Dynasties – Teilen, teilen, teilen


In der Vergangenheit Europas war das Ziel vieler Adelsfamilien, sich mittels geschickter Heiratspolitik über den gesamten Kontinent auszubreiten und dabei an Einfluss zu gewinnen. Auch die eine oder andere Mitgift wurde dabei gerne abgegriffen. Genau dieses Thema packt der Hans im Glück Verlag in ein anspruchsvolles Strategiespiel namens Dynasties: Heirate und Herrsche

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Die aufwändig gestaltete Spielverpackung

Der Hans im Glück Verlag ist dafür bekannt, im halbjährigen Turnus jeweils zu den großen Messen in Essen und Nürnberg ein neues Strategiespiel herauszubringen. Daraus sind in den letzten Jahren beispielsweise die Gewinner des Deutschen Spielepreises 2014 und 2015, Russian Railroads und Auf den Spuren von Marco Polo, hervorgegangen. Mit Dynasties von Matthias Cramer möchte der Verlag jetzt an diese Erfolgsserie anknüpfen. 

Klassisches Eurogame

Wie bei so vielen Spielen dieser Art ist das Spielziel von Dynasties abermals die meisten Siegespunkte zu generieren. Punkte gibt es durch den Vollzug von Hochzeiten, für ledige Fürstinnen und Fürsten am Ende jeder Runde, durch Wertungskarten, weitere kleinere Aktivitäten und vor allem durch die Mehrheitenwertung in jedem Gebiet am Ende des Spiels. Dynasties ist ein typischer Punkte-Kuddel-Muddel wie er bei vielen Eurogames üblich ist. 

Jeder Spieler erhält zu Beginn der drei Runden Aktionskarten, mit denen er dann Waren nutzen kann, um wiederum verschiedene Aktionen auszuführen. Jede Aktionskarte bietet immer nur drei der verschiedenen Möglichkeiten an. Diese gestalten sich wie folgt: 

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Übersicht des Spielplans

Schwarze Waren: Einsatz eines Fürstens in eine Stadt. 
Weiße Waren: Einsatz einer Fürstin in eine Stadt. 
Gelbe Waren: Besondere Aktion, die auf den Aktionskarten selbst abgebildet ist.
Blaue Waren: Einsatz von Personen, die einen besonders starken Bonus bieten. Diese werden danach verdeckt und stehen für die aktuelle Runde nicht mehr zur Verfügung. 
Pinke Waren: Dienen einerseits als Joker für andere Waren und können andererseits beim Passen eingesetzt werden, um am Ende der Runde einen stärkeren Bonus zu erlangen. 

Darüber hinaus können noch Spielfiguren zum Handeln in den Hafen gesetzt werden, um neue Waren zu erlangen. 

Alles wird geteilt

Kernmechanismus des Spiels ist aber das Teilen. In jeder Stadt sind zwei Felder für Spielfiguren. Sobald die zweite Figur auf das Feld gesetzt wird, läuten die Hochzeitsglocken. Daraufhin werden drei Würfel gerollt, die verschiedene Boni zeigen. Dies können direkte Siegpunkte, neue Waren, neue Wertungskarten und vieles mehr sein. Der Spieler, der auf dem kleineren Feld der Stadt steht, teilt daraufhin die Würfel in zwei Gruppen. Der andere Spieler darf sich eine Gruppe aussuchen. Der Spieler, der teilt, möchte natürlich für sich das Beste herausholen und überlegt, was der andere Spieler am ehesten nehmen wird. Dies macht das Spiel ausgesprochen reizvoll, da ein jeder versuchen wird, die Handlungen seiner Gegner zu erahnen. Überhaupt bringt dieser Teilen-Mechanismus die fast einzige Interaktion im Spiel mit sich. Natürlich kann den Gegenspielern mal ein Platz in der Stadt oder die Nutzung einer Person weggeschnappt werden, aber das ist doch eher selten der Fall.

Reiz des Spiels

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Detailansicht des Spielplans

Neben dem Teilen liegt der Reiz – wie bei so vielen Spielen dieser Art – in der Vielfalt der Möglichkeiten. Möchte ich mich jetzt in Spanien ausbreiten, hole ich mir lieber noch diese oder jene Person vor allen anderen, passe ich jetzt schon, um den stärken Bonus zu bekommen, oder mache ich doch was ganz anderes. Die Anzahl der verschiedenen Optionen ist schier unbegrenzt. Dies hat aber auch zur Folge, dass die Spieler schon einmal etwas mehr Zeit in das Planen ihrer jeweiligen Züge investieren müssen. Diese sogenannte Downtime ist vor allem beim Wettstreit mit fünf Personen deutlich zu spüren. 

Als Besonderheit für ein Spiel solchen Kalibers ist der verhältnismäßig hohe Glücksanteil. Egal ob beim Zug der Aktionskarten für die Runde oder beim Erwürfeln der Mitgift, stets greift das Glück entscheidend ins Spiel ein. Dies mag dem einen oder anderen vielleicht nicht sonderlich zusagen. Mir gefällt es hingegen sehr gut, da sich auf diese Weise der Spielverlauf  weniger linear gestaltet.

Fazit

Für den Hattrick beim Deutschen Spielepreis wird es wohl schwer: Dafür sind andere Spiele des Jahrgangs wie Mombasa einfach zu stark. Eine Kaufempfehlung gibt es von mir trotzdem vor allem für Liebhaber komplexerer Spiele, die auch in Anbetracht des Glücksfaktors nicht verzagen. Ich freue mich schon auf die nächste Partie, um eine neue Strategie auszuprobieren. 


Dynasties: Heirate & Herrsche

Autor: Matthias Cramer

Verlag: Hans im Glück

3-5 Spieler

60-90 Minuten

Hans im Glück 48259 – Matthias Cramer: Dynasties

Price: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen (5 customer reviews)

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Jan Kempf

Ist Anhänger des analogen Spielens zu Tisch. Ein wahrer Wettkampf findet für ihn immer noch im Angesicht seiner Gegner statt.
Hauptthemen: Gesellschaftsspiele

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