Der Kampf der Giganten


So, das ist er also der zweite Film des DC-Film-Universums nach Man of Steel. Eine Warnung vorweg: Dieser Review enthält Spoiler! Ich bemühe mich große Plot-Twists außen vor zu lassen, aber ganz ohne Spoiler kommt ihr hier nicht raus. Ihr wurdet gewarnt.

Einen Hinweis noch vorneweg: Es gibt keine Szene nach den Credits. Die Zeit müsst ihr also nicht absitzen. Das hier ist DC, nicht Marvel!

"Du stehst auf meinem Auto!" (© Warner Bros.)

“Du stehst auf meinem Auto!” (© Warner Bros.)

Über Henry Cavill muss ich an dieser Stelle nicht mehr viel sagen. Er liefert eine genauso gute Leistung ab, wie er es bereits in Man of Steel getan hat. Zwar haut er mich jetzt nicht gerade vom Hocker, aber seine Rolle setzt er gut um. Superman bietet einfach nicht so viele Möglichkeiten wie beispielsweise der Joker (Heath Ledgers) oder Loki (Tom Hiddlestons).

Ebenfalls mit von der Partie ist Amy Adams als Lois Lane, die wieder gut rüberkommt und eine relevante Rolle im Film innehat. Allerdings ist ihr Part im dritten Akt zwar ganz nett, aber letzten Endes unnötig. Hinzu kommt, dass Cavill und Adams eine gute gemeinsame Filmpräsenz haben, was gerade in den frühen Szenen ihres gemeinsamen Lebens positiv auffällt.

Und ja, zu Beginn des Films sind die beiden bereits eine Weile zusammen. Ebenfalls wieder dabei ist Laurence Fishburne als Perry White, der mir hier deutlich sympathischer ist als in seinem ersten Auftritt in Man of Steel. Und Diane Lane als Martha Kent, die nebenbei die witzigste Dialogzeile des Films abliefert, als sie das erste Mal Batman begegnet.

Die neuen Gesichter

Kommen wir zu den neuen Gesichtern: Jeremy Irons als Alfred ist hervorragend und liefert mit trockenstem Humor den Großteil des Comic-Reliefs im Film. Eine weitere relevante Nebenrolle hat Holly Hunter als US-Senatorin Finch, welche Superman einlädt, sich vor dem Kongress zu erklären. Dabei liefert sie einen guten Relationspunkt, um zu verstehen, wie ein normaler Mensch die Situation sieht. Aber ihr interessiert euch nicht für Nebenrollen, kommen wir also zu den drei großen Charakteren, die neu eingeführt werden:

Jesse Eisenberg als Lex Luthor ist eine der großen Stärken und Schwächen. Einerseits ist sein Lex ein offensichtlicher Psychopath, der ohne Probleme sowohl Batman manipuliert als auch Superman in die Knie zwingt (ohne Kryptonit!). Andererseits ist er derart psychopathisch, so dass sich mir die Frage aufdrängt, warum ihm irgendwer – geschweige denn ein Senator – vertrauen sollte. Es macht zwar Spaß, ihm zuzuschauen, aber er ist etwas übertrieben dargestellt. Andererseits bleibt er entgegen vieler Marvel-Bösewichte im Gedächtnis.

Falls ihr es nicht erkennt (v. l.): Batman, Wonderwoman, Superman. (© Warner Bros.)

Falls ihr sie nicht erkennt (v. l.): Batman, Wonderwoman, Superman. (© Warner Bros.)

Ben Affleck ist meiner Meinung nach der beste Batman, den ich je im Film gesehen habe, auch wenn Michael Keaton eventuell etwas besser als Bruce Wayne war. Aber das liegt zum großen Teil daran, dass wir weniger von ihm sehen als wir von Keaton sehen konnten. Er ist definitv brutaler als in allen vorangegangenen Batman-Filmen, behält aber eine Portion Humor… also zumindest hat er Spaß bei dem, was er tut.

Außerdem ist er sich erschreckend bewusst, dass seine Taten eigentlich kriminell sind. Alfred ist für ihn dabei offensichtlich mehr als nur ein Bediensteter, sondern ganz klar ein Freund und Partner. So ist es auch der  in der Batcave sitzende Alfred, der den Helden durch Gebäude dirigiert und mit Hinweise unterstützt.

Gal Gadot als Diana(?) Prince, wird zwar nie Diana genannt, aber es ist unwahrscheinlich, dass sie nicht so heißt. Sie ist für mich ein großer Pluspunkt für den Film. Gerade ihre Gepräche und Flirts mit Bruce Wayne wirken natürlich, was den Liebesszenen mehr gibt als in vielen anderen Filmen. Ich freue mich enorm darauf, ihren eigenen Film zu sehen. Leider hat sie sehr wenige Szenen in BatmanvSuperman, ist aber trotzdem diejenige, die am besten gegen Doomsday kämpft.

Achja, Doomsday… naja er sieht nicht so schlimm aus wie im Trailer, aber der Kampf dauert definitv zu lange. Generell fand ich den Film rund 30 Minuten zu lang. Gerade im dritten Akt, welcher quasi komplett aus dem Kampf gegen Doomsday besteht, lässt der Film enorm nach. Zack Snyder mischt Action nicht so gut mit Dialog wie es Joss Whedon (Avengers) oder die Russo-Brüder (Captain America: The Winter Soldier) tun.

Dafür ist die Action gerade in den Kampfszenen von Batman und Superman extrem gut. Auch das Finale hat visuell gute Momente. Während die erste Hälfte des Films noch mit Charakterentwicklungen der einzelnen Figuren punkten kann, wird die zweite Hälfte nahezu vollständig auf Fausthagel und Krachbumm reduziert. Das belastet den Spannungsbogen arg. 

Was Snyder leider auch nicht gut kann, ist Banter – also kurze Wortwechsel zwischen Charakteren. Der Wortwechsel von Batman und Superman zu Wonder Woman aus dem Trailer wirkt sehr gezwungen und passt nicht in das sonst eher ernste Verhalten der beiden, wenn sie “arbeiten”. Alfred kriegt das besser hin. 

Wir kämpfen ums Prinzip… oder doch lieber gegen Doomsday!

Kommen wir zu meinen Hauptproblem mit dem Film: Der Konflikt von Batman und Superman wird nie gelöst! Sie werden von Lex manipuliert, gegeneinander zu kämpfen, und der Kampf endet, weil Batman erfährt, dass Lex Martha Kent gefangen hält. Aber der ideologische Konflikt zwischen den beiden hat nichts mit Luthor zu tun, sondern existierte schon vorher. Er wird nie wirklich adressiert. Ein großer Teil der ersten Hälfte baut diesen Konflikt auf, nur um in dann einfach fallen zu lassen. Ja, es gibt gute Gründe dafür, ihn an anderer Stelle fortzuführen. Aber es nicht zu Ende zu bringen, schwächt den Film enorm ab. Er bleibt unvollständig. 

Was dem Film hingegen sehr gut gelingt, ist ein größeres Universum. Wir kriegen einen Eindruck, dass Batman schon lange aktiv ist und auch die anderen (künftigen) Mitglieder der Justice League finden Erwähnung. Aquaman, Flash und Cyborg tauchen jeweils bestimmt 30 Sekunden auf. Cyborg hört ihr sogar.

Fazit

BatmanvSuperman ist also Action pur und gerade für Comic-Fans ein Pflichtbesuch im Kino. Ansonsten gestaltet sich der Film sehr unterhaltsam: Die Actionszenen sind sehr solide, das Potenzial der Story wird aber nicht ausgeschöpft, sondern komplett zur Seite geschoben. Für Popcorn-Kino reicht es allemal.

Abschließend bleibt noch eine Frage: Wer um alles in der Welt war der Kerl in Rot???

Gerrit Buse

Gerrit Buse

Anglist, Informatiker, Vollzeit-Nerd und Teilzeit-Otaku. Braucht dringend Lagerraum für Miniaturen und Kostüme.
Hauptthemen: Comics, Larp und Bücher

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