SDJ 2016 – Blick in die Glaskugel


Auch in diesem Jahr wird die Spiel des Jahres Jury den begehrtesten Preis für Gesellschaftsspiele vergeben. Neben der Hauptauszeichnung Spiel des Jahres werden noch die Preise Kennerspiel des Jahres und Kinderspiel des Jahres vergeben. Da für Ende Mai die Nominierungen in allen drei Kategorien anstehen, wage ich einen Blick in die Glaskugel und stelle die möglichen Kandidaten kurz vor.

Prozedere

Die Jury des Vereins Spiel des Jahres verkündet jedes Jahr gegen Ende Mai zu jedem der genannten Preise drei Nominierte, die dann die Chance haben, die Auszeichnung zu erhalten. Darüber IMG_1956hinaus gibt es in jeder Kategorie eine Empfehlungsliste, auf der sich weitere gute Spiele finden. Für den Preis 2016 sind alle Spiele teilnahmeberechtigt die zwischen Sommer 2015 und Ende März 2016 in deutscher Sprache erstveröffentlicht wurden.

Da ich aus den Kinderspielen inzwischen rausgewachsen bin und auch selbst weder Nachwuchs habe oder welcher ansteht, werde ich mich in Folge ganz auf die beiden anderen Preise konzentrieren. Ich werde jeweils meinen Hauptfavoriten, die ärgsten Verfolger und ein paar Außenseiter nennen. Am Ende des Beitrags werden mein NPCOnline-Kollege Christian und ich noch unsere astrologischen Fähigkeiten nutzen und unsere Tipps für die Nominierungen zum Besten geben. Hier darf gerne in den Kommentaren mitgetippt werden.

Spiel des Jahres

Der Favorit

Selten war ein Favorit auf das Spiel des Jahres so klar wie in diesem Jahr. Das von Czech Games Edition veröffentlichte und dem Heidelberger Spieleverlag vertriebene Spiel Codenames ist auf den ersten Blick ein Partyspiel unter vielen. Dieses Wortspiel, bei dem es darauf ankommt, mittels des Sagens eines Wortes verschiedene auf dem Tisch ausliegende Wortgruppen anzusprechen, begeistert aber sowohl Familienspieler, reine Partyspieler und Hardcore-Vielspieler. Ein Spiel, das wirklich jeden abholt! Das gab es in der Vergangenheit selten.  CZ066_Codenames_Cover_German

Die Mitfavoriten

Als Mitfavorit ist vor allem der Favorit vor einem halben Jahr der Favorit zu nennen. Bei Mysterium versucht ein Spieler seine Mitspieler mittels Traumkarten, die verschiedene Bilder zeigen, auf die richtige Fährte zu bringen. Mysterium ist eine Mischung aus dem bekannten Spiel Cluedo und dem ehemaligen Preisträger Dixit. Zum Verhängnis werden könnte dem Spiel allerdings die etwas merkwürdige Endwertung: Ein kooperatives Spiel, bei dem ein Sieger gekürt wird, erscheint mir auch etwas komisch. Christian hat sich in seiner Rezension näher zu diesem Umstand und zum gesamten Spiel geäußert.

Weiterer Mitfavorit ist für mich das erst kürzlich bei Kosmos erschienene Imhotep. Im alten Ägypten beladen wir Schiffe mit Steinen, um sie auf verschiedenen Baustellen zu eindrucksvollen Monumenten aufzutürmen. Tolles Material, tolle Grafik, einfache Spielregeln, aber trotzdem knifflige Entscheidungen. Imhotep ist also wie für den Spiel des Jahres Preis gemacht. Dank seiner Komplexität könnte es vielleicht auch beim Kennerspiel landen. Mir gefällt es aber beim roten Pöppel besser. 

Die Außenseiter

Gerne nennen möchte ich das Spiel Die holde Isolde. Hier werden zu Beginn der Runde Karten gedrafted, die dann zur Fortbewegung auf verschiedenen Leisten dienen. Das Spiel ist wunderbar schnell erklärt, sehr zugänglich und sollte auf jeden Fall zumindest auf der Empfehlungsliste einen Platz sicher haben. Ein Geheimtipp für mich ist das Spiel Karuba von Haba. Der eigentlich ganz im Kinderspiel tätige Verlag setzt seit letztem Jahr auch auf Familienspiele und hat mit diesem Spiel eines meiner persönlichen Highlights des Jahres vorgestellt. Jeder Spieler schickt vier Abenteuerer auf die Reise durch den Dschungel auf der Suche nach Tempeln. Den Weg bereiten die Spieler erst während des Spiels durch die Auslage von Wegplättchen. Das Spiel hat sich bei uns zu einem echten Dauerbrenner als Startspiel in einen Spieleabend entwickelt. Ebenfalls erwähnenswert sind das Bluff-Spiel Sheriff of Nottingham und das kürzlich von Pegasus veröffentlichte Yeti, das vor allem durch seine wunderbar anzuschauenden Grafiken beeindruckt. 

Kennerspiel des Jahres 

Der Favorit

4091446_origAuch beim Kennerspiel gibt es für mich einen klaren Favoriten: Pandemic Legacy hat in der Brettspielwelt eingeschlagen wie eine Bombe. Innerhalb kürzester Zeit ist es in der größten Brettspieldatenbank boardgamegeek auf Platz eins geschossen. Seit der Veröffentlichung wurde bereits eine Vielzahl von Spielen angekündigt, die ebenfalls einen Legacy-Mechanismus einsetzen wollen. Legacy bedeutet, dass sich das Spiel immer wieder verändert. In einer 12 bis 24 Partien andauernden Kampagne werden Karten zerrissen, Aufkleber auf den Spielplan geklebt, Wörter schriftlich ergänzt und vieles mehr. Das Weltrettungsszenario der Pandemie-Reihe passt hervorragend zu diesem Mechanismus. Alles andere als eine Nominierung und eigentlich auch Auszeichnung wäre für mich eine große Enttäuschung. Fraglich ist allerdings, ob sich die Jury traut, ein sich veränderndes Spiel zu nominieren. Schließlich kann dies nicht immer im gleichen Zustand wieder gespielt werden und geht irgendwann zu Ende. 

Die Mitfavoriten

Ein Spiel eher klassicher Natur ist das bereits im Sommer 2015 veröffentlichte und damit älteste hier aufgeführte Spiel Isle of Skye vom Lookout Verlag. Mittels Carcassonne-ähnlichen Plättchen erbaut jeder seine eigene Landschaft aus Wiesen, Seen etc. Die Plättchen werden zuvor über einen interessanten Bietmechanismus erworben. Insgesamt bietet Isle of Skye für ein Kennerspiel sehr eingängliche Regeln, das aufgrund wechselnder Siegbedingungen eine sehr hohe Varianz besitzt. Weiterer Mitfavorit ist das Spiel 7 Wonders Duel vom Repos Verlag. Wie der Name verrät handelt es sich hierbei um eine Zweispielerumsetzung des Klassikers 7 Wonders. Der Draft-Mechanismus wurde angepasst, fängt aber weiterhin das Flair des großen Bruders sehr gut ein. Besonders gefällt die Möglichkeit statt über Siegpunkte auch über Militär und Wissenschaft den Sieg erringen zu können. Auch Christian ist ein großer Fan des Spiels. 

Die Außenseiter

Eines unserer absoluten Lieblingspiele momentan ist Time Stories. Bis zu vier Spieler begeben sich auf Zeitreise und erleben kartengesteuerte Szenarien. Neben dem Grundmaterial für alle Geschichten bringt das Basispiel das erste Szenario mit, das uns in eine Nervenheilanstalt in Paris schickt. Die weiteren Szenarien müssen extra erworben werden und spielen in den 9oer Jahren in den, in einer mystischen Fantasywelt und im alten Ägypten. Wie auch Pandemic Legacy verbraucht sich dieses Spiel, denn jedes Szenario kann von einer Gruppe nur einmal durchgespielt werden. Dieser Umstand wird Time Stories auch zum Verhängnis werden. Ich glaube nicht, dass die Jury zwei endliche Spiele nominiert. Deutlich zu komplex für den Kennerspiel-Preis ist das im Afrika der Kolonialzeit spielende Mombasa von Alexander Pfister. Allerdings ist das Spiel so gut, dass ich sicher bin, es auf der Empfehlungsliste wieder zu finden. Auch erwähnenswert im Kennerspielbereich sind das von mir kürzlich präsentierte Dynasties, bei dem wir eine Adelsfamilie in Europa ausbreiten, und Quadropolis, ein cleveres Städteaufbauspiel. 

Unsere Tipps

Christians Tipps: 

Spiel des Jahres: Sheriff of Nottingham, Codenames, Die Holde Isolde
Kennerspiel des Jahres: Time Stories, Pandemic Legacy, 7 Wonders Duel

Meine Tipps:

Spiel des Jahres: Codenames, Karuba, Imhotep
Kennerspiel des Jahres: Pandemic Legacy, 7 Wonders Duel, Isle of Skye

 

Heidelberger Spieleverlag CZ066 – Codenames

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4.7 von 5 Sternen (214 customer reviews)

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Z-Man Games ZMG71171-R – Pandemic Legacy – 1 Saison, rot

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Jan Kempf

Ist Anhänger des analogen Spielens zu Tisch. Ein wahrer Wettkampf findet für ihn immer noch im Angesicht seiner Gegner statt.
Hauptthemen: Gesellschaftsspiele

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