Zwei Kanalratten und ein Greifenjunges


Die Ratten von Chakas ist der erste Band der Greifen Saga und die zweite Jugendroman-Reihe von C. M. Spoerri. Das erste Buch erschien im Sommer 2015 im Sternensand Verlag und führt uns in die Fantasywelt Altra.

Magie, Meerjungfrau und Greifenjunges

Die Handlung spielt in der von Hitze geprägten Region Chakas. Der Roman erzählt die Geschichte aus den Perspektiven der drei Protagonisten Mica, Faím und Néthan.

Die 16-jährigen Mica, die als sogenannte Kanalratte gildenlos jeden Tag um ihr Überleben kämpfen muss, ist in diesem Band die wichtigste Person. Ihre Geschichte kommt in Fahrt, als der Dieb Cassiel ihr magisches Talent erkennt und ihr ein neues Leben in der Diebesgilde ermöglichen möchte.

Mica ist jedoch hin- und hergerissen: Endlich befreit von Nager, dem bestialischen Anführer der Kanalratten, mit dem sie öfter das Lager teilen musste. Sie könnte sich eigentlich nichts Schöneres vorstellen, als endlich einer Gilde anzugehören und vielleicht sogar eine Ausbildung im Magierzirkel zu genießen. Doch bevor Cassiel Nager töten konnte, hat dieser Micas kleinen Bruder Faím fortgejagt.

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Das Cover enthält alle wesentlichen Elemente des Buches

Faím suchte bei seiner Flucht ausgerechnet Zuflucht in einer Schiffsladung und muss sich vorerst seinem Schicksal als Schiffsjunge auf dem Schiff namens Smaragdwind fügen. Auf seiner unfreiwilligen Reise lernt er jedoch nicht nur das harte Leben auf dem Meer kennen, sondern trifft auch eine Meerjungfrau. Aus einem hier nicht näher genannten Grund empfindet sie große Dankbarkeit ihm gegenüber und überträgt einen kleinen Teil ihrer Kräfte auf Faím.

Dagegen gehört Néthan nicht zur Familie der anderen beiden Protagonisten. Er ist Anführer der Sandschurken, die nicht weit entfernt von Chakas ihr Lager aufgeschlagen haben. Der magiebegabte Schurke muss im Laufe des Buches dummerweise feststellen, dass seine Männer ein Greifenjunges entführt haben. Ein Vergehen, das mit dem Tode bestraft wird – schlechte Idee also.

Unsichere Charaktere

Die zentrale Thematik des ersten Bandes ist die Sehnsucht der Geschwister, sich wiederzufinden und den anderen wohlauf zu wissen. Néthan dagegen scheint eher die Rahmenhandlung der Saga aufzubauen.

Die Handlungen der beiden ersten Protagonisten sind vor allem durch ihr Alter geprägt: Ist Faím noch recht unsicher und schutzbedürftig, scheint Mica sich mitten in der Pubertät zu befinden. Ihre Stimmungen schwanken extrem und immer wieder reagiert sie gegenüber Cassiel mit Wutausbrüchen, wenn dieser sie nach ihrer Auffassung unfair behandelt.

Diese Stimmungsschwankung stören zwar, sind jedoch für ein 16-jähriges Mädchen sehr glaubwürdig. Auch Micas Gedankengänge sind recht realistisch dargestellt: Lässt sie sich in einigen Moment kurz zu Schwärmereien bezüglich Cassiel hinreißen, besinnt sich wieder auf die wichtigen Dinge des Lebens und blockiert ihre gedanklichen Abschweifungen.

Mica kommt also als eine junge, selbstbewusste und bemüht rational denkende Frau rüber. Das Charakterkonzept hat aber auch seine Schwächen: Obwohl Mica kämpferisch begabt ist, musste sie hin und wieder Nager des Nachts Gesellschaft leisten, um ihren Bruder zu schützen. Bei einem männlichen Protagonisten wäre dies vermutlich anders verlaufen.

C.M._Spoerri

Die Autorin C. M. Spoerri

Hinzu kommt, dass Mica dieser Umstand nicht wirklich zu belasten scheint. Zwar ekelt sie sich sehr vor Nager und hat eine große Wut auf ihn, doch der erzwungene Beischlaf hat sonst keine seelischen Wunden bei ihr verursacht. Das erscheint mir sehr unrealistisch und verringert die Glaubwürdigkeit des Charakters stark.

Der Schreibstil von Spoerri  ist leicht verständlich, sie arbeitet mit kurzen und prägnanten Sätzen. Auf dem Schiff und bei den Sandschurken herscht ein angenehm rauer Ton, der die härteren Lebensumstände nochmals verdeutlicht. Allerdings schleichen sich hin und wieder schleichen Sätze ein, die den Lesefluss etwas stören.

Das liegt zum einen an ein paar Formulierungen, die sich sprachlich stark von den anderen unterscheiden – vermutlich hat es der Lektor an manchen Stellen zu gut gemeint. Zum anderen gibt es einige unnötige Beschreibungen, die mich doch etwas genervt haben: So werden beispielsweise Micas Augen beim erstmaligen Betreten der Diebesgilde verbunden. Wenngleich sie fortan zwar ihre Sinneswahrnehmungen und sonstigen Eindrücke unter Verlust ihrer Sehkraft schildert, wird der Leser dennoch in jedem zweiten Satz unnötigerweise daraufhin gewiesen, dass sie das Beschriebene tatsächlich nicht sehen kann.

Und warum Faím seine Kopfschmerzen in seinem Alter mit einer durchgezechten Nacht vergleicht, bleibt mir auch ein Rätsel. Irgendwie wusste ich in dem Alter noch nicht einmal, wie man Alkohol schreibt.

Die ersten Seiten zogen sich irgendwie ewig hin und ich musste mich wirklich überwinden, weiter zu lesen. Ab Seite 100 habe ich dann langsam einen Zugang zu Spoerris erschaffener Welt gefunden – bei insgesamt 380 Seiten leider erst recht spät. Mit den Charakteren konnte ich mich jedoch nicht wirklich anfreunden: zu sprunghaft waren mir Micas Stimmungen, zu langweilig Faíms Gedanken. Néthan kam im ersten Band zu selten vor, als dass ich mir eine wirkliche Meinung zu ihm hätte bilden können – insbesonders da ich nicht herauslesen konnte, in welchem Altersbereich er sich befindet.

Fazit

Der erste Band der Greifen Saga wird als Jugendroman präsentiert. Trotz intimerer Thematiken als in etwas den Kane-Chroniken oder Ähnlichem, scheint mir das die richtige Zielgruppe für das Buch zu sein, um einige unterhaltsame Stunden zu liefern. Für ein älteres Publikum könnten die Charaktere zu unattraktiv wirken, da es schwer sein wird, aufgrund des jugendlichen Auf und Abs sich mit diesen zu identifizieren. Freunde der Alia Saga von C. M. Spoerri finden hier auf jeden Fall gutes, neues Lesefutter.

 

Die Greifen Saga Band 1 – Die Ratten von Chakas

Autor: C. M. Spoerri

Verlag: Sternensand Verlag

Seitenanzahl: 380 (Taschebuch)

Die Greifen-Saga: Die Ratten von Chakas (Band 1)

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4.9 von 5 Sternen (84 customer reviews)

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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