RPC 2016: Eine neue Erfahrung


Ich war letztes Wochenende auf meiner ersten großen Convention und sie hat mich, soviel sei vorweggenommen, umgehauen. Was genau geschah, versuche ich hier nun ungelenk in Worte zu fassen.

Prophetische Reise

Der Weg zu meiner ersten RPC fing vielversprechend an. Als ich am Ticketschalter mein Ticket zum Treffpunkt mit Alex und Nora kaufen wollte, wurde mir das Verpassen von meinem Anschluss prophezeit. Erst wollte ich dem Mann auf der anderen Fensterseite hellseherische Fähigkeiten zuschreiben, bis dieser von sich gab, dass es in der Nacht einen Erdrutsch gegeben hatte und die Strecke nun noch geräumt werden muss. Nachdem ich in den zweifelhaften Genuss des flexibel genutzten Schienenersatzverkehrs gekommen war, saß ich dann aber doch im Auto und war mit weniger Verspätung als erwartet auf dem Weg nach Köln. Soviel zum Einsatz von Hellsehern bei der Deutschen Bahn.

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Nora (Fisch) und Alex (nicht Fisch) nachdem sie ihren Magischen Kofferraum entrümpelt hatten

Nachdem die Reifen unseres Vehikels vollen Stop erreicht hatten, bahnte uns Alex in seiner Power Armor eine Gasse durch die Massen von ge- und verkleidetem Volk, während Nora schnappend und zischend als Fischmutant meinen Rücken freihielt. So zumindest meine Vorstellung, als wir auf das Messegelände einbogen.

Ganz so episch verlief es dann doch nicht. Erst mal Parkplatz finden, aussteigen und umziehen. Beide liefen im Ringelreigen um das Auto und zogen wie Magier Ausrüstung, Kleidung und Schminke aus verschiedensten Ecken des Wagens und legten diese gekonnt und geschickt an. Ich stand derweil unnütz daneben und bewunderte das Spektakel. Doch dann ging es los. Der Segen eines Fahrstuhles brachte uns zum Eingang und offenbarte sehr viel weniger Menschen als erwartet. Gut, weil ich große Menschenmengen eher meide. Schlecht, weil ich mehr erhofft hatte.

Dann hieß es erstmal warten auf die anderen. Die waren nämlich zuerst in die gemietete Wohnung gefahren, um auszuladen. Aber lange ließen sie nicht auf sich warten und es ging los. Technik zum Filmen und Interviewen verteilt und schon wurde die Anmoderation gedreht. Noch ehe ich genau wusste was passiert sollte ich durch das Bild latschen und zum Verfolgen aufrufen. Das gelang dann auch beim zweiten Versuch, wobei ich nicht zum letzten Mal mit Alex Power Armor kollidierte. Der Mann ist in dem Ding wirklich immer im Weg – aber auch beeindruckend. Dann kurze Besprechung, Presseausweise abholen und noch bevor ich Sascha meine Freude über das Wiedersehen angemessen verbal mitteilen konnte, ging es hinein.

Immer einem Sinnesorgan hinterher

Auch wenn es einen Lageplan gab, so musste man diesen nicht nutzen. Einfach dorthin wo immer mehr Menschen waren und dann den Ohren nach. Allerdings gab es für die Augen auch viel zu erleben, was die Ohren manches Mal hintenan stellte. Dort sah man Link mit Zelda, hier war Queen Margaery mit Mutter und natürlich hüpfte meist irgendwo ein Deadpool rum. Der Berg vor einem war ein Warhammer 40k Fan in Rüstung und ich sah einen Zwerg in Rüstung, der verdammt noch mal einen Kopf kürzer war als ich – dabei genauso breit und mit Bart. Dem Mann will ich immer noch eine Umarmung geben. Der coolste Mensch, mit dem ich nie sprach.

Stände mit lauter coolem Zeug und jede Menge tolle Gewandungen und Cosplay, dass ich es schade finde, nicht von allem ein Bild gemacht zu haben, und sie schon jetzt langsam wieder vergesse. Doch die Pflicht rief: Schnell zum Cosplay Contest und ein paar schöne Aufnahmen machen und vielleicht ein paar vor das Mikro bekommen.

Doch zu spät… Kein Durchkommen durch die Menge und die Actioncam war zu weit weg für schöne Bilder. Schade. Dafür trafen wir die Wasteland Warriors: Eine coole Truppe mit coolem Camp und ein paar wirklich hübschen Waffen. Dass wir denen ein Interview hätten abzwacken können, fiel mir erst beim Schreiben dieses Artikels ein. Das nenn man wohl Spontanität.

Nachdem Nora und ich Alex nur durch mühevolles Zerren am Kragen überreden konnten, dass es anderes zu tun gab als mit Wasteland Freunden zu reden, gingen wir weiter unsere Termine und Aufträge abklappern. Unterwegs meinte Alex, dass es sonst voller sei. Nora warf jedoch ein, dass sonst auch weniger Platz gewesen sei. Alles also nur optische Täuschung und mir nur recht. Beim Drängeln kann ich ungemütlich werden.

Unsere Freunde von Orkenspalter TV ermöglichten mir mein erstes Interview über deren Crowdfunding Film Space 1889. An dieser Stelle noch einmal Danke dafür.

Zwischendurch gab es – wenig überraschend – überteuertes Essen und Trinken auf dem außengelegenen Mittelaltermarkt. Gewohntes Gefilde für mich. Allerdings lief mir hier dann schon mal der Saurier von Orkenspalter TV über den Weg oder ein Trupp von Umbrella Corp. Das war dann doch neu für mich.

Aber ich fühlte mich wohl, wenn auch etwas unter Druck wegen der Kamera und meinem Auftrag, Leute mit dem Mikro zu nerven. Alles führte dann dazu, dass mein altes Laster erdrückend wurden und plötzlich Qualm aus meinem Mund entstieg.

Dennoch war der erste Tag und Eindruck sehr positiv. Alle waren freundlich und bei Pegasus sah ich neue Spiele, die mich doch reizten dem Brettspiel und Ähnlichem noch eine Chance zu geben. Wir alle konnten leider nicht zu allen Dingen gehen, die uns privat am meisten interessierten, aber wenigstens hätte ich einmal Tommy Krappweis umarmen können, wenn ich mich getraut hätte und er nicht unfassbar busy ausgesehen hätte. Aber auch hier nochmal ein Gruß.

Und dann war der erste Tag auch schon vorbei. Wir fuhren in unsere Wohnung, um Material zu sichten, zu entspannen und Pizza zu essen. Die Aftershowparty interessierte zwar einige von uns, aber nochmal zur Messe hin, nachdem wir es uns auf dem Sofa gemütlich gemacht haben? Ne.

Der Magie zweiter Teil

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Jetzt ist es offiziell, Nora ist eine Ziege.

Am Morgen des zweiten Tages war nicht zu erahnen, wie schnell dieser vorbeigehen würde. Und hätte ich es geahnt, wäre ich dem Doctor Who Cosplayer entgegengesprungen und hätte ihn um
eine Tardis gebeten. Denn auch wenn unser Programm kürzer war, so hatten wir auch weniger Zeit. Und die Stunde Verspätung half nicht beim entzerren unseres Terminplanes. Die Jungs und Mädels von Lost Ideas warteten genauso wie eine Metprobe und der Uhrwerk Verlag sowie Feder und Schwert. Letztere schafften wir zwar nicht mehr, aber immerhin die Metprobe. Dazu war ich ständig auf der Suche nach tollen Motiven und Szenen zum Filmen, was mir am zweiten Tag doch ein wenig schwerer fiel.

Aber auch jetzt war es weiterhin ein Erlebnis. Die Ghostbusters liefen dort und ein großartiger Chaoskrieger hier herum. Ein “lebensgroßer” Tie-Fighter wollte bestaunt werden und plötzlich kamen uns zwei Autobots entgegen, bei denen mir die Augen überquellten. Es war ein anderes Land, und auch wenn Rücken und Füße weh taten, wollte ich mehr.

Bei Lost Ideas mussten wir kurz warten. Dann hieß es Kamera irgendwie höher bauen und Alex daran erinnern, dass er das Mikro unter der Nase spüren muss, damit der laute Sound der Mainstage ihn nicht übertönte.

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Wie cool ist das bitte schön? Genau! Übertrieben cool.

Dann weiter zum Uhrwerk Verlag. Kein Interviewpartner da. Mist. Zur Übernahme von Feder und Schwert gäbe es später eine Pressekonferenz, aber die konnten wir nicht mehr wahrnehmen. Zwischendrin noch ein paar Aufnahmen des Trubels versuchen und schon war es zu spät für die Metprobe. Alles zu knapp. Alles zu spät. Nun gut.

Metprobe können wir auch so noch machen. Jetzt die anderen Treffen, die Abmoderation machen und ein verbales Fazit geben, das nicht völlig überfordert klingt. Das habe ich im Übrigen nicht geschafft. Aber gut, es war im Kasten und damit die Pflicht erfüllt. Die Kür kommt dann ein andermal.

Danach entspannte sich die Lage leicht und Alex und ich gingen Nora verloren als wir gierig dem Alkohol entgegen zur Metprobe hasteten. Was dort unsere Münder erwartete, wird Alex in einem eigenen Artikel bald zum Besten geben. Danach hatten wir endlich Zeit zum Schlendern und Shoppen – nachdem Nora uns wiedergefunden hatte.

Nachdem ich im Rausch eine Flasche Walnussmet erstanden habe, gab es wieder teures Essen und Besuche bei Bekannten meiner zwei Compagnons. Es gab eine kurze Diskussion um einen Slave I für das X-Wing Spiel, die Alex zwar für sich entschied, aber leider nicht auskosten konnte: Vergriffen.

Und sehr bald war es dann auch Zeit zum Aufbruch, auch wenn wir nicht so wirklich weg wollten. Aber Zeit wartet auf nichts und niemanden. Und so endete der zweite Tag für mich noch schneller als der erste. Ehe ich mich versah, saß ich im Zug gen Heimat.

Fazit

Ich werde auf jeden Fall nächstes Jahr wieder zu diesem Fest der Rollenspieler, Verkleidungskünstler und freundlicher Menschen gehen, um mir diesen Quirl an Farben und Menschen wieder in mein Gedächtnis schrauben zu können. Und vielleicht werde ich mich dann auch in ein Kostüm werfen, um mich nicht ganz so auffällig normal zu fühlen.

Jakob Rabenhorst

Jakob Rabenhorst

Er zockt, wie es ihm gefällt, und liest sich durch die Welt. Wenn er nicht gerade am PC daddelt oder einen Roman liest, denkt er daran und freut sich darauf.
Hauptthemen: Games, Bücher.

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