Frauen in Comics und Videospielen Part 6: Wer stirbt öfter? Mann oder Frau?


Die Rolle der Frau in Videospielen ist stark umstritten. Optisch sind sie sexualisierter präsentiert als die Männer. Doch welche Eigenschaften und Funktionen werden ihnen zugeschrieben? Sind sie wirklich immer nur die hilflosen Dinger, die vom Mann errettet werden?

Frauen in der Opferrolle

Es gibt sie, die Jungfrau in Nöten in Videospielen und sie ist keine Seltenheit. Wir finden sie in Super Mario, The Legend of Zelda, Final Fantasy, Star Wars: Knigts of the Old Republic, Resident Evil 4, Dark Souls und so weiter. Warum das nicht schlimm sein muss? Nun, der Held hat meist eine Beziehung zu der Entführten.

Der Mann, der etwas für diese Frau empfindet, ist bereit, sich mit Monstern zu schlagen und sein Leben zu riskieren, nur damit die geliebte Person in Sicherheit ist. Man könnte also auch sagen, dass eigentlich eine Wertschätzung der Frau stattfindet. Inwiefern das jedoch zutrifft und für einen akzeptabel ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Zumindest ich fand es eine interessante Theorie, die mir bei der Thematik öfter geboten wurde. Bei einigen Spielen möchte ich dem gerne zustimmen. Jedoch gibt es einige Jungfrauen in Nöten, deren Darstellung dazu führt, dass man sie am liebsten irgendwo herunterschubsen möchte.

Und auch ich würde mich freuen, wenn Frau öfter mal Mann retten darf. Nicht, weil sie sonst zu einem Objekt degradiert wird, sondern weil ich einfach gerne weibliche Charaktere spiele und gerne Leute rette (oder erschieße).

Die berühmteste Jungfrau in Nöten ist wohl Peach aus Super Mario. Obwohl die Gute unzählige Male entführt wurde, gibt es Spiele, in denen sie anderen in den Hintern tritt (zum Beispiel Super Smash Bros.). Fast schon paradox, dass sie sich in den Händen des Spielers gar nicht mehr so hilflos anstellt.

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In Dragon Age kämpfen wir uns als Frau selber frei.

Doch blicken wir, anstatt immer auf der armen Peach herumzuhacken, auf ein Spiel, welches meines Erachtens eine gute Alternative bietet. Dragon Age Origins: Bei der Anfangsstory des Stadtelfen werden mehrere Elfenfrauen von menschlichen Adligen verschleppt. Haben wir selber eine weibliche Figur, gehören wir zu diesen Elfen. Und obwohl uns unser Cousin zur Hilfe eilt, sind wir es als Frau, die sich den Weg nach draußen freikämpft. Von Wachen werden wir als kämpfendes Weib belächelt und als Hure beschimpft. Dennoch sind es schlussendlich sie, die blutend am Boden liegen. Unser Verlobter, der uns ebenfalls retten will, beißt ins Gras, bevor er überhaupt bei uns ankommt.

Spielen wir hingegen einen Mann sind wir der klassische Retter in der Not. Das Szenario, wie die Rettung verläuft, ist somit an das Geschlecht unseres Charakters gebunden und so angepasst, dass wir der Held sind. Dies halte ich für eine sinnvolle Lösung, die auch bei anderen Spielen Anwendung finden kann. Warum das Geschlecht des Protagonisten nicht zur Auswahl stellen und das Szenario dementsprechend anpassen? Somit würde man nicht in dem Dilemma landen, dass die Frau immer die ist, die gerettet werden muss. Gleichzeitig würde dies einem simplen Rollentausch, den einige bei der Debatte befürchten, entgegenwirken.

Ebenso wie es die Jungfrau in Nöten gibt, existiert die Gewalt an Frauen. In einigen Spielen wird der Tod der Freundin dafür genutzt, um den Protagonisten zu motivieren. Ein Konzept, das aus klassischen Rachefilmen übernommen wurde. Lustigerweise fällt mir als Filmbeispiel gerade nur Kill Bill ein. Die Racheaktionen zeigen eigentlich nur, was die verstorbene Person dem Protagonisten bedeutet hat. Weibliche Figuren sterben vermutlich eher in so einer Situation, da es noch mehr männliche Protagonisten gibt. Wenn die Anzahl der weiblichen Hauptfiguren weiter steigt, denke ich wird auch hin und wieder mal ein Mann sterben, um uns zu motivieren. Zumindest hoffe ich es.

Außerdem möchte ich hier gerne an Saints Row 2 erinnern, wo der beste männliche Freund zu Tode geschliffen wird, um unsere Figur (Geschlecht wählbar) zu motivieren.

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Es gibt Gewalt in Spielen, aber nicht nur an Frauen.

Gerne wird auch immer wieder erwähnt, dass Spieler die Möglichkeit haben, an weiblichen NPCs Gewalt auszuüben. Ja, diese Möglichkeit besteht, aber genau so gut kann ich die Gewalt auch an männlichen NPCs praktizieren. Ich möchte nicht wissen, wie viele männliche Charaktere ich in Skyrim, Fable und insbesondere Dishonored umgebracht habe, nur weil ich es konnte.

Und was ist eigentlich mit den ganzen Shootern? Gefühlt zu 90%, wenn nicht sogar mehr, erschieße ich dort Männer. Hier wird sich zwar darüber beschwert, dass allgemein Gewalt vorkommt (wir kennen wohl alle die tollen Dokus von ZDF und RTL), aber keiner beklagt sich darüber, dass hier meist nur Männer dran glauben müssen.

Fraglich finde ich Gewalt in Videospielen immer dann, wenn es gezielt gegen ein Geschlecht oder eine ethnische Gruppe geht. Als ich diese Reihe hier anfing, war für mich von vornherein klar, dass ich nur Comics und Spiele mit einbeziehe, die ich selber konsumiert habe. Dennoch möchte ich jetzt doch ein Game erwähnen, welches ich noch nicht zwischen den Händen hatte. Laut Trophäenguide gibt es bei dem Spiel Red Dead Redemption folgenden Erfolg: Lege eine gefesselte Frau auf die Eisenbahnschienen und sieh zu, wie sie überfahren wird.

Ich habe lange darüber nachgedacht. Die gefesselte Frau auf Bahngleisen ist ein gängiges Klischee. Spiele, in denen Gewalt vorkommt, bieten entsprechende Trophäen. Dennoch drängte sich in mir die Frage auf, warum überlässt das Spiel mir nicht selber, ob ich einen Mann oder eine Frau auf dem Gleis zurücklasse. Vielleicht kann ich es nicht so recht zuordnen, weil ich es selber nicht gespielt habe. Daher würde mich interessieren, wie Spieler von Red Dead Redemption diesen Erfolg empfinden und bewerten.

Frauen reine Unterstützung

Und was ist mit dem Klischee, dass Frauen meist die Heilerrolle einnehmen? Schalten wir bei League of Legends auf die Championübersicht und lassen uns die Supporter anzeigen, werden uns circa 25 Charaktere präsentiert. Zehn davon sind männlich. Gut, dass zeigt erstmal nur, dass es auch männliche Supporter gibt. Wenn wir jetzt jedoch auf Krieger oder Schütze gehen zeigt sich auch hier deutlich, dass sich genügend weibliche Charaktere finden.

Je weiter man in der Spielgeschichte zurückgeht, desto eher treten Frauen in der Heilerrolle auf. Mittlerweile findet man sie jedoch in fast jeder Rolle, genauso wie der Mann nicht auf den prolligen Krieger beschränkt ist.

Ob reale Frauen auch eher die Supporterrolle einnehmen, vermag ich nicht zu beurteilen.

Als Nebenfiguren gibt es die Frauen schon lange und mittlerweile sind sie nicht nur ein hübsches Anhängsel, sondern weisen eine Palette von unterschiedlichen Wesenszügen auf. Als Protagonisten sind sie zwar noch eher selten, aber es gibt sie: Jill Valentine (Resident Evil), Cate Archer (No One Lives Forever), Lucia (Devil May Cry 2) oder Alicia Claus (Bullet Witch). Es sind vier hübsche weibliche Protagonisten, die intelligent und kämpferisch begabt sind.

Optisch und charakterlich unterscheiden sich die vier Damen im Gegensatz zum klassischen männlichen Protagonisten recht stark voneinander. Sie haben aber auch etwas gemeinsam: Alle vier zeichnen sich durch Beweglichkeit anstatt durch Kraft aus. Macht auch Sinn, denn in der Regel sind Männer kräftemäßig den Frauen überlegen. (Bevor sich hier jemand beschwert. Natürlich gibt es Frauen, die Männern kräftemäßig ebenbürtig oder überlegen sind. Erfahrungen im Kampfsport zeigen mir jedoch, dass es sich hierbei eher um Ausnahmen handelt) Das akrobatische Talent schafft da einen sinnvollen Ausgleich.

Die Geschichte einer Heldin

Dieses akrobatische Geschick weist ebenfalls eine sehr bekannte Protagonistin auf: Lara Croft. Obwohl ich lange überlegt habe, ob ich nicht lieber auf Samus Aran und ihre fragliche Entwicklung eingehen sollte, habe ich mich aufgrund eines Facebook-Kommentars umentschieden. Daher ein kurzer Überblick zu Lara Crofts Laufbahn:

Im ersten Teil reicht die recht pixelige Grafik noch nicht für die lange Haarpracht, dennoch bot diese an anderer Stelle ein um so präsenteres und noch recht spitzes Detail. Bereits im ersten Teil trägt sie ihr berühmtestes Outfit. Knappe Hotpants und ein lichtblaues Top. Nicht unbedingt für alle Gebiete die optimale Kleidung. Im laufe der Teile wurden dann die Haare detaillierter und der Busen bis zu The Last Revelation immer größer.

Nach dem vierten Teil wurde der Busen wieder etwas verkleinert und Lara wechselte hin und wieder die Kleidung. Dabei trägt sie die berühmten Catsuits – die gefühlt jede zweite Actionheldin anhat – Schneeanzüge und Badeanzüge. Mein persönlicher Favorit ist noch immer das kurze Schwarze. Mit den vielfältigeren und teilweise sogar logischen Outfits wurden die Brüste in Legends und Underworld in einen normaleren Umfang gerückt.

Die größte optische Überarbeitung bekam Lara, dann mit dem Tomb Raider Reboot. Uns wird noch immer ein blaues Oberteil, aber nun längere Hosen und ein eher dezenter Brustumfang geboten. Das Gesicht wirkt jünger und dadurch deutlich mädchenhafter und verletzlicher.

Doch nicht nur Laras Aussehen hat sich gewandelt. Immer wieder wurde ihre Hintergrundgeschichte angepasst. Wurde sie einst von ihrer Familie wegen ihres außergewöhnlichen Lebensstils verstoßen, verlor sie ein anderes Mal ihre Eltern bei einem Unfall oder ihre Mutter durch ein mystisches Artefakt. Wie auch immer, sie wurde zu einer taffen Frau, die teilweise mechanisch und emotionslos agiert, um in ihren Abenteuern den nächsten Kick zu finden. Ganz anders sieht es im Reboot aus. Sie wird menschlicher denn je dargestellt. Mitleid mit Tieren, die sie zum Überleben, erlegen muss und Selbstzweifel sind ihre Begleiter.

Ich habe mich oft gefragt, warum diese neue Darstellung so sehr gelobt wird. Immer wieder wird sich eine starke Protagonistin gewünscht und jetzt wo Lara so verletzlich wie noch nie ist, wird dieses Model gelobt? Sie spricht sich immer wieder Mut zu und rutscht dermaßen oft aus, dass es schon lächerlich ist.

Obwohl es ihre ersten Schritte im Abenteuerleben sein sollen, treffen wir hier eindeutig auf stereotypische weibliche Eigenschaften, die im Spieler anscheint einen Beschützerinstinkt wecken sollen. Schade, dass die Brustverkleinerung durch andere weibliche Attribute entschuldigt werden musste.

Hinzu kommt, dass die Spielreihe immer ernster wurde. Was sich bereits an obigen Trailern deutlich erkennen lässt.

Fazit

Eigentlich hätte jede weibliche Protagonisten ihren eigenen Artikel verdient und damit meine ich nicht nur die hier genannten. Denn sie alle zeigen, dass Klischeebild der Frau existiert zwar, genauso wie das des Mannes, aber es ist schon lange nicht mehr so präsent, wie früher. Je länger einer Figur “lebt”, desto mehr Veränderung macht diese durch. Dabei passiert es, dass Charaktere kaum noch dem ursprünglichen Konzept entsprechen und Entwickler früher oder später zu Stereotypen greifen.

Wenn ein Klischee vorkommt, ist es nicht unbedingt etwas Schlechtes. Ausreizen sollte man diese jedoch nicht.

Ich glaube, dass Videospiele sich in den letzten Jahren in die richtige Richtung entwickelt haben, indem sie vielfältigere Charaktere erschaffen haben. Im Hinblick auf das Jahr 2016 setzen weitere Spiele auf einen weiblichen Protagonisten: Dishonored 2, Assassin’s Creed: Syndicate, Horizon: Zero Dawn und Hellblade – The Senua.

Gewalt in Videospielen ist noch immer ein beliebtes Diskussionsthema. Ich sitze nach stressigen Tagen gerne vor dem PC oder der Konsole. Dabei ist es keine Seltenheit, dass ich die eine oder andere Grausamkeit an NPCs ausführe. Es ist mir dabei völlig egal, welches Geschlecht mir vor die Flinte läuft. Wer sich an der Gewalt in Videospielen stört, kann das von mir aus gerne tun. In Hinblick auf einige Altersfreigaben finde ich es auch berechtigt. Doch das Aufregen über Gräueltaten an Frauen in Spielen, in denen ich ebenso einem Mann Leid zufügen kann, impliziert für mich dass es bei diesem okay wäre. Das hat für mich dann nichts mehr mit Gleichberechtigung zu tun.

Wie denkt ihr? Neue oder alte Lara Croft? Welcher männliche Charakter hat die größte Entwicklung durchgemacht? Gewalt an weiblichen NPCs okay oder nicht? Was haltet ihr allgemein von Gewalt in Videospielen? Gibt es ein Spiel auf das ihr euch dieses Jahr besonders freut?

Die Reihe

 

Tomb Raider

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Dragon Age: Origins – Ultimate Edition

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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