“Mog”drowgorod 4 – Mit wehenden Fahnen


Diese Niederschrift beschreibt die Vorkommnisse im Stützpunkt Modrowgorod der Neuen Roten Armee über Hundert Jahre nach der Apokalypse.

Ich habe die Ereignisse gewissermaßen sortiert damit Sie es verstehen können: Sie kamen über die Landstraße – Sie, das sind Wir, die Legio Vulpes. Was die Legio Vulpes ausmacht ist, lieber Leser, einfach zu verstehen. Nach der Apokalypse bildeten sich eine Menge Gruppierungen aus Resten von Bunkerbewohnern oder diesen „degenerierten Affen“, die anschließend mordend durch die Länder streiften. Ein wirklich ungehobelter Haufen mit zweifelhafter Bildung und noch zweifelhafteren Essgewohnheiten.

Ich möchte an dieser stelle erneut betonen, dass, sollten „degenerierte Affen“ dies lesen können, sie diesen Status zum Teil überwunden haben. Glückwunsch!

Bildung ist etwas Wunderbares. Vorher malten diese Individuen mit Unrat Bilder an Wände, um mitzuteilen, dass sie große Jäger seien. Nun schreibt es Briefe und rechnet dir vor, wie groß sein Fisch ist. Wenn das kein Schritt in die richtige Richtung ist!

Genau dies ist der Auftrag der Legion: Bildung und Zukunft!

Aber genug von meinen Gedanken. Sie, lieber Leser, sind gespannt, was für Ereignisse sich in Modrowgorod zugetragen haben, dort im Lager Laudanum II der Legion.

Sie kamen über die Landstraße – stimmt an dieser Stelle begann ich abzuschweifen… Den Berichten nach hatte die Nacht bereits die Wälder in ihrer Umklammerung, als die Gruppe aus der Ferne die Straßensperre sah. Das laute Gequäcke des Megaphons riet ihnen, sich langsam zu nähern. Diese Neue Rote Armee, wie Sie sich nannten, war ein Zusammenschluss von Bürokraten und Armeegewalt – Überbleibsel aus einer Zeit, in der der große Feind Kapitalismus bekämpft wurde und es überall Spione gab.

Dass diese Menschen beschlossen hatten diese Mission aufrecht zu erhalten, obgleich all dies im Feuer der Apokalypse zu Asche verbrannt war, erschien mir höchst skurril.

Dass ich dies ankreide, heißt schon etwas, lieber Leser. Hülle ich mich doch selbst in Kleider aus einer Überlieferung: eine römische Toga!

Dennoch beschlossen die Legionäre, näherzukommen, und ließen kommentarlos eine kritische Musterung über sich ergehen, um weiter in das Innere der Siedlung Modrowgorod vorzudringen.

Es folgte ein weiterer Kontrollpunkt und die Bezeichnung „Genosse“ war ein allgegenwärtiger Begleiter.

Was Sie natürlich verwundern wird, mein lieber Mitleser, ist, dass wir, die dafür bekannt sind auch mutierte Mitbürger zu den Unseren zu zählen, ohne Weiteres vorgelassen wurden. Ich erspare Ihnen den Papierkram im Inneren der Basis.

Nachdem die Legionäre nach einer gefühlten Ewigkeit ihre Anträge ausgefüllt und einen – Obacht ich werde an dieser Stelle den ach so wertgeschätzten Sarkasmus einsetzen – „ Heiligen Stempel“ erhalten hatten, durften sie endlich die Siedlung betreten.

Wehende Flaggen erwarteten sie, da der zuvor angereiste Aufbautrupp das Lager schon Tage zuvor hergerichtet hatte und sie nun empfing!

Trautes Heim...

Trautes Heim…

Nachdem das Lagerfeuer entzündet war und der Duft von geröstetem Fleisch, welches die Reste der Jagdbeute des beschwerlichen Trecks darstellte, das Wasser in die Münder der Legionäre trieb, kehrte eine angenehme Ruhe ein. Die Slums, in denen sich das Lager der Legio Vulpes befand, waren karg und es wurde mir zugetragen, dass der MOCK allgegenwärtig war.

“Der MOCK?”, werden Sie sich fragen, lieber Leser. Der MOCK ist die liebevolle Umschreibung des matschigen Untergrundes, den die Bewohner Modrowgorods als Boden bezeichnen. Dieser wird geradezu begeistert mit Schuhen oder Gesichtsabdrücken gefüttert.

Aber ich schweife schon wieder ab… Zu Beginn des zweiten Tages wurden zunächst einige Legionäre befördert, während der restliche Tag erfüllt war von Verhandlungen mit alten und neuen Verbündeten. Neue Kontakte zur 5th Division wurden geknüpft, die sich erfreulicherweise sogar darauf einließ, dem mutierten Zenturio Finne den Zugang zum Lager zu erlauben. Höchst erstaunlich, waren sie doch noch vor einem Jahr Mutanten gegenüber mehr als feindselig eingestellt!Aber der Kluge Geist erkennt seine Fehler, pflege ich zu sagen!

Sie ließen gar einen unserer Leute einen Vortrag in ihrem Lager halten. Dort präsentierten wir ihnen die wahre Geschichte über das Dilemma des im Stützpunkt verstorbenen Centurio Rotfuchs. Dieser wurde im Jahr zuvor durch einen feigen Hinterhalt der Roten Armee ermordet! Auch die Nachtwache erschien zum Stelldichein und um neue Bündnisse mit der Legion auszuhandeln. Auch sie ließen sich von der Weisheit der Legion inspirieren und wurden in den Abendstunden für einen Vortrag der legendären Geschichte um die „Operation Palme“ eingeladen.

In den frühen Abendstunden wurde das Bündnis mit der Nachtwache mit Speis und Trank und einer Ananas aus unseren besten Gewächshäusern besiegelt. Das war, bevor uns das Grauen heimsuchte!

Meine Hand vermag kaum, eine ruhige Linie zu schreiben, wenn ich mich an die Geschehnisse erinnere, die uns in dieser Nacht heimsuchten: Schreckliche Wesen! Schreie! Schmerz!

Unser gemütliches Zusammensein wurde an diesem Abend jäh von den Alarmsirenen der 5th Division, welche ihr Lager zusammen mit der Nachtwache im Wald aufgeschlagen hatte, zerrissen. Binnen Sekunden wurde aus einem freundschaftlichem Umtrunk Chaos. Die Männer der Nachtwache griffen nach ihren schweren Waffen und hasteten wortlos in die Dunkelheit, aus der alsbald Schreie des Schmerzes und Entsetzens ertönten. Angriff! Irgendetwas griff uns aus den Wäldern an.

Nach und nach erfuhren wir von vorbeihastenden Ödländern, dass es irgendwelche Mutanten waren, die uns da angriffen – keine die wir bei uns aufnehmen würden, nein, diese degenerierten Bestien, deren Hirn nur noch zu tierhaften Gedankengängen wie Fressen oder Töten imstande ist.

Grässliche Wesen mit riesigen, zahnbewehrten Mäulern, sabbernd… und blutrünstig. Aber das schlimmste war diese Melodie… “Twinkle, twinkle little Star…“

Nach dem ersten Angriff kehrte gespenstische Stille ein und nicht einmal mehr das Stöhnen der Verletzten aus den Wäldern war zu hören. Wir rückten enger zusammen und standen, den Atem anhaltend im Lager, das flackernde, traurige Überbleibsel des Lagerfeuers um Licht anbettelnd und lauschten.

Ich muss kurz durchatmen bevor ich weiter schreibe. Meine Hand zittert zu sehr bei der Erinnerung…

Mutanten Biss

“Das sieht übel aus. Was ist das?” “Ein Mutantenbiss!”

Wo war ich…? Ach ja. Wir standen am Feuer und lauschten. Immer mehr Ödländer aus den Slums kamen zu uns, um Schutz zu suchen, und die Atmosphäre war zum Zerreisen gespannt… als wir es plötzlich hörten: “Twinkle…twinkle…little Star…” Grausig, wie diese Kinderstimme aus dem Wald schallte. Nein, Schallen ist das falsche Wort – es wisperte mehr, so dass mir ein kalter Schauer über den Nacken lief. Die Legionäre, diese mutigen Kämpfer, setzten sich in Bewegung. Näher, immer näher an den Waldrand. Und dann: Schreie. Ein Gemetzel!

Ich rannte in das Zelt, um mich dort zu verstecken. Ebenso wie einige Ödländer kauerte ich in der Dunkelheit und zuckte bei jedem Schuss und bei dem Geräusch von zerreissendem Fleisch zusammen. Kurz darauf eilte einer der Legionäre ins Lager zurück, an jeder Seite ein blutendes Opfer. Pranke, unser Kampfmutant war verletzt worden. ER…

Mich schauderte es immer mehr, als ich zusah, wie der Legionär ihm die grausam zerfetzte Wunde säuberte und notdürftig verband. Immer mehr Verletzte humpelten derweil aus Richtung Wald zurück. Dann zerriss ein Schrei die Nacht: “Centurio Fennek ist tot!” Ich weiß nicht mehr, was in diesem Moment in mich fuhr, aber an die Geschehnisse danach vermag ich mich nur vage zu erinnern.

Die Nacht war unruhig, aber es gab keine weiteren Angriffe dieser Bestien. Den nächsten Tag verbrachte ich wie im Delirium, es gab wohl eine Totenzeremonie und auch der zweite Centurio Finne, der die Nächte lieber im See im Wald als im Zelt verbrachte – ein seltsamer Fischmutant wenn ihr mich fragt, aber durchaus gebildet! – war vermisst. Die Legio Vulpes war führungslos…

(An dieser Stelle bricht der Bericht ab, der von Waschbär – Diplomat Legio Vulpes verfasst wurde.)

Leider ist der Rest der Con ein wenig an uns vorbeigegangen, da wir durch Probleme aus der realen Welt (Autopanne) etwas abgehalten wurden.

Kommen wir noch zu einigen OT Eindrücken!

Das Modrowgorod war dieses Jahr leider eher spärlich besucht, was wir sehr deutlich in den Slums merkten, die dieses Jahr den Charme eines Armenviertels nicht wirklich widerspiegeln konnten. Die Spieler waren stellenweise viel in ihren eigenen Gruppen unterwegs und es war gerade für einzelne Ödländer oft schwer, mitzuspielen. Die nächtlichen Angriffe schweißten dann aber doch zusammen, auch wenn hier einige Spieler wirklich eine Herbe Enttäuschung waren, denn “Ich geh jetzt schlafen da greift mich eh keiner an” ist so ein echter Stimmungskiller bei einer 24/7 Con! Die Roten haben wieder einmal grandios blödsinniges Russisch angehauchtes Militärspiel und ein traumhaftes Lazarett geliefert!

Die Verpflegung war… nun ja, sie hat satt gemacht, aber die Spagetti Bolognese des letzten Abends waren ein Highlight. Ein Hoch auf den Koch, der sich durchgesetzt hat gegen den vorgegebenen Dosenfraß! Innerhalb der Larpszene gab es einiges weiteres an Kritik, zum Beispiel wegen scheinbar versprochenen Duschmöglichkeiten, die es jedoch nicht gab. Wir hoffen jedoch, dass es noch weitere Cons gibt und die Orga lernt, aus dem was schief gegangen ist. Es war immerhin ihre erste wirklich große Con und jeder kann an seinen Aufgaben wachsen!

Die Legion selbst hatte ein Lagerfeuer, Musik und wir konnten uns für letztes Jahr mit einer Aufführung unserer Schmähfabel beim von der NRA veranstalteten „Kleinkunstfestival“ rächen. Die Gruppe ist erwachsen geworden und die Zeit, die wir zusammen verbracht haben, war trotz stellenweise erschwerter Umstände und Stress toll!

Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit Nora erstellt.
Alexander Dorrenbach

Alexander Dorrenbach

Ist meist in irgendeinem Endzeitszenario zu finden, ob nun als LARPer oder Gamer.
Hauptthemen: LARP

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