Tipps für Spieler – Larp Edition Teil 6


Charakterentwicklung im LARP hat für mich, falls sie überhaupt stattfindet, erfahrungsgemäß zwei Varianten. In der Ersten erfolgt eine Entwicklung schleichend und kaum merklich: Erst wenn man zurück schaut merkt man, wie sehr sich der Charakter verändert hat. Bei der Zweiten erfolgt sie sprunghaft und der Charakter ändert sich von einer Con zur nächsten merklich.

Die langsame Entwicklung

Die erste Variante ist die, welche meistens auf die Persönlichkeit des Charakters zutrifft. Wie im realen Leben merken wir nicht, wie wir uns verändern, sondern nur, wie wir uns verändert haben. Die Eindrücke und Erlebnisse unseres Chars prägen ihn in seinen Ansichten und Reaktionen. Wer einmal auf dem Drachenfest von Orks gefoltert wurde, hat eine deutliche andere Einstellung zu Orks als vorher. Und meistens neugewonnenen Respekt vor den Spielern der Orks für deren Darstellung von Extremsituationen bei gleichzeitiger Rücksichtnahme auf die Beteiligten.

Unter diese Entwicklung fallen auch einige Kenntnisse und Fähigkeiten – wer viel kämpft, lernt besser zu kämpfen. Hier entsteht dann das Problem, dass andere Charaktere dann bewusst auf niedrigerem Stand gehalten werden müssen, da diese die Erfahrung noch nicht haben. Keine leichte Sache. Bei Kenntnissen ist es da einfacher: Euer Charakter erfährt im Laufe seines Lebens viele Dinge über die Regionen, die er bereist und über deren Hintergründe. Hier wächst der Charakter an dem, was ihr behaltet und von dem Ihr entscheidet, dass euer Char es behalten hat. Bei mehreren Charakteren in der selben Kampagne müsst ihr euch dann nur merken, wer was gelernt/erfahren hat.

Die schnelle Veränderung

Bei der zweiten Variante der Entwicklung verändert sich der Charakter zwischen zwei Cons. Häufig geht dies mit Ereignissen auf der Vorcon einher, über welche man sich dann in Ruhe Gedanken gemacht und beschlossen hat, wie der Char darauf reagiert/wie er sich verändert. Hier ist also eine bewusste Entscheidung der Grund für die Veränderung. Dies kann allerdings zu Verwirrung im Spiel-Umfeld führen, wenn euer Char auf einmal anders reagiert, als alle es gewohnt sind. Der Trick ist dann, mit dem (Hinter-)Grund hausieren zu gehen. Nur so versteht der Bekanntenkreis eures Chars, warum er/sie jetzt so anders ist.

Ein weiterer Grund für eine Sprunghafte Entwicklung kann auch einfach neue Ausrüstung sein. Marten, Thomas und Felix haben ja durchaus auch auf die Ausrüstung des Charakters bezug genommen und diese ist natürlich auch im LARP ein Teil der Charakterentwicklung. Wenn ihr also merkt, dass ihr mehr Spaß mit einem Zweihänder als mit Axt und Schild habt, dann mag sich euer Kampfstil spontan ändern. Dies hat allerdings im LARP einen viel geringeren Einfluss auf euren Char, als am Spieltisch und wird daher von allen Beteiligten meist ohne Wimpernzucken hingenommen. Wobei es natürlich Gelegenheit bietet, euch einen Mitspieler zu suchen und euch das Kämpfen mit dem Zweihänder beibringen zu lassen. Das gleiche gilt natürlich für alle Arten von Ausrüstungs-unterstütztem Spiel.

Äußere Veränderungen

Die offensichtlichste Veränderung eines Charakters ist aber nahezu immer die optische. Sei es, weil ihr mehr Geld habt, besser nähen könnt, ihr neue Farben tragt oder ihr einfach einen anderen Stil geiler findet – die Klamotte eures Chars wird sich nahezu immer irgendwann ändern. Mein Ritter hat quasi im Jahrestakt neue Wappenröcke getragen, um nur ein Beispiel zu nennen. Mit der Änderung der Optik, kann eine Änderung des Chars einhergehen, muss aber nicht. Da ihr, beziehungsweise Euer Char, aber anhand eurer Kleidung identifiziert werdet, ist dies für viele ein deutliches Zeichen von Charakterentwicklung.

Muss ich meinen Charakter verändern/entwickeln? Nein, natürlich nicht. Ich kenne Charaktere, die sich in acht Jahren quasi gar nicht verändert haben. Dies führt nur dazu, dass es für mich inzwischen Langweilig geworden ist, mit einigen dieser Charaktere zu interagieren. Ich weiß ja schon, was sie sagen werden. Das trifft nicht bei allen zu, einige sind so gut konzipiert, dass sie immernoch witzig sind, aber halt nicht alle. Außerdem kann man sich der schleichenden Veränderung kaum erwehren.

Vorausplanung oder nicht?

Abschließend noch etwas zur Planung der Charakterentwicklung. Spart es euch. Zumindest was die Regelbasis angeht. Nahezu jede Con, falls sie überhaupt einen Charakterbogen fordert, ignoriert, was im Vorjahr auf eurem Bogen steht. Es ist daher theoretisch möglich, dieses Jahr einen Magier zu spielen und nächstes Jahr einen Krieger. Euer Umfeld guckt wahrscheinlich sehr skeptisch aber regeltechnisch geht das.

Wenn ihr also die Entwicklung planen wollt, dann plant, was ihr an Ausrüstungsentwicklung machen wollt oder was ihr in eurem Umfeld erreichen wollt. Die Orgas der wenigsten Cons können auf jeden Spieler Plot zuschneiden. Wie bereits in einem der anderen Artikel erwähnt, habt ihr im Larp daher weniger Einfluss auf das, was eurem Charakter passiert. Entsprechend könnt ihr nicht so gut vorausplanen, wie der Charakter sich entwickeln wird. Seht es als Herausforderung an – wer will schon immer vorher wissen was einem geschehen wird?

Eine Ausnahme in der Planung gibt es für mich jedoch: Den Charaktertod. Falls ihr euch entschieden habt euren Charakter sterben zu lassen, fragt eine Orga ob sie euch helfen kann eine möglichst passende Todesszene zu inszenieren. Sofern dies im Konzept der Con möglich ist,werden die meisten Orgas euch gerne helfen, den Charakter um die Ecke zu bringen. Rechnet nur damit, dass eure (IT-)Freunde alles versuchen werden, um diesen Abgang zu vereiteln.

Gerrit Buse

Gerrit Buse

Anglist, Informatiker, Vollzeit-Nerd und Teilzeit-Otaku. Braucht dringend Lagerraum für Miniaturen und Kostüme.
Hauptthemen: Comics, Larp und Bücher

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