Bereit die Welt zu retten (oder zu zerstören)?


Keine Lust mehr auf klassische Fantasy MMORPGs? Wollt ihr vielleicht mal euren eigenen Superhelden oder Schurken entwerfen und zusammen mit Freunden über Dächer springen, um den nächsten Banküberfall zu verhindern?

Die Arkham-Reihe hat bewiesen, dass Superheldenspiele nicht unbedingt eine billige Produktion passend zum aktuellen Film sein müssen, sondern durchaus sehr gutes Gameplay hervorbringen können. Da wir aber nicht nur immer allein vor unserem PC oder unserer Konsole sitzen wollen, möchte ich heute die beiden Onlinespiele DC Universe Online (2011 erschienen) und Champions Online (nur auf Englisch 2009 erschien) vorstellen, die beide weitestgehend kostenlos spielbar sind.

Der Charakter

24200_screenshots_2015-02-22_00001In DC Universe beginnt die Charaktererstellung mit dem gewünschten Geschlecht, Körperform und Kräften. Männern ist es möglich, zwischen athletischen, mageren und kräftigen Körperbautypen zu wählen. Frauen hingegen können sich nur zwischen unterschiedlichen Körpergrößen und Brustumfängen entscheiden.

Die Fähigkeiten des Charakters, also sozusagen seine Klasse wird aus zwei Paketen zusammengebastelt. Ihr müsst euch für eine Waffe entscheiden, die eure Figur trägt: Einhändig, Hand-Blaster, Bogen, Faustkampf, Beidhandpistolen, Beidhändig, Kampfkunst, Gewehr, Stab, Zweihändig und Schild (nur mit DLC vorhanden).

Und ihr müsst euch für eure Kräfte entscheiden: In der kostenlosen Version habt ihr die Wahl zwischen Feuer, Eis, Geisteskraft, Natur, Zauberei und Geräte. Durch DLC’s oder einzelne Freischaltung können noch die Kräfte Licht, Blitz, Zorn und Erde erworben werden.

Die Kombinationen sind komplett frei wählbar. Dadurch ist es möglich, Charaktere zu erschaffen, die sowohl im Nahkampf als auch im Fernkampf optimal zu spielen sind.

Als letztes kann sich der Spieler eine Reisefähigkeit aussuchen. Dabei kann man sich zwischen Supertempo, Fliegen und Akrobatik entscheiden.

Meine Figur besitzt die Kräfte Geisteskraft, die Waffe Beidhandpistolen und nutzt Akrobatik als Fortbewegung.

Zusätzlich zu den drei Paketen, die in keinster Weise die Story beeinflussen, legt der Spieler fest, ob er einen Helden oder Schurken spielen möchte. Hat er seinen Weg gewählt, sucht er sich einen Mentor.

Auf der Heldenseite hat man die Wahl zwischen Wonder Woman, Superman und Batman und auf der Schurkenseite Joker, Lex Luthor und Circe. Ehrlich gesagt beeinflusst der Mentor das Geschehen eigentlich nur mit einzelnen Quest und ist eben derjenige, der euch oft anruft.

Also sucht euch jemanden, bei dem ihr kein Problem habt, wenn dieser euch das Ohr abkaut.

Meine werte Dame, die ich erschaffen habe, ist ein Schurke und hat sich Joker als Mentor erwählt.
Sind die Grundlagen festgelegt, beginnt die optische Gestaltung. Das Spiel bietet einige Vorlagen, die an berühmte Persönlichkeiten angelehnt sind, aber diese müssen wir nicht nutzen.

Gesichtszüge sind leider nicht allzu schön animiert, daher empfiehlt sich bei der Gestaltung fast immer eine Maske. Gestalterisch lässt sich bei dem Spiel einiges umsetzen, aber eben auch nicht alles.

Ich selber habe versucht, bei meinem Kostüm Vector aus Resident Evil Racoon City nachzuempfinden. Mit dem Endergebnis bin ich ganz zufrieden, auch wenn ihn vermutlich nicht alle in meinem Superschurken wiedererkennen werden.

Das Spiel bietet die Möglichkeit, auch ein paar ausgefallene Charaktere zu erschaffen. Über den Bereich Haut können verschiedene Tierhäute gewählt werden, die den Kopf ebenfalls beeinflussen oder es kann eine Diamantenhaut gewählt werden.

Ich bevorzuge jedoch eher die normalen Sachen, da ich mich einerseits wie bereits oben erwähnt für eine Paketzusammenstellung entschieden habe, die eher in Richtung Held/Schurke ohne Superkräfte geht (die Geisteskräfte mal abgesehen) und weil ich leider finde, dass die Optik bei vielen Optionen zu schlecht ausfällt.

Während des Spiels können übrigens weitere Kostümteile freigespielt werden. So habe ich mit meiner Heldin Scarecrows Hut freigespielt, indem ich diesen in einem instanziierten Bereich besiegt habe. Der Hut passt zwar eigentlich nicht zum restlichen Charakterkonzept. Tragen tue ich ihn aber dennoch.

 

In Champions Online fängt die Erstellung des Charakters bereits ganz anders an: Wir können nur einen Helden spielen. Schurken sind uns verwehrt.

Nach der Wahl des Geschlechts wählen wir einen Archetyp. Also unsere Klasse. Als kostenloser Spieler ist unsere Wahl leider sehr eingeschränkt: The Behemoth, the Blade, the Glacier, the Grimoire, the Inferno, the Marksman, the Mind, the Radiant, the Soldier und the Unleashed. Sind wir bereit, für das Spiel zu bezahlen, haben wir die Wahl zwischen mehr Archetypen und wir können uns selber etwas aus allen Fähigkeiten zusammenstellen. Dabei ist es sogar möglich, die Farben der Fähigkeiten auszuwählen.

Ich selber habe mich für die Eisfähigkeiten entschieden. Warum genau weiß ich eigentlich nicht mehr. Erst im Spiel erweitern wir unsere Fähigkeiten um eine Reisefähigkeit. Wieder sind wir als kostenloser Spieler sehr eingeschränkt: Akrobatik, schneller Laufen, Fliegen, Athletik, Hochspringen und ein Jetpack.2016-01-12_00002

Kaufen wir uns eine bestimmte Fähigkeit frei oder sind ein Gold Member, bietet das Spiel weitaus mehr. Wir können wie Spiderman schwingen, auf Regenbogen gleiten und und und….

Meine bevorzugte Reisefähigkeit ist die Akrobatik, da sie hohes Springen und schnelles Laufen kombiniert. Obwohl ich mir bei manchen Gebäuden wünschen würde, ich hätte fliegen gewählt. Denn Achtung: Im Gegensatz zu DC Universe Online gibt es hier Fallschaden.

Nun aber zur optischen Gestaltung, denn diese ist in Champions Online einfach nur der Hammer: Es sind einem kaum Grenzen gesetzt. Den Körperbau können wir über verschiedene Regler gestalten und auch beim Gesicht legen wir selbst Hand an. Haben wir einen Archetyp mit Waffen gewählt, können wir das Aussehen dieser ebenfalls selber bestimmen.

Leider sind viele Sachen wieder nur Spielern zugänglich, die bezahlen, aber auch so bietet das Spiel genügend Möglichkeiten

Wir bereits erwähnt sind wir darauf beschränkt, ein Held zu sein. Das hat aber einen guten 9880_screenshots_2016-01-15_00001Grund: Ab Stufe 25 erschaffen wir unseren eigenen Nemesis. Unseren eigenen Doktor Doom, Joker oder was auch immer. Wir wählen aus einem Paket von Schergen aus, die ihn begleiten. Legen seine Kräfte fest und haben die Wahl zwischen drei Charaktereigenschaften, welche die Dialoge beeinflussen. Und das Beste ist, wir können ihn mit dem gleichen Editor bauen, wie unseren Helden.

Es sind auch damit fast keine Grenzen gesetzt, wie ein Freund von mir bewiesen hat, als er sich Lord Voldemort als Nemesis nachbaute. Mein Nemesis ist irgendwie eine Mischung aus Darth Revan, Reaper aus Overlord und irgendetwas Eigenem. Wer sich mal einen Eindruck verschaffen möchte, was alles möglich ist, sollte sich ein paar Youtube-Videos anschauen, in denen versucht wird, berühmte Helden und Schurken nachzubauen.

 

Der Ablauf

In DC Universe stolpern wir von einem Auftrag in den Nächsten. Diese gehen meist als Anruf unseres Mentors ein. Ein Auftrag enthält oft drei kleinere Quest und einen folgenden instanziierten Bereich. Sind wir auf der Heldenseite, müssen wir wehrlose Bürger aus brenzligen Situationen retten. So vertraut uns Batman am Anfang bereits die Aufgabe an, Scarecrow zu verfolgen und den Menschen zu helfen, die von dem Angstgas geschädigt wurden.

Als Schurke haben wir eher mit der Polizei zu tun. Jedoch gibt es auch Quests, die für beide Seiten zugänglich sind. Als Bane Ärger in Gotham macht, passt es keinem der Mentoren. Also egal, wer euch unter seine Fittiche genommen hat, ihr werdet euch mit Bane anlegen müssen. (Warum habe ich mir noch mal eine kleine zierliche Frau gebaut?)

24200_screenshots_2015-03-01_00003In den instanziierten Bereichen trefft ihr dann auf den „gewünschten“ Gegner. Selten steht ihr dem Schurken oder Helden allein gegenüber: Eure Mentoren sorgen sich anscheint manchmal um euer Wohlergehen, denn sie schicken euch oft jemanden vorbei, der euch zumindest im Endkampf unterstützt. Manchmal bemühen sie sich sogar selbst zu euch, wenn es um ihren Erzfeind geht. Ihr glaubt doch nicht, dass Joker sich die Show stehlen lässt.

Zum Großteil kann man sich über die Besuche jedoch nur freuen, denn wenn ihr nicht stark genug seid, kann euch Killer Croc oder Nightwing auch nicht gegen Bane helfen. Wenn ihr gerade keine Lust auf Quest habt, habt ihr noch die Möglichkeit kleine Wettrennen in Gotham oder Metropolis zu absolvieren. Die Wettrennen ändern sich nach eurer Reisefähigkeit. Leider lauft – oder fliegt – ihr nur gegen die Zeit an.

Außerdem könnt ihr auf der ganzen Karte Aufzeichnungen von verschiedenen Helden und Schurken sammeln. Habt ihr fünf gesammelt, schickt ihr diese automatisch ab. Seid ihr ein Held und habt die Aufzeichnung von zum Beispiel Riddler gesammelt, schickt ihr diese an Batman; seid ihr ein Schurke, gibt er diese Riddler zurück, damit sie nicht in falsche Hände geraten. Irgendwann erhaltet ihr eine Dankesmail und ein kleines Geschenk.

Kleine Nebenquests finden sich als gelbe Ausrufezeichen in der Nähe der Hauptquestlinie. Außerdem gibt es noch Erkundungsaufgaben und Missionen in denen ihr bestimmte Gegner auf der Welt finden und besiegen müsst. Diese Gegner sind für Gruppen konzipiert. Netter Vorteil: Seid ihr nicht in einer Gruppe und helft anderen im Kampf, bekommt ihr dennoch eine Belohnung.

Während ihr so questet, levelt ihr natürlich und müsst dementsprechend skillen. Für jede am Anfang gewählte Fähigkeit (Waffe, Kräfte, Reisefähigkeit) habt ihr einen eigenen Baum. Ab Level 10 schaltet ihr je nach Wahl eurer Kräfte eine klassische Rolle frei.

 

In Champions Online gibt es das berühmte gelbe Ausrufezeichen- und Fragezeichensystem. Ähnlich wie bei DC Universe folgt nach mehreren kleinen Quests ein instanziierter Bereich mit Endgegner.

Das Ganze wird oft mit netten Comicvideos unterlegt und euer Name bleibt den Schurken nicht9880_screenshots_2014-10-22_00001 unbekannt. Viele Sachen sind vertont, nur euer Nemesis verständigt sich über Sprechblasen.

Besonders schön sind längere instanziierte Missionen, die in mehrere Parts unterteilt sind und mit einer meist kosmetischen Belohnung locken. Dabei solltet ihr beim Gruppenspiel darauf achten, wen ihr als Teamleiter habt, denn nach seinem Level richtet sich die Stärke der Gegner.

Es empfiehlt sich im Übrigen, diese Missionen zumindest zu zweit zu machen, da die Bosskämpfe doch oft ziemlich knifflig ausfallen. Mein persönlicher Favorit ist eine kleine Geschichte in Kanada, die an den Film The Thing angelehnt ist. Plant übrigens viel Zeit für diese Missionen mit ein, den sie können schon mal je nach Teamgeschick ein paar Stunden in Anspruch nehmen. Solltet ihr die Mission zeitlich dann doch mal nicht schaffen, ist das nicht schlimm: Das Spiel ist so gütig und speichert zwischen.

Hinzukommen Alerts (also Dungeons) und die Nemesis-Questreihe, die euch beim leveln unterstützen. Auch hier gibt es natürlich Skillbäume, die sich nach euren Archetypen richten und von mir gerne vergessen werden.

 

Die Welt

DC Universe Online orientiert sich, welch Überraschung, an den DC Comics. Wir treffen bekannte Charaktere und man freut sich, mit Level 30 endlich Arkham Asylum betreten zu können. Doch, um ehrlich zu sein, fühlt sich die Welt nicht ganz stimmig an. Wir sind nur irgendwer, der für irgendwen arbeitet und eigentlich unwichtig. Quasi der 0815 Handlanger, der hin und wieder eine Dankesmail bekommt (oder im Falle von Scarecrow werden wir sogar noch angeschnauzt, dass wir überhaupt wagen, können seine Unterlagen anzufassen).

Gut sind wir eben nur irgendwer, immerhin möchte man die Helden und Schurken im DC Universum nicht abwerten, aber diese ganzen Anspielungen sind dann doch zu viel des Guten. Wie oft muss ich mir den noch anhören, dass Bane derjenige war, der Batman das Rückgrat gebrochen hat. Spätestens beim zweiten Mal habe ich es verstanden.

Und warum zum Henker, muss ich eigentlich zum Leveln andauernd zwischen Gotham und Meteropolis hin und her reisen. Hat mein Mentor nicht genug eigene Sorgen in seiner Stadt? Und warum kann mich eigentlich jeder Idiot auf meinem Handy anrufen? Hat Joker die Nummer online gestellt? Würde zumindest erklären, warum jeder weiß, dass ich für ihn arbeite. Vielleicht hat er es ja auch getwittert.

Ein weiterer Punkt, der mich stört ist, wenn Joker möchte, dass ich Mister Freeze bestehle und damit seine Frau töte, warum darf ich mich nicht dagegen entscheiden? Warum kann ich Quests für Scarecrow erledigen, nur damit Joker mir Stunden später erzählt, ich muss jetzt gegen Scarecrow kämpfen. Dabei hat mich dieser viel besser bezahlt. Kann ich nicht selber mal eine Entscheidung treffen? Vermutlich nicht umsetzbar, wenn das Problem nur eine Seite betrifft. Denn auf Heldenseite gibt es diese Problematik nicht, da hat sich jeder lieb.

Dennoch liebe ich es, wenn ich aus meinem geheimen Unterschlupf (DLC notwenig) heraustrete und höre, wie der Regen auf Gothams Straßen herunterprasselt. Vielleicht liegt es an den ganzen Arkham-Spielen, aber ich fühle mich auf befremdliche Art und Weise in Gotham zu Hause. Obwohl Metropolis mit seinem strahlenden Look nur einen Mausklick entfernt ist.

 

In Champions Online fühle ich mich in der Welt sofort wohl. Ich bin zwar nur ein Held unter vielen, aber ich fühle mich gleichberechtigt. Die zivilen Bürger kennen meinen Namen und die Schurken zucken zusammen, wenn ich den Raum betrete. Mein Nemesis ist nun eben mein Nemesis und gibt mir das gewisse Heldenfeeling. Auf den Straßen fahren Autos und alles wirkt viel lebendiger.

Gut, Champions Online hat sich an vielen Sachen bedient und wir erkennen bekannte Helden in Figuren wieder, oder fühlen uns an Filme erinnert, aber was soll’s. Schreibt ein Autor ein Werk, wird dieses immer bewusst oder unbewusst von seiner Lektüreerfahrung geprägt. Mit anderen Worten, irgendwie gab es alles schon einmal.

Und ja auch hier wechsel ich zum Leveln zwischen Millienium City zu Kanada und soweiter, aber nicht nach jeder Mission. Eben in Levelabschnitten, die groß genug sind, um ein Gebiet zu hassen oder zu lieben. Entscheidungen treffe ich hier eigentlich auch nicht. Merkwürdigerweise stört es mich nicht. Vielleicht weil die Grenze hier klarer gezogen ist. Ich bin ein Held und halte Schurken, Aliens und sogar Dämonen auf. Simple.

Aber auch hier möchte ich Abstriche machen: Die Welt ist, von der alten Grafik mal abgesehen, stellenweise vielleicht etwas konfus. Alleine in Millienium City gibt es so viele unterschiedliche Bösewichte, von Außerirdischen zu Höllenkreaturen zu Kampfrobotern zu … na ihr wisst schon. Und trotzdem scheinen die Menschen da gerne zu wohnen und die Helden werden bejubelt. Gut, es ist nur ein Spiel und man sollte lieber nicht alles in Frage stellen.

 

Fazit

Grafisch sind beide Spiele etwas veraltet. Bevorzugen tue ich jedoch Champions Online, da dieses durch die comichafte Umsetzung nicht auf Anhieb so wirkt, als würde es grafisch schwächeln und weil mich die Gesichter in DC Universe Online doch sehr enttäuscht haben.
Auch in der Charaktererschaffung punktet klar Champions Online. Spielerisch halten sich beide die Waage (und dabei bin ich noch nicht mal auf alle Punkte eingegangen: Events, PVP, wiederholbare Quest etc.), doch spätestens, wenn es um die feinen Weltdetails geht, hat Champions Online DC Universe Online überholt.

In meinen Augen ist klar Champions Online das bessere Superheldenspiel, aber wem es eher um das Franchise DC Universe geht, macht auch mit diesem Onlinespiel nicht viel verkehrt.

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden