Frauen in Comics und Videospielen Part 4: Ein Blick über den Tellerrand


Betrachtete ich bis jetzt nur Frauen in amerikanischen Superheldencomics, möchte ich heute noch einen kurzen Blick in andere Genres und Länder werfen.

Die unschuldige Kindheit

Ob als Kind selber gelesen oder nicht: Jeder kennt die Micky Maus Heftchen und das sich darin entfaltende Universum, welches von vermenschlichten Tieren bewohnt wird.

Im ersten Moment fallen mir hier sofort drei weibliche Figuren ein, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Die Freundin von Micky Maus selbst, die Partnerin von Donald Duck und die Hexe Gundel Gaukeley, die es auf Dagoberts Glückszehner abgesehen hat.

Hat sich Minnie Maus von einer Nebenrolle ohne großartigen Tiefgang zu einer fürsorglichen Liebhaberin entwickelt, ist Daisy das tratschende und zeternde Weib, welches in einigen Darstellungen sogar die Aufmerksamkeit und Nähe mehrerer Männer genießt.
Gundel Gaukeley tritt zwar als starke weibliche Persönlichkeit auf, aufgrund ihres Gebrauchs von schwarzer Magie wird sie aber in ein recht negatives Licht gerückt.

Es gibt jedoch auch eine emanzipierte Frau in der Welt von Entenhausen: Oma Duck, die genau das tut, was sie möchte, und neben einem starken Durchsetzungsvermögen auch einen gesunden Menschenverstand besitzt. Auch wenn sie mit traditionell eher fraulichen Tätigkeiten (wie Kuchen backen und die Familie versorgen) in Verbindung gebracht wird, ist sie eine patente Person.

Jedoch bewege ich mich hier schon wieder in einer Comicwelt, die zu einer Zeit entstanden ist, in Frauen eher im Hintergrund bleiben mussten. Dementsprechend werde ich jetzt auch nicht weiter auf Asterix und Obelix oder ähnliches eingehen, sondern einen Comic zur Hand nehmen, der für ein weibliches Publikum gedacht ist:

Der italienische Comic W.I.T.C.H., der ebenfalls von Disney stammt, erschafft fünf unterschiedliche Frauentypen, die mit Hilfe von Elementarmagie das Böse bekämpfen. Drehen sich die Gespräche der Mädchen auch hier oft um Jungs und Mode, sticht insbesondere Will durch ihr Interesse an Physik und Biologie positiv heraus. Auch der Kleidungsstil einiger Mädchen, der eher in eine sportlich lockere Richtung geht oder im Falle von Hay-Lin sogar sehr extravagant ist, lässt die fünf recht individuell erscheinen und beschränkt sich nicht auf stereotypische Gestaltungskriterien.

Mangas

Diese Betrachtung wird etwas gröber ausfallen, da es etwas länger her ist, dass ich mich mit japanischen Comics in gedruckter oder animierter Form auseinandergesetzt habe. Außerdem gibt es einfach viel zu viele Mangas mit den unterschiedlichsten Richtungen und Darstellungen.

Selbst denjenigen, die keine Mangas lesen, wird nicht entgangen sein, dass in diesem Genre schöne Frauen ebenso wenig eine Seltenheit sind wie in den Superheldencomics. So wird beispielsweise die Präsentation von großen Brüsten oft mit einer verlegenen oder gar erregten Reaktion eines männlichen Betrachters unterstützt.

In Geschichten, die eher auf ein männliches Publikum ausgerichtet sind, spielen Frauen selten eine heldenhafte Rolle. So konzentriert sich beispielsweise die kämpferisch begabte Chi Chi, nachdem sie Son Goku geheiratet hat, vorrangig auf Haushalt und mütterliche Fürsorge. Sie hat zwar immer noch in  der Ehe und im Haus das Sagen, die entscheidenden Kämpfe zur Rettung der Welt liegen aber allein in männlicher Hand.

In auf eine weibliche Zielgruppe ausgerichteten Mangas treten oftmals Frauen als starke Protagonistinnen auf, orientieren sich jedoch auf der Suche nach ihrer wahren Liebe an Männern. Während männliche Protagonisten ihre Partner(innen) nicht bewusst suchen. Und auch in den japanischen Comics gibt es sie, die schwache Frau, die mit besonderer Vorliebe vom Antagonisten entführt wird. Doch finden sich diese eher in den älteren Ausgaben. Die heutigen Heldinnen bestechen durch vielfältigere Aktivitäten.

Das liegt zum einem daran, dass sich Mangas am japanischen Theater orientieren, in dem ein Rollentausch zum Aufbrechen der Geschlechterrollen führt. Es ist eine Form der Kunst, die davon ausgeht, dass kein realer Mann je so schön sein kann wie eine Frau, die einen Mann spielt, und umgekehrt.

Der Geschlechtertausch findet sich ebenfalls in den „Shojo Mangas“, die Anfang der 70er Jahre fast ausschließlich von Frauen gezeichnet wurden. Ein Beispiel hierfür, das einigen sicher als Anime bekannt ist: Ranma 1/2. Hier wird der männliche Protagonist öfter in die Rolle einer Frau gezwungen. Dieser fällt während der Dauer seiner Verwandlung entweder weiterhin durch ein echt machohaftes Gehabe oder ein stark überzeichnetes weibliches Verhalten auf, das einen deutlichen Kontrast zu seiner Verlobten Akane bildet.

Letztere legt jedoch ein für Mädchen eher untypisches Verhalten – zumindest laut Medien – an den Tag. Das Tauschen der Rollen wird im späteren Verlauf noch mal intensiviert, indem Akanes Haare sichtlich gekürzt werden und ihre Rivalin Shampoo deutlich femininer in Verhalten und Aussehen auftritt.

Ein weiteres Beispiel, in der die klassischen Rollen aufgebrochen werden, findet sich in Angel Sanctuary: Für gewöhnlich werden hier Engel zunächst geschlechtslos geboren und prägen erst im Laufe der Zeit ein Geschlecht aus. Um der Entwicklung eines weiblichen Körpers entgegenzuwirken, nahm der Erzengel Belial Pillen. Dadurch besitzt er zwar einen weiblichen Unterkörper, aber einen schmalen, maskulinen Oberkörper. Im Manga wird Belial mal als “er” und mal als “sie” bezeichnet. Beim erstmaligen Erscheinen wird der gefallene Erzengel anhand seines Auftretens tendenziell eher für männlich gehalten. In Angel Sanctuary findet sich auch eine kriegerische Frau: Der Engel Alexiel stellt sich im zweiten großen Krieg zwischen Himmel und Hölle auf die Seite der Oger und macht sich durch ihr brutales Vorgehen schnell einen Namen als Kriegsgöttin.

In Animes und Mangas finden sich für gewöhnlich mehr bewaffnete Frauenfiguren als in den westlichen Medien. Dies lässt sich historisch darauf zurückführen, dass Samurais ihre weiblichen Familienmitglieder im Umgang mit einer Naginata ausbildeten, um im Notfall Heim und Familie zu verteidigen. Desweiteren waren Frauen auch manchmal auf dem Schlachtfeld zugegen. Ein berühmteres Beispiel war die Kämpferin Tomoe Gozen.

Dream_of_the_fishermans_wife_hokusai

Der Traum der Fischersfrau, um 1820, von Katsushika Hokusai gemalt. Er prägte den Begriff Manga und zeigt, dass die Tentakel-Erotik schon früh einen Weg in die japanische Kultur fand.

Neben starken Frauen gibt es in Mangas jedoch auch eine auffällige Präsenz sexueller Gewalt, sodass einige Animes nur als Zeichentrickpornos bekannt sind. In den sogenannten Hentais werden nicht selten sexuelle Übergriffe thematisiert. Dabei kommt es vor, dass das Opfer dem Mann im Nachhinein vergibt, weil er sie ja lieben würde. Einen solchen Handlungsverlauf halte ich für sehr fraglich, da es den Eindruck vermittelt, eine Vergewaltigung sei okay, solange man die Person liebe. Ebenso finden sich Hentais, die suggerieren, dass Frauen im Laufe der Vergewaltigung Lust oder gar Freude daran empfinden würden. In Mangas tritt der Vergewaltiger manchmal anstatt als Mann auch als Monstrum mit Tentakeln auf.

Fazit

Würde man noch weitere Comics hinzuziehen, würden sich noch viele finden, die ein erschreckendes Frauenbild darbieten. Dennoch haben sich bereits sehr viele Comics vom typischen Rollenbild gelöst. Obwohl ich kein großer Fan von Mangas bin, muss ich  zugeben: Sie sind dem westlichen Markt mit ihren starken Frauen ein wenig voraus. Sobald jedoch Stereotypen oder Übersexualisierungen auftreten, fallen diese weitaus intensiver aus.

Obwohl ich nichts gegen pornografische Werke habe, halte ich es für wenig sinnvoll, eine Vergewaltigung in irgendeiner Weise zu beschönigen oder gar zu entschuldigen. Hierbei beziehe ich mich nicht nur auf Hentais, sondern auf alle Medien. Wenn so eine Thematik im Sinne des Autors der Handlung zuträglich ist, sollten die Konsequenzen daraus auch dem Geschehenen realitätsnah entsprechen.

Wie seht ihr das? Findet ihr, Mangas zeichnen ein gutes oder eher schlechtes Frauenbild? Und auch wenn sie hier etwas zu kurz gekommen sind: Wie sieht es mit den Männern aus? Kennt ihr Comics außerhalb des Superheldengenres, die ein besonders fragliches oder positives Geschlechterbild wiedergeben?

Die Reihe

Einleitung

Nur ein gebrochener Rücken kann entzücken

Wie stark sind sie wirklich?

W.I.T.C.H. [Will, Irma, Taranee, Cornelia, Hay Lin) – WITCH – Sonderheft. Band 1. Der Anfang aller Magie.

Price: EUR 254,99

(0 customer reviews)

2 used & new available from EUR 254,99

Angel Sanctuary Deluxe 1

Price: EUR 14,90

4.1 von 5 Sternen (7 customer reviews)

68 used & new available from EUR 7,79

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden