abstraktheitsgraden. Trotzdem sollten einige der Werte im Hintergrund verankert sein. Woher kann der Charakter schmieden? Wo hat er die Magie gelernt? Wie ist sie zum Waffenhandwerk gekommen?

Ausrüstung

Der Ausrüstung einen Hintergrund zu geben ist im LARP eine gute Idee, schließlich handelt es sich um reale Gegenstände und nicht nur um Notizen auf einem Blatt. Wobei zu beachten ist, dass euch seltenst jemand nach diesem fragen wird. Aber eine ungwöhnliche Waffe lässt sich gut als Erbstück oder Beute erklären und so bei einem sonst unpassendem Konzept unterbringen.

Hier sei auch einmal darauf hingewiesen, dass es über den Hintergrund der Ausrüstung auch möglich ist, um Körperliche Einschränkungen herumzukommen. So könnte ich, mit meinen 1,95, mich wie ein Zwerg kleiden, weil mein Charakter aus einem zwergisch dominierten Gebiet kommt oder es ein Geschenk von Zwergen war.

Tatsächlich kommt man über ungewöhnliche Ausrüstungsgegenstände fast am häufigsten ins Gespräch über den Hintergrund, da dies nicht allzu aufdringlich wirkt.

Gesinnung und Glaube

Solltet ihr vorher festlegen, schon alleine, weil diese Dinge eine gewisse Konstanz für diejenigen anderen Spieler bietet, welche regelmäßig mit eurem Charakter zu tun haben. Wobei sich diese Dinge im Spiel ändern können. Ihr könnt aber auch zwischen zwei Cons euren Glauben wechseln, wobei dies einige Leute wundern könnte, falls ihr vorher anderen Glauben bespielt habt. Sollte dies aber bisher kein nennenswertes Thema gewesen sein, ist es gänzlich unproblematisch.

Abrundung des Charakters

Hier zitiere ich mal Thomas,der es gut beschreibt: “Welche Hobbys hat der SC und wie wichtig sind sie ihm? Hat er seltsame Eigenarten oder Ticks? Verschrobene Ansichten zu bestimmten Dingen, die nicht der Norm entsprechen? Nehmt einfach mal ein paar Figuren, die ihr aus Buch Film und Fernsehen liebt, und überlegt euch, was diesen so sehr am Herzen liegt. Meist haben sie bestimmte Eigenschaften oder Ticks, die sie auszeichnen, wie zum Beispiel Murdock und Mr. T. vom A-Team. Gerade diese Dinge wie die Flugangst von Mr. T. machen den Charakter glaubhaft, sympathisch und verleihen ihm einen Wiedererkennungswert. “

Ergänzend ist zu erwähnen, dass diese Ticks auch relevant sind: Flugangst ist zum Beispiel eher ungünstig, nicht nur weil es im Fantasy-Setting eher selten vorkommt (wobei die Erklärung einer Hexe sie könne zwar fliegen, hätte aber Angst davor schon eine gute Ausrede dafür ist, es nicht darzustellen) sondern weil es auf Cons nicht vorkommt, ähnliches bei Meeresangst. Nehmt also Hobbies, die darstellbar sind: Schnitzen, sticken, malen, dichten etc.

Geheimnisse

Kann man haben, lohnen sich aber nur, wenn ihr dafür sorgt, dass andere es auch herausfinden können. Dokumente im Zelt sind dafür nicht so gut, da die meisten Spieler nicht einfach die Zelte anderer Spieler durchsuchen. Sich betrunken zu verplappern bietet da eine bessere Gelegenheit. Ansonsten kann man hier im Forenspiel anknüpfungspunkte bieten.

Persönliche Ziele

Sollten im LARP eher ganz allgemein (“Machtgewinn” z.B.) oder sehr spezifisch für eine Con(-Reihe) gefasst werden (“Töte Firin Krähensang” fürs Conquest). Es sollten halt Sachen sein auf die man entweder auf jeder Con hinarbeiten kann oder die für die aktuelle Con geeignet sind.

Idealerweise sucht ihr euch Ziele aus, in die ihr andere einbinden könnt. So sorgen sie nicht nur für Spiel für euch, sondern auch für andere.

Charakterentwicklung

Hier habt ihr sehr wenig Einfluß drauf. Ihr könnt aber immer entscheiden, wie euch ein Ereignis beeinflusst und ob es euch überhaupt beeeinflusst. Statische Charaktere können in einer Gruppe ein guter Ruhepol sein, an den man sich immer wenden kann und wissen kann in welche Richtung er reagieren wird. Andererseits bieten sich oft durch Veränderungen mehr oder andere Spieloptionen.

Häufig ist auch die Veränderung selbst das was interessant zu spielen ist.

Gerrit Buse

Gerrit Buse

Anglist, Informatiker, Vollzeit-Nerd und Teilzeit-Otaku. Braucht dringend Lagerraum für Miniaturen und Kostüme.
Hauptthemen: Comics, Larp und Bücher

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden