Tipps für Spieler – LARP Edition, Teil 7


Genau wie im Pen&Paper stellt sich auch im LARP letzten Endes die Frage: Wie spiele ich überhaupt? Im LARP sieht diese im Detail allerdings etwas anders aus als am Spieltisch.

Daher teile ich die Antwort auf: einerseits in den regeltechnischen Aspekt und andererseits in den rollenspielerischen, beides muss beim LARP beachtet werden. Auf das “Warum” gehe ich gleich genauer ein. Generell empfehle ich wieder eine vorherige Lektüre des Artikels für den Spieltisch von Thomas, Marten und Felix.

Eines vorneweg: Bemüht euch im Spiel auch im Spiel zu bleiben. Am Spieltisch macht es Spaß zwischendurch Kommentare und dumme Sprüche als Spieler einzuwerfen. Im LARP stört dies letzten Endes, weil es eine intensive dramatische Szene durch einen (guten) Witz zerstört. Viele Sprüche lassen sich aber durchaus auch im Spiel unterbringen, das braucht nur etwas Übung.

Die Regel-Seite

Thomas’ Argument, die Regeln zu kennen, kommt im LARP auf ganz andere Art und Weise zur Geltung: Erfolgswahrscheinlichkeiten sind für das LARP irrelevant, da ihr eure Aktionen ja nicht auswürfelt. Trotzdem solltet ihr wissen was eure Fähigkeiten tun und was die der anderen tun. Es ist für euch peinlich und für euer Gegenüber ärgerlich, wenn er einen “Windstoß” zaubert und ihr erstmal nachfragen müsst was das bedeutet.

Genauso ärgerlich ist es wenn ihr als Kämpfer hinter jemandem steht und “Pömpf” sagt und nur ein “Häh?” zurück kriegt.1 Eine gewisse Bekanntheit mit Magie-Regeln ist daher für jeden LARPer wichtig. Zumindest die Dinge die euch betreffen können, solltet ihr kennen und jederzeit parat haben.

Aber was bedeuten Regeln für euer Spiel? Nicht viel, außer dass ihr zählen lernen solltet. Im Kampf sehen alle gängigen Regelwerke vor, dass ihr eure Rüstungspunkte und Lebenspunkte selber nachhaltet. Dasselbe gilt natürlich auch für Magiepunkte. Ihr solltet euch also merken wie sehr ihr verwundet seid und idealerweise auch wo ihr verwundet wurdet, um dies darzustellen.  Und ja, das selber nachhalten verleitet durchaus Personen dazu, bei solchen Sachen zu betrügen und quasi unbesiegbar zu spielen. Seid nicht diese Leute!

Was die Entwicklung eures Charakters angeht, müsst ihr euch über die Regeln frühzeitig keine Gedanken machen. Ich habe bisher noch kein (Fantasy) Regelwerk gefunden, in dem ihr durch das Wählen bestimmter Eigenschaften zu Beginn davon ausgeschlossen seid, später in eine andere Richtung zu gehen. LARP-Regelwerke sind in dieser Hinsicht eher wie Dark Souls oder Elder Scrolls als wie Baldur’s Gate oder Dragon Age. Es ist also ohne Probleme möglich, die Fertigkeiten eures Charakters eurem (gewünschten) Spiel anzupassen.

Die Rollenspiel-Seite

Felix’ Argument hat deutlich direktere Auswirkungen auf euer Spiel: Ihr solltet euch immer bewusst sein, wie euer Charakter gestrickt ist. Wir alle sind ein Produkt unserer Erfahrungen, die immer irgendwo in unserem Unterbewusstsein präsent sind. Dasselbe trifft auch auf euren Charakter zu. Versucht also, euch der bisherigen Erlebnisse eures Charakters bewusst zu sein. Dies wird zunehmend einfacher, da ihr “echte” Dinge erlebt und nicht auf Basis eurer Hintergrundgeschichte entscheiden müsst, wie euer Charakter agiert. 

Ihr spielt alles aus! Ich habe einmal auf meiner ersten Con die Ansage gemacht: “Ich spring ihn an!” Das Ergebnis waren fünf Leute, die mich komisch angesehen haben und eine Spielleitung, die sagte: “Dann mach!” Nicht gerade mein bester Moment.

Genauso wichtig ist es, dass ihr reagiert, wenn euch jemand anspielt. Egal wie, aber reagiert! Sonst ist es nicht nur eine verpasste Gelegenheit für euch, sondern auch ärgerlich für eure Mitspieler. Das muss aber nicht heißen, dass ihr alles mitmachen müsst. Wenn euch als Person etwas nicht passt, ist es vollkommen in Ordnung, das zu sagen. Lasst da einfach euren gesunden Menschenverstand entscheiden. 

Euer Charakter wird sich im Laufe seines Lebens verändern – und das nicht unbedingt in die Richtung die ihr eventuell geplant hattet. Wenn euch die Richtung nicht gefällt, nutzt die Zeit vor der nächsten Con, um herauszufinden, woran das liegt. Fragt eure Freunde und Mitspieler, ob diese euch helfen, eurem Charakter einen Stoß in die gewünschte Richtung zu geben. Das könnt ihr natürlich auch machen, um einen stagnierenden Charakter wieder interessant zu machen.

Zuletzt bleibt noch zu sagen: Die Regeln sollten euer Rollenspiel fördern. Nutzt die regeltechnischen Aspekte, um euer eigenes (Rollen-)Spiel zu fördern und euch Spielansätze zu bieten. Verbiegt nicht euer Konzept, nur um bestimmte Sonderfertigkeiten zu haben. Regeln geben einem Charakter zwar Optionen, aber Optionen machen keinen Charakter.

 

1 “Pömpf” ist die gängige Ansage für ein K.O.-Schlagen, meistens aus dem Hinterhalt

Gerrit Buse

Gerrit Buse

Anglist, Informatiker, Vollzeit-Nerd und Teilzeit-Otaku. Braucht dringend Lagerraum für Miniaturen und Kostüme.
Hauptthemen: Comics, Larp und Bücher

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