Der Nebel um den Totenkaiser


In Bernhard Trecksels Erstlingswerk Nebelmacher findet der Totenkaiser, ein Assassine im Namen der Göttin des Mordens, heraus, dass er seine letzten Aufträge nicht in ihrem Namen ausgeführt hat. Das macht ihn verständlicherweise wütend, so dass er die Hintergründe aufdecken will.

Soweit die Beschreibung im Shop und auf dem Buchrücken. Das klingt langweiliger als es ist und wird dem Buch nicht gerecht.

Der Klappentext verrät mehr: Jetzt sind es schon vier Charaktere, die sich mit Mord und Verschwörung auseinandersetzen müssen. Jeder auf seine Art, aus anderen Beweggründen und mit unterschiedlichen Zielen.

Mein erster Eindruck wäre ernüchternd gewesen, hätte ich mich auf dieses Buch gefreut: Während des Einstiegs in diese neue Fantasywelt sehe ich mir immer wieder die Karte im Buchumschlag an, doch bis einer der Orte darauf Erwähnung findet und Bedeutung erlangt, dauert es.

Ich lese angestrengt und versuche mich auf das schwülstige Blabla einzulassen – bis es mir endlich gelingt. Denn so unerfreulich vorurteilsbehaftet ich an dieses Buch herangegangen bin, als so falsch haben sich meine Annahmen erwiesen. Oft habe ich das Problem, dass mir der Zugang zu einer guten Geschichte verwehrt bleibt, weil ich mich schlichtweg nicht mit dem Stil der Autoren anfreunden kann. Das ist erstens ziemlich traurig und zweitens hier ausnahmsweise nicht so.

Ich bin zwiegespalten, noch nicht überzeugt – aber neugierig. Es ist eine Geschichte, die man ruhig gelesen haben kann, im anderen Fall aber auch nichts verpasst hat. Ich habe vom ersten bis zum letzten Wort jedes gelesen – andere Autoren blättere ich manchmal seitenweise weiter, so leid mir das tut – vorausgesetzt, ich komme überhaupt über die ersten zehn Seiten hinaus.

Bernhard Trecksels Schreibart gefällt mir also schon, nachdem ich mich daran gewöhnt habe. Sie ist sehr detailliert, manchmal ausschweifend – was mich anfangs unglaublich störte fügt sich zu einem Stil zusammen, der mir tatsächlich gefällt: Eine übertriebene Darstellung, außergewöhnlich/ausgesucht/bemerkenswert bildhafte Vergleiche.

Trecksel mag es blutig

Sein Buch handelt von Gewalt und Mord und ansonsten fast ausschließlich von Ehre und Loyalität. Das ist normalerweise nicht die Art Geschichte, die mir zusagt, und schon gar keine, von der ich eine mich ansprechende Schreibweise erwarten würde. Gerade bei blutigen Kampfszenen ist der Grat zwischen „gerade noch nicht zu übertrieben“ und „abartig-unnötig“ sehr schmal – Trecksel schafft es aber hier, dem Ganzen trotz seiner grenzwertigen Detailverliebtheit mit ungewöhnlichen Vergleichen die Schärfe zu nehmen. Der Leser erfährt das, was er soll und es wird beschrieben, wie es ist. Ohne Beschönigungen – das Notwendige, aber eben gut verpackt.

Die Hintergründe der Charaktere werden vorwiegend über ihre Einstellung und Motivation zur Gewalt deutlich. Das ist etwas einseitig, passt aber ins Gesamtbild. Wer sich beim Lesen darauf einlassen kann, ständig vom Autor mit farbigen Vergleichen überhäuft zu werden, ist bei Trecksel offenbar richtig. Ist man kein Fan davon, fällt der Einstieg schwer und zum Durchhalten muss man die Gewöhnungsphase überstehen – dann liest sich das Buch allerdings fast von alleine.

Als besonders anspruchsvoll lässt sich diese Lektüre nämlich nicht einordnen: Die Story ist im Grunde recht simpel – wenn auch nicht so flach, wie die Beschreibung vermuten lässt. Der Spannungsbogen verläuft einige Kapitel vor dem Ende bereits im Sande und wirklich viel passiert eigentlich nicht.

Hinzu kommen noch teils unaussprechliche Namen für Orte und Personen, die natürlich in der Absicht begründet sind, eine eigenständige Fantasywelt zu erschaffen. Von dieser erfährt der Leser nach und nach noch mehr, als eigentlich nötig ist. Leider verhilft das dieser Welt und der Geschichte nicht zu mehr Tiefe und Authentizität. Eher im Gegenteil: Die aus dem Zusammenhang gerissenen „historischen Hintergründe“ wirken anfangs wie ein verzweifelter Versuch, der Welt des Totenkaisers mehr Fülle zu verleihen. Ich konnte mich aber auch daran mit der Zeit gewöhnen und sehe mittlerweile die düstere, trostlose Welt, die Trecksel kreiert, über der die Schatten ihrer Vergangenheit liegen.

Fazit

Geschmackssache: Ich bin gespannt auf mehr – die Leidenschaft fürs Schreiben ist unübersehbar und in sich begründet. Ich werde Bernhard Trecksels nächstes Werk lesen und hoffe, dass er dabei seine Welt ausbaut, seinen Stil beibehält, eine zündende Idee für eine spannende Geschichte hat und diese dann entsprechend umsetzt.

So war mir das zu lasch, obwohl Potenzial besteht. Vielleicht fehlte auch einfach ein kleiner Lichtstrahl in all dem Nebel.

Nebelmacher (Totenkaiser, Band 1)

Price: EUR 13,99

4.0 von 5 Sternen (32 customer reviews)

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Vanessa Barth

Vanessa Barth

Liest, schreibt und zockt in ihrer Freizeit; bereist dabei am liebsten Fantasy- & ScienceFiction-Welten und würde gerne auf die Scheibenwelt auswandern oder mit der Tardis das Universum erkunden.
Hauptthema: Bücher

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