Mythologisches Desaster


Als großer Fan der ägyptischen Mythologie spitzte ich die Ohren, als die Worte Gods of Egypt fielen. Der Trailer war ernüchternd, der Kinobesuch ein hoffnungsvoller Versuch und der Film ein Schlag in die Magengrube. Warum? Das könnt ihr hier lesen. Aber Achtung! Kleine Spoiler sind nicht vermeidbar.

Die ersten 20 Minuten

Gods of Egypt fackelt nicht lange und präsentiert uns im kurzen Prolog das Grundgerüst der Geschichte. Wer sind die Götter? Wie unterscheiden sie sich von den Menschen? Wo liegt der Grundstein des sich entfaltenden Konflikts?

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Der Gott Horus (© 2016 Concorde Filmverleih GmbH)

Die Götter leben zusammen mit den Menschen auf der Erde. Sie sind nur um einiges größer als diese und können ihre Gestalt wandeln. Eine dieser Erscheinungsformen dient dem Kampf und ist eine metallische Version altertümlicher Darstellungen. Anstatt Blut fließt Gold durch ihre Adern. Das ägyptische Reich teilten dabei die beiden Brüder Osiris (Bryan Brown) und Set (Gerard Butler) vor tausenden von Jahren unter sich auf. Osiris beherrscht das fruchtbare Land  und  wird von den Menschen als Pharao verehrt. Set verbringt seine Zeit hingegen einsam in der kargen Wüste. Bei dieser eher ungleichmäßigen Verteilung ist Frust vorprogrammiert.

Genauso zügig wie uns das Grundkonzept dargeboten wird, werden uns die beiden Protagonisten vorgestellt. Auf der einen Seite haben wir den Menschen Bek (Brenton Thwaites), der das Vertrauen in jene Götter verloren hat und daher seinen Lebensunterhalt lieber als Dieb verdient. Und auf der anderen Seite haben wir Horus (Nikolaj Coster-Waldau), den Gott des Himmels. Letzterer erinnerte mich im ersten Moment eher an Thor als an eine ägyptische Gottheit.

Dies führt auch gleich zu meinem ersten Problem: Sowohl Menschen als auch Gottheiten haben leider einen viel zu hellen Hautton für das Alte Ägypten. Mit ihren Rüstungen und Frisuren ähneln die meisten Götter viel zu sehr Figuren der griechischen Mythologie. Am liebsten hätte ich den Kinosaal schon nach gut zwölf Minuten verlassen wollen. In Anbetracht heutiger Eintrittspreise blieb ich aber brav auf meinem Platz sitzen.

Einige Minuten später findet die Krönung von Horus statt, der den Platz seines Vaters Osiris einnehmen soll. Die anderen Götter kommen mit erlesenen Geschenken. Dabei werden sie kurz mit Namen und etwaiger Funktion vorgestellt. Auch Set hat den weiten Weg durch die Wüste auf sich genommen, um der Krönung seines Neffen beizuwohnen.

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Set in seiner “Kampfgestalt” (© 2016 Concorde Filmverleih GmbH)

Auf sehr billige Art und Weise erdolcht Set kurzer Hand erst einmal seinen Bruder Osiris im Beisein aller Gäste. Die ägyptische Mythologie hätte zwar eine so schöne und trickreiche Geschichte parat gehabt, jedoch schien es deutlich simpler, den Gott des Chaos als Standardrüpel dazustellen, den wir in jedem zweiten B-Movie antreffen.

Es folgt eine mehr oder minder effektvolle Rauferei zwischen Horus und Set, die langweiliger nicht hätte sein können. Als beide schließlich ihre “Kampfgestalten” annehmen, hat Set fälschlicherweise einen schakalartigen Kopf wie ihr ihn vom Totengott Anubis kennt. Obwohl beim ersten Blick auf altertümliche Malereien Sets Kopf durchaus hundeartig wirken könnte, handelt es sich hier tatsächlich um ein Fabelwesen. Die entscheidenden Unterschiede zu Anubis zeigen sich vor allem in Form der gekrümmten Schnauze und der eckigen Ohren. 

Wie uns der Trailer schon verraten hat, wird Horus im Zuge des Kampfes seiner Augen und damit auch seiner Kräfte beraubt. Der siegreiche Set beansprucht daraufhin den Thron für sich.

Bek, der zu Beginn des Films auch als Erzähler fungiert, erläutert uns den weiteren Verlauf der Geschichte und wie schlimm es den Menschen nun unter dem Joch ihres neuen Herrschers ergeht. Beks Freundin Zaya (Courtney Eaton) ermutigt ihren Liebhaber letztendlich dazu, in die königliche Schatzkammer einzubrechen. Dort  soll er die Augen des Horus stehlen. In der Konsequenz arbeitet der sich ins Exil zurückgezogene Horus  mit dem Dieb zusammen, um Set zu bezwingen.

Doch genug von der Handlung, die nicht gerade zu meiner Unterhaltung beiträgt. Und keine Sorge: Ich habe kaum mehr verraten als der Trailer ohnehin schon offenlegt.

Zu viele Makel

Wie bereits erwähnt, stört es mich merklich, dass alle wichtigen Charaktere nicht nur einen viel zu hellen Hautton aufweisen, sondern ihnen auch noch unverkennbar ägyptische Attribute wie entsprechende Frisuren fehlen. Hinzukommend erleichtern es mir die all zu offensichtlichen CGI-Effekten nicht gerade, diesen Film wirklich zu genießen.

Obwohl die musikalische Untermalung eigentlich recht akzeptabel scheint, sind Monologe und Dialoge inhaltlich geradezu belanglos. Hier und da ein lockerer Spruch, der wohl zum Lachen anregen soll, aber mir höchstens ein müdes Gähnen entlockt. Leere Floskeln in Sterbeszenen, denen ich bereits überdrüssig bin, sowie das obligatorische Sprücheklopfen vor und während eines Kampfes lassen mich völlig kalt.

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Bek in der königlichen Schatzkammer (© 2016 Concorde Filmverleih GmbH)

Die Kämpfe wirken leider sehr trashig und werden durch unnötige Zeitlupeneffekte immer wieder in die Länge gezogen. Selbst die Kampfchoreographie in der 1995er Hercules Serie war um einiges besser gestaltet. Und da waren Budget und Technik deutlich limitierter.

Das schauspielerische Talent einiger Akteure wird mit Sicherheit besser sein als uns der Film verkaufen möchte. Nichtsdestotrotz stehen alle nur mit einem ernsten Gesicht herum und lassen sich nur selten zu einem Schmunzeln hinreißen. Wirkliche Emotionen suchte ich vergebens.

Dafür ist die Kameraführung eigentlich ganz passabel. Zwar finden wir uns meist als außenstehender Betrachter – frei nach dem Motto “Nur dabei anstatt mittendrin.” wieder, aber wäre bei den drastisch animierten Kämpfen auch noch herangezoomt worden, wäre mir wohl schlecht geworden.

Die vorherige Geliebte von Horus, die Göttin Hathor (Elodie Yung), ist im Übrigen in der Gewalt Sets. Somit bleiben die Frauen in der Handlung eher im Hintergrund. Sie leiten die Männer zwar an, werden aber nur selten aktiv. Was im Großen und Ganzen nicht weiter schlimm ist: Der Film richtet sich offensichtlich eher an ein männliches Publikum. Dennoch höre ich bereits die ein oder andere Stimme empört aufschreien.

Fazit

Mein Herz ist quasi gebrochen. Ich liebe die ägyptische Mythologie. Set als Gott des Chaos und insbesondere die sich um den Herrscherkonflikt rankenden Erzählungen sind meine Lieblingsthemen. Und dann kommt dieser Film daher und tritt mir ins Gesicht.

Die Story eines geschickten Ränkespiels weicht einem blassen Effektfeuerwerk, bei dem die nächste Rakete zündet, bevor die Erste überhaupt gestartet ist. Das optische Design wird nicht mal annähernd seinem altertümlichen Erbe gerecht. Nur mit Mühe und Not waren die Götter durch klitzekleine Details überhaupt zu erkennen. Im ersten Moment hielt ich Hathor sogar für Isis und hatte schon Sorge, dass der Film fälschlicherweise eine Liebesbeziehung zwischen Horus und seiner Mutter in Szene setzt.

Und selbst diejenigen, die nicht allzu viel Wert auf die korrekte Wiedergabe mythologischer Themen legen, werden von diesem Film vermutlich kaum unterhalten. Wenn ein Kinofilm schlechter als so mancher B-Movie ist, ist das schon niederschmetternd. Ein Teil von mir möchte diesen Film eigentlich gerne in Schutz nehmen, da destruktive Kritik zu üben stets leicht von der Hand geht, wenngleich gewiss viel Arbeit in einer solchen Produktion steckt. Doch leider muss ich hier ausnahmsweise sagen: Schaut euch den Film nicht an! Nicht im Kino! Nicht auf DVD! Auch nicht bei Amazon oder Netflix! Nutzt lieber eure Zeit und macht etwas Sinnvolles!

Gods of Egypt ist vielleicht nicht der schlechteste Film, den ich jemals gesehen habe, aber er ist da ganz vorn mit dabei und somit leider Schrott.

Wie bewerten wir? Lest hier nach.

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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