Die neue Kriegsgöttin


In dem bei Panini erschienenen Comic Wonder Woman – Göttin des Krieges Band 1: Kriegswunden präsentiert das Ehepaar Finch Dianas Leben und wie sie versucht ihren Aufgaben als Amazonenkönigin, Superheldin und neue Kriegsgöttin gerecht zu werden.

Kurzer Einblick ins DC Multiversum

Wonder Woman – Göttin des Krieges ist eine kleine Premiere für mich. Es ist gewiss nicht mein erster Wonder Woman Comic, aber der erste seit New 52 der im deutschen Sprachraum erschienen ist. Daher möchte ich die ersten Worte hier doch mal nutzen, Neueinsteigern einen kleinen Überblick über das DC Universum und seine Zeitlinien zu verschaffen.

Das ursprüngliche Universum spielte auf der sogenannten Earth 2 und erschien in den 40er Jahren.  In den 60er Jahren wurde dann Earth 1 erschaffen, auf der die Abenteuer der Justice League spielten. Während auf Earth 2 die Heimat des ersten Superheldenteams die Justice Society war. Einige Figuren existierten hier parallel zueinander, andere wiederum wie zum Beispiel Flash hatten andere Alter Egos.

1985 wurde beim Ereignis Crisis Earth 2 vernichtet und Earth 1 wurde zur New Earth. Alle Comicreihen spielten jetzt auf einer Erde und die Geschichten einiger Charaktere wurden umgeschrieben. Damit existiert das Pre-Crisis Universum, mit den Multiversen und das Post-Crisis Universum. Da DC jedoch eine lange Geschichte hat, geht es hier noch weiter.

2005 wurde durch ein Ereignis wieder ein neues Multiversum aus 52 parallel angeordneten Universen erschaffen, welches 2011 durch das Ereignis Flashpoint noch mal verändert wurden. In dem Flashpoint Event (auch als Film erschienen [Affiliate Link]) reist Flash in die Vergangenheit, um seine Mutter zu retten. Wer den Schmetterlingseffekt kennt, kann sich denken, was darauf folgt. Die Gegenwart, die Flash bekannt war, existiert nicht mehr. Zum Beispiel ist Bruce Wayne gestorben und dessen Mutter ist der Joker. Schussendlich schafft Flash zwar das Flashpoint Universum ungeschehen zu machen, erschafft aber wieder ein neues Multiversum.

Alle Comicserien wurden daraufhin von DC eingestellt und sie starteten einen Großteil einer neuen ersten Ausgabe. Auf Earth Prime spielen die nun monatlich neu erscheinenden Hefte. Das nutzte DC, um einige Sachen zu ändern. Die Helden sind nun deutlich jünger, da sie erst seit einigen Jahren aktiv sind. Bestehende Liebesbeziehungen wurden fast alle revidiert (auch die von Superman und Lois Lane) und Kostüme modernisiert.

Doch nun zur entscheidenden Änderung bei Wonder Woman, die mich bis jetzt daran gehindert haben, mir eines dieser Heftchen zu kaufen und nicht nur kurz durchzublättern oder auszuleihen: In ihrer vorherigen Geschichte wurde Diana aus Lehm geformt und einer ihrer wichtigsten Feinde war der Kriegsgott Ares. Nun ist Wonder Woman eine Halbgöttin und Tochter des Zeus und einer Amazone. Im Verlauf ihrer Geschichte wird sie zur Göttin des Krieges erhoben.

Neue Aufgaben und die totale Überforderung

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Wonder Woman muss sich vor den anderen Amazonen rechtfertigen (© Panini/DC)

Nach Azzarellos Wonder Woman-Saga haben sich für Diana einige Sachen geändert. Sie trägt die Bürde, die neue Göttin des Krieges zu sein und muss ihre Mutter, die von der Göttin Hera verflucht wurde, vorerst als Königin der Amazonen vertreten.

Obwohl sich Wonder Woman bereits als geborene Kriegerin beweisen konnte, sind nicht alle Amazonenschwestern von ihr überzeugt. Denn Diana setzt sich dafür ein, dass die Heimat der Amazonen nun auch von Männern bewohnt werden darf. Besonders unbeliebt bei den Kontrahentinnen dieser Idee sind die eigenen Brüder und Söhne.

Kriegswunden fasst die sechs Hefte um dieses Geschehen zusammen und ihr könnt den Comic losgelöst von anderen lesen.

Während sich die Amazonen darüber streiten ob jahrhundertalte Traditionen gebrochen werden sollen, verschwinden auf der Erde immer mehr Dörfer der Menschen. Zusammen mit den anderen Mitgliedern der Justice League versucht Wonder Woman herauszufinden, was mit den Menschen passiert ist.

Doch eigentlich geht es in dem Comic um Dianas inneren Konflikt. Sie fühlt sich durch den Verlust ihrer Mutter allein gelassen und hilflos. Die neuen Aufgaben fallen ihr schwer und das nicht nur, weil Derione die anderen Amazonen immer wieder gegen die neue Königin anstachelt. Wonder Woman fühlt sich auf der Insel nicht mehr wirklich zu Hause.

Hinzukommt, dass ihr das Dasein als Göttin des Krieges stark zusetzt. Immer wieder wird ihr vorgeworfen, sie würde Konflikte anziehen und Aquaman und Batman befürchten eine Veränderung Dianas.

Nicht selten stößt Wonder Woman in diesem Band an ihre Grenzen und vergießt die eine oder andere Träne.

Ein bisschen zu weiblich

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Auf einigen Bildern wirkt Wonder Woman puppenhaft (© Panini/DC)

Die Amazone wird diesmal sehr gefühlvoll dargestellt. Sie trauert um jedes Opfer, während die Männer alles ruhig und gefasst hinnehmen. In Kämpfen fragt sie nicht lange, sondern lässt ihrer Wut freien Lauf und schlägt lieber zu, als die Situation zu analysieren.

Dies führt natürlich zu Zurechtweisungen durch ihre Kollegen und schon beinah schnippisch stellt sie fest: “Ich bin nicht die Einzige mit Blut an den Händen. Ich bin bloss die Einzige, die bereit ist, das zuzugeben.”

In ihr die Göttin des Krieges zu sehen, fällt nicht leicht. Auch wenn betont wird, dass sie ihren eigenen Weg als Kriegsgöttin finden muss, würde ihr eine gewisse Härte und Wildheit gut stehen.

Die Zeichnungen von David Finch sind sauber und wie üblich präsentiert sich DC mit starken Farben, die in sich und mit dem Geschehen harmonieren. Wonder Woman selbst wirkt auf vielen Bildern sehr puppenhaft. Mit rundlichem Gesicht, großen Augen, Stupsnase und Schmollmund fällt es schwer, eine ernst zu nehmende Amazone in ihr zu sehen. Der Blick aus Dianas strahlend blauen Augen ist meist traurig, nur hin und wieder funkelt die sonst übliche kriegerische Stärke der Amazonenkönigin darin.

Die Dialoge drehen sich zum Großteil um Dianas Probleme: Fast jede Figur erkundigt sich nach ihrem Befinden und in der Regel gibt Wonder Woman gerne Auskunft darüber. Das stört zwar zunächst nicht, da sie die Protagonisten ist und im Fokus stehen sollte, fällt aber auf Dauer auch etwas negativ auf. Gerade folgender Satz blieb stach dabei hervor: “Ich bin noch immer Mitglied der Justice League und das zwischen mir und Clark läuft auch echt gut.”

Es wirkt für mich so, als wollte die Autorin unbedingt die Info in den Comic pressen, dass Diana ihren Traummann gefunden habe. Das passt aber irgendwie nicht so recht in die “Belastungsaufzählung”. Die Beziehung zwischen Superman und Wonder Woman ist für die Story nicht wirklich relevant und hätte nicht extra erwähnt werden müssen. Der Umgang der beiden zeigt bereits deutlich, dass sich zwischen ihnen eine intimere Beziehung entwickelt hat, als noch in den alten Universen.

Noch ein nettes Extra

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Schlicht, aber schön (© Panini/DC)

Nach der Geschichte um Wonder Woman findet sich auf wenigen Seiten die Geschichte der Amazone Derinoe. In dem sehr schlichten Zeichenstil von Goran Sudzuka wird in Aus Liebe zur Königin eine Handlung aufgebaut, die einem griechischen Drama nahekommen könnte. Die Motivationen der Amazone Derinoe, die spätere Gegenspielerin von Wonder Woman, wird dank dieses Comics verständlicher und auch ihr lang aufgestauter Hass erscheint mir jetzt fassbarer.

Da die Kurzgeschichte zu einem früheren Zeitpunkt als die Hauptstory spielt, fand ich die Zeichnungen trotz des eher detailarmen Stils sehr ansprechend. Somit wird ein kleiner Zeitreiseeindruck vermittelt.

Fazit

Ich kann mich noch nicht mit der New 52 Wonder Woman anfreunden, aber der Comic bot mir zumindest einige Stunden Unterhaltung. Da sich aufgrund der Darstellung Wonder Womans sicher einige uneins sein werden, würde ich hier die Wertung Geschmackssache geben. Einigen wird sicherlich die emotionale Seite Dianas zusagen.

Der Comic eignet sich auch für Einsteiger, da es in meinen Augen aber deutlich bessere Werke von der Amazonenprinzessin gibt, würde ich in diesem Fall lieber zu einem anderen Heft raten.

Wie bewerten wir? Lest hier nach.

 

Wonder Woman – Göttin des Krieges Band 1: Kriegswunden

Autor: Meredith Finch

Zeichner: David Finch, Goran Sudzuka

Verlag: Panini

Broschiert: 156 Seiten

Justice League: The Flashpoint Paradox (Blu-ray + DVD + UltraViolet)

Price:

4.8 von 5 Sternen (4 customer reviews)

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Wonder Woman – Göttin des Krieges: Bd. 1: Kriegswunden

Price: EUR 16,99

4.8 von 5 Sternen (11 customer reviews)

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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