Fantasy Autor in Schleswig – Eine Lesung mit Markus Heitz


Der Autor Markus Heitz gab eine Vorlesung in der Buchhandlung Liesegang in Schleswig. Wir waren nicht nur dabei, sondern konnten dem Autor für euch ganz private Informationen entlocken, sowie mehr zu seinem neuesten Projekt erfahren.

Ich gestehe, dies war meine erste Lesung, entsprechend ging ich ohne Erwartungen und der Möglichkeit für Vergleiche zu diesem Event.

Alles wartet auf den Autoren. (© sinnlicht Fotografie)

Alles wartet auf den Autoren. (© sinnlicht Fotografie)

Der Termin fand in der gut sortierten Buchhandlung Liesegang in Schleswig statt. Schon beim Eintreten präsentierte sich der Ort mit einem gemütlichen Flair. Stühle wurden in einem Halbkreis um einen schweren Holztisch auf einem Podest aufgereiht. Auf dem Tisch standen klassische Accessoires wie zum Beispiel ein Trinkhorn, eine Holzschale und Ähnliches.

Die Vorlesung wurde gut besucht und pünktlich zum Start erschien Markus Heitz. Nach ein paar Besprechungen mit dem Organisator setzte sich der Autor alsbald auf den Holzstuhl und begrüßte sein Publikum.

Auf mich wirkte Markus Heitz wie ein sehr sympathischer und offener Mensch. Er suchte die Blicke seiner Zuhörer und zog sie in seinen Bann. Mich hatte Markus mit seiner Einleitung schon neugierig gemacht. Zunächst erzählte er einiges über sich und schon hier wurde ich überrascht, da es sich nicht um oberflächliches Geplänkel handelte, sondern schon die ersten Anekdoten aus seiner Jugend zu Tage förderte, begleitet von Witz und Charme. So zum Beispiel, wie er in seiner Schulzeit zum ersten Mal begann, Geschichten zu schreiben. Die Überleitung zu seinem aktuellen Roman folgte fließend.

Die Menge lauscht gespannt. (© sinnlicht Fotografie)

Die Menge lauscht gespannt. (© sinnlicht Fotografie)

Drachengift ist der dritte Teil seiner Serie, in der es um Drachen in den 1920ern geht. Mit der groben Umschreibung der Idee, hinter den erschienenen Büchern, beeindruckte Markus mit seiner ausführlichen Recherche. Zumindest auf mich wirkte es so, da er sich offensichtlich intensiv sowohl mit der Geschichte, als auch mit den Mythen rund um Drachen beschäftigt hat. Dabei ging es nicht nur um den altbekannten europäischen Roten Drachen aus Fantasy-Geschichten wie Der Hobbit. Auch von Mythen der Inkas und aus dem asiatischen Raum, hatte Markus einiges zu erzählen. In den ersten beiden Büchern (Mächte des Feuers und Drachenkaiser) ging es ihm zuvorderst um die Sichtweise der europäischen und asiatischen Drachen; im aktuellen Roman wirft er einen Blick auf die amerikanischen Drachen.

Bevor es schließlich zur ersten Passage kam, nahm uns der Autor zunächst in eine kurze Vorgeschichte mit. Er erläuterte uns die wichtigsten Personen, welcher an der folgenden Szene beteiligt sind und gab uns einen kurzen Überblick, über die bisherigen Geschehnisse. Dann las er eine ausgewählte Passage vor.

Diese endete in einem spannenden Höhepunkt mit dem ironischen Verweis auf das Buch und dass dort weitere Hinweise zu finden sind. Nach dieser Passage erzählte Markus wieder einiges über sich und über die Entstehung seiner Bücher. Er gab uns einen interessanten Einblick in das Leben eines Schriftstellers, so wie er es lebt. Unter anderem wie sein Tagesablauf aussieht, welcher fast nur aus dem Schreiben besteht, jedoch auch, wie er aus dem Alltag neue Ideen und Inspirationen zieht.

Selbst bei einem, wie Markus selber sagt, schnöden Zombiefilm erlangt er eine Idee nur durch die Frage “Was wäre, wenn Unsterblichkeit kein Segen ist?”. Und auch hier beweist Markus, dass er kein trockener Autor ist, sondern ein humoristischer Geschichtenerzähler. Es wird auch deutlich, dass er aus der Rollenspielerecke stammt und schon in frühen Jahren begann, Geschichten in seinem Kopf zu entwickeln. Viele seiner Fans wissen, dass er viel Zeit mit dem Shadowrun-System verbracht hatte. Doch auch die Welt der Dunkelheit-Systeme wie Vampire sind ihm geläufig.

Um wen und was geht es heute eigentlich? (© sinnlicht Fotografie)

Um wen und was geht es heute eigentlich? (© sinnlicht Fotografie)

Die weitere Veranstaltung folgte konsequent dieser Abfolge. Eine kurze Passage aus dem Buch, mit einem spannenden Ende, wie einer Vorschau zu einem Film. Gefolgt von weiteren “Schwanks” aus seinem Leben. Unter anderem, wie seine ersten Erfahrungen als Autor war und die Verlage mit seiner Buchidee abgeklopft hatte. Wie er sich dabei fühlte und was für ein Glück er dabei hatte, zum richtigen Zeitpunkt beim richtigen Verlag gelandet zu sein.

In einer Pause hatten die Mitarbeiter der Buchhandlung Liesegang Süßes vorbereitet; die Rezepte zu diesen Leckereien gibt es auf der Homepage des Autors.

Am Ende der letzten Vorlesung folgte eine Fragerunde, in der die Zuhörer auf Antworten ihrer Fragen hofften. Und tatsächlich nahm Markus sich mit viel Ruhe und Geduld diese Zeit, um alle Fragen zu beantworten. Und es wurden viele Fragen gestellt. Sowohl zu seinem Privatleben, als auch zu andere Projekte; bereits bestehende, als auch neue. Es wurden zum Beispiel einige Fragen zu der Verfilmung von der Romanreihe Zwerge gestellt und wie der aktuelle Status ist. Markus hatte sich hier diplomatisch geäußert: “Es gibt noch kein festen Termin, doch noch ist es ein Thema.” Auch über die Computerspielumsetztung hatte er einiges geäußert.

Am Ende der Vorlesung luden wir Markus Heitz zu einem Interview ein.

Nachfolgend ein Auszug aus dem Interview.

NPC: Was war der Auslöser Geschichten zu schreiben?

Markus Heitz: Es gab kein traumatisches Erlebnis, ich habe als Kind nur ganz viel gelesen. Mit 14 war einfach der Wunsch da, Geschichten zu schreiben, weil ich es als unglaublich spannend empfunden habe, selber Geschichten zu erfinden. Ich kann an jedem Ort reisen, wohin ich will. Ich kann erfinden, was ich will und ich kann tun, was ich will. Das ist perfekt! Dabei brauche ich nichts, außer einem Stift und etwas, auf das ich schreiben kann. Das Einzige was mich aufhält, ist die meine eigene limitierte Vorstellungskraft. Alles andere läuft; ich muss es “nur” beschreiben können.

Markus Heitz schreibt entweder Bücher oder hat welche in der Hand. (© sinnlicht Fotografie)

Markus Heitz schreibt entweder Bücher oder hat welche in der Hand. (© sinnlicht Fotografie)

NPC: Wie schwer war für dich der Weg zum Autor?

Markus Heitz: Der ging sogarrelativ leicht. Schreiben ist ganz viel Handwerk. Talent ist auch gut, Fleiß ist wichtig und man braucht ein bisschen Glück, um bei einem Verlag unter zu kommen. Super viel Glück ist es dann, wenn das Buch auch noch erfolgreich ist.

NPC: Von den unzähligen Büchern, die du bisher geschrieben hast, welche Geschichte gefällt dir am meisten?

Markus Heitz: Ich mag alle meine Geschichten sehr gerne und ich verbinde auch mit jeder Geschichte und jedem Buch etwas Besonderes. Uldar war mein erstes Buch. Shadowrun habe ich als Rollenspieler schon geliebt und es hat tierisch Spaß gemacht ein Buch dazu zu schreiben. Den Zwergen verdanke ich im Endeffekt, dass wir heute hier sitzen, weil sie ohne Ende erfolgreich waren. Die Mächte des Feuers und der Drachenkaiser hat ein besonderes Setting ist, das bisher keiner gemacht hat.

Also jedes Buch hat für mich etwas Besonderes. Es gibt nicht das allerbeste oder allercoolste oder auch das allerschlechteste.

NPC: Was passiert bei dir in den ersten Schritten zur Entstehung eines neuen Buches?

Markus Heitz: Am Anfang ist das Notizbuch. Das Notizbuch sieht immer unterschiedlich aus. Erst notiere ich mir von Hand nach Möglichkeit immer mit dem Bleistift, wie die Welt aussieht, was sie ausmacht, welche Charaktere und welche Feindschaften es gibt. Das ist letztlich wie beim Rollenspiel: erst die Welt mit jedem Detail, Münzen, Hohlmaß, Flächenmaß und alles was ich brauche bauen. So komme ich beim Schreiben nicht in eine Hektik oder muss nachdenken, wer da nun eigentlich wohnt, wie es aussieht und welche Monster gibt es dort. Alles wird vorher geregelt, wie bei einem guten Rollenspiel.

Vorbereitung ist das A und O. Es gibt diese wunderbare Formel, über die ich mal gestolpert bin: Erfolg ist gleich Vorbereitung plus Gelegenheit (plus Glück).

Aber letztlich musst du immer dabei sein, das unterschätzen ganz viele Leute beim Schreiben. Hinsetzen und jammern, dass keiner das Buch will, bringt dich nicht weiter. Also musst du gucken, warum will es keiner. Denn vielleicht ist das, was gerade abgelehnt wurde, in zwei Jahren genau das, was dann alle haben wollen.

NPC: Wodurch lässt du dich inspirieren?

"Inspiration lauert überall." Hütet euch vor ihr! (© sinnlicht Fotografie)

“Inspiration lauert überall.” Hütet euch vor ihr! (© sinnlicht Fotografie)

Markus Heitz: Inspiration lauert überall. Ich habe zum Beispiel einmal einen langweiligen Zombiefilm geschaut. Mein Gehirn ist ausgestiegen, weil ich das alles schon kenne: Ui, Zombies, schon wieder.

Dann hat mein Gehirn plötzlich angefangen zu überlegen, was wäre eigentlich, wenn es Unsterblichkeit gäbe, aber ohne Vorteile. Dann habe ich angefangen, über Unsterblickeit nachzudenken, und wie man die Basteln könnte, ohne dass jemand was davon hat. Ich bin also im Endeffekt durch einen langweiligen Zombiefilm bei Oneiros gelandet.

Oder ich stolpere über einen Satz wie “Die katholische Kirche kennt 60 Drachenheilige”. Kann man rüber lesen oder man kann drüber stolpern und sagen: “Moment, wo kommen die her? Was machen die eigentlich? Was ist der Ursprung? Warum gibt es eigentlich Drachen?”

NPC: Es heißt, dass Schriftsteller von der ominösen Krankheit “Schreibblockade” befallen werden können. Wie gehst du vor, wenn die Blockade sie erwischt hat?

Markus Heitz: Noch nie gehabt. Ich stelle mir das auch ziemlich schrecklich vor. Dadurch, dass ich alle Romane vorher plane, kann ich nie sagen: “Wie soll es jetzt weiter gehen?”. Denn es steht ja in meinem Notizbuch.

Es gibt immer mal Momente, in denen es nicht ganz so flüssig läuft wie sonst, aber im Endeffekt ist das keine Schreibblockkade. Es gibt nur schlechte Tage, aber auch Tage, an denen schreibe ich das Vierfache von dem, was ich sonst schreibe.

Artikelbild © sinnlicht Fotografie

Thorsten Brunswieck

Art Director, der seine kreative Freiheit mit dem gestrichenen Punkt und bemalter Fläche genießt und von der eigenen Fantasie führen lässt.
Hauptthemen: Design und Grafiken

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