Beispielcharaktere: Assassine


Es gibt viele verschiedene Modelle von Assassinen und Auftragskillern in der Popkultur. Euch stehen also genügend mögliche Vorbilder zu Verfügung. Bereits ein kurzer Blick in die nähere Vergangenheit offenbart einige gute Beispiele: Agent 47 und John Wick.

Zunächst einmal drängt sich die Frage auf, worin denn eigentlich der Anreiz liegt, einen Killer oder Assassinen zu spielen. Schließlich klingt das nicht gerade nach einem besonders “heldenhaften” Charakter – aber wer will schon heldenhaft sein. Nichtsdestotrotz zeigt die Computerspielreihe Assassin’s Creed immer wieder aufs Neue, dass die Ausübung eines solch tödlichen Handwerks nicht ausschließlich im Dienste des Bösen stehen muss.

Ezio Auditore: Leiser Killer, lauter Lebemann.

Ezio Auditore: Leiser Killer, lauter Lebemann.

Tatsächlich steht ein Auftragsmörder mehr oder weniger auf keiner Seite und verfolgt im Idealfall seine eigenen Interessen. Wenn nun aber irgendwer genügend Geld bietet, um jemand anderen umbringen zu lassen, dann ist das eben so. Sollt ihr deshalb einen skrupellosen und gefühlskalten Attentäter spielen? Das könnt ihr zwar machen, es wäre mir persönlich aber viel zu eintönig. Außerdem trägt ein derartiges Einzelverhalten nur bedingt zu einer vitalen Gruppendynamik bei und ist auf Dauer auch nicht sonderlich spaßig.

Doch zunächst: Wie baut ihr euren Killer auf? Welche Fähigkeiten sollte er haben? Von Vorteil ist dabei alles, was irgendwie mit Heimlichkeit und Tarnung zu tun hat: Verkleiden, Schleichen oder Verstecken sind also wichtige Fähigkeiten. Ebenso solltet ihr in der Lage sein, mit kleinen, leicht zu verbergenden Waffen und Hilfsmitteln eure potenziellen Opfer gezielt auszuschalten. Distanzwaffen dürfen in eurem Arsenal auch nicht fehlen: Je höher ihre Reichweite und je verheerender ihr Schaden, desto besser!

Auch nicht ganz irrelevant sind Fähigkeiten wie Technik, Orientierung oder Athletik. Diese könnt ihr jedoch zu Beginn eures Abenteurerlebens noch vernachlässigen und erst im Laufe der Zeit ausbilden. Ihr werdet diese jedoch gewiss irgendwann brauchen, um euch eurer Zielpersonen noch präziser und unauffälliger zu entledigen oder gar euren Häschern zu entkommen.

Ninjas haben es ziemlich gut drauf, mit der Heimlichkeit.

Ninjas haben es ziemlich gut drauf, mit der Heimlichkeit.

Bei euren Eigenschaften solltet ihr zusehen, dass ihr irgendwie die Chance auf kritische Treffer und höheren Schaden steigert, sofern dies in eurem System vorhanden ist. Auch solltet ihr die oben genannten Fähigkeiten unterstützen. So wird wohl Beweglichkeit oder deren Äquivalent ebenso wichtig sein wie Geschicklichkeit.

Nun kurz zu eurer Ausrüstung: Keine auffällige Kleidung und auch nicht unbedingt eine schwere Rüstung. Ihr wollt euch schließlich gar nicht erst auf einen langen Kampf mit eurem Gegner einlassen. Im besten Fall sieht euch euer Opfer erst, wenn es zu spät ist, oder gar nicht, weil eure Kugel direkt dessen Kopf durchbohrt hat. Ansonsten benötigt ihr Waffen, die ihr gut verstecken könnt und ohne Vorwarnung auf euren Gegner abfeuert.

Besonderheiten für ein Setting ohne Pistolen oder ähnliches: Dolche, Messer und kleine Wurfwaffen sollten hier eure erste Wahl für den “Nahkampf” sein. Gleichfalls empfiehlt es sich, im waffenlosen Kampf gut ausgebildet zu sein und Grundkenntnisse im Umgang mit den geläufigsten Waffen zu besitzen. Ihr solltet dabei stets im Hinterkopf behalten, dass es euer Ziel sein wird, den Gegner so schnell wie möglich zu entwaffnen und ihm eine Klinge an den Hals zu drücken.

Wie spielt ihr nun aber einen solchen Auftragsmörder aus? Ich würde diesen Charakter mit einer harten Schale ausstatten, um mich zumindest zu Beginn des Abenteuers emotional und verbal bedeckt zu halten. Spielt den knallharten und emotionslosen Killer aber nur als Fassade! Je besser eure Mitspieler eure Figur kennen und verstehen lernen, desto tiefgründiger sollte sie werden. Überlegt euch vor allem eine Grundeinstellung und eine Vorgeschichte.

John Wick: Knallhart gegenüber Feinden, gut zu Freunden.

John Wick: Knallhart gegenüber Feinden, gut zu Freunden (und Tieren).

Wie wäre es noch mit ein paar Prinzipien? Zum Beispiel würdet ihr niemals Kindern oder Tieren ein Leid zufügen (insofern sie nicht ernsthaft euer Leben bedrohen). Das verleiht euch eine menschliche Seite, erst recht wenn ihr selbst bei unmittelbarer Gefahr noch kurz zögert. Angenommen: Ihr seid ein Tierfreund und ein Zähne fletschender Kampfhund rast auf euch zu. Da ist der Wurfdolch oder die Pistole eben doch nicht so schnell gezückt wie sonst. So ein Zögern kann euch zwar Lebenspunkte kosten, macht euren Charakter im Gegenzug aber realer und damit lebendiger.

Was auch möglich wäre, ist ein einschneidendes Erlebnis in eurer Vergangenheit, das eurer Figur emotionalen Tiefsinn verleiht. Eventuell starb eure Familie bei einer Brandkatastrophe oder ihr musstet mit ansehen, wie eine unschuldige Person aufgrund eures Eingreifens schlimmen Schaden nahm. Ihr könntet auch einen (für andere) zunächst unerklärlichen Hass auf eine bestimmte Personengruppe haben. Lasst euch auf jeden Fall etwas einfallen, was das Handeln eures Charakters letztendlich nachvollziehbarer erscheinen lässt. So eröffnet euch beispielsweise das Eingestehen etwaiger Schwächen zusätzliche Handlungsspielräume und gestaltet das Spiel in der Gruppe spürbar spannender.

Insgesamt sind Assassinen deutlich vielseitiger als man zunächst glauben mag. Vor allem können sie viel mehr sein als nur der schweigsame und gewissenlose Auftragsmörder. Denn sobald ihr Prinzipien und/oder Schwächen hinzufügt, kann der Charakter aufblühen und sich im Laufe des Abenteuers entfalten oder gar weiter entwickeln. Der eiskalte Killer ist doch nur eine monotone Tötungsmaschine – und wer will schon eine Maschine spielen…

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Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

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