Geschichte der HUGO-Awards


Anfang der 1980er Jahre hatte ich begonnen, mich ernsthaft für Science Fiction zu interessieren. Auf einigen Taschenbüchern verschiedener Verlage fanden sich immer wieder Hinweise auf dem Cover, dass dieser oder jener Autor den HUGO Award gewonnen hatte. Auch wenn ich nicht wusste, was der HUGO Award war, so konnte ich mir sehr schnell denken, dass es sich um eine wichtige Auszeichnung handeln musste, wenn ein Verlag damit Werbung machte.

Es war zu dieser Zeit in einer Kleinstadt nicht eben einfach, etwas mehr über Science Fiction und die Autoren herauszufinden, aber dank eines kleinen Ladens für gebrauchte Bücher, in dem ich den Grundstock meiner Sammlung über die Jahre zusammengekauft habe, kam ich günstig an Fanzines, Anthologien und Romanhefte. So konnte ich mir nach und nach die Informationen zusammensuchen und entdeckte dabei freilich auch eine Menge anderer Schätze.

Der Namensgeber

Schließlich erfuhr ich, dass der HUGO Award nach Hugo Gernsback benannt wurde. Vielen gilt der in aus Luxemburg stammende Hugo Gernsbacher als Vater der Science Fiction.  Geboren wurde er 1884 und er ging 1904 in die USA, wo er einen eigenen Radiosender gründete und auch sonst als Pionier in vielen Gebieten der modernen Technik agierte. Er gab schließlich auch Magazine für die Radiotechnik heraus, aus denen sich 1926 das erste SF Magazin „Amazing Stories“ entwickelte. Der Rest ist Geschichte.

1953 wurde zum ersten Mal der nach dem Vater der Science Fiction benannte HUGO Award während der World SF-Convention (World Con) verliehen. Seitdem werden mit diesem renommierten Preis jährlich Autoren, Herausgeber, Filmemacher, Fans und Illustratoren ausgezeichnet, die sich in der Science Fiction durch besondere Leistungen hervorgetan haben. Bestimmt werden die Preisträger von den Fans, die während der World Con für die nominierten Werke und Verdienste abstimmen. Bei einer feierlichen Zeremonie werden dann die Preise in den verschiedenen Kategorien an die Gewinner übergeben.

Ein Buch über einen Preis

Nun hat der deutsche SF-Experte Hardy Kettlitz bereits im letzten Jahr ein hervorragendes Buch zu diesem Thema veröffentlicht. Erschienen ist dieses Buch im Golkonda Imprint MEMORANDA und ist der erste von zwei Teilen der Geschichte des HUGO Awards. Hardy Kettlitz ist seit langer Zeit in der deutschen SF Szene als Herausgeber, Biograf und Fan aktiv, so dass sich ein echter Insider des Themas angenommen hat. Er war lange Zeit Mitarbeiter für das SF-Magazin Alien Contact, gab die Buchreihe SF-Personality heraus und ist aktives Mitglied des Berliner SF-Clubs Andymon.

Für seine Arbeit wurde er mit dem Kurd Laßwitz Preis ausgezeichnet.  Das Buch beginnt mit einer kleinen Biografie Hugo Gernsbacks und übernimmt die 1995 erstmalig veröffentlichte Einführung von John Clute und David Nicholls. Besonders interessant sind die Erläuterungen zu den Kategorien der Preise und dem Reglement. Es folgt eine kleine Statistik der häftigsten HUGO Gewinner und Nominierungen.

Gewinner, Geschichten und große Namen

Den Haupteil des Buches nimmt die jeweilige Schilderung der Gewinner des Jahres ein. Hardy Kettlitz belässt es allerdings nicht bei einer Aufzählung von Titeln, Gewinnern und Kategorien, er liefert Hintergrundinformationen zu den Preisträgern und gibt den Inhalt der Romane und Erzählungen wieder. In dieser kritischen Würdigung der einzelnen Werke liegt der besondere Reiz des Buches.

Zwar sind diese Schilderungen subjektiv und man kann durchaus anderer Meinung sein, aber erst durch die Inhaltsangaben wird der Leser neugierig auf die Klassiker der Science Fiction. Doch nicht nur die Informationen über die Romane, Erzählungen und Kurzgeschichten sind aufwendig recherchiert. Ein Pfeiler der Science Fiction Kultur sind die zahllosen Magazine und Fanu Publikationen, die ebenfalls mit einem HUGO ausgezeichnet werden.

Auch über diese Magazine erfahren wir einiges, sowie über die Coverkünstler und Illustratoren deren Arbeit viel zur Popularität der SF beigetragen haben. So ist dieses Buch nicht nur eine öde Aneinanderreihung von Titeln und Namen, sondern auch ein Ausschnitt der Geschichte der Science Fiction. Das Buch ist Einführung, Nachschlagewerk und schon während des Lesens habe ich mir Notizen gemacht, quasi eine Liste der Bücher erstellt, die ich unbedingt haben möchte.

Hardy Kettlitz beschreibt die Geschichte des HUGO Awards bis zum Jahr 1984, denn die schiere Menge des Materials sprengte den Rahmen eines einzelnen Buches. Wir können also mit Spannung den nächsten Teil der Geschichte des HUGOS erwarten.

Die Hugo Awards 1953 – 1984 (Memoranda)

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5.0 von 5 Sternen (5 customer reviews)

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