Frauen in Comics und Videospielen Part 2: Nur ein gebrochener Rücken kann entzücken


Wie werden eigentlich Superheldinnen und Superschurkinnen im Vergleich zu ihren männlichen Pendants optisch dargestellt? Sind ihre Kostüme genauso praktisch oder haben hier einige Zeichner lediglich ihren Wunschvorstellungen übermäßigen Ausdruck verliehen?

Körpertypen: Muskeln gegen Schlankheitswahn

Vertreter beider Geschlechter sind auf der Heldenseite stets idealisiert. In diesem Sinne sind männlich Figuren recht athletisch gestaltet und strotzen oft geradezu vor Muskelmasse. Bei weiblichen Charakteren ist hingegen eine sichtlich ausgeprägte Muskulatur zumeist Mangelware. Für gewöhnlich werden sie recht schlank mit gut gesetzten Rundungen gezeigt, die je nach Zeichner unterschiedlich stark ausformuliert werden.

Auffällig ist hierbei, dass insbesondere die Körperstatur der Heldinnen kaum ihre tatsächlichen Tätigkeiten widerspiegelt. So wären beispielsweise bei Black Widow mit ihren sportlichen und kämpferischen Leistungen deutlich voluminösere Muskelpartien zu erwarten. Eine der wenigen Ausnahmen ist wohl She-Hulk, die anders als ihre Kolleginnen recht robust dargestellt wird.

Auch im Marvel-Zeichenbuch Zeichnen wie die Profis von Dan Jurgens werden verschiedene Körpertypen für beide Geschlechter vorgestellt. Während aber für männliche Figuren eine gewisse Auswahl offeriert wird, findet sich für weibliche Figuren lediglich ein einziger Typus, der sich letztlich nur noch mittels Kleidung und Frisur von anderen Frauenfiguren unterscheidet. Somit tritt bei weiblichen Charakteren leider eine geringere Vielfalt von Körpertypen auf. 

Die Schöne und das Biest

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I am POWER GIRL von emy-lee69. Power Girls Outfit ähnelt mehr einem Badeanzug als einem Heldenkostüm.

Bei der Kleidung beziehungsweise den Kostümen der Heldinnen ist ebenfalls sehr auffällig, dass sie im Gegensatz zu den Outfits ihrer männlichen Kollegen wenig Schutz bieten. Es gibt zwar auch eng anliegende und in seltenen Fällen sogar gepolsterte Ganzkörperanzüge, aber in der Regel liegen Brüste, Oberschenkel und/oder Bauchpartien frei.

Ihr Schuhwerk ist oftmals ebenfalls sehr fragwürdig. Dieses mag für den Laufsteg gewiss schön anzusehen sein, fürs Sprinten und Schurken Verprügeln eignet es sich aber wohl eher weniger. Und warum sich eine fliegende Heldin wie Supergirl ausgerechnet einen Rock anziehen muss, ist auch eine interessante Frage.  Ihre männliche Gegner werden es ihr mit Sicherheit danken.

Heldinnen tragen auch seltener Masken als ihre männlichen Zeitgenossen. Selbiges gilt übrigens auch für Schurkinnen. Ihre optische Ausgestaltung  unterliegt nämlich den selben Kriterien wie die ihrer Kontrahentinnen. Während männliche Widersacher oft sichtbare Makel aufweisen, bleibt die äußerliche Attraktivität der Frauenfiguren stets unangetastet.

Meiner Meinung nach ist das ein starker Nachteil in der Darstellung männlicher Akteure. Während die Gesinnung bei Frauen nur minimalen Einfluss auf ihr Erscheinungsbild hat, treffen wir selten schöne Männer auf der bösen Seite an. Entweder sind jene von Geburt an nicht die Schönsten, man denke hierbei an Oswald Cobbelpot oder Jonathan Crane, oder aber sie wurden durch einen Unfall entstellt, wie zum Beispiel Dr.Doom, Two-Face oder Black Mask.

Erleiden Frauen hingegen einen Unfall, erhalten sie Superkräfte und im Falle von Poison Ivy sogar eine optische Aufwertung.

Selbst animalische Schurkinnen wie Cheetah behalten ihren weiblichen Charme. Da können Killer Croc und Rhino nur von träumen, denn diese wurden im Zuge ihrer bestienhaften Verwandlung arg entstellt.

Wann nackte Haut sinnvoll ist und wann nicht

Der Comic von Judd Winick und Guillem March zeigt Catwoman auf dem Cover in einer sexy Pose.

Frauen werden in Superheldencomics nicht nur schön dargestellt, sie zeigen auch gerne, was sie zu bieten haben. So hat sich der Begriff Brokeback Pose entwickelt. Auf Covern und in einigen Kampfhandlungen nehmen Protagonistinnen oft eine Haltung ein, in der sowohl ihr Busen als auch ihr Hintern zu sehen sind.

In einigen Zeichnungen ist das zwar geschickt gemacht und wirkt sehr ästhetisch, aber allzu oft scheint es eher so, als ob der Oberkörper der Frau zu einem Eulenkopf mutiert ist und die geringste Bewegung uns ein lautes Knacken bescheren würde. Superheldenkarriere ade.

Männer werden glücklicherweise nicht in solch heikle Posen gezwungen. Aber stellt euch einmal vor, sie würden versuchen Hintern und Intimbereich gleichzeitig zu zeigen, ohne dabei auf einen Spiegel zurückzugreifen! Wie es aussehen könnte, wenn männliche Helden die Posen ihrer weiblichen Mitstreiter einnehmen würden, könnt ihr hier sehr schön sehen.

Halten wir also fest: Bei Frauen wird viel Wert darauf gelegt, sie besonders schön und sexy erscheinen zu lassen. Das könnte man jetzt durchaus als sexistisch auslegen und in einigen Fällen trifft dies sicherlich auch zu, aber wie sollte man selbiges mit einem Mann machen?

Männliche Figuren in Comics sexy in Szene zu setzen ist nicht gerade einfach. Sie haben kein sekundäres Geschlechtsmerkmal, welches man betonen möchte. Dennoch gibt es auch hier einige Vertreter, die eher spärlich bekleidet sind und uns ein wenig von ihrer nackten Haut zeigen, unter anderem Prinz Namor, He-Man  oder Skeletor. Und auch Bruce Wayne dürfen wir oft genug oben ohne betrachten, wenn er eine harte Nacht hinter sich hat. Auch bei Bane sage ich sicher nicht Nein, wenn er sich nach dem Training von seinen durchgeschwitzten Klamotten befreit.

Im Falle der beiden Letztgenannten ist die spärliche Kleidung jedoch kontextbezogen. Der Kontext für manch knappes Kleidungsstück ist bei den Frauen leider kaum nachvollziehbar. Nehmen wir als Beispiel Catwoman: In älteren Darstellungen trägt sie eng anliegende dunkle Kleidung, die zwar ihre feminine Seite betont, aber keine all zu tiefen Einblicke gewährt. Als Diebin auf leichte Kleidung zu setzen, mit der man keineswegs Gefahr läuft, irgendwo hängen zu bleiben, ist sinnvoll.

In einigen neueren Darstellungen scheint jedoch ihr Reißverschluss zu klemmen, denn dieser ist so weit geöffnet, dass es an ein Wunder grenzt, dass ihre Brüste nicht herauspurzeln.  Da sie offensichtlich auch keinen BH trägt, empfinde ich hier ihre Kleidung nicht nur unpraktisch, sondern würde sogar von einer unnötigen Übersexualisierung sprechen.

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Batgirl vs Batwoman. Zwei Frauen, die meist ohne typische Übersexualisierung auskommen.

Fazit

Erotik in Comics gehört genauso dazu wie alle anderen Elemente auch. Dennoch sollte eine Figur – zumindest meinem Empfinden nach – nicht unnötig nackt sein, solange es der Handlung nicht zuträglich ist – genauso wenig wie in literarischen Werken explizite Sexszenen vorkommen sollten, die absolut nicht relevant für die Story sind. Außer natürlich es handelt sich um ein pornografisches Werk – wobei hier die Sexszene ja wieder sehr storyrelevant ist.

Dass Frauen in einen sexuellen Kontext gestellt werden, wertet sie im Übrigen auch nicht ab. Die Art der Darstellung macht es aus. Und wenn es nach mir geht, darf auch gerne ein männlicher Schurke mit seinem anziehenden Aussehen glänzen und verführen. Bei Frauen wäre eine Erweiterung der Körpertypenpalette auch äußerst wünschenswert. Ansonsten könnte es bald schwer werden, sie noch voneinander zu unterscheiden. Auch eine nicht ganz so attraktive Frau sollte nicht stören.

Wie empfindet ihr das? Sind euch die Frauen zu leicht bekleidet? Die Männer zu muskulös? Stört ihr euch an unnötiger Freizügigkeit oder ist euch das egal?

Die Reihe

Einleitung

 

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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  • Alex

    Sehr schöner Text, auch wenn ich die Darstellung weiblicher Figuren oft leider noch etwas kritischer sehe. Allerdings habe ich auch nicht all zu viele US-Comics gelesen. Catwoman war für mich leider ne arge Enttäuschung, wobei ich den späteren Ausgaben mit dem Noir-Einschlag noch eine Chance geben will.
    Bei Batgirl habe ich irgendwie mehr erwartet. Einerseits trägt sie innere Narben, wird nach außen aber auch wieder als Topmodell präsentiert, immerhin hat sie eine durchdacht wirkende Rüstung.
    Mein Favourit ist bisher tatsächlich Batwoman, sowohl in ihrer Präsentation als auch der Charaktererzählung und der Tatsache, dass man sie ohne Kostüm gern auch mal als wenig auffällig bis nah an der Grenze zum grauen Mauerblümchen darstellt.

    Warum man auch nach 2010 männliche Schurken immer noch entstellt zeigen muss und weibliche weiterhin Sexbomben sind verstehe ich auch nicht. Oder sind wir noch in den 70ern bei Bond?