Winter der Toten – kälter als der Tod


Der Zombieboom hält noch immer an, und somit erscheinen seit Jahren auch immer wieder neue Brettspiele, die dieses Thema aufgreifen. Viele davon fokussieren sich auf den Kampf gegen die Zombies, aber bei Winter der Toten liegt der Schwerpunkt woanders…

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Bild: Heidelberger Spieleverlag

 Mit Winter der Toten haben Jonathan Gilmour und Isaac Vega ein Zombie-Brettpiel geschaffen, welches das Hauptaugenmerk auf das legt, was viele Zuschauer und Leser der Walking Dead-Reihe so fasziniert: Das soziale Geschehen zwischen den Charakteren und die Maßnahmen, die diese zu ergreifen bereit sind, um ihr Überleben zu sichern. Verlegt wurde das Spiel 2015 von Plaid Head Games und der Heidelberger Spieleverlag hat uns das Ganze zeitnah ins Deutsche übersetzt.

Überleben ist alles

In Winter der Toten übernimmt jeder von euch eine Gruppe von Überlebenden. Diese Gruppen haben sich zusammengetan um den ersten Winter in der Zombieapokalypse zu überleben. Gemeinsam habt ihr ein Missionsziel, welches ihr euch vor dem Spiel aussucht. Je nach Wahl dauert das Spiel unterschiedlich lang und der Schwerpunkt ist ein anderer.

Zu Beginn erhält jeder von euch zwei IMGP3419Überlebende. Diese kleine Gruppe kann im Laufe des Spiels wachsen, aber auch aufgerieben werden. Außerdem erhaltet ihr ein persönliches Ziel.

Nur wenn ihr das Missionsziel und das persönliche Ziel erreicht, gewinnt ihr das Spiel. Es kann also durchaus vorkommen, dass die Gruppe zwar das Missionsziel erreicht, aber nur ein Teil der Spieler oder sogar keiner gewinnt. Dazu kommt, dass sich unter Umständen ein Verräter unter euch befindet. Dieser gewinnt das Spiel, wenn er sein persönliches Ziel erreicht, die anderen aber am Missionsziel scheitern.

DIMGP3417ie Anzahl eurer Überlebenden bestimmt, wie viele Aktionen ihr jede Runde durchführen könnt. Jeder von euch kontrollierte Überlebende hat eigene Werte und besondere Fähigkeiten. Diese benötigt ihr, um gegen Zombies zu kämpfen und Ressourcen aus den umliegenden Orten wie Schule, Tankstelle oder Polizeistation zu besorgen. Nur mit den entsprechenden Ressourcenkönnt ihr die Ziele (persönliche und Missionsziel) erfüllen und jede Runde auftretende Krisen bewältigen.

Krisen, die ihr nicht bewältigt, seien es nun Hunger, Kälte oder angreifende Zombies, führen zum Verlust von Moral. Außerdem droht natürlich die Gefahr, von Zombies überrannt zu werden. Dies gilt sowohl für die Kolonie, als auch die anderen Orten.

Außer auf Zombies und wichtige Ressourcen stoßt ihr unterwegs auch auf weitere Überlebende. Diese können eure Gruppe vergrößern und euch somit mehr Aktionen geben, bringen allerdings auch Ballast mit sich. Denn ihr bekommt nicht nur fähige Überlebende, sondern auch Alte, Kranke und Schwache, welche mit durchgefüttert werden wollen und jede Runde mehr Zombies anlocken.

Jeder Tod, egal ob der eines von euch geführten Überlebenden, oder der eines anderen Koloniebewohners senkt eure Moral. Sobald diese den Nullpunkt erreicht, habt ihr das Spiel verloren. Es gilt also, alle Koloniebewohner zu ernähren und zu beschützen, Ressourcen zur Krisenbewältigung zu sammeln und gleichzeitig das persönliche und das Missionsziel im Auge zu behalten.

Wenn euch das Verhalten eines Mitspielers gar nicht zusagt, könnt ihr ihn sogar raus wählen. Ab diesem Zeitpunkt dürfen seine Überlebende die Kolonie nicht mehr betreten, und müssen sich alleine durchschlagen.

IMGP3421Soweit so gut, bisher haben wir also ein kooperatives Spiel mit Verrätermechanismus. Weil das den Entwicklern scheinbar nicht ausreichte, haben sie noch ein Storyelement draufgesetzt: die Crossroads-Karten. Immer, wenn ihr am Zug seid, zieht euer rechter Mitspieler eine solche Karte. Jede dieser Karten hat einen eigenen Auslösemechanismus, zum Beispiel wenn ihr eine bestimmte Aktion ausführt oder ihr den auf der Karte erwähnten Überlebenden in eurer Gruppe habt. Falls dem so ist, unterbricht euer Mitspieler den Zug und liest ein Ereignis von der Karte vor.

Danach müsst ihr eine Entscheidung treffen, manchmal nur der aktive Spieler, andere Male die ganze Runde: Nimmt die Gruppe weitere Überlebende auf? Führt man Experimente an den Untoten durch? Jede Entscheidung bringt Vor- und Nachteile mit sich. Es gilt also, sich gut zu überlegen, für welche Option ihr euch entscheidet. Das Spiel endet, sobald ihr das Missionsziel erreicht habt. Dann wird geprüft, welche Spieler ihre persönlichen Ziele ebenfalls geschafft haben, und die Sieger stehen fest.

Ein bisschen was von allem

Wie ihr an der langen Spielbeschreibung erkennen könnt kratzt Winter der Toten an vielen Oberflächen: Ein bisschen Ressourcenmanagement, etwas Story, eine Prise Rollenspiel, teilweise kooperativ, und beeinflussbares Glück. Trotzdem sind die Regeln auch für Gelegenheitsspieler zugänglich, und da liegt auch die Stärke des Spiels. Es ist für jeden etwas dabei, und zwar auf Einsteigerniveau.

Das Material ist prima. Lediglich ein paar mehr Zombies hätten es sein können, denn die gehen schnell aus, und dann müsst ihr auf die Pappmarker zurückgreifen.

Fazit

Wer ein leicht zugängliches Spiel sucht, das mit Hilfe des beliebten Zombiethemas Freunden die verschiedenen Aspekte des analogen Spielens näherbringt, liegt hier goldrichtig. Und auch für Veteranen des Brettspiels ist Winter der Toten eine willkommene Abwechslung. Von mir gibt es daher eine Kaufempfehlung!

 

Christian Turkiewicz

Liest bevorzugt Regeln zu Brett- und Rollenspielen. Liebt Bingewatching, hat aber keinen TV-Anschluss.
Hauptthemen: Gesellschaftsspiele, Pen&Paper, Serien

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  • Das klingt nach genau so einem Spiel, wie ich es seit langem Suche. Wie sieht es denn mit der Spieleranzahl aus?
    Wieviele braucht es mindestens, damit es Spaß macht und ab wie vielen wirds nervig?

    • Christian Turkiewicz

      Man kann schon ab zwei Spielern loslegen indem man voll kooperativ spielt, also ohne Verräter (Regeln dazu gibts auch). Richtig spassig wirds aber erst mit 3-5 Spielern. Und das sind auch die Grenzen der Spielerzahlt (2-5).