Inspiration für Spielleiter – One Page Dungeon


Der One Page Dungeon Contest ist ein jährlicher Wettbewerb im Internet, bei dem Hobby-Rollenspieldesigner aus aller Welt antreten und Abenteuer im Taschenformat entwerfen. Alle relevanten Informationen sollen dabei auf eine Seite passen und möglichst systemneutral sein. Zwar gibt es diverse Preise zu gewinnen, aber den größten Reiz birgt vielmehr die kreative Fingerübung. Gleichermaßen spannend sind natürlich auch die teils wirklich sehr inspirierenden Einsendungen anderer Teilnehmer. Im Folgenden möchte ich euch meinen diesjährigen Beitrag zum Wettbewerb vorstellen.

Der Terminus „Dungeon“ wird in diesem Wettbewerb tatsächlich sehr lose interpretiert: Es kann sich dabei auch um ein Gasthaus mit verworrenen Beziehungen zwischen den Anwesenden oder gar um ein Bastelset für ein kleines Tabletop-Strategiespiel handeln. Hauptsache ist, dass es auf eine Seite passt.

Erstmals nahm ich  2013 an der Competition teil. Mein für eine Seite reichlich überambitioniertes „Midnight at Halcyon’s Coven“ war damals ein glorreiches Wrack mit viel zu viel Text und keinerlei Maß. Im 2016er One Page Dungeon Contest wollte ich das besser machen: „The Lair of the Voidbeast“ ist ein einfaches Dungeon, dem aber ein besonderes Konzept zugrunde liegt: Es ist nämlich ein Dungeon in einem nicht-Euklid’schen Raum. Entsprechend muss der Spielleiter für die Karte etwas basteln:

Der Prototyp für mein Dungeon. Die Unterseite ist der Leib des Voidbeasts.

Der Prototyp für mein Dungeon. Die Unterseite ist der Leib des Voidbeasts.

Ein nicht-Euklid’scher Raum lässt sich auf einer Karte schwer darstellen. Es ist ein Raum mit mehr als drei Dimensionen, der auf der lokalen Ebene zunächst noch normal wirkt. Schafft es der Spielleiter jedoch, die würfelförmige Struktur vor den Spielern zu verbergen, werden diejenigen, die beim Erforschen der Gänge eine Karte mitzeichnen, recht schnell verwirrt sein: So gibt es Stellen, an denen man mit zweimal im rechten Winkel abbiegen wieder an den Ausgangspunkt gelangt und in der Kammer des Voidbeasts, um welche sich der Raum faltet, kann man sich theoretisch sogar selbst in den Rücken schießen. Mein One Page Dungeon ist also ein kleiner Bastelbogen mit dem absoluten Minimum an Text, um das Szenario und seine spezielle Mechanik rüberzubringen.

Das absolute Minimum ist beim One Page Dungeon Contest ein wichtiges Kriterium. Auf Spielsysteme sollte man grundsätzlich nicht eingehen. Zu viele Details fressen auch nur Platz und sind etwas, was Spielleiter und Spieler selbst einbringen können. Der größte Fehler meines 2013er-Beitrags war die große Menge an unnötigen Details. Ist der Text aber zu kurz, wird das Dungeon schlecht. Das perfekte One Page Dungeon basiert meines Erachtens nicht nur auf einer innovativen Idee, die es gut zu präsentieren gilt, sondern ist auch so präzise und übersichtlich geschrieben und gestaltet, dass sich der Spielleiter keine Informationen rausschreiben muss.

Da ich nicht sonderlich gut zeichnen kann, war die grafische Ausgestaltung für mich dieses Mal der größte Kraftakt: Ich habe alles mit Bleistift auf Rechenpapier vorgezeichnet, mit einem Fineliner nachgezogen und erstmal durch den Scanner gejagt. Das Ganze dann als Monochrom-Bitmap gespeichert und die Linien ausgefüllt, nur um es schließlich in einem letzten Arbeitsschritt in Graustufen zu kolorieren. Die Texte sind ebenfalls durch mehrere Entwürfe gegangen, bis ich sie knapp genug hatte.

„The Lair of the Voidbeast“ ist in diesem Jahr im Penultimate Winners Circle gelandet, einer Gruppe von Beinahe-Siegern des One Page Dungeon Contests. Da meine Präsentation deutlich ausbaufähig ist, nehme ich an, dass es das abstrakte Konzept des nicht-Euklid’schen Dungeons war, das mir diese Ehre verschafft hat.

Bereits jetzt schon voll motiviert werde ich auch 2017 wieder ein One Page Dungeon entwerfen. Macht ihr mit? Und falls nicht, auch kein Problem. Schaut euch aber ruhig mal die Dungeons vergangener Wettbewerbe an! Da ist so einiges an brillanten Ideen dabei.

Noch mehr Informationen und Hintergründe zu diesem One Page Dungeon findet ihr übrigens auch auf meinem Blog, jedoch in englischer Sprache.

Marten Zabel

Marten Zabel

Bewertet Dich anhand Deiner Spiele, Serien und Rechtschreibung, wenn er nicht gerade selbst Spiele designt oder von größeren Dingen träumt.
Hauptthemen: Pen & Paper, Games, Brettspiele

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  • Sal

    Heruntergeladen zum Lesen heute Abend. Klingt aber danach, dass ich es bald mal leiten muss. <3

    Das Kartenergebnis kann sich sehen lassen. Eine etwas ausführlichere Anleitung würde ich sehr begrüßen.

    • Wir haben mal noch den Blogpost von “damals” mit angefügt. Da findest du
      noch etwas mehr. Aber grundsätzlich gibt es ja bewusst keine
      ausführliche Anleitung, sonst passt das ja nicht mehr auf eine Seite 😉
      Und viel interessanter, als dass du das leitest, wäre doch, wenn wir dich so für was eigenes inspirieren konnten.

      • Sal

        Danke für den Link, irgendwie funktioniert er leider bei mir nicht.

        Die Inspirationen kommen bestimmt beim Lesen und/oder Leiten. ; )

        • Felix Mohring

          Sollte jetzt funktionieren.