Beispielcharaktere: Schwing die Peitsche


Ihr alle kennt ihn, diesen peitschenschwingenden und huttragenden Archäologen: Indiana Jones. Ein Mann, dem die Frauen zu Füßen liegen und der Schätzen auf der ganzen Welt hinterherjagt. Eigentlich der perfekte Pen&Paper-Charakter, oder?

Tatsächlich eignet sich die Figur Indiana Jones ideal für Rollenspiele, die auf Abenteuergeschichten ausgelegt sind – also vermutlich fast alle. Und dabei ist ein echter Indy gar nicht mal so schwer zu erstellen. Besonders gut daran: Er ist vielseitig einsetzbar, relativ unabhängig vom eigentlichen Setting und ihr könnt ihn individuell anpassen. Aber genug geschwärmt!

Der Allrounder aus dem Bilderbuch

Wer könnte diesem Mann widerstehen?

Wer könnte diesem Mann schon widerstehen?

Indiana Jones ist gut trainiert, klug und charismatisch. Wie solltet ihr also bei der Charaktererstellung herangehen? Obwohl er eben eine echter Alleskönner ist, erscheint es dennoch zunächst sinnvoll, sich vorweg erst einmal auf einige Werte und Fähigkeiten zu konzentrieren. Andernfalls würdet ihr nachher da stehen und nichts wirklich können. Ihr gestaltet also einen angepassten Allrounder wie ihn Marten in der Reihe Tipps für Spieler beschrieben hat.

Fangen wir mit der Klugheit und dem Wissen an: Auf jeden Fall sollte eure Klugheit einen mindestens leicht überdurchschnittlichen Wert erreicht haben. Insofern es in eurem System so etwas wie Auffassungsgabe gibt, solltet ihr diese keineswegs vernachlässigen, da Indiana Jones relativ schnell Zusammenhänge erkennt oder schnell reagiert und umschaltet. Außerdem ist es ratsam, sich innerhalb dieses Gebiets eine Disziplin auszusuchen, in der ihr euch besonders positiv hervortut. Indy mag historisch versiert sein und viel über altertümliche Kulturen wissen, aber in anderen Bereichen ist er deswegen nicht gleich auch ein Genie. Dennoch hat er ein wissenschaftliches Grundverständnis der Welt. Ergänzend solltet ihr überdurchschnittliche Grundkenntnisse der Natur haben. Schließlich seid ihr ein typischer Abenteurer.

Körperliche Attribute solltet ihr ebenfalls leicht überdurchschnittlich halten. Dieser Charakter ist geschickt, kann Klippen erklimmen und ist körperlich fit. Allerdings ist Indy weder ein Marathonläufer noch besonders stark oder gar athletisch. Auch hier könnt ihr einigen Fähigkeiten etwas mehr Punkte geben. Dies würde ich aber stärker dem Hintergrund des Spiels und des Charakters anpassen wollen: Solltet ihr euch beispielsweise häufiger am Wasser aufhalten, könnt ihr definitiv besser schwimmen als klettern.

Nun zum Charisma: Dies ist eine bedeutende Eigenschaft Indys, dennoch nicht wichtiger als die körperlichen Attribute oder die Klugheit. Auch hier solltet ihr möglichst über dem Durchschnitt liegen. Insbesondere der Umgang mit dem anderen Geschlecht und das Gespür für Etikette sind ausschlaggebend. Sollten Fähigkeiten wie Bedrohen oder Überzeugen im Repertoire eures Regelwerks vorhanden sein, könnt ihr diese zwar ebenfalls etwas steigern, sie sollten aber nicht so stark ausgeprägt sein wie Betören.

Kämpferisches Geschick darf ebenfalls nicht zu kurz kommen: Tatsächlich könnt ihr euch hier mehr oder weniger austoben. Wenn ihr ganz nah am Original sein mögt, dann rüstet euch mit einer Peitsche und einem Revolver (oder dergleichen) aus. Boxen oder ein ähnlich waffenloser Kampfstil sollte ebenfalls trainiert werden. Generell könnt ihr euch in der Waffenwahl aber sehr gut anpassen. Es darf nur nicht zu schwer und sperrig sein. Wählt leichte Waffen aus, die euch in ihren Ausmaßen wenig hinderlich erscheinen. Ideal wären dabei Waffen, die auch für andere Zwecke genutzt werden können: So ließe sich die Peitsche eben auch als Seil nutzen, ein Messer für alles Mögliche, ein Kampfstab als Stütze und Armverlängerung… Sucht euch hier etwas, das eine vielseitige Anwendung verspricht.

Reisen mit leichtem Gepäck

Die richtige Ausrüstung ist das A und O eines Lego-)Indys.

Die richtige Ausrüstung ist das A und O eines (Lego-)Indys.

Bei diesem Charakterkonzept müsst ihr darauf achten, dass ihr selbst nie zu viel mitnehmt, aber alles dabei habt, was ihr braucht. Das bedeutet im Klartext: Rüstungen braucht ihr eigentlich nicht unbedingt. Wenn ihr doch nicht ganz schutzlos aufbrechen wollt, dann schnappt euch etwas Leichtes, das eure Bewegungsfreiheit nicht einschränkt. Ein robuster Harnisch mag euch vielleicht gegen Pfeile schützen, aber vor einen heranrollenden Felsbrocken könnt ihr letztendlich nur die Beine in die Hand nehmen.

Zudem sind multifunktionale Werkzeuge von Vorteil. Sollte es so etwas wie ein Taschenmesser geben, dann darf das in eurem Repertoire nicht fehlen. Ihr verstaut auf keine andere Weise Säge, Messer, Dosenöffner, Schraubenzieher usw. auf so engem Raum. Darüber hinaus ist es jederzeit schnell griffbereit. Neben Werkzeugen braucht ihr auch immer etwas Notproviant, ein Seil (mit Kletterausrüstung) und ein Notizbuch. Schließlich wollt ihr eure Abenteuer und Entdeckungen ja auch für die Nachwelt festhalten.

Was ihr nicht oder sehr selten nutzt, sind Hilfsmittel wie ein Zelt für das Überleben in der Wildnis. Das könnt ihr schließlich alles selbst – ob nun besonders gut, sei dahingestellt, aber es reicht.

Und nicht zu vergessen: Ein Hut, der gegen Sonne, Äste und Tiere schützt… ein bisschen zumindest.

Indys Charakter

Indiana Jones ist abenteuerlustig, manchmal leichtsinnig, bringt sich und seine Begleiter gerne einmal in Gefahr und hat immer eine fixe Idee auf Lager. Dieser Charakter gehört definitiv zu den Guten, der seinen Prinzipien treu bleibt und Menschlichkeit groß schreibt. Seine Freunde bedeuten ihm sehr viel, er würde alles für sie tun. Nichtsdestotrotz ist er nicht unfehlbar. Es geschehen Unfälle und nicht immer ist der vermutete Weg unbedingt der richtige, aber irgendwie schafft es Indiana Jones doch wieder. Und ja, es gehört eine große Portion Glück dazu.

Keine Panik, Schlange, ich will dir nichts tun... du mir hoffentlich auch nicht...

Keine Panik, Schlange! Ich will dir nichts tun… du mir hoffentlich auch nicht…

Doch auch Indiana Jones hat seine schlechten Seiten: Er lässt sich gerne ablenken, vor allem vom anderen Geschlecht und vielversprechenden Schätzen. Außerdem ist er etwas jähzornig und dadurch leicht reizbar, sodass er gleichermaßen leicht herausgefordert werden kann. Ob das immer klug ist? Sicherlich nicht! Aber wir haben hier ja keinen perfekten Menschen, sondern einen abenteuerlichen Draufgänger. Und der hat nun mal Ecken und Kanten.

Achja, und ganz wichtig: Ihr habt eine Phobie vor etwas, dem ihr vermutlich häufiger begegnen werden. Die panische Angst vor Schlangen ist für Indiana Jones eigentlich ziemlich unpraktisch, wenn er sich auf der Suche nach einem versunkenen Tempel abermals durch den Dschungel kämpft. Sucht euch etwas Vergleichbares. Es muss nicht zwangsläufig ein Tier sein, aber etwas, das euch theoretisch immer wieder begegnet.

Es ist übrigens denkbar, dass ihr euch zu Beginn des Abenteuers mit diesem Charakter etwas schwerer tun werdet, da ihr zwar allgemein ganz gut aufgestellt seid, aber dennoch gerne gegen ein paar stärker spezialisierte Charaktere der Gruppe von euren Werten her abstinken könntet. Macht euch nichts draus! Es geht um den Spaß am Rollenspiel. Und da Indy nicht nur auf seine Werte, sondern auch auf gute Lösungsansätze in allen Lagen ausgelegt ist, braucht ihr nicht immer perfekte Werte für den “Würfeltest”. Abgesehen davon: Wenn sich euer Charakter weiterentwickelt, dann gibt es gewiss mehr als genug Disziplinen, in denen ihr glänzen könnt und werdet.

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Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

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