Frauen in Comics und Videospielen Part 8: Reale Frauen und Abschlussworte


Heute ist es soweit: der vorerst letzte Artikel der Frauenreihe. Dieses Mal wage ich einen kurzen Blick auf reale Frauen und ergänze Einiges zu Vergangenem.

Würden Frauen es anders machen?

In sieben Artikeln habe ich die Darstellung der Frau in Comics und Videospielen mehr oder minder ausführlich umrissen. Zu beiden Thematiken könnte ich rein theoretisch noch viel mehr schreiben. Es gibt ganze Doktorarbeiten zu diesen Themen. Ob man nun der Meinung ist, das Frauenbild sei negativ belastet oder eben nicht, man wird immer genügend Belege für beide Theorien finden. Insbesondere da eine Darstellung, die jemand als negativ empfindet, dem anderen noch lange nicht Übel aufstoßen muss.

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Eine nackte Frau künstlerisch zu präsentieren war kein Problem, solange man die Figur als Venus betitelte

Videospiele und Comics sind ein Kulturgut und sie werden sich mit der Kultur entwickeln. Ebenso wird die Darstellung der Frau weiteren Wandlungen unterliegen. So gab es in der Vergangenheit schon Zeiten, in denen es anstößig war, nackte Menschen zu malen, und es gab eben auch schon Zeiten, in denen diese Art der Kunst begrüßt wurde. Videospiele gehören zu den neueren Medien des Ausdrucks oder des künstlerischen Schaffens, die in der Lage sind Werte zu vermitteln und unsere Gesellschaft widerzuspiegeln. Doch in erster Linie sollen sie unterhalten und uns die Möglichkeit bieten in andere Welten einzutauchen.

Während ich mich so in das Thema einlas, bin ich öfter darüber gestolpert, dass die Darstellung der Frau vermutlich ganz anders wäre, wenn eben mehr Frauen in der Videospielbranche oder an Comics erfolgreich mitarbeiten würden. Tendenziell kann sich eine Frau besser in eine weibliche Figur hineindenken, doch bezweifel ich, dass sich ihre Darstellung gravierend ändern würde.

Betrachte ich nämlich zeitgenössische Fanarts, Doujinis oder Fanfiktion, finden sich auch hier übersexualisierte Figuren in knappen Outfits und Jungfrauen in Nöten. Dabei spreche ich nicht nur von Werken, die von Teenagern gestaltet wurden, sondern vielmehr von Produktionen jeglicher Altersstufen. Es gibt durchaus auch Frauen, die an so einer Darstellung Gefallen finden und diese in ihr Schaffen einbinden.

Der Umgang miteinander

Ein weiteres Thema, über das ich ebenfalls stolperte und reale Frauen in diesem Hobby betrifft: Viele Spielerin und Comicleserin werden anscheinend nicht ernst genommen, wenn nicht sogar gemobbt.

Im ersten Moment fiel es mir schwer zu glauben, dass es wirklich so extrem ist, wie es in einigen Berichten erläutert wird. Denn zu einem fehlten bei vielen Berichten, die angeblich Studien gemacht haben, explizite Angaben zu den Studien. Das macht mich immer etwas stutzig. Zum anderen habe ich nicht sehr oft die Erfahrung gemacht, dass ich aufgrund meines Geschlechts im Comicbereich oder in Videospielen von Männern anders behandelt wurde.

Übertrieben ausführliche Ratschläge oder Verhätschelungen habe ich nur von Männern erlebt, die allgemein dazu neigen, jemand eingehend ein Spiel zu erklären. Eine Bevorzugung in MMORPGs habe ich bis jetzt auch nur einmal erfahren. Das kann jedoch daran liegen, dass ich mich nicht unbedingt als Frau zu erkennen gebe. Denn was ich selber schon in Instanzen miterleben durfte, sind Damen, die sich gerne als das hilflose Mädchen geben, um bessere Sachen abzugreifen.

Genauso fallen mir oft Frauen auf, die immer wieder fragen, wie etwas geht, und sich anscheint absichtlich “dumm” präsentieren, um die Aufmerksamkeit des männlichen Publikums für sich zu gewinnen. Ich hoffe doch, dass die vermehrten Beschwerden nicht von diesen weiblichen Individuen stammen.

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Sehen Männer rot, sobald Frauen einen Controller zur Hand nehmen?

Auch kann ich nicht unbedingt von Beleidigung sprechen, die sich explizit gegen ein bestimmtes Geschlecht richten. Es gibt Spieler, die sich tierisch aufregen, wenn etwas nicht so funktioniert wie sie möchten. In der Konsequenz wird dann verbal wild um sich geschlagen. Genauso müssen auch andere damit leben, dass sie mal angemeckert werden, falls sie etwas in einem Game verhauen haben.

Doch ich bin nur eine einzelne Person. Vielleicht gibt es dieses vermehrte Beleidigen explizit gegenüber Frauen und ich hatte einfach Glück, dass ich diesem bisher entgangen bin. Auf jeden Fall haben sich einige Frauen so stark angegriffen gefühlt, dass die Seite Fat, Ugly or Slutty entstanden ist.

In Comicläden geht es einigen Frauen wohl nicht besser: Sie werden nicht ernst genommen und von den Verkäufern belächelt. Doch auch das kann ich ehrlich gesagt nicht bestätigen. Ich hatte bis jetzt lediglich ein einziges, sehr merkwürdiges Erlebnis in einem Laden für Pen and Paper, aber ansonsten wurde ich genauso nett behandelt wie jeder andere Kunde. Doch auch hier kann ich womöglich einfach nur Glück gehabt haben.

Wer in der Nähe von Hamburg wohnt, dem kann ich den Laden ComicRoom empfehlen. Eine freundliche Behandlung und eine kompetente Beratung für Mann und Frau. Außerdem eine große Auswahl von deutschen und englischen Heften.

Nachträgliche Gedanken

Ich sprach davon, dass eine Übersexualisierung bei Männern nicht leicht zu bewerkstelligen sein. Mittlerweile sind mir dann doch noch zwei Figuren eingefallen, bei den durch eine Überbetonung des primären Geschlechtsteils eine mehr oder weniger ästhetische Übersexualisierung stattfindet. Es handelt sich hierbei um Voldo aus Soul Calibur, der diese Betonung durch seinen Bewegungsstil weiter hervorhebt, und Firefly aus Batman: Arkham Orginis.

Das Spiel Terra Online arbeitet auch bei den Männern mit einem eher fraglichen Rüstungsdesign.

Vor wenigen Tagen wurden Daten bezüglich der Spieleankündigungen der E3 erhoben. Dabei kam heraus, dass nur in 3 % der 59 Spiele ausschließlich ein weiblicher Charakter als Protagonist agiert. Entscheidender finde ich, dass 49 % der Spiele mir die Wahl lassen, welches Geschlecht ich spielen möchte. Ich persönlich werde die Welt von Dishonored wieder als Mann erkunden und bezüglich des Gewaltthemas werde ich mich hier nicht weiter äußern. Ein Vergleich mit anderen Medien würde mich auch noch sehr interessieren. Jemand lust Daten zu erheben?

Bei einem Gespräch mit einem Bekannten kam folgende Frage auf: Wenn ein Mann unter Einsatz seines Lebens versucht eine Frau bzw. die Jungfrau in Nöten zu retten, impliziert das nicht, dass das Männerleben weniger wert sein als ein Frauenleben? Was meint ihr?

Ich bekam von einigen Bekannten und Lesern regelmäßig Anregungen geschickt. Leider konnte ich nicht alle Sachen mit einbinden. Einige dieser Sachen möchte ich hier deswegen noch kurz auflisten: Die Seite Zeitzeugen beschäftigte sich mit dem Thema “Gewalt gegen Männer ist so witzig” und zeigt damit wunderbar wie unterschiedlich Gewalt an Frauen und Männern in den Medien wahrgenommen werden.

Als ein krasses Negativbeispiel für die Darstellung der Frau wurde mir Quiet aus Metal Gear Solid geschickt. Ich habe die Reihe nicht gespielt. Daher kann ich dazu leider wenig sagen. Jedoch ist mir die Erklärung für das knappe Outfit bekannt und ja es ist mit der Hintergrundstory begründet, aber ich befürchte. dass das Outfit vor dieser entstanden ist.

Die Frage nach weiterführender Literatur möchte ich auch gerne beantworten. Bezüglich des Mangaartikels habe ich mich in “Manga – Comics aus einer anderen Welt” von Jens R. Nielsen eingelesen. Dieser Bericht befindet sich in dem tollen Buch “Comics : zur Geschichte und Theorie eines populärkulturellen Mediums.” Weiterhin haben mich die Bücher “Lara Croft Cyber Heroine” von Astrid Deuber-Mankowsky und “Killerspiele. Beiträge zur Ästhetik virtueller Gewalt” von Peter Riedel begleitet.

Fazit

Das war der letzte Artikel der Reihe. Dennoch möchte ich euch  noch folgendes fragen: Habt ihr Erfahrungen mit geschlechterbezogenem Mobbing bei Videospielen oder Comicläden gemacht? Glaubt ihr, Frauen würden die Darstellung der Charaktere grundlegend ändern? Wenn ihr selber den Protagonisten für ein Spiel oder Comic entwerfen könntet, wie wäre dieser?

Die Reihe

 

“Killerspiele” Beiträge zur Ästhetik virtueller Gewalt (AugenBlick)

Price: EUR 3,09

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3 used & new available from EUR 3,09

Lara Croft: Cyber Heroine (Electronic Mediations) by Astrid Deuber-Mankowsky (2005-05-02)

Price: EUR 58,71

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7 used & new available from EUR 27,96

Comics: Zur Geschichte und Theorie eines populärkulturellen Mediums (Kultur- und Medientheorie)

Price: EUR 29,80

4.0 von 5 Sternen (1 customer reviews)

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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