Wir stehen einer Alieninvasion entgegen


Es gab schon viele Versuche, das Tabletop-Miniaturenspiel mit dem Brettspiel zu kreuzen. Meistens liegt dann der Schwerpunkt auf einfachen Regeln und viele tolle Miniaturen zum selber bemalen. Bei Galaxy Defenders wird das ganze auf den Kopf gestellt. Ob das funktioniert?

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Bild: Heidelberger Spieleverlag

Im April 2013 startete Ares Games (bekannt durch War of the Ring und The Battle of Five Armies) einen Kickstarter, der für mich aussah, wie viele andere auch, und dessen Designer (Nunzio Surace und Simone Romano) ich nicht kannte. Deshalb habe das Spiel in den vergangenen Jahren auch nicht weiter beobachtet. Galaxy Defenders erschien dann im Februar 2014 bei Ares Games und ganze anderthalb Jahre später, im August 2015, bei Heidelberger. Beides ungewöhnliche Termine, da zu diesen Zeiten keine nennenswerte Cons oder Messen stattfinden. Das hat dazu geführt, dass es um Galaxy Defenders keinen großen Hype gab und es nur sehr langsam wieder in mein Blickfeld zurückgefunden hat.

Das andere X-COM

AgentenWem bei der Bretsspiel-Version von X-COM die taktischen Missionen fehlten, der wird nun bei Galaxy Defenders fündig. Gemeinsam spielt ihr gegen das Spiel und kämpft euch durch eine mehrere Missionen andauernde Alieninvasion. Dabei spielt jeder einen anderen Agenten, dessen Fähigkeiten sich deutlich von denen der anderen unterscheidet. Die Bezeichnung der Agenten lässt bereits darauf schließen, in welchen Bereichen ihre Stärken liegen: So gibt es den Marine, den Biotech, die Infiltratorin, den Scharfschützen und den Hulk. Allerdings spielen nicht in jeder Mission alle Agenten mit. Man sollte sich also im Vorfeld die nächste Mission angucken, um nicht aus Versehen zu viele Spieler am Tisch zu haben. Zu wenige Spieler sind aber kein Problem, dann übernehmt ihr einfach zwei oder mehr Agenten. Oder man spielt sogar ganz alleine.

Rules of Engagement

GD Gegenstände

Zu Beginn einer Mission lest ihr euren Auftrag durch, teilt die Agenten unter euch auf und baut die Mission dann auf. Dazu habt ihr mehrere Bretter mit Hexfeldern, einen ganzen Haufen Marker, welche verschiedene Sachen symbolisieren sowie einige Kartendecks, welche die Aliens und deren Aktionen steuern. Außerdem gibt es auch noch ein Ereignisdeck. Eure Agenten könnt ihr zu Beginn mit Waffen und Gegenständen ausrüsten – mit zunehmender Erfahrung und absolvierten Missionen wird die Auswahl an Ausrüstung immer größer. Auch die Fähigkeiten eurer Agenten nehmen im Laufe der Kampagne zu.

Sobald ihr alles aufgebaut und euer Missionsziel erhalten habt, geht’s los:

GD WaffenZu Beginn jeder Runde gibt es eine Auffrischungsphase, in der Fähigkeiten und Gegenstände, die nur einmal pro Runde aktiviert werden können, wieder aufgefrischt werden. Danach folgt die Strategiephase, in der ihr den Alpha-Agenten gemeinsam bestimmt. Er ist der Startspieler, nach dem es im Uhrzeiger weitergeht, und fällt Entscheidungen, wenn ihr euch nicht einigen könnt. Eventuell steigen in dieser Phase auch einzelne Agenten auf und manchmal gibt es auch Verstärkung in Form neuer Waffen oder Gegenstände. Falls ihr am Ende dieser Phase das Missionsende noch nicht erreicht habt, geht es weiter mit der Gefechtsphase.

 

GD AliensIn der Gefechtsphase sind immer abwechselnd ein Agent und dann die Aliens am Zug. Ein Agent hat immer eine Bewegung, einen Angriff und eine Aktion in beliebiger Reihenfolge zur Verfügung. Anschließend wird eine Begegnungskarte gezogen und alle durch diese Karte aktivierten Aliens, die sich auf dem Spielfeld befinden, erhalten nun eine Bewegung und einen Angriff. Wie Bewegung und der Angriff dieser Aliens aussieht, wird durch eine Alienkarte definiert. Dort finden sich mehrere Verhaltensweisen der Aliens, je nach Art des Aliens und dessen Positionierung auf dem Spielfeld.

Nachdem alle Agenten ihre Aktionen und Begegnungskarten abgehandelt haben, kommt es zur Ereignisphase. Der Alpha-agent zieht eine Ereigniskarte und handelt diese ab. Neben sogenannten Standardereignissen gibt es auch Spezialereignisse (die je nach Mission unterschiedlich sein können) und Wetterereignisse, die anhaltende Effekte haben. Diese Phasen geht man so lange durch, bis man das Missionsziel entweder erreicht oder verfehlt hat.

Abhängig vom Ablauf eurer Mission ändern sich auch die kommenden Missionen. Unter Umständen werdet ihr im Kampagnenspiel sogar ganze Missionen gar nicht spielen. Ihr könnt diese natürlich trotzdem auch einzeln außerhalb eurer Kampagne spielen – oder ihr spielt komplett ohne Kampagnenmodus. Davon möchte ich allerdings abraten, da ihr euch um die Geschichte bringt, die erzählt wird.

Eine gelungene Invasion

ausgepackt

Bild: Heidelberger Spieleverlag

Galaxy Defenders hat detaillierte Regeln für die unterschiedlichsten Situationen im Spiel. Es gibt dutzende von Waffen und Gegenständen. Regeln für das durchbrechen von Türen und Fenstern; Sichtlinien und Entfernungen, die das Verhalten von Aliens bestimmen und vieles mehr. Wer möchte, kann sogar mit optionalen Regeln für Friendly Fire, dem Gesichtsfeld der Agenten und anderen Details spielen.

Das alles macht Galaxy Defenders zu einem komplexen taktischen Koop-spiel. Zu Beginn kann das alles etwas überwältigend wirken, glücklicherweise ist das Regelbuch hervorragend strukturiert, so dass man alle Informationen zügig nachschlagen kann. Wenn man erstmal ein, zwei Missionen hinter sich gebracht hat, spielt es sich sehr flüssig und bietet deutlich mehr Herausfordung, als andere Spiele in diesem Bereich (Zombicide, Shadows of Brimstone). Aber diese Einstiegshürde muss genommen werden. Die Figuren und das Artwork sind für ein Brettspiel von guter Qualität, können jedoch nicht mit Spielen mithalten, die ihren Schwerpunkt auf die Optik und Miniaturen legen.

Von Ares Games gibt derzeit zwei kostenlose Regelerweiterungen, um gegeneinander zu spielen.

Eine, um die Aliens als spielbare Fraktion zu nutzen, und eine weitere, um eine Art Footballspiel, Aliens gegen Menschen, zu spielen. Ich hoffe, dass Heidelberger diese auch bald übersetzt. Ob Galaxy Defenders ausreichend Fans in Deutschland findet, um auch die anderen Erweiterungen zu lokalisieren, hoffe ich zwar, allerdings wage ich es zu bezweifeln.

Fazit:

Galaxy Defenders ist ein hervorragendes Spiel in seiner Nische. Wer komplexe Taktikspiele mag, und ein Koopspiel sucht, sollte sich Galaxy Defenders auf jeden Fall anschaffen. Jedoch ist es eben auf Grund der Komplexität und des Themas kein Spiel für jedermann. Ich persönlich freue mich, es in meiner Sammlung zu haben und gebe ihm für alle Miniaturen-Schubser und solche, die es werden wollen, eine Kaufempfehlung. Klassische Eurogamer sollten vorher mal schnuppern.

Was bedeutet diese Wertung? Klickt hier und findet es heraus.

Spielerzahl: 1-5
Dauer: 60-180
Alter: 13+

 

Diverse HSV Galaxy Defenders | HE736

Price: EUR 52,84

4.5 von 5 Sternen (4 customer reviews)

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Christian Turkiewicz

Liest bevorzugt Regeln zu Brett- und Rollenspielen. Liebt Bingewatching, hat aber keinen TV-Anschluss.
Hauptthemen: Gesellschaftsspiele, Pen&Paper, Serien

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