Vin Diesel auf Hexenjagd


The Last Witch Hunter ist Anfang März auf Blu-Ray erschienen. Das Machwerk von Breck Eisner hat bei seinem Kinostart eine gespaltene Fangemeinde hinterlassen. Deshalb wird es Zeit einen genaueren Blick auf die Blu-Ray zu werfen.

Zuerst zur Story. Die fiese Oberhexe beutelt die Menschheit mit der Pest. Also macht sich eine Gruppe erfahrener Krieger auf, um sie aus ihrem Hexenhaus zu jagen – in diesem Fall ist es ein überdimensionaler Baum. Mit Leichtigkeit erledigt die Hexe einen Großteil der Truppe, bevor sie ihr gefährlich werden kann, unter anderem mit Gestaltwandlung. Nur der todessehnsüchtige Kaulder, gespielt von Vin Diesel, schafft es zum Duell. Dieser hat kurz zuvor seine Familie verloren und die Hexe nutzt seinen Schmerz aus. Nach einigem hin und her scheint die Hexe besiegt. Kurz vor ihrer Niederlage verflucht sie Kaulder noch ordentlich und lässt ihn unsterblich werden.

Eine Intrige um den Hexenjäger

Wirf den Ring ins Feuer...  (© Concorde Video)

Wirf den Ring ins Feuer… (© Concorde Video)

Sprung in die Gegenwart. In Akt 2 wird die Story elegant weitergesponnen und erklärt ,wie Menschen und Hexen friedlich zusammenleben können. Eine Art neutraler Hexen-Rat hält den Laden zusammen und bestraft in einer übernatürlichen Gerichtsbarkeit die Hexen, die nicht nach den Regeln spielen. Inzwischen hat Kaulder auch einen Begleiter bekommen – der 36. Dolan. Gespielt wird er von Michael Caine. Er begleitet ihn zwar nicht wirklich auf seinen Abenteuern, aber betreibt Hintergrundrecherche und schreibt die unendliche Geschichte des Kriegers auf.

Eines Tages wird diese Idylle getrübt. Der 36. Dolan soll eigentlich in Rente gehen, stirbt jedoch überraschenderweise und der 37. Dolan, gespielt von Elijah Wood, tritt seine Nachfolge an. Schnell stellt sich heraus, dass hier übernatürlich Kräfte am Werk waren. Als Kaulder einen Verdächtigen findet, wird er durch Gestaltwandlung in die Irre geführt – Moment Mal. Plötzlich wird dem Zuschauer mitgeteilt, dass nur die Hexenkönigin Gestaltwandlungen machen kann… diesen Plot Twist hätten die Filmemacher auch eleganter lösen können.

Graben in Erinnerungen

...oder die Hexe. Je nachdem, was effektiver ist. (©Concorde Video)

…oder die Hexe. Je nachdem, was effektiver ist. (©Concorde Video)

Nun findet Kaulder heraus, dass ihm der 36. Dolan einen Hinweis auf seinen Endkampf mit der Hexenkönigin hinterlassen hat. Genauer gesagt: Er soll sich genau daran erinnern, was dort passiert ist. Leider kann er das nicht mehr so wirklich. Also braucht er Hilfe, die er in einer Bar für Erinnerungstränke findet. Sowohl in Form des Tranks, als auch in seiner neuen Wegbegleitung Chloe, gespielt von Rose Leslie.

Während seiner Trance versucht Belial, ein Diener der Hexenkönigin, Kaulder von seinen Erinnerungen abzuhalten. Daraufhin beginnt Minikampf um Minikampf, Recherche um Recherche. Vorhersehbare Wendungen und dann die große Überraschung, der große Antagonist ist doch nur eine kleine Nummer und ein Teil der Hexe ist nicht tot und sie muss endgültig erledigt werden. Warum ich den Text jetzt so abwürge? Nicht nur weil ich ein Spoiler-Hasser bin, sondern auch weil diese wenigen Worte die letzte Hälfte gut beschreiben.

Plätscher, Plätscher…

Die Geschichte plätschert nun vor sich hin und scheint sich dauernd zu wiederholen – nur Orte und Personen ändern sich. Groß initiierte Wendungen verlaufen sich innerhalb weniger Sekunden im Nirgendwo. Man hätte sie also direkt weglassen können. Einen wirklichen Höhepunkt gibt es nicht, obwohl die Chance hierzu mehrfach bestand.

Die Story ist schlichtweg dünn und dramaturgische Ereignisse sind sicherlich der Schere zum Opfer gefallen – was die häufigen Ansätze von Wendungen vermuten lassen. Dennoch sagte mir mein Unterbewusstsein, dass dieser Film OK ist. Woran liegt es?

Nach einigen Tagen Ruhe wandte ich mich dem Film noch einmal zu und fand auch rasch die Lösung: Es sind die Schauspieler. Auch wenn wir eine dahinwabernde Story haben und es wenig Überraschungsmomente gibt, die Schauspieler liefern ein klasse Niveau ab! Sie verschaffen den Charakteren Glaubwürdigkeit und eine gewisse Tiefe. Obwohl die Story nicht spannend ist, möchte ich dennoch mehr über die Charaktere herausfinden. Hinzu kommt die gute deutsche Synchronisation .

Auch die Effekte sind nicht von schlechten Eltern. So verwandelt sich Julie Engelbrecht in eine glaubhafte Naturgottheit. Die Illusionen, der Wechsel zwischen Traum und Wirklichkeit und noch einige andere Aspekte zeigen, dass das Visual Effects Team gute Arbeit geleistet hat. Die Effekte überladen den Film nicht, sondern sind den Situationen angepasst.

Erst die Trailer, dann das Menü

Nun zur technischen Seite. Leider ist es inzwischen Gang und Gebe, dass mehrere Trailer vor dem Blu-Ray Menü gezeigt werden – ganz wie in den guten alten VHS Zeiten! Leider macht hier auch The Witch Hunter keine Ausnahme. Die Blu-Ray bietet neben dem Hauptfilm ein Making-of, Entfallene Szenen, einen animierten Kurzfilm, ein Musikvideo von Sizzle Reel – Paint it black, Trailer und Programmtipps.

Von der technischen Seite her ist die Blu-Ray sauber verarbeitet. Wir haben ein 2,40:1 – Cinemascope Bild in einem 16:9 Format. Die Mbit Rate schwankte zwischen 30 und 36 Mbit pro Sekunde. Neben der deutschen und englischen Tonspur, beide in DTS-HD 7.1, gibt es auch einen Audiokommentar von Breck Eisner. Als Untertitel ist für die deutsche Sprachausgabe eine Funktion für Hörgeschädigte hinterlegt.

Fazit

The Last Witch Hunter ist mir bei Kino-Release glatt durch die Lappen gegangen. Wurde dafür keine Werbung gemacht oder zu wenig? Oder liegt es an mir? Fragen die die Nachwelt klären muss.

Ich persönlich finde die alten Mythologien sehr spannend, auf die sich der Film stützt. Ebenso der Wechsel von Naturreligionen hin zum Christentum. Die ganzen Storys, Gerüchte und Traditionen, die sich damals in unserer wirklichen Welt gebildet haben, luden immer wieder in fantastische Welten ein.

Umso besser wenn tatsächliche Ereignisse, wie die Pest, mal wieder den Hexen in die Schuhe geschoben werden. Der Film hat nicht versucht, den aktuellen Disput zwischen Wissenschaft und Kirche zu thematisieren, sondern den alten Konflikt in ein modernes Setting zu katapultiert. Beide Seiten kommen zu Wort: So wirft die Hexe den Menschen vor, die Welt zu zerstören.

Leider wurde daraus nicht mehr gemacht. Wie bereits gesagt, versacken Ansätze von Spannung direkt wieder und es gibt keinen wirklichen Knaller am Ende des Films.

Wer aber einmal sehen möchte, wie dünne Storys durch schauspielerische Leistung noch gerettet werden können, sollte sich diesen Film unbedingt ansehen. Unterhaltsam ist er allemal.

Was bedeutet diese Bewertung? Findet es hier heraus.

The Last Witch Hunter

Price: EUR 6,99

3.9 von 5 Sternen (557 customer reviews)

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Phil Ramcke

Phil Ramcke

Macht irgendwas mit Medien. Filme sind seit seiner Geburt seine große Leidenschaft – nicht nur schauen, sondern auch selber machen.
Hauptthemen: Filme

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