Captain America – Civil War oder: Cap vs Iron Man


Am 28. April startet der neue Captain America. Wir durften uns das Actionspektakel schon einige Tage vorher ansehen und euch jetzt eine nur wenig spoilernde Filmkritik vorlegen. Das Ende wird aber definitiv nicht verraten. Der Text ist auch für diejenigen geeignet, die noch neu in der Marvel-Thematik sind – euch Fans brauche ich ja für den Kinogang nicht wirklich zu überzeugen.

Wer gegen wen?

Captain America ist jetzt quasi ein Squad-Leader eines eigenen Avengers Trupps geworden, der über die letzten Filme der Marvel-Reihe vorgestellt wurde. Ihren ersten Einsatz haben sie direkt zu Beginn des Films: Die bösen Terroristen müssen daran gehindert werden, eine Massenvernichtungswaffe in die Hände zu bekommen. Nach einem spannend inszenierten Hin und Her kann der Trupp den Kampfstoff sichern. Aber sie haben nicht mit dem Anführer der Terroristen gerechnet: Der sprengt sich kurzerhand in die Luft und obwohl einige Zivilisten gerettet werden können, erwischt es dafür andere.

 

Damit ist auch die Haupthandlung des Films eröffnet: Kollateralschäden durch die Avengers. Diese Thematik wird sehr gut in den Film eingeführt. Zum Beispiel durch eine trauernde Mutter im Gespräch mit Tony Stark oder den Präsidenten Nigerias, der sich fortan für eine internationale Kontrolle und Führung der Avengers durch die UNO einsetzt. Hier spaltet sich die Truppe bereits.

 

Steve Rogers leitet die Anti-UNO-Fraktion, Tony Stark ist hingegen dafür. Doch zu einer Diskussion kommt es nicht wirklich, denn es gibt einen Anschlag auf die UNO-Sitzung, die über die Änderungen abstimmen soll. Drahtzieher soll ein russischer Supersoldat namens Bucky Barnes sein, den wir bereits aus Winter Soldier zu genüge kennen. Während Iron Man sich aufmacht ihn zu verfolgen und zu fassen, entschließt sich Captain America, alle Hintergrundinformationen herauszufinden und ihn zu beschützen.

 

Marvel's Captain America: Civil War L to R: War Machine/James Rhodes (Don Cheadle) and Iron Man/Tony Stark (Robert Downey Jr.) Photo Credit: Film Frame © Marvel 2016

Come fly with me! (© Marvel 2016)

So kommt es zu ersten Konflikt in Budapest, bei dem die deutsche GSG9 versucht, Barnes festzunehmen. Hieraus entwickelt sich der Konflikt zwischen Captain America und den Deutschen Behörden. Nach und nach kollidieren natürlich auch die beiden Fraktionen um Iron Man und Captain America miteinander und es kommt zu einem Showdown auf dem Flughafen Leipzig/Halle. Hier kommen neue Superhelden hinzu. So viel sei verraten: Auch Ant-Man kommt während des Kampfes ganz groß raus. Während der wahre Drahtzieher hinter all dem in aller Ruhe sein Ding dreht…

 

Übrigens schon das zweite Mal, dass Deutschland mit den Avengers zusammenhängt. Im ersten Avengers-Film unterdrückte Loki die Bevölkerung von Stuttgart. Offensichtlich hat Disney/Marvel etwas für unser Land übrig.

Produktion

Marvel's Captain America: Civil War L to R: Captain America/Steve Rogers (Chris Evans) and Winter Soldier/Bucky Barnes (Sebastian Stan) Ph: Zade Rosenthal  ©Marvel 2016

Umgebung gesichert? Check! Grimmig geschaut? Check! Heldenpose? Check! (©Marvel 2016)

Joe Russo, einer der Regisseure, brachte die Handlungsart gut auf den Punkt: „Wir spürten, dass wir unbedingt eine radikale Kursänderung vornehmen mussten (…) Von Beginn an plädierten wir für die mit Bürgerkriegsmotiven durchsetzte Geschichte, die den Film jetzt prägt.“ So stehen anfängliche Konflikte später stellvertretend für die großen Auseinandersetzungen und bauen aufeinander auf. Und natürlich spielen die Regisseure mit den persönlichen Vorlieben der Marvel-Fans: Auf wessen Seite ist man? Auf der von Iron Man? Oder auf der von Captain America? So entstehen ganz individuelle Kinoerlebnisse, je nachdem mit welchen Augen ihr den Film guckt.

 

Eigentlich kommt jetzt der Part, an dem ich auf die Kameraführung, Umsetzung, Grading und Effekte eingehe. Hier verzichte ich aber einmal darauf. Denn jeder, der die vorherigen Teile der Marvel-Produktionen kennt, weiß wie Anthony und Joe Russo inszenieren. Ebenso der Director of Photography Trent Opaloch (der oberste Kameramann) hat hier eher auf bewährte Bildausschnitte  und Kamerafahrten gesetzt und leider wenig Neues gewagt. Wer The Return of the first Avenger kennt, kennt seinen Drehstil.

 

Die Kamera ist fast immer in Bewegung, mit Hilfe eines Easyrigs waren die Kameraleute flexibel und konnten während der Actionszenen das Geschehen dynamisch begleiten. Daneben wird noch mehr auf Reißschwenks gesetzt, zum Beispiel um endende Kämpfe cool zu beenden. In einigen Kampfszenen wurden direkt zwei Kameras eingesetzt, um den besten Shot aus mehreren Perspektiven zu haben.

 

Das Easy- und das Schulterrig schaffen in diesem Film sich leicht bewegende Bilder, um eine dauerhafte Dynamik in den Actionsequenzen aufrecht zu erhalten. Bei den ruhigen Szenen nutzten die Macher Kamerakräne und Dollysysteme, um leichte und elegante Fahrten zu inszenieren und die ruhigen Stellen nicht langweilig werden zu lassen. Der Schnittrythmus war in den Actionszenen relativ dynamisch, wobei mir aufgefallen ist, dass hier lieber auf lange und schnelle Fahrten als einen Schnitt gesetzt wurde. Das ist aber keinesfalls übertrieben, sondern vermittelt eher noch mehr von der Umgebung, in der sich das Gesehene abspielt.

„Ahhh Eva – auf Wiedersehen!“

Auftritt Black Panther. Sein erster Film und er war gar nicht aufgeregt. (© Marvel)

Auftritt: Black Panther. Sein erster Film und er war gar nicht aufgeregt. (© Marvel)

Ich durfte mir den Film in OT anschauen, umso erfreuter war ich, dass Captain Americas Feinde wieder einmal schlechtes Deutsch sprachen. „Darf ich mich hereinlassen“ – ich finde so etwas gibt amerikanischen Filmen über Deutschland erst wirklich Charme! Auch die Drehorte in Berlin und Leipzig/Halle waren sehr cool gewählt und es ist einfach spannend, wenn so ein Film hier in Deutschland spielt. (Und ja, die haben das bestimmt nur wegen der deutschen Filmförderung gemacht!)

 

Die GSG9 ist sicherlich nicht die stärkste Waffe der Bundesrepublik, aber die Kämpfe zwischen dieser Spezialeinheit und Captain America sind besonders gut gemacht – der Cap war nämlich darauf bedacht, niemanden zu töten! Ihr fragt euch an dieser Stelle sicherlich was die stärkste Waffe der Deutschen ist? Das Finanzamt! Aber der Kampf gegen die deutsche Bürokratie wäre sicherlich nicht so spannend geworden. (Entschuldigt, aber das musste sein.)

 

Umso enttäuschter war ich, als auf (historische) Genauigkeit wenig Wert gelegt wurde. So spielt die Eröffnungsszene 1991 in der Russischen Föderation. Die russischen Soldaten tragen aber Rang- und Hoheitsabzeichen, die erst vor einigen Jahren in Russland eingeführt wurden. Ebenso trägt das deutsche Auto Captain Americas die amtliche Kennung E für Essen, hat aber eine Niedersächsische Plakette daneben hängen.  !MEGA-SPOILER! Auch das Kostüm von Spiderman ist einmal ein Ganzkörperkostüm und an der anderen Stelle kann er die Kopfverhüllung abziehen. !MEGA-SPOILER ENDE!

 

Fazit

Ich bin definitiv kein eingefleischter Marvel-Fan. Dennoch ist Captain America einer meiner Favoriten in der gesamten Comic-Welt. Deshalb fand ich es sehr schade, dass er schon nach dem ersten Teil in die Gegenwart katapultiert wurde. Klar, das mussten sie wegen den Avengers machen. Trotzdem finde ich das schade.

 

Alles in allem kommt auch dieser Teil nicht an den ersten Captain America-Film heran! Die Effekte toppen die vorherigen Teile bei weitem – aber ist es immer das Ziel nur noch größere Explosionen zu erzielen? Wo bleiben die kreativen Storys und Plot Twists, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen? Die Story und das Ende von Captain America waren cool inszeniert, doch inhaltlich nur „ganz nett“. Wer von Anfang an die Story aufmerksam verfolgt, kann schon vor dem Ende alle Zusammenhänge erahnen, als ob sie mit Thors Hammer eingetrichtert worden wären.

 

Marvel's Captain America: Civil War Iron Man/Tony Stark (Robert Downey Jr.) Photo Credit: Film Frame © Marvel 2016

Stop! Oder ich leuchte dir ins Gesicht! (© Marvel 2016)

Zudem kam mir der Moralkonflikt etwas scheinheilig vor. Die UNO will die Avengers kontrollieren, weil sie zu viele Zivilisten auf dem Gewissen haben. Und was ist mit den ganzen geretten Zivilisten? Geschweige denn das Überleben des gesamten Planeten? Und das würde sich alles unter der Führung der UNO ändern? Denn die Fehler liegen bekanntlich nicht in der Strategie, sondern in der Taktik?!? Dieses Hauptgerüst wirkt nicht so glaubwürdig, wie diejenigen, die es verkörpern – insbesondere der vorhin erwähnten Mutter, die mit Tony Stark spricht.

 

Es gab aber dennoch einige kleine Überraschungsmomente, für die es sich lohnt, ins Kino zu gehen. Wer wissen will, wie es weitergeht, Marvel Fan ist oder es werden möchte sollte in diesen Film gehen. Daher klare Empfehlung!

 

Was bedeutet diese Bewertung? Lest es hier nach.

Phil Ramcke

Phil Ramcke

Macht irgendwas mit Medien. Filme sind seit seiner Geburt seine große Leidenschaft – nicht nur schauen, sondern auch selber machen.
Hauptthemen: Filme

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