Die Geschichte zwischen zwei Spielen


Ein Sturm der verdrängten Erinnerungen plagt den ehemaligen Sith-Lord Darth Revan. Was hatte ihn dazu veranlasst, die Republik anzugreifen? Was lauert in den Unbekannten Regionen? Was passierte in den Mandalorianischen Kriegen? Fragen, die das Buch Star Wars The Old Republic: Revan beantworten soll.

Kanon oder nicht Kanon

Das Buch spielt nach dem Spiel The Knights of the Old Republic sowie während und nach dem zweiten Teil. Wer die Spiele nicht kennt, könnte hier über den einen oder anderen Spoiler stolpern. Es wird von folgenden Enden in den Spielen ausgegangen: Wir haben als männlicher Revan (Check) Bastila vor der Dunklen Macht gerettet (Nope) und den Weg der Hellen Seite eingeschlagen (Nein). Revan hat eine Romanze mit Bastila angefangen und heiratet diese nach den Ereignissen.

Im zweiten Teil haben wir als weibliche Verbannte (Ja) die Jedi Meister gerettet (Ganz sicher nicht) und uns abermals für die Helle Seite der Macht entschieden (Auch nicht). Um die Sache zu vereinfachen, trägt die Verbannte im Roman den Namen Meetra Surik.

Von diesem kanonisierten Stand aus beginnt die Geschichte mit einem Prolog, der mit einem erschreckenden Traum Revans anfängt. Beunruhigt geht Revan in Gedanken die Lehren der Jedi durch, doch erst in den Armen seiner Geliebten Bastila kommt er wieder zur Ruhe.

Das erste Kapitel wird bereits nicht mehr aus der Sicht Revans berichtet. Lord Scourge, einige werden ihn aus dem MMORPG Star Wars: The Old Republic kennen, kommt gerade auf Dromund Kaas an. Zwei Jahre musste er in Außengebieten Aufstände niederringen und freut sich, dass Darth Nyriss persönlich ihn zu sich gerufen hat.

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Revan in seinem Sith-Lord Outfit (© Panini)

Doch schon kurz nach seiner Ankunft stellt er fest, dass Darth Nyriss ihn gar nicht freiwillig zu sich bat. Es wurden mehrere Anschläge auf sie verübt und der Imperator traut ihr nicht zu, diese Angelegenheit selbst zu regeln. Daher nimmt sie Lord Scourge Hilfe zwar an, lässt ihn aber ständig spüren, dass es nicht ihr Wunsch war.

Wir begleiten Lord Scourge, der versucht den Drahtzieher hinter den Mordversuchen zu finden. Dabei kommt er immer mehr einem Geheimnis auf die Spur, welches besser vor ihm verborgen geblieben wäre. Gleichzeitig erleben wir Revans Reise mit. Dabei wird immer mehr von seiner Vergangenheit aufgedeckt und es wird endlich der Motivationsgrund der Mandalorianischen Kriege offenbart. Dabei verzichtet Revan größtenteils auf seine ehemaligen Begleiter, um deren neu begonnenes Leben nicht zu stören oder im Falle von der schwangeren Bastila, diese nicht in unnötige Gefahr zu bringen.

Seinen Begleiter Candourus Ordo lässt er im Verlauf der Geschichte ebenfalls zurück, damit dieser sich um sein Volk kümmern kann. So macht sich Revan alleine mit seinem Droiden auf den Weg in die Unbekannten Regionen, in denen sich sein Weg mit dem von Lord Scourge kreuzt und bis zum Ende des Romans verbunden bleibt.

Kurz nach dem ersten Zusammentreffen von Revan und Scourge beginnt der zweite Teil des Romans und Meetra Surik gehört von nun an zu den Haupterzählern. Wie bereits aus Star Wars The Knights of the Old Republic II: The Sith Lords bekannt, macht sie sich auf die Suche nach ihrem ehemaligen Mentor.

Ein steiler Spannungsbogen

Der Schreibstil von Drew Karpyshyn ist sehr angenehm zu lesen. Durch präzise Adjektive und Verben vermag er immer mit wenigen Worten ein Bild von dem zu zeichnen, was sich gerade abspielt. Dadurch sind auch die häufig rasanten Kampfhandlungen gut überschaubar und mitreißend. Es gibt eigentlich keine Stelle im Buch, die ich nicht mit einem Gefühl der Spannung gelesen hätte, da die Emotionen der Charakter immer nachvollziehbar beschrieben sind und einen an deren Handlungen und Entscheidungen gar nicht erst zweifeln lassen.

Bereits im Prolog wird deutlich Revans Charakter gezeichnet. Er leidet noch immer unter seinem Gedächtnisverlust und ringt um jeden Fetzen seiner Erinnerungen. Gleichzeitig legt Revan einen ungewöhnlichen Humor und Sarkasmus an den Tag, den man sowohl bei Jedis als auch bei Sith eher selten antrifft. Trotz seines Heldenstatus hat der Autor darauf verzichtet, Revan unbesiegbar zu gestalten. Er ist sogar sehr menschlich und hat mit Erschöpfung, Temperaturen und Pech zu kämpfen.

Lord Scourge hingegen wird bei vielen auf den ersten Seiten keine all zu große Sympathie ergattern. Er ist arrogant, übermütig, brutal und im Hinblick auf die Handlung ein hinterlistiger Drecksack. Ein wahrer Sith eben. Scourge ist noch recht jung und unerfahren in den politischen Ränkespielchen des Imperiums. Das ist sehr angenehm, da es einen selbst an jedem Wort der hochrangigen Sith zweifeln lässt.

Während Revan eigentlich genau dem Bild entspricht, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe, wirkt Meetra auf mich etwas blass. Sie ist freundlich und ruhig. Im Gegensatz zu den anderen lesen wir bei ihr viel öfter die gedanklichen Zusprüche nach dem Motto: Ich schaffe das. Vielleicht missfällt sie mir so sehr, da meine Verbannte gnadenloser war. Oder es liegt an dem Namen mit dem ich mich einfach nicht anfreunden mag.

Bastila hinterlässt bei mir einen sehr negativen Eindruck. Irgendwie einen typisch weiblichen, möchte ich beinah sagen. Sie fällt in dem literarischen Werk insbesondere dadurch auf, dass sie sich um ihre Familie kümmert und hin und wieder zickig wird, wenn es um ihre Liebsten geht. Ihre Eifersucht im Bezug auf das freundschaftliche Verhältnis von Meetra und Revan fand ich ebenfalls unangebracht.

Damit aber gleich zu einem positiven Punkt: Es gefällt mir sehr, dass die Beziehung zwischen den Protagonisten der beiden Spiele endlich genauer beleuchtet wird und die Umstände des Krieges endlich mal Erwähnung finden. Während der Spiele drängte sich mir sehr oft die Frage auf. Warum? Was ist denn passiert? Keiner vermochte einem die Antwort darauf geben, doch das Buch bricht endlich die Mauer des Schweigens.

Die Einblicke in die Sith Kultur sind ebenfalls sehr erhellend. Die Struktur der Gesellschaft wird deutlich gezeichnet und teilweise hatte ich das Gefühl einer wirklich existierenden Kultur aus der Antike gegenüber zu stehen. Und obwohl die Hierarchien der Sith nachvollziehbar sind und man selbst als Leser einen hochrangigen Sith-Lord Seiten vorher wittern kann, gibt es einen Schwachpunkt.

Ausgerechnet der Imperator, derjenige der am meisten Dominanz und Angst verbreiten sollte, ringt mir nur ein müdes Lächeln ab. Die Beschreibung, dass seine Tat zu einer nihilistischen Abscheulichkeit geführt hat, rief in mir unweigerlich das Bild von Darth Nihilus vor. Mit diesem Bild verlor der Imperator bei mir an Bedrohlichkeit, da ich Nihilus Handlungen viel grausamer finde. Vielleicht liegt es an der Sympathie die ich Darth Nihilus entgegenbringe, dass ich ihn als größere Bedrohung wahrnehme.

Und damit sind wir noch bei einem weiteren negativen Punkt. Während Revans Mitstreiter und Antagonist zumindest eine Erwähnung finden, bleibt dies bei Meetra Surik aus. Darth Sion und Darth Nihilus werden zu namenlosen Anhängseln und einige Gefährten scheinen nie existiert zu haben. Schade, bei einigen hätte es mich wirklich interessiert, was aus ihnen laut Kanon geworden ist.

Der passende Autor

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Der Autor des Romans: Drew Karpyshyn

Wer vorher noch nie etwas von Drew Karpyshyn gehört hat, sollte sich mal auf seiner Website umsehen. Er hat an den beiden The Knights of the Old Republic Spielen mitgearbeitet. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es sich beim Lesen des Romans wieder so anfühlt, mitten im Spiel zu sein. Er schafft es, das berauschende Gefühl, welches ich damals bei The Knights of the Old Republic erlebte, bereits mit den ersten Sätzen erneut in mir zu entfachen.

Eigentlich kein Wunder, immerhin ist Star Wars nicht das einzige Science Fiction Universum, indem sich Karpyshyn auskennt. Er arbeitete an den ersten beiden Mass Effect Spielen mit und schrieb zu diesen ebenfalls einige Romane. Selbiges im Übrigen bei Baldurs Gate.

Gepaart mit einem sehr angenehmen und bereits erwähnten Schreibstil hätte es keinen besseren Autoren geben können, um Revans Geschichte fortzuführen. Das tröstet zumindest ein wenig darüber hinweg, dass The Knights of the Old Republic nie einen dritten Teil bekam.

Fazit

Empfehlenswert ist das Buch für jeden, der die The Knights of the Old Republic Spiele gespielt hat. Es schließt eine wichtige Lücke und beantwortet die eine oder andere Frage. Gleichzeitig bildet Star Wars The Old Republic: Revan eine Verbindungslinie zwischen den beiden Computerspielen und dem Onlinespiel. 

Wer die Spiele nicht gespielt hat, sollte nicht die Finger vom Buch lassen, sondern gefälligst beide Teile kaufen und durchzocken. Danach kann er dann das Buch lesen.

Wie bewerten wir? Lest hier nach.

 

Star Wars The Old Republic: Revan
Autor: Drew Karpyshyn
Verlag: Panini
Seiten: 320

 

Star Wars The Old Republic: Revan

Price: EUR 12,99

4.3 von 5 Sternen (62 customer reviews)

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2.8 von 5 Sternen (5 customer reviews)

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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