Gotham – Batmans Vorgeschichte geht weiter


Dass eine Serie in der düsteren Metropole von Gotham City auch ohne Batman funktionieren kann, hat uns die erste Staffel von Gotham unlängst bewiesen. Doch kann die Serie mit einer Fortsetzung an den vorangegangenen Erfolg anknüpfen? Lest selbst!

Beginnen wir mit den positiven Aspekten: Schauspieler, die ich in der ersten Staffel gelobt habe, schaffen es weiterhin, ihre Figuren geschickt darzustellen. Robin Lord Taylor gibt weiterhin einen guten Pinguin ab und es macht noch immer Spaß, ihm beim Ausführen seiner Pläne zuzusehen. Mit großer Freude konnte ich feststellen, dass Cory Michael Smith als Edward Nygma seine Entwicklung in Richtung Riddler nach der ersten Staffel bereits so gut wie abgeschlossen hatte und ihm jetzt deutlich mehr Screentime zugestanden wird, um seine innere Zerrissenheit darzustellen. Auch die musikalische Untermalung, die Kameraführung und die Farbwahl sind wieder so gut wie bei der ersten Staffel und bedürfen daher keiner weiteren Worte.

Neue Schurken betreten die Bühne

Gordons Freundin aus der ersten Staffel, Babara Kean (Erin Richards), hat meiner Meinung nach wohl die stärkste Charakterentwicklung vollzogen. War sie am Beginn der ersten Staffel noch die liebevolle Freundin, hat sie mittlerweile den letzten Bezug zur Realität verloren und darf gleich in der ersten Folge der zweiten Staffel als neues Mitglied im Arkham Asylum begrüßt werden. Interessanterweise scheint es in jener Anstalt keine eigene Abteilung für Frauen zu geben, denn die hübsche Babara sitzt zwischen den ganzen Männern, deren Aufmerksamkeit sie natürlich schnell für sich gewinnen kann.

Besonders gut versteht sich Babara mit Jerome Valeska (Cameron Monaghan), der mit einem Jack Nicholson würdigem Grinsen nun völlig in der Rolle des möglichen Jokers aufgeht. Ich weiß sowohl das schauspielerische Talent von Erin Richards als auch von Cameron Monaghan zu schätzen, jedoch sticht eine Sache sehr negativ hervor: Babara Kean kommt eher wie ein Abklatsch von Harley rüber, statt ihr individuellere Wesenszüge zu verleihen. Das finde ich sehr schade. Immer wieder werden sich starke weibliche Figuren gewünscht. Hier hätte sich eine gute Möglichkeit geboten.

Und wo wir gerade bei starken Frauen sind: Ein Aspekt, der mich immer wieder stört, ist die Änderung des Geschlechts einer Figur. Dass es in diesem Fall einen meiner Lieblinge getroffen hat, macht die Sache nicht besser. Daher ist Firefly (Michelle Veintimilla) für mich in der Serie einfach nicht existent. Eigentlich unverzeihlich!

Mag sein, dass ich da ein wenig eigen bin, immerhin werden Kostüme im Comicuniversum gerne weitergereicht. Starke Frauen entstehen jedoch nicht dadurch, dass einem ursprünglich männlichen Charakter Brüste angeklebt werden. Lieber selber eine individuelle weibliche Figur erfinden, die der Story zuträglich ist, und damit vielleicht sogar einen Charakter erschaffen, der es in die Comics schafft (siehe Harley Quinn).

Gut getroffen sind hingegen Hugo Strange (B.D. Wong) und Victor Fries (Nathan Darrow), wobei mir die Entwicklung zu Mister Freeze einfach viel zu schnell über die Bühne geht. Nicht jeder Schurke muss sich über Staffeln hinweg entwickeln, aber wenn die Geschichte so schnell erzählt wird, dass die Plotlöcher das ganze Konstrukt in sich zusammenfallen lassen, läuft definitiv etwas verkehrt.

Der ganze Rest

Mit den Plotlöchern sind wir eigentlich schon beim wesentlichen Problem der zweiten Staffel von Gotham. Während ich noch darüber hinweg sehen kann, dass hier und da ein Charakter der Serie unlogisch handelt, da eben auch reale Menschen mal zu irrationalem Verhalten neigen, fällt es mir doch sichtlich schwerer, die unnötig in die Länge gezogenen Plotelemente zu ertragen.

Viel zu oft habe ich das Gefühl, dass die Handlung möglichst langsam vorangetrieben wird, um die gewünschte Episodenzahl zu erreichen, ohne das dabei wirklich viel passiert. Besonders auffällig gestaltet sich diese Verzögerungsstrategie, wenn es um Bruce Wayne (David Mazouz) geht. Dieser verhält sich unglücklicherweise auch noch für ein Kind viel zu erwachsen und kann bereits jetzt teilweise bessere Pläne schmieden, als die kleversten Superschurken. Die Anspielung, dass er später mal Batman wird, hätte nicht offensichtlicher ausfallen können.

Doch das scheint allgemein ein Problem der Charaktere zu sein. Immerhin lässt sich Selina Kyle (Camren Bicondova) bereits seit der ersten Staffel von jedem – sogar von der Polizei Cat nennen.
Doch zurück zur Handlung: Theo Galavan (James Frain) präsentiert sich in der zweiten Staffel als neuer Oberbösewicht und überzeugt zumindest am Anfang durch geschickte Pläne. Leider wurde das Potenzial der Figur meines Erachtens nicht völlig ausgereizt. Stattdessen tappt Gotham in das Bösewicht-Klischeebecken. (James Bond Filme lassen grüßen.)

Dafür schafft es die Serie immerhin, interessante Beziehungen zwischen Charakteren aufzubauen und lässt einige Figuren sterben, um die Entwicklung von einzelnen Personen und der Stadt voranzutreiben. Dass dabei Charaktere sterben, die eigentlich noch zu Batman-Zeiten leben müssten, nehme ich mit gemischten Gefühlen auf. Klar sorgt es für Überraschungen, aber irgendwo ärgert es mich doch.

Ich sehe schon darüber hinweg, dass einige Schurken auftreten, die rein theoretisch erst da sein dürften, wenn Bruce bereits sein Cape angelegt hat. Auch sehe ich darüber hinweg, dass irgendwie zwanghaft versucht wird, bereits jetzt möglichst viele Superschurken in die Geschichte und damit in die Stadt zu stopfen. Doch sollte die eine verstorbene Person wirklich jene sein, die sie vorerst darstellte, bin ich mehr als verärgert.

Fazit

War ich von der ersten Staffel wirklich begeistert, fällt es mir schwer, der zweiten Staffel etwas Gutes abzugewinnen. Das Setting ist weiterhin toll, doch die Story hinkt und stolpert nur noch vor sich hin. Außerdem verfängt sie sich in so vielen Klischees, dass es fast schon wehtut. Ich habe in der Regel nichts gegen das gezielte Bedienen etwaiger Stereotypen, wenn sie passen. Doch werden sie hier zu offensichtlich genutzt.

Das Potenzial vieler Figuren hätte viel besser genutzt werden können. Davon abgesehen, dass Firefly ein Mädchen ist, wäre es besonders bei jüngeren Charakteren schön gewesen, ihre Entwicklung oder Wandlung etappenweise mitzuerleben. Warum muss Selina von Anfang an die reife taffe Frau sein? Wie wäre es mit späteren Superschurken, die sich im selben Altersbereich, wie Bruce bewegen? Besonders Roman Sionis oder Thomas Elliot hätten einen wunderbaren Kontrast zu Bruce bilden können, um zu zeigen, was der Hintergrund einer Figur für Auswirkung auf die spätere Entwicklung haben kann. Denn bis jetzt sieht es leider so aus, dass jeder, der eben nicht so reich wie Mister Wayne ist und dem etwas Schlechtes widerfährt, gleich die Superschurkenfahne schwenkt.

Die zweite Staffel der Serie als Schrott zu bezeichnen, wäre gewiss etwas zu harsch von mir. Nichtsdestotrotz ist sie meines Erachtens eben doch nur reine Geschmackssache, die zumindest mir sehr übel aufstößt.

 

Was bedeutet diese Wertung? Lest es hier.

 

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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  • Safari

    Schön wäre die Nennung des Erstausstrahlungstermins in D gewesen …

    • Jasmin Dahler

      Stimme ich dir zu. Ist mir wohl leider entgangen. Bis jetzt ist mir kein genauer Termin bekannt und kann somit nur auf Amazon und Maxdome verweisen. Ist aktuell nur mit englischer Sprachausgabe verfügbar.