RPC 2016: Wenn ein Tabletop-Noob über ein Tabletop schreiben soll


Auf der RPC in Köln wurden wieder einige unbekanntere Tabletop-Systeme vorgestellt. Wir haben uns dort Pb-12 angeschaut, ein generisches System. Also etwas für Felix als Freund von generischen Spiele, oder?

Ich hatte mir vorgenommen, mir auf der RPC ein Tabletop-System genauer anzuschauen und als absoluter Nicht-Tabletoper darüber zu schreiben. Ok, etwas Erfahrung habe ich noch von früher, als ich mit Freunden Herr der Ringe gespielt habe. Das ist nun aber auch schon rund zehn Jahre her und ich habe seither nicht mehr wirklich Zeit, in irgendein Tabletop gesteckt.

Wir waren zu zweit unterwegs: Sascha und ich. Sascha ist Tabletoper, hat keine Ahnung wie viele Figuren von Warhammer 40k, Herr der Ringe und noch anderen Systemen, glaube ich. Als wir zuletzt auf dem Nordcon ein Tabletop getestet haben, habe ich ihn dennoch richtiggehend vernichtet. Ich hatte also nichts zu verlieren, wenn ich in einem uns beiden unbekannten System gegen ihn antreten würde.

Wir blieben schließlich an einem kleinen Stehtisch hängen, auf dem Samurai-Figuren aufgestellt waren. Sascha mag Samurai, ich mag Samurai. Also sollten wir hier etwas Zeit investieren.

Ich mach mir mein Tabletop, wie es mir gefällt!

Auf in den Kampf, Samurai! Die Legosteine markieren übrigens den Status der Einheiten.

Auf in den Kampf, Samurai! Die Legosteine markieren übrigens den Status der Einheiten.

Es handelte sich bei dem Spiel allerdings nicht um Bushido oder ein bekanntes Tabletop im ostasiatischen Setting, sondern um ein generisches System namens Pb-12 von Project Blackbox. Der Name Pb-12 spielt auf den Würfel an, den ihr nutzt: den W12. Ungewohnt und ich besitze zumindest keinen dieser Art, aber jeder hat eben so seine Lieblingswürfel.

Das Prinzip dahinter hat mir nach einer kurzen Erklärung sehr gefallen: Ihr könnt selbst Werte für Figuren auf der offiziellen Website festlegen und das Balancing übernimmt dann das System. Je mächtiger eine Figur wird, desto teurer ist sie auch. Letztlich stellt dann jeder Spieler auf Basis eines vorher festgelegten “Punktekontos” seine Truppe zusammen. Dadurch sollte es also nicht passieren, dass plötzlich zwei Übereinheiten gegen drei menschliche Schutzschilde kämpfen. Wie gut das Balancing letztlich funktioniert, kann ich nicht sagen, die Idee ist aber gut.

Hinzu kommt ein ebenfalls vom System festgelegter “Epicness”-Wert. Dieser ist ein weiterer Indikator. So könnte man zum Beispiel eine Einheit erstellen, die sich kaum bis gar nicht bewegt, aber eine unfassbare Reichweite hat und einen extrem großen Schaden anrichtet. Durch die große Einschränkung sinkt der Punktewert. Da die Einheit aber stark spezialisiert ist, gibt es einen hohen Wert bei der Epicness. Hier und auch an den Regeln wird noch weiter geschraubt und das Spiel befindet sich noch in der Beta.

Hard to learn, danach sprechen wir über das “mastern”

Das aber zum Prinzip dahinter. Ich wollte nun meine Samurai auf die von Sascha stürzen lassen. Das musste aber noch etwas nach hinten geschoben werden. Denn zuerst wurden uns die Regeln erklärt, Schritt für Schritt. Und das dauerte wirklich lang. Die Jungs hinter dem Prinzip haben an relativ viel gedacht. Insgesamt erschien mir das Regelwerk nun nicht besonders dick, aber es ist wirklich sehr umfangreich.

Generisch heißt, dass es für alle möglichen Figuren funktioniert, sogar mit Knarren.

Generisch heißt, dass es für alle möglichen Figuren funktioniert, sogar mit Knarren.

Kommandopunkte, Aktionspunkte, Bewegungsreichweite, Schussreichweite, Unterbrechungen durch Schützen… Ich glaube, die Grundlagen habe ich schon begriffen, aber was nun wirklich wie wo dahinter steht, ist mir bis jetzt noch nicht ganz klar. Tatsächlich fragte Sascha recht bald, ob das System “Easy to learn, hard to master” sei. Kurz gefasst: Ist es nicht. Damit werben die Jungs aber auch gar nicht.

Wir schafften es dann schließlich auch in einer Stunde unsere jeweils vier Einheiten aufzustellen und in der zweiten Runde in den Nahkampf überzugehen. Danach mussten wir leider los. Wir konnten also keine Entscheidung treffen, wer nun diesesmal der bessere Taktiker war.

Du greifst mich an? Da hat aber meine Karte was dagegen.

Was noch ganz interessant an diesem System ist: Es gibt optional die Möglichkeit, Karten mit einzubinden, die ihr auf der Website käuflich erwerben könnt. Das macht das Spiel nicht gerade einfacher, aber für Taktiker sicherlich noch einmal spannender. Mit den Karten könnt ihr dann kurzzeitig den Angriff erhöhen oder einfacher aus einem Kampf wieder entkommen.

Alles in allem hatte ich kurzzeitig wirklich Bock, mir eigene Figuren “auszudenken”. Nachdem ich aber die ganzen Erklärungen gehört habe, schwirrte mir der Kopf und ich fand es dann doch nicht mehr so spannend. Wenn das Balancing funktioniert, ist die Idee für erfahrene Tabletop-Spieler sicherlich sehr cool und interessant. Für mich als einer, der gerne einen schnellen und doch taktischen Kampf bevorzugen würde, ist das zu viel Reingefuchse in die Regeln.

Und mir fehlte dieses Mal auch einfach der Shodown, den ich mir beim Spiel gegen Sascha erhofft hatte. Außerdem ist es großartig, wenn er als erfahrener Spieler gegen mich “Noob” verliert.

Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

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