Frauen in Comics und Videospielen Part 3: Wie stark sind sie wirklich?


Dass Frauen in Superheldencomics eher in gewagten Outfits gegen Bösewichte kämpfen, scheint offensichtlich. Doch wie sieht es mit ihrem Verhalten aus? Haben wir es hier wirklich mit starken Persönlichkeiten zu tun oder unterliegen sie letztendlich doch den Männern? Und wie sieht es mit der Jungfrau in Nöten aus?

Starke Frauen mit Schwächen

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Wonder Woman, das Vorzeigebild einer Superheldin.

Charakterlich zeigen sich Heldinnen und Schurkinnen genauso unterschiedlich wie ihre männlichen Kollegen. Von ernst bis quirlig ist eigentlich alles vertreten. Auch das Denkvermögen der Damen variiert stark: So treffen wir nicht nur das dumme naive Blondchen sondern auch durchaus gebildete Frauen an. Die Spitze der Genialität beanspruchen jedoch noch immer die Männer für sich.

Allen Protagonistinnen ist gemeinsam, dass sie eine gewisse Stärke ausstrahlen. Oft wird diese Stärke jedoch durchbrochen. So finden sich in den früheren Comics von Wonder Woman, obwohl sie als Vorkämpferin der Gleichberechtigung gilt, viele Fesselspiele. Dies liegt daran, dass die Gute ihre Superkräfte verliert, sobald sie von einem Mann festgebunden wird. Über den Gehalt dieser Botschaft müssen wir uns wohl nicht unterhalten.

Dennoch gehört Wonder Woman zu den stärksten Heldinnen im DC Universum. Ich würde sogar fast behaupten, dass sie alle anderen übertrifft. Im Gegensatz zu ihren männlichen Mitstreitern hat Wonder Woman insbesondere in den jüngeren Darstellungen weniger Skrupel und wirkt in gewisser Weise streng, ohne dabei ihre sympathische Art einzubüßen. Und bis jetzt konnte sie sich immer wieder von ihren Fesseln lösen.

Eine weiterer  starker Frauencharakter des DC Universums – und zugleich einer der “dienstältesten” – ist Catwoman. Diese bietet seit ihrem ersten Auftritt Batman die Stirn und macht ihm immer wieder aufs Neue unmissverständlich klar, dass sich ihre Fähigkeiten nicht nur auf ihr hübsches Aussehen begrenzen. Doch auch sie hat ihre Tiefpunkte, in denen sie scheitert. Doch gerade durch das Scheitern und das daran anknüpfende Aufrappeln wirken die Figuren realitätsnaher. Voraussetzung ist natürlich, dass das Scheitern ebenfalls einem realistischen Maßstab entspricht und nicht allein der Erniedrigung der Frau dient.

Ab jetzt wird es einige Spoiler geben. Wer das nicht möchte, sollte hier lieber aufhören zu lesen.

Gewalt an Frauen

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In Batman The Killing Joke wird Babara gefoltert, um ihrem Vater Leid anzutun. (© Panini/DC)

Es finden sich oft explizite Gewaltszenen an Frauen, deren Spannweite vom Verlust der Kräfte über körperliche Gewalt bis hin zum Tod reicht. Auch die Männer müssen so einiges einstecken. Frauen in der Comicwelt davor zu bewahren, würde zu einem Ungleichgewicht führen. Besonders da sich letztere in solchen Situationen selten in die Schranken weisen lassen. Das beste Beispiel bietet hierfür Barbara Gordon: Obwohl sie durch Joker in Batman The Killing Joke an einen Rollstuhl gefesselt wurde, setzt sie ihre Verbrecherjagd fort.

Allerdings wird Frauen auch Gewalt angetan, um männliche Protagonisten zu motivieren.

So stürzt Gwen Stacy die Brooklyn Bridge herunter, nachdem sie vom Green Goblin entführt wurde. Spider-Man ist nicht in der Lage seine Freundin zu retten. Demnach muss Gwen nur sterben, damit Peter Parker an sich selber wachsen kann.

Doch auch DC lässt einige Frauen leiden, damit sich bestimmte Männer weiterentwickeln können. So findet beispielsweise Kyle Rayner seine zerstückelte Freundin im Kühlschrank. Die sich an dieser Szene namentlich orientierende Website Women in Refrigerators listet weitere Gewalttaten an Frauen in Comics auf.

Eine andere Frau im Marveluniversum, der Gewalt angetan wurde, ist Black Cat. Die eigentlich sehr taffe Frau wird in einem Comic von Kevin Smith von einem Drogendealer mit Heroin in der Absicht vollgepumpt, sie im Anschluss vergewaltigen zu wollen. Dann erfahren wir, dass sie bereits einmal in der Schule sexuell missbraucht wurde. Man könnte es als einen mutigen Schritt sehen, dass eine der Hauptfiguren ein Vergewaltigungsopfer ist,  für mich persönlich geht das jedoch zu weit.

Ein weiteres Beispiel findet sich in Batman: War Games. Stephanie Brown, auch bekannt als Spoiler, hält sich nicht an Batmans Anweisung und gerät dadurch in die Fänge von Black Mask. Spoiler wird daraufhin von Black Mask gefoltert. Obwohl sie sich später befreien kann, wird sie letztendlich von Sionis erschossen. Diese Szene ist nicht nur ein Beweiß für explizite Folterszenen an Frauen in Comics, sondern auch für die Erbarmungslosigkeit männlicher Schurken.

Dazu muss jedoch gesagt werden, dass Stephanie nicht der erste Sidekick von Batman war, der zu Tode gefoltert wurde. Berühmter ist hier ein Mann beziehungsweise Junge. Der zweite Robin, Jason Todd, wurde ein Opfer des Jokers.

Jungfrau in Nöten

Nicht nur in Spielen, auch in Comics gibt es die “damsel in distress”: In den frühen Fantastic Four Comics, in denen Susan Storm nicht viel mehr konnte, als sich unsichtbar zu machen, war sie ein beliebtes Entführungsopfer der Schurken. Traurigerweise hängt auch noch Susans Namensänderung von Invisible Girl zu Invisible Woman mit einer Fehlgeburt und einer anschließenden psychischen Tortur durch einen Schurken zusammen.

Mittlerweile wurden ihre Kräfte nicht nur erweitert, sie besitzt auch mehr Durchsetzungsvermögen und darf in eigenen heroischen Momenten glänzen. Darüber hinaus wird sie entgegen anderer Superheldinnen eher als Mutter und nicht als sexy Babe charakterisiert.

Es ist wohl wahr, dass insbesondere in den älteren Comics Frauen oft die Jungfrau in Nöten personifizieren und rein der Motivation des Helden  dienen. Doch mittlerweile passiert es genau so oft, dass auch männliche Figuren als Entführungsopfer enden. Dabei handelt es sich nicht immer unbedingt um den Bürgermeister der Stadt oder andere einflussreiche Persönlichkeiten, sondern auch oft genug um jemanden, der dem Schurken einfach auf den Keks geht.

Hinzukommend handelt es sich bei einer entführten Frau nicht zwangsläufig um die Jungfrau in Nöten. Es hat viel mit dem Verhalten der Frau in solch einer Situation zu tun. Nimmt sie die Opferrolle an oder bietet sie dem Schurken dennoch die Stirn?

Da ich meinen Lieblingsschurken in diesem Artikel noch gar nicht erwähnt habe, folgendes Beispiel:

Becky Albright, eine ganz normale Jurastudentin ohne Superkräfte oder besondere Kampferfahrung, erregt Scarecrows Aufmerksamkeit. Dieser verfolgt die etwas absurde Vorstellung, dass die Studentin seine Mistress of Fear werden möchte, obwohl er sie zuvor noch gequält hat. Obwohl Becky ihm offensichtlich physisch unterlegen ist, schreckt sie nicht davor zurück, ihm ihre Meinung zu geigen: Eher würde sie sterben, als sich seinem Wunsch zu unterwerfen. Damit ist sie zwar noch immer ein entführtes Fräulein, verkörpert aber ganz sicher nicht die klassische Jungfrau in Nöten.

Eher negativ fällt hingegen auf, wenn eine ansonsten starke weibliche Person plötzlich zu einem hilflosen Etwas reduziert wird. Nehmen wir als Beispiel Teela aus dem Master of the Universe Universum: Obwohl sie die Palastwache anführt und entsprechende Kampferfahrung hat, fällt sie Skeletor immer wieder in die Arme. Gespräche zwischen den Beiden enden dann oft damit, dass sie betont, dass He-Man sie schon retten wird. Es ist okay, dass schlussendlich der Protagonist als Held dasteht, aber dass eine kampferprobte Kriegerin von sich aus lieber auf ihren männlichen Retter wartet, finde ich doch recht unpassend.

Fazit

Es gibt in Comics Szenen, in denen Frauen offensichtlich erniedrigt werden. Bei diesen Szenen handelt es sich um ein zweischneidiges Schwert. Die Peiniger sind zwar stets männlich, drücken jedoch beiden Geschlechtern dadurch einen negativen Stempel auf.

Nichtsdestotrotz bewegen sich Frauenfiguren schon lange nicht mehr ausschließlich in hilflosen Opferrollen, sondern haben sich mit dem Zeitgeist entwickelt. Männer hingegen scheinen noch in den Rollen guter Jäger oder böser Wolf gefangen zu sein. Selten kommt es vor, dass ein männlicher Bösewicht Frauen gut behandelt. Dass insbesondere in früheren Comics gerne weibliche Charaktere als Entführungsopfer dienen, hängt wohl damit zusammen, dass es prozentual mehr männliche Helden und Schurken gibt. Es liegt daher nahe, dass sich Autoren und Zeichner dann eher für eine hübsche Frau als Opfer entschieden haben.

Zum einem würde ein Schurke wohl eher dazu tendieren jemanden zu entführen, der entweder in seinen Augen leicht zu schnappen sei oder dem der Held nahe steht. Manchmal fallen die Frauen auch einfach dem Liebesbedürfnis der Bösewichte zum Opfer. Zum anderen wirkt es ein wenig epischer, wenn ein gut aussehendes Mädel ihrem Retter dankend in die Arme springt, als wenn ein Typ diesem einfach nur die Hand schüttelt.

Heldinnen sind noch immer in der Minderheit. Das liegt daran, dass sie sich früher nicht gut verkauft haben. Vielleicht sehen heutige Verkaufszahlen für feminine Protagonisten inzwischen lukrativer aus. Zumindest bekommen einige Frauen ihre eigene Comicreihe und Wonder Woman 2017 endlich auch einen Kinofilm.

Ich würde mich darüber freuen, wenn Frauenrollen auch in nächster Zeit vielfältiger werden. Zudem hoffe ich, dass wir nicht irgendwann nur noch “Rambo”-Frauen in der grafischen Literatur finden. Außerdem wäre es schön, dass bei all den Diskussionen über Gleichberechtigung die Männer nicht vergessen werden.

Was denkt ihr? Kommen Frauen öfter in Gewaltszenen vor als Männer? Kennt ihr vielleicht Gegenbeispiele, in denen ein Mann zum Opfer gemacht wird, um die Frau zu motivieren? Welche Heldin oder Schurkin nehmt ihr als starken Charakter wahr und welche nicht? Und woran liegt es?

Die Reihe

Einleitung

Nur ein gebrochener Rücken kann entzücken

 

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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