Frauen in Comics und Videospielen Part 5: Willst du das wirklich in einer Schlacht tragen?


Fallen euch auch immer diese Umfragen “Coolster männlicher und heißester weiblicher Videospielcharakter” auf? Irgendwie fasst es doch schon sehr gut zusammen, wie die Charaktere in Spielen konzipiert sind, oder nicht?

Wo kommen die Rüstungpunkte her?

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Kingdoms of Amalur bietet für beide Geschlechter praktische Rüstungen.

Wie bei den Comics möchte ich hier mit den optischen Merkmalen beginnen: Bei Rollenspielen haben wir mittlerweile oft die Möglichkeit selbst zu bestimmen, welchem Geschlecht wir die nächsten Stunden auf den Hintern schauen und wie dieser aussieht.

Erst einmal eine ausgezeichnete Idee! Doch nicht jeder Editor setzt diese auch gut um. So findet sich bei vielen Spielen folgendes Problem: Wir können muskulöse, schlanke, manchmal sogar dicke Männer erstellen. Das weibliche Geschlecht hingegen beschränkt sich auf  unterschiedliche Schlankheitsgrade und Körbchengrößen. Zugeben, dafür haben Männer meistens nicht so eine tolle Frisurenauswahl.

Beim ersten Artikel nannte ich einige Klischees; darunter die knappe Rüstung. Und wer kennt dieses Phänomen nicht, welches sich besonders gerne in Fantasyspielen findet: Die Ausrüstung des weiblichen Charakters wird immer besser und besser und immer mehr Haut wird sichtbar, bis schließlich ein Punkt erreicht ist, an dem nur noch anstandshalber Intimbereich und Nippel bedeckt sind. Schon mal daran gedacht, dass dies bei einigen Wetterlagen unangenehm sein könnte? Und wo zum Henker kommen eigentlich die Rüstungspunkte her?

Ja, ich weiß – es ist Fantasy und es ist auch nur ein Spiel. Aber wichtige Stellen bleiben offensichtlich ungeschützt. Ein Dolchstoß ins Herz, ein Schwerthieb in die Magengrube oder ein gezielter Hieb mit der Axt gegen das Bein führen somit nicht etwa zu unschönen Verletzungen, sondern zum tödlichen Ende der Dame.

Bei männlichen Figuren gibt es dieses Problemzonen eher nicht. Oder ich habe entsprechendes Spiel noch nicht entdeckt. Man ist jedoch nicht genötigt, derlei Spiele zu spielen, da es genügend Alternativen gibt. Diese bieten zwar nicht unbedingt realistische, aber sichere Rüstungen für beide Geschlechter an.

World of Warcraft, Skyrim, Fable, Star Wars: The Old Republic, Final Fantasy 14, Kingdoms of Amalur und noch viele andere Genre-Vertreter lassen die Figuren sogar in die gleichen Rüstungen schlüpfen. Bei Fable ist besonders lobenswert, dass, obwohl Kleidungsstücke explizit für männliche oder weibliche Träger ausgeschrieben sind, wir uns selber aussuchen können, was unserer Figur tragen soll.

Doch einige der oben genannten Spiele weisen ein anderes “Problem” bei weiblichen Rüstungen auf: Boob Plates. Zuerst schaut ihr euch bitte eine Frau an, die ein ganz normales T-Shirt trägt. Ist da jede Brust separat ausdefiniert und dazwischen einfach mal nichts? Nein, das T-Shirt spannt sich und bildet quasi eine erhöhte Fläche. Dies wäre bei einer Robe oder einer leichten Lederrüstung nicht anders.

Bei schwereren Rüstungen wäre es eine Designfrage. Aber macht dieses Design Sinn? Nein, eigentlich nicht. Ich bin kein Historiker. Auch habe ich mich mit realen Rüstungen nur laienhaft beschäftigt, dennoch gibt es einige Punkte, die gegen einen feminisierten Kettenpanzer sprechen:

1) Durch die Metallbrüste würden Schläge vermutlich direkt zur Mitte geleitet werden.

2) Es wurde der sogenannte Gambeson zur Abfederung bzw. Auspolsterung unter schweren Rüstungen getragen. Damit wurde schon mal jegliche Geschlechtszuweisung optisch neutralisiert. 

3) Ein Historiker bestätigte mir, dass beim Sturz mit derlei Ausformungen das Brustbein brechen würde.

Es gibt eigentlich nur einen Grund für die Boob Plates: Sie sehen schick aus – zumindest in den Augen einiger Betrachter.

Outfits im Kampfring

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Soul Calibur IV – Ivy Valentine könnte eigentlich auch nackt die Arena betreten.

Wie sieht es in Beat ’em up Spielen aus? Gerne hätte ich meine Lieblingsreihe Mortal Kombat als Vorreiter genannt. Doch sind die Frauen hier alle sehr spärlich bekleidet, obwohl ich in Mortal Kombat X eine positive Veränderung an Sonya Blade feststellen konnte. In der Regel sind die Kleidungsstücke jedoch nicht kampfbehindernd und auch einige Männer präsentieren ihren Oberkörper freizügig oder gar nackt.

Ein ähnliches Phänomen lässt sich bei Soul Blade/Soul Calibur beobachten: Hier fallen die Kleidungsstücke für beide Geschlechter  trotz Waffenkampf bis auf einige Ausnahmen eher knapp aus. Auffällig ist hierbei die Figur Ivy, die ein freizügiges Outfit trägt und  mit einer sehr präsenten Oberweite besticht, die von einem nippelabdeckenden Band umspannt wird.

Bei der Betrachtung meiner selbst gebauten weiblichen Figuren in Kampfspielen muss ich jedoch ein kleines Geständnis machen: Während das Gesicht bei fast jeder Figur durch eine Maske oder einen Mundschutz verhüllt wird, zeige ich Oberschenkel gerne unbedeckt.

Doch es geht auch anders – der sogenannte Tomboy: Frauen, die sich bewusst männlich verhalten und kleiden. Ich erwähne diesen hier, da mir zuerst King aus der Spielreihe King of Fighters einfiel. Es gibt diesen Figurentyp jedoch auch in anderen Spielen und Medien. Manchmal erkennt ihr diese Figuren im ersten Moment gar nicht als Frau.

Auch bei MOBAs wie League of Legends oder Smite treten feminine Wesen in voller Rüstung eher selten auf. Wer sich jedoch beklagt, dass die weiblichen Charaktere bei Smite viel zu wenig tragen, sollte vorher einen Blick auf die mythologischen Vorlagen werfen. Viele Gottheiten wurden früher nackt präsentiert. Dank erhabener Körperhaltung fallen mir Charaktere, wie Kali auch nicht unbedingt negativ auf. Von Aphrodites Oberweite lasse ich mich im Ladebildschirm jedoch immer wieder gern ablenken.

Bei League of Legends habe ich mir ehrlich gesagt nie Gedanken um das optische Design gemacht. Bevor mir irgendwelche freizügigen Kleidungsstücke aufgefallen sind, fallen mir eher einige ungesunde Posen auf den Bildern auf. Zum Beispiel: Sivir, die mit Sicherheit in der nächsten Sekunde eine unangenehme Bekanntschaft mit dem Boden machen wird. Nichtsdestotrotz gibt es auch hier fragliche Kleidungsstücke. Irelia trägt eine Rüstung, die einen Ausschnitt aufweist. Dennoch schien sie es für nötig zu halten, zur Sicherheit noch Schulterplatten anzulegen.

Protagonisten und Sidekicks

Weibliche Nebenfiguren sind in den meisten Fällen ebenfalls sehr hübsch anzusehen. Tauchen sie öfter in einem Spiel auf, ist es  nicht selten, dass sie eine potenzielle Partnerin für den männlichen Helden darstellen. Vereinzelt entsprechen weibliche Nebenfiguren nicht dem Schönheitsideal. In diesem Fall treten sie dann aber auch nicht als Love Interest auf.

Auch weibliche Protagonisten treten gerne in einem sexy Outfit und netten Rundungen auf. Ob es sich nun um Lara Croft aus Tomb Raider oder Yuna aus Final Fantasy X2 handelt, macht keinen nennenswerten Unterschied. Outfits sind oft so gewählt, dass die Figuren im Rahmen ihres Settings begehrenswert wirken. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Alice aus Alice Madness Returns oder Red Hood aus Woolfe tragen unbetonte Kleidung. Es findet keine Übersexualisierung statt. Zugegeben: Das Alter der beiden Protagonisten könnte da eine Rolle spielen.

Und bei den Männern? Nein, sie sind nicht so sexy oder freizügig angezogen. Aber auch hier bildet sich bei Protagonisten ein klares Schönheitsbild ab: Sie sind muskulös und haben meist maskuline Gesichtszüge. Sie sollen die pure Männlichkeit ausstrahlen. Ebenfalls ein klischeehaftes Rollenbild, dem der durchschnittliche männliche Spieler niemals standhalten kann. Und es findet sich oft der typische Schrank, der nicht mehr durch die Tür passt.

Fazit

Wie in den Comics lässt sich auch in Spielen eine optische Typisierung für beide Geschlechter feststellen. Abermals sind beide idealisiert, wobei Frauen stärker übersexualisiert werden. Wie aber schon im Comicartikel erwähnt, fällt eine Übersexualisierung bei Männern etwas schwer, ohne dass es unästhetisch aussieht. Ein Mann in knappen Höschen wirkt eher unfreiwillig komisch als erotisch.

Einige Spiele übertreiben es meiner Meinung nach jedoch mit der Freizügigkeit der Damen. Wie bereits erwähnt, ist man jedoch nicht gezwungen, diese zu spielen, da Alternativen vorhanden sind. Wer lieber einer Elfe mit Metallnippelpflastern zuschauen möchte, kann das von mir aus gerne tun.

Viel wichtiger finde ich aber, dass in Rollenspielen oder Beat ’em up kein Nachteil oder Vorteil dadurch entsteht, dass man eine weibliche oder männliche Figur spielt. Es sind die gleichen Fähigkeiten vorhanden.

Wie seht ihr das? Lieber realistische oder knappe Rüstungen? Stören euch knappe Outfits bei Beat’ em up Spielen? Wenn ihr selber Charaktere baut, entsprechen sie dem typischen Videospielideal?

Und um mal die am Anfang gestellten Fragen umzudrehen: Wer ist der coolste weibliche und der heißeste männliche Videospielcharakter?

Solltet ihr demnächst ein neues Rollenspiel ausprobieren, könnt ihr euch auch mal am Female Armor BINGO versuchen.

Die Reihe

Einleitung

Nur ein gebrochener Rücken kann entzücken

Wie stark sind sie wirklich?

Ein Blick über den Tellerrand

 

Soul Calibur IV [Platinum]

Price: EUR 17,99

4.4 von 5 Sternen (24 customer reviews)

19 used & new available from EUR 1,99

Kingdoms of Amalur: Reckoning [PC Code – Origin]

Price: EUR 4,99

3.7 von 5 Sternen (35 customer reviews)

1 used & new available from EUR 4,99

 

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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  • Hypatia

    Interessanterweise hab ich gerade bei einem Handy-Game gesehen dass
    Männer dort mehr Haut zeigen – soweit dass bei der Auflösung von
    Mobilgeräten sichtbar ist.

    Mobil Strike ist eines dieser
    üblichen “Eigene Basis aufbauen, anderer Leute Basis angreifen”-Spiele,
    wo man bei den Angriffen auf Gegner auch deren Kommandanten gefangen
    nehmen kann. Lässt man diese wieder frei so laufen sie in Unterwäsche
    nach Hause, welche bei Männern aus weißen knielangen Boxer-Shorts und
    T-Shirt mit kurzen Ärmeln besteht, Frauen dagegen tragen weiße
    Unterkleidung die bis zu den Knöcheln bzw. Handgelenken geht.

    Über Gründe dafür kann man spekulieren, auffällig finde ich es aber schon.