Pandemic – Fear the Dead


Pandemic: Fear the Dead erschien in dieser Woche in den Kinos der USA. Ob der Film in Deutschland erscheinen wird, ist noch unklar. Ich hatte bereits die Chance, mir den Film von John Suits in originaler Sprache anzuschauen und ihn auf Herz und Nieren zu prüfen.

Pandemic spielt in einer nahen Zukunft, in der ein Virus ausgebrochen ist, der die Menschen in Zombies verwandelt. Auch wenn wir solche Storys schon in schiergar unzählbarer Masse gesehen, gehört und gelesen haben, gibt es hier einen kleinen Unterschied: Die Zombies können rennen, Waffen benutzen und Menschen essen. Mittendrin befindet sich die junge Mutter Lauren (Rachel Nichols), die den Schutzanzug einer Ärztin findet und ihre Chance wittert, mit diesem Rang und Namen in die Sperrzone zu gelangen, wo sie ihre Tochter vermutet.

 

Lauren schließt sich einem Team an, das Überlebende sucht und sie in eine Militärbasis bringt. Die Einführung zur Krankheit wirkt hier wie ein Tutorial in einem Computerspiel.

 

Aber dann geht es endlich los. Mit einem Bus fahren sie umher, um ihre Mission in dem zerstörten Los Angeles zu erfüllen. Nicht nur die junge Mutter scheint eigene Ziele während der Mission zu haben, sondern auch Gunner, gespielt von Mekhi Phifer, dreht sein eigenes Ding und bringt damit das ganze Team in Gefahr.

 

Nach einiger Zeit erfährt die Gruppe von ihrem nächsten Auftrag: Die Rettung einer Gruppe Menschen, die um einen Arzt eines Krankenhauses geschart ist. Aber nachdem sie ihren Bus verloren haben, gestaltet sich das Ganze dann doch schwieriger als gedacht und es geht zu Fuß weiter. Eine rasante Hetzjagd durch die örtliche Schule beginnt. Zwiegespräche und schwierige Entscheidungen begleiten das Team immer wieder.

Nach und nach kommt aber heraus, dass Lauren keine echte Ärztin ist, was von der Gruppe relativ locker aufgenommen wird. Als sie das Krankenhaus erreichen, fliegt Laurens Tarnung aber endgültig auf. Der Arzt des Krankenhauses kennt die Eigentümerin des Schutzanzuges und durchschaut Laurens Lüge. Das Rettungsteam wird zurückgelassen und endlich kann Lauren ihre Tochter suchen…

 

Blair-Witch-Projekt meets Call-of-Duty

Ist es ein Shooter? Ist es ein Zombie-Film? Nein, es ist Pandemic!

Ist es ein Shooter? Ist es ein Zombie-Film? Nein, es ist Pandemic!

Kennt ihr das auch? Ihr spielt Call of Duty und müsst immer wieder die ewig langen Zwischensequenzen anschauen? Man schaut dem gescripteten Treiben aus der Ego-Perspektive zu und ist ungeduldig endlich weiterspielen zu dürfen? So erging es mir für 90 Minuten im Kino-Saal.

 

Ja, es ist mutig, wieder einmal etwas anderes auszuprobieren, aber wer nicht komplett offen an diese Machart herangeht, wird sehr sehr schwer enttäuscht werden von diesem Film. So ging ein Pressevertreter nach 20 Minuten mit den Worten „So einen Scheiß muss ich mir nicht antun“aus dem Kinosaal.

 

Denn dieser Film ist komplett aus der Ego-Perspektive gedreht. Und mit komplett meine ich auch komplett. Es war schon sehr anstrengend, durchweg verwackelten Kameras zu folgen und die Blicke der Schauspieler zu ertragen, die mich die ganze Zeit anstarren. Wenn man sich dem nicht bewusst ist, wirkt der gesamte Film wie Onkel Heinz freihändig gedrehter Hochzeitfilm.

 

Es wurden während der Drehs  ausschließlich die Kameras auf den Helmen der Protagonisten genutzt. Sicherlich kann man den Schauspielern keine 5 Kilo Kamera auf den Kopf schnallen, woraus sich die so unüblich krasse Tiefenschärfen ergab.

 

Tiefenschärfe-Beispiel: Wenn ihr mit eurer Freundin in einem Gespräch seid, fokussiert euer Auge auf die Augen des Gegenübers. Alles andere hinter ihr wird unscharf. Das sind wir inzwischen auch aus dem Kino gewohnt: Augen scharf, Haus in 200 Metern Entfernung unscharf. Dieser Film war durchweg scharf: Ob die Augen der Protagonisten oder die unwichtigen Mülltonnen in 500 Metern Entfernung. Dadurch hat dieser Film für mich sehr schnell einen dokumentarischen oder Soap-Charakter bekommen.

 

Hinzu kommt noch das ISO-/ASA-Rauschen in dunklen Szenen. Habt ihr schon einmal einen Kinofilm gesehen, der im Dunkeln übertrieben stark rauscht? Normalerweise kenne ich sowas nur von Party-Videos die ich mit meinem Handy aufgenommen habe. Das ist alles den Mini-Kameras auf den Helmen geschuldet.

 

Die Effekte in diesem Film sahen aus wie für 20 Dollar eingekauft. Diese waren zwar nur spärlich gesät, dennoch erkennt auch ein Laie, wenn ein zweidimensionales Feuer einfach über ein Objekt gelegt wird und einen anderen Kontrastumfang als alles andere in dieser Szene hat. Ebenso wurde die Schriftanimation, die Zeit und Ort angeben sollte, anscheinend mit Paint erstellt. Die Macher haben zudem noch nie etwas von Title-Safety gehört – ein Sicherheitsabstand vom Bildrand, der garantiert, dass der Titel später auf allen Fernseh-Geräten gesehen werden kann.

 

Das Colorgrading war ein Graus. Die Bilder in ein und derselben Szene hatten eine unterschiedliche Farbgebung. Ein Beispiel: Als die Protagonisten das Schulgebäude betreten, war das Bild schön bunt wie in einer Tierdokumentation. Beim Umschnitt auf die Kameraansicht eines der Protagonisten ist das Bild plötzlich entsättigt und kontrastärmer.

 

Episches Poster? Check!

Episches Poster? Check!

Das Positive an Pandemic waren aber definitiv die Kampfszenen. Diese wirkten sehr glaubwürdig inszeniert und actiongeladen. Besonders cool war die Stelle in der Umkleidekabine des Schulgebäudes, in der von allen Seiten Zombies kamen und auf engem Raum gekämpft, geklettert und gerutscht wurde. Auf übertriebene Gewaltdarstellung wurde überwiegend verzichtet und der Schwerpunkt mehr auf den Realismus gelegt – was mir persönlich sehr gut gefallen hat.

 

Die Kinoankündigungen versprachen Gruselmomente am laufenden Band. Diese gab es natürlich auch, waren aber eher selten. Die eine oder andere Wendung kam unverhofft und überraschend. Die Zombie-Szenen in der Schule waren stellenweise sehr gut umgesetzt und spannend, in einer Lagerhalle treffen die Protagonisten auf einen sehr weit entwickelten Zombie und gerade hier wirkt die Atmosphäre sehr dicht und fesselnd.

 

 

Fazit

In den letzten Jahren vermehrte sich das Angebot an Zombiefilmen und -serien sprunghaft. Umso schwerer wird es für Newcomer und neue Filme auf diesem Markt, wirklich aufzufallen. Gerade The Walking Dead ist momentan der uneingeschränkte Platzhirsch – vor allem beim breiten Publikum. Und wenn das Setting eben keine großen und kreativen Storys zulässt, müssen halt kreative Umsetzungen her.

 

So kann die Idee zu Pandemic entstanden sein. Nach Doom konnte sich allerdings kein anderer Film mit dieser Umsetzungsart an die Spitze kämpfen – und auch dieser hat überwiegend auf die klassische Inszenierung gesetzt. Sind daher meine Kritikpunkte zulässig? Wenn jemand einmal mutig ist, direkt jeden kleinsten Fehler ans Tageslicht zu bringen?

 

Nach meiner Meinung sollte mit offenen Karten gespielt werden: Dieser Film wird nur einer sehr toleranten Minderheit und Filminteressierten gefallen. Alle anderen, die dann doch in den Film gehen, werden die Begründung für ihren Unmut wahrscheinlich gar nicht greifen können und den Film pauschal als „schlecht“ abstempeln.

 

Serien und Filme wie The Walking Dead greifen auf ein simples Schema zurück: „Hältst Du dich an biblische Tugenden läuft alles gut, wenn nicht, bricht das Chaos aus“. Gerade außerhalb dieser „Erkenntnis“ bieten sich viele Möglichkeiten für spannende Storys. Beispielsweise der Roman zu I am Legend von Richard Matheson, bei dem der Protagonist am Ende erkennt, dass er das Monster ist und nicht die anderen – einfach genial.

 

Wenn man schon mutig bei der Umsetzung eines Drehbuchs ist, warum ist man dann nicht mutig bei der Erstellung der Story? Der wesentliche Kritikpunkt von mir ist die dünne Handlung: Eine Mutter, die ihr Kind während einer Zombieapokalypse retten will – So etwas gibt es schon an jeder Straßenecke! Und zu der dünnen Story kommen ein noch dünneres Ende und die ungewohnte Machart hinzu, was letztlich die Eigenschaften von Kamera, Licht und Effekten mit bedingt. Wie soll man das alles objektiv bewerten?

 

Obwohl ich Mut bei Bewertungen immer berücksichtige, empfehle ich diesen Film nur eingefleischten Filmfans, die offen für Neues sind und mit den genannten Kritikpunkten im Hinterkopf etwas entspannter in diesen Film gehen können. Für alle anderen, muss ich leider von einem Kinobesuch abraten. Also allerhöchstens Geschmackssache für Neugierige, alle anderen sehen den Film eher als Schrott.

 

Das das übrigens nicht an der Machart liegen muss, zeigte der Film Hardcore, mit dem Marten großen Spaß hatte.

Was bedeutet diese Wertung? Lest es hier nach.

Phil Ramcke

Phil Ramcke

Macht irgendwas mit Medien. Filme sind seit seiner Geburt seine große Leidenschaft – nicht nur schauen, sondern auch selber machen.
Hauptthemen: Filme

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