Beispielcharaktere: Diebische Finger


Ein Leben im Schatten! Das ist es, was dieser Charakter bevorzugt – als Einbrecher und Dieb eigentlich auch logisch. Also: Dunkle Klamotten an, Kletterausrüstung, Dietrich und natürlich den Knüppel für die Wachleute!

Ihr kennt das sicherlich: Ihr habt nun über mehrere Abenteuer hinweg mit eurem Krieger so viel von den Belohnungen zurückgelegt, dass ihr euch endlich das richtig tolle Schwert kaufen könnt und schon seid ihr abermals pleite. Also wieder über Wochen und Monate Geld zurücklegen.

Gut, dass es Charakterkonzepte gibt, die da anders funktionieren, wie den Dieb und Einbrecher. Ich habe mir für diesen Beispielcharakter Gareth aus der Computerspielreihe Thief als Vorbild genommen. Solltet ihr die Reihe nicht kennen und auf Schleichspiele stehen, solltet ihr das schnell nachholen.

Der Einbrecher und Dieb ist übrigens nicht unähnlich zu einem Ninja und Assassine, allerdings mit einem anderen Fokus als Schleichexperte. Die Verteilung der Attribute und Fähigkeiten geht allerdings tatsächlich in die gleiche Richtung.

Schnell, geschickt und lautlos

Da hinten brennt was? Egal, erst einmal das Schmuckkästchen aufknacken!

Da hinten brennt es? Egal, erst einmal das Schmuckkästchen aufknacken! (© Square Enix)

Bei Attributen und Fähigkeiten müsst ihr euch bei eurem Dieb recht stark spezialisieren. Geschicklichkeit und Beweglichkeit sind eure mit Abstand wichtigsten Attribute. Etwas Intelligenz und Stärke sind sicher auch nicht verkehrt, sollten aber nicht priorisiert werden.

Eure Fähigkeiten sollten auch sehr stark auf euren “berufliche” Laufbahn abgestimmt sein: Klettern, Wahrnehmen, Schleichen und Schlösser knacken sind definitiv eure wichtigsten Fertigkeiten. Taschendiebstahl schadet auch nicht. Hinzu kommen Talente wie Körperbeherrschung/Akrobatik, Handeln bzw. Feilschen (um das  Erbeutete möglichst gewinnbringend zu verhöckern) und gute Ortskenntnisse in städtischem Milieu. Außerdem solltet ihr recht flink sein, sodass ihr auch mal vor den Wachen, der Polizei oder wem auch immer fliehen könnt.

Für den Kampf empfiehlt sich stets eine kleine Fernkampfwaffe, die möglichst wenig Lärm verursacht. Das wären beispielsweise ein Kurzbogen, eine kleine Armbrust oder eine Pistole mit Schalldämpfer. Dementsprechend solltet ihr in die jeweilige Waffengattung auch ein paar Punkte investieren. Daneben ist der Umgang mit einem kleinen Knüppel und/oder einer kürzeren Klingenwaffe empfehlenswert. Im waffenlosen Kampf geübt ist zu sein ist aber auch nicht verkehrt.

Und damit kommen wir schon in den Bereich der Ausrüstung. Solltet ihr bei den Waffen die Qual der Wahl haben, bemüht euch immer um etwas Unscheinbares und Leichtes, das eurer Beweglichkeit kaum hinderlich ist und zugleich gut versteckt werden kann. Wenn euch dann jemand angreift und dabei auch noch glaubt, ein unbewaffnetes Opfer vor sich zu haben, ist die Überraschung eures Gegners gleich doppelt so groß, sobald ihr ihm plötzlich eine Klinge an den Hals drückt.

Lieber alles selber machen

Dieser Wurfhaken bleibt sicherlich überall hängen, wo er soll... hoffentlich.

Dieser Wurfhaken bleibt sicherlich überall da hängen, wo er soll… hoffentlich. (© Square Enix)

Ansonsten ist insbesondere leichte und vor allem dunkle Kleidung von Vorteil, mit der ihr nachts in engen Gassen mit der Dunkelheit verschmelzen könnt. Nach Bedarf gern auch mit einer Kapuze, die ihr tief ins Gesicht ziehen könnt, um unerkannt zu bleiben. Allerdings könnte sie euch in eurer Wahrnehmung einschränken, was nicht immer ideal ist. Des Weiteren stattet ihr euch mit allerlei Werkzeug aus, welches ihr für eure diebisches Geschick wie beispielsweise Einbrüche benötigt: Dietriche, Codeknacker, Wurfhaken mit Kletterseil, Glasschneider, eine kleine feuerfeste Decke, um Fackeln zu löschen… Überlegt euch, was ihr alles braucht und brauchen könntet. Eine gründliche Vorbereitung ist der halbe Weg zum Erfolg für jeden Langfinger.

Wenn ihr vorher schon ein paar Punkte auf Mechanik, Technik, Alchimie oder ein anderes ähnliches Talent verteilt habt, könnt ihr euch eure Gadgets eventuell auch selber basteln. Das verschafft euch definitiv einen finanziellen Vorteil und gewisse Unabhängigkeit. Ansonsten braucht ihr auf jeden Fall Kontakte zu Hehlern, zum Schwarzmarkt für besondere Anschaffungen und einen gleichermaßen fähigen wie verlässlichen Produzenten eurer Gadgets. Wenn möglich, solltet ihr  auch ein Versteck oder einen Unterschlupf haben.

Ein Kampf? Ich muss weg!

Kommen wir nun zum eigentlichen Charakter eures Diebes. Tatsächlich könnt ihr hier recht frei agieren. Ich würde mich hier nicht unbedingt an Gareth orientieren, da sein Charakter im Spiel auch gar nicht so stark zur Geltung kommt. Einige Sachen gebe ich euch hier aber doch mit auf den Weg: Euer Charakter wird jeden Kampf meiden wollen und sich im Zweifel immer zurückziehen. Solltet ihr also mit Gefährten unterwegs sein, dann werdet ihr sie wohl häufiger im Kampf im Stich lassen.

Sinnvoll wäre dann, dass ihr versucht, eure Feinde anderweitig unter Druck zu setzen. Ihr könntet sie umgehen und die Umgebung zu eurem Vorteil nutzen, um beispielsweise etwas auf sie fallen lassen… Außerdem habt ihr auch noch eure Fernkampfwaffe, die ihr freilich nutzen könnt, solange ihr euch nicht in unmittelbare Gefahr begebt.

Nichtsdestotrotz gilt es auch hier einige wichtige Punkte zu beachten: Warum habt ihr den Weg des Diebs und Einbrechers eingeschlagen? Von wem habt ihr alles gelernt? Seid ihr nur ein Einbrecher, um euch auf Kosten anderer zu bereichern oder gibt es eine tiefgründigere Motivation? Hier wäre es sogar möglich, dass ihr zum Beispiel für ein Waisenhaus “sammelt”, in dem ihr aufgewachsen selbst seid, oder dass ihr einem bestimmten reichen Mensch (oder gar eine Gruppe) schaden wollt und deshalb gezielt bei ihm, ihr oder ihnen raubt.

Es gibt kaum einen schlechteren Charakter als eines Gesetzesbrecher ohne handfeste Motivation. Und gerade als derart spezialisierter Einbrecher braucht ihr einen Mentor, der euch alles beigebracht hat. Erst dadurch wird der Charakter wirklich glaubhaft.

“Warum sollte ich nicht hier die Reichen ausnehmen?”

"Du willst, dass ich meine Stadt verlasse und mich in gefährliche Kämpfe werfe? Wirklich?"

“Du willst, dass ich meine Stadt verlasse und mich in gefährliche Kämpfe werfe? Wirklich?” (© Square Enix)

Ehe ihr nun aber mit einer Gruppe loszieht, müsst ihr euch überlegen: Warum? Denn normalerweise ist ein Einbrecher ein Einzelgänger oder mit zwei bis drei auserwählten Kameraden mit dem Ziel unterwegs, sich am Eigentum anderer zu bereichern. Warum also solltet ihr eure Stadt verlassen oder die Gefahr eingehen, von einem Krieger in einen gefährlichen Kampf gedrängt zu werden, der so gar nicht euer Ding ist.

Alles in allem ist der Einbrecher kein Kämpfer und in der Wildnis allein schnell aufgeschmissen. Allerdings bringt er die Gruppe unbemerkt in jedes Gebäude rein und im besten Falle auch wieder raus. Also eigentlich ein Spezialist, den man in der Gruppe immer wieder brauchen kann. Und der materieller Zuverdienst ist bei entsprechender moralischer Flexibilität der anderen Gruppenmitglieder keineswegs zu verachten.

Ich habe mich vor einigen Jahren selbst einmal an so einem Einbrecher für DSA versucht. Irgendwie mochte der Spielleiter das Konzept aber nicht so gerne und im dritten Wildnisabenteuer nacheinander ist mein Charakter dann leider gestorben. Seid euch also bewusst: Ihr müsst so einen Charakter komplett anders spielen als die üblichen “Helden”. Und sprecht euch vorher mit eurem Spielleiter ab, dass ihr nicht über Monate nur als Anhängsel durch die Wald schlurft und eure Fähigkeiten kaum einbringen könnt. Sonst hasst die Gruppe euren Charakter auch ganz schnell. 

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Felix Mohring

Mit 11 Jahren aus Versehen in die Rollenspielrunde des großen Bruders gerutscht und seither nicht mehr von dem Hobby losgekommen. Gründer und Marketing-Äffchen, Moderator und Formatentwickler der NonPlayableCharacters.
Hauptthemen: Pen&Paper

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