Frauen in Comics und Videospielen Part 7: Romanzen


Auch Beziehungen zwischen einzeln Figuren wurden schon oft in unglaublich gut recherchierten Dokus diskutiert, um Eltern davor zu warnen. Ihre braven Kinderlein sollten sie bloß nicht spielen: Rollenspiele mit Romanzen. Denn sie sind nur dafür da, Alienfrauen flachzulegen. Ach, ich liebe euch Fernsehdokus. Doch wie sieht es wirklich aus? Haben weibliche und männliche Spielfiguren die gleichen Möglichkeiten?

Ein nettes Feature

Es gibt sie schon länger und viele Spieler freuen sich über die optionale Möglichkeit, eine Romanze mit einem Gefährten oder NPC einzugehen. Immer wieder wird jedoch auch kritisiert, wie diese dargestellt werden. Reden, Geschenk, Reden und ab ins Bett.

Doch sind die Romanzen wirklich so lieblos gestaltet. Geht es nur darum, die begehrte Figur ins virtuelle Bett zu ziehen? Und wo genau liegt der Unterschied zwischen den Romanzen für Frauen und für Männer?

Ich möchte hier mit einem sehr unschuldigen Spiel anfangen: Harvest Moon. Während wir früher nur in die Rolle eines männlichen Protagonisten schlüpfen konnten, können wir inzwischen auch eine weibliche Hauptfigur spielen. Das ist hier aber eher uninteressant, denn das Umwerben und Ergebnis läuft ziemlich identisch ab: Jeden Tag rennen wir zu unseren Angebeteten, bewerfen sie mit Geschenken (aber Achtung nicht jeder mag alles) und bekommen nach genügend Aufmerksamkeiten ein kleines Gespräch, indem es gilt, die richtige Antwort zu treffen.

zevran magier

Dragon Age belohnt das Flirten mit einem kleinen Video

Wenn wir dann endlich das Herz der Dame oder des Mannes erobert haben, wird geheiratet. Das mag wirklich alles sehr stumpf wirken, aber sehen wir uns erst mal andere Beispiele an.

Bioware ist berühmt für seine potenziellen Romanzen in Spielen. In Dragon Age, Mass Effect oder Star Wars The Old Republic reden wir mehr mit der oder dem Auserwählten als das wir sie beschenken. Doch auch hier können wir ein bisschen Liebe durch kleine Aufmerksamkeiten erkaufen. Am Ende steht die Beziehung, die hin und wieder auch mit einem “erotischen” Filmchen inszeniert wird.

Somit liegt kein großer Unterschied zur Realität vor: Wenn uns jemand gefällt, reden wir mit der Person und bemühen uns durch richtige Antworten, uns im besten Lichte zu präsentieren. Wir beschenken auch gerne Personen, die wir mögen. Der Unterschied ist dabei, dass es keine Garantie dafür gibt, dass unsere Zuneigung erwidert wird. Schade ist nur, dass sich in den meisten Spielen die Gesprächsoptionen nach dem Liebesakt erschöpft haben. Dadurch entsteht das Gefühl, dass dies der Höhepunkt der Beziehung ist und nicht das bestehende Band zwischen den Figuren.

Dagegen ist Skyrim mit dem Amulettsystem  wohl eher etwas unromantisch, obwohl es das reale Leben stark vereinfachen würde. Konsequenz der Romanze bei Skyrim und auch bei Fable: Die Erwählten belagern von nun an unser Haus. Bei Fable ist es sogar möglich mehr als eine Partnerschaft zu führen, insofern man nicht ertappt wird.

Unterschied zwischen Mann und Frau

In der Regel bestimmt das Geschlecht unserer Figur erst einmal, welche potenziellen Partner überhaupt zur Verfügung stehen. Da noch mal ein großes Lob an Bioware. Mit Dragon Age 3 und Mass Effect 3 führten sie Figuren ein, die nur an einer gleichgeschlechtlichen Beziehung interessiert sind.

Obwohl somit beiden Geschlechtern eigentlich genügend Möglichkeiten zur Verfügung stehen, scheint doch ein gewisses Ungleichgewicht zu herrschen. 
Nehmen wir als Beispiel Mass Effect 2: Als Mann bieten sich uns drei unterschiedliche Frauentypen, die wir bezirzen können. Alle drei Romanzen enden mit einem kleinen Techtelmechtel, bevor das Universum gerettet wird. Wir können jene Romanzen sogar in unterschiedlicher Intensität in Mass Effect 3 fortführen.

Als Frau haben wir ebenfalls drei sehr unterschiedliche Männer zur Auswahl. Auch mit ihnen treffen wir uns kurz vor der großen Mission in unserem privaten Schlafgemach. Eine Filmzszene wie bei dem männlichen Shepard hat man jedoch nur mit dem Menschen Jacob. Zudem können wir nur zwei der Romanzen in den dritten Teil übernehmen, wo von eine auch noch tragisch endet.

Sind die Frauen hier benachteiligt oder haben diese nicht sogar die viel realistischeren Beziehungen zur Verfügung? Immerhin läuft auch im echten Leben nicht alles so, wie man möchte.

In Star Wars The Old Republic sind ebenfalls Beziehungen möglich. Es ist erst mal nett, dass es dieses Extra in einem MMORPG gibt, auch wenn es an mir bis zu einem bestimmten Punkt vorbeigehuscht ist. Ich hatte als Sith schlichtweg Besseres zu tun bis zu dem Augenblick, als mir mein neuer Schüler über den Weg lief. Dass dieser dann nicht als Romanzenoption für meine Sithdame zur Verfügung stand, fand ich erst nicht schlimm. Doch als ich über eine Übersicht der möglichen Romanzen stolperte, bemerkte ich, dass beide Jedi Klassen und beide Sith Klassen als Mann jeweils etwas mit ihrer Schülerin anfangen können.

Echt jetzt? Davon mal abgesehen, dass es mich im Nachhinein doch etwas verärgert hat, dass mir als Frau der männliche Schüler als Romanze verwehrt blieb. Was sagt es über männliche Lehrmeister aus, wenn wirklich alle vier mit ihrer Schülerin anbandeln können?

Bei genauerem Hinsehen fällt außerdem auf, dass als männlicher Sith-Krieger eine Romanze mit der persönlichen Sklavin möglich ist. Interessant finde ich hierbei, dass es fünf Liebschaften gibt, in denen der Mann in einer dominanteren Position auftritt. Hingegen bekommen Protagonistinnen stets Partner zugeschrieben, denen sie auf Augenhöhe begegnen.

Im Gegensatz dazu bietet Dragon Age 3 vier Romanzen für Männer und sechs für Frauen. Zwei der Romanzenoptionen für Frauen sind nicht nur ans Geschlecht, sondern auch an eine Rasse gebunden. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn männliche und weibliche Protagonisten ungefähr gleich viele Wahlmöglichkeiten hätten.

Im Klassiker Star Wars The Knights of the Old Republic bietet sich ebenfalls ein interessanter Unterschied. Nehmen wir die Romanzen, die speziell für den männlichen beziehungsweise weiblichen Revan gestaltet sind: In einer romantischen Verpflechtung mit Bastila ist es egal, ob unsere Gesinnung als Mann hell oder dunkel ist. Im Gegensatz dazu müssen wir Cartha beseitigen, wenn wir  uns als weibliche Figur für die dunkle Seite entscheiden.

Romanzen mit festen Protagonisten

Der Mann bekommt immer die Frau – zumindest laut Klischee. Ich musste ehrlich gesagt erst mal lange überlegen, in welchen Spielen mit festen Protagonisten überhaupt Liebesbeziehungen vorkommen. Nach Längerem überlegen fiel mir Overlord ein. Halten wir uns im zweiten Teil bis zu drei Mätressen, müssen wir im ersten Teil noch wählen. Das ist auch der Grund, warum ich zuerst an Overlord denken musste. Es sind eigentlich keine wirklichen Beziehungen. Die Dame belagert mit zehn leicht bekleideten Jungfrauen (zumindest waren sie es bei ihrer Ankunft) unsere Festung. Sie dekoriert brav das Heim und verbessert die Schergen. Ach ja, und bei einigen Missionen “ruft sie uns an”.

Egal ob wir uns für die gebildete Rosa oder ihre erotische Schwester Vanessa entscheiden, uns wird eine Frau zur Seite gestellt, die uns eigentlich nicht liebt. Beide ziehen nur ihre Vorteile aus unserer Position und belohnen uns mit ein wenig Zärtlichkeit. Die Frau ist in diesem Fall also an den Erfolg gebunden und nicht an den männlichen Protagonisten per se.

Anders sieht es in Witcher aus. Hier haben wir eine recht große Auswahl an Frauen, mit denen wir das Bett teilen können. Die Intensität der Beziehung variiert hier stark, dennoch sind die Frauen stets vom Charakter des Mannes angetan. Natürlich hat es hier auch etwas mit einer gewissen Machtausstrahlung zu tun. Diese findet sich jedoch bei fast jedem Protagonisten und steht in Witcher bezüglich möglicher Romanzen nicht im Vordergrund.

Mein Blick wandert weiter über mein Videospielregal und bleibt bei Final Fantasy hängen. Ein Spiel, in dem eigentlich immer eine Liebesbeziehung vorkommt. Interessanterweise nahm ich es hier jedoch nie so war, dass der männliche Protagonist die Frau am Ende erobert. Trotz der eher häufigen Steuerung von Cloud, Squall, Zidane usw. habe ich die Frauen immer als gleichrangigen Protagonisten wahrgenommen. Das Paar findet sich am Ende und ist nicht alleine an den Mann gebunden. Besonders deutlich wird das bei Final Fantasy X2. Hier fällt Tidus aus dem vorangegangenen Teil weg und wir steuern nur noch Yuna. Ob die beiden sich am Ende finden, liegt dann nur noch in der Hand des Spielers.

Und damit erschöpfen sich interessanterweise schon meine Spiele mit möglichen Liebesbeziehungen, sofern ich mich an diese erinnere. God of War präsentiert natürlich noch viel Haut, doch die Erinnerungen hieran sind eher schwammig und bleiben daher lieber weitestgehend unerwähnt. Spiele mit Protagonistinnen einschließlich einer Romanze fallen mir auf Anhieb nicht ein. Eine Ausnahme bilden hier natürlich die ganzen Dating Games für Mädchen, die sich sowohl als Browsergame als auch als App und, soweit ich weiß, in Asien sogar als kaufbare Spiele verbreitet haben. In diesen wird die Protagonistin von eigentlich jedem Mann geliebt. Um hier ein Beispiel für diejenigen zu nennen, die derlei Spiele nicht kennen: Sweet Amoris

Im Großen und Ganzen ist dies aber eine recht magere Ausbeute. Daher geht die Frage an jene unter euch, die eventuell den Romanzen mehr Beachtung schenken als ich: Bekommen männliche Protagonisten denn nun eher eine Liebesbeziehung zugeschrieben?

Fazit

Die gleichen Möglichkeiten bieten sich weiblichen und männlichen Figuren bei den Romanzen nicht. Davon abgesehen, dass logischerweise nicht jeder Charakter für jedes Geschlecht zu haben ist, scheinen die weiblichen Figuren kompliziertere Liebesbeziehungen zu bekommen. Vielleicht liegt es daran, dass Spieleentwickler eher davon ausgehen, dass weibliche Spieler sich einer Romanze widmen. Wirklich benachteiligt ist aber keiner von beiden. Auch wenn ich mich ein klein wenig über Star Wars The Old Republic ärgere. Aber das war persönliches Pech.

Wie empfindet ihr die Romanzen in Videospielen? Bieten sich für beide Geschlechter ungefähr die gleichen Möglichkeiten? Gab es Spiele, bei denen ihr euch geärgert habt, dass ausgerechnet mit dieser Figur keine Liebesbeziehung möglich ist?

Die Reihe

Mass Effect Trilogy

Price: EUR 24,99

3.7 von 5 Sternen (74 customer reviews)

7 used & new available from EUR 24,99

Dragon Age: Inquisition

Price: EUR 13,98

3.3 von 5 Sternen (350 customer reviews)

13 used & new available from EUR 9,99

Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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