Spielen mit Bartschüttlern #1: Wir stechen in See


Die erste Runde mit den Jungs und Mädels von Beardshaker Games mit Felix stand an. Es sollte also zu einer fiktiven Südsee-Inselgruppe gehen. Anke beschreibt euch den ersten Spieleabend aus ihrer Sicht.

Bisher hatte ich noch fast gar keine Pen & Paper gespielt. Ich fand es immer interessant, hatte aber nicht die richtigen Leute dafür um mich. Durch meine Spiele-Partner und Felix ergab sich überraschend diese Möglichkeit. Nach einer Session als Auftragskiller wurde ich jetzt zum Piraten – für einen Monkey Island Fan das perfekte Szenario!

Schnell war ich Quartiermeister – Zeug horten, handeln, das Schiff im Auge behalten und anderen auf die Finger hauen – viel versprechend!
Wir trafen uns zu fünft und wollten in See stechen. Eigentlich wären wir sechs Leute gewesen, aber unser Kapitän wurde kurzfristig krank und zack wurde Laura vom 1. Maat zum Kapitän befördert. Benedikt wollte Steuermann sein: einer, der die Karten geheim hält, kaum Sprachen beherrscht und dafür großartig musizieren kann!

Felix war Spielleiter und unser neuer 1. Maat in einem. Außerdem begleitete unsere Truppe noch ein Mystiker mit Voodoo-Kräften!
Als erstes waren wir beschäftigt unsere Charaktere auszufeilen: das Grundsystem der Charakterwerte war schnell erklärt und wir hatten 10 Punkte zur freien Verfügung.

Ich beschloss, meinen Handelskill zu perfektionieren – das würde mein Steckenpferd werden! Außerdem polierte ich mein Fremdsprachenverständnis auf und lernte den Grundskill „Wissen“, um notfalls Verhandlungen schriftlich führen zu können.

Mein Alter-Ego war einer der Barbierpiraten aus Monkey Island 3 – der große stämmige Schottenpirat – nur eben  Holländer. Der perfekte Quartiermeister eben!

Dann ging es los – plötzlich befanden wir uns auf hoher See. Wir verschafften uns einen Überblick über unser Schiff, die Mannschaft und unsere Vorräte. Während wir uns noch beschnupperten, schipperte das erste Handelsschiff an uns vorbei. Da war für uns alle klar (zumindest nach kurzer Diskussion): Angriff!!

Der Wind stand günstig, unser Steuermann brachte uns in Position, die ersten Schüsse fielen und mit ihnen die Würfel. Das Handelsschiff war größer als unser Kahn, verlor aber unter unserem Beschuss einen Mast und wurde ordentlich beschädigt. Wir setzten zum Entern an. Gerade als unsere Schützen zum Feuern anlegten, um die gegnerische Besatzung zu dezimieren, begannen wir eine Diskussion mit unserer Kapitänin.

Sollten wir wirklich direkt über Leichen gehen? Wollten wir blutrünstige Piraten sein? Wir entschieden uns dagegen – umbringen könnten wir sie immer noch… falls nötig. Unser Raubzug verlief glimpflich und gleichzeitig brachte er ein großes Unheil mit sich…

Der Mystiker bestand darauf, das Schiff zu durchsuchen, und stieß auf eine geheimnisvolle Kiste. Voodoo half nichts. Selbst mit meiner handwerklichen Begabung fand ich keine Öffnung in dieser Kiste – ich würfelte auf alles Mögliche und leckte schließlich an ihr, aber sie blieb verschlossen.

Nach einer weiteren Debatte verließen wir das Schiff mit der Hälfte der Nahrungsmittel, ihren Handelsgütern und der vermaledeiten Kiste. Im Nachhinein bin ich froh einer so demokratischen Kaptiänin angehören zu dürfen.

Da unser Steuermann die Karte partout nicht seinen Kameraden zeigen wollte, entschieden wir aus dem Bauch heraus, wie es weiter gehen sollte.

Plötzlich wurden wir von zwei spanischen Schiffen verfolgt – nachdem wir eben ein spanisches Handelsschiff geplündert hatten – oh oh! Wind, Würfel und Steuermann brachten uns in Sicherheit und zurück in unseren Heimathafen auf einer Pirateninsel. Dort verschwand der gute Mann und begann in einer Kneipe zu singen und zu musizieren.

Meine Chance: Ich vertickte einen Teil der Ware zu einem guten Preis von 50 Dublonen – ich feilschte um alles und so kauften wir auch gleich eine spanische Flagge, um uns tarnen zu können. Später musste ich feststellen, dass der Steuermann mit seiner Musik ganze 7 Dublonen eingesammelt hatte – ich würde mein künstlerisches Talent aufbessern müssen.

Auf der Insel boten sich uns mehrere Aufträge und Möglichkeiten – wir entschieden uns für den denkbar ungünstigsten, um mehr über die Kiste zu erfahren: Eine Rettungsaktion, die sich als Entführung entpuppte – und das in einer Kaserne an Land! Natürlich waren wir dafür die völlig Falschen!!

Schnell machten sich Ratlosigkeit und Fehlschläge breit. Wir diskutierten, schoben uns die Schuld zu, feixten und planten. Nach Tagen auf der Insel hatten wir unser Ziel und endlich auch unser Boot wieder erreicht – völlig zermürbt, zerschunden, kaputt und bettelarm.

Für unser nächstes Abenteuer wussten wir: wir würden in den Hanf-Schmuggel einsteigen – das klingt doch deutlich entspannter und lukrativer – was soll da schon schief gehen? Ich freue mich darauf, bald wieder in See zu stechen!

Anmerkungen vom Spielleiter

Dieser erste Spielabend war schon jetzt denkwürdig. Obwohl einige auf nur geringe bis keine Erfahrung im Pen&Paper-Bereich zurückblicken konnten, spielte sich die Truppe schnell ein… beziehungsweise jeder schnell in seine Rolle. Denn wirklicher Zusammenhalt tat sich bisher bei dieser Crew noch nicht auf. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Außerdem war ich bei dieser ersten Runde noch sehr gnädig und sämtliche Wunden waren eher leichter Natur. Sagen wir einfach: Das Glück war mit diesen Piraten, was sich aber schnell ändern kann (und wird). Wie im vorangegangenen Beitrag erläutert, bietet mein System die Möglichkeit recht schnell, neue Charaktere zu erstellen. Ich bin gespannt, wie häufig wir das brauchen. Denn ab der nächsten Runde werden es die Freibeuter nicht mehr so einfach haben. Harharhar!

Weitere Beiträge aus der Reihe

Spielen mit Bartschüttlern #0: Klarschiff zum Entern!

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