Beispielcharaktere: Der Messerwerfer


Der schwarze Prinz aus der Tintenwelt von Cornelia Funke hat es mir schon vor geraumer Zeit als Pen&Paper-Charakter angetan. Er ist der perfekte Anführer, Messerwerfer und Gaukler – eine etwas andere Figur, die ihr zu Heldentaten anspornen könnt.

Der schwarze Prinz kommt in der Tintenwelt Trilogie von Cornelia Funke erst im zweiten Buch Tintenblut vor. Es handelt sich hier zwar um Jugendbücher, aber eigentlich ist die Reihe für jeden Fantasy-Fan geeignet. Für diejenigen unter euch, die mit jenen Werken nicht vertraut sind, möchte ich den Hintergrund kurz aufschlüsseln.

Es beginnt in unserer realen Welt, in der einige Menschen eine besondere Gabe besitzen: Sogenannte Silberzungen können Gegenstände und Personen aus Büchern herauslesen. Dies geschieht wiederum mit einem ganz bestimmten Buch, das thematisch in einer mittelalterlichen Fantasy-Welt angesiedelt ist. Im zweiten Band schlüpfen die beiden Protagonisten und Silberzungen selbst in das Buch, indem sie sich hineinlesen. Dort treffen sie unter anderem den schwarzen Prinzen und seine Gauklergruppe. Wie gesagt: Klare Empfehlung, diese Bücher zu lesen, da Cornelia Funke hier eine sehr hübsche Welt erschafft.

Genug der Ursprungsgeschichte

Nun aber zu unserem Charakter: Der schwarze Prinz ist ein Gaukler oder Schausteller durch und durch. Er ist ein sehr charismatischer Anführer und Sprecher seiner Gruppe. Sein artistisches Geschick umfasst vor allem das Messerwerfen. Darüber hinaus hat er einen zahmen Bären, der ihm nicht nur auf Schritt und Tritt folgt, sondern auch aufs Wort gehorcht. Wie bauen wir uns also so einen Charakter?

Die Attribute sollten soweit recht klar sein: Charisma, Fingerfertigkeit, Geschicklichkeit und ein paar Zusatzpunkte in Intelligenz. Der Rest ist nur am Rande interessant oder relevant. Eure Fähigkeiten konzentrieren sich klar auf dem typischen Schaustellertum: Beeinflussen der Menschen durch Lügen, Überzeugen und Betören; Beherrschen eures Kunststückes in Perfektion (in diesem Fall Messerwerfen). Zu guter Letzt braucht ihr noch eine gute Portion Wissen über die Wildnis und Grundkenntnisse über die Stadt.

Er hat einen BÄREN!!!

Eine besondere Bedeutung kommt eurem tierischen Begleiter zu. Ihr müsst hier zwar keineswegs einen Bären wählen, aber ein eindrucksvolles Tier darf es schon sein. Je nach Setting könnt ihr hier auch eine Art Kampfroboter oder einen Elementargeist an eurer Seite wissen. Euer Begleiter muss auf jeden Fall derart imposant sein, sodass es euren potenziellen Widersachern vor Angst die Waffen wieder zurück an den Gürtel treibt, ehe sie euch verprügeln oder erschießen wollen.

Denn so gut ihr mit euren Messern auch umgehen könnt, so schlecht seid ihr im Nahkampf aufgestellt. Ihr vermögt vielleicht ein Schwert, Knüppel oder längeres Messer im Zweikampf führen, wirklich gut seid ihr darin aber noch lange nicht.

Dementsprechend besitzt ihr auch nicht immer eine griffbereite Nahkampfwaffe. Nichtsdestotrotz darf eure Ausstattung gern etwas umfassender ausfallen, sofern ihr einen Gauklerwagen oder ähnliches Fuhrwerk euer Eigen nennt. Von größter Relevanz sind auf jeden Fall Messer, robuste und wenig bewegungseinschränkende Reisekleidung, ein auffällig buntes Gewand für Auftritte sowie ein Grundsortiment fürs Überleben in der Natur wie beispielsweise ein Feuerstein.

Kleine technische Hilfsmittel, um auf euch aufmerksam zu machen, könnt ihr je nach Setting ebenfalls ausrüsten, sind aber nicht unbedingt notwendig.

Die “Familie” geht über alles

Der schwarze Prinz hat sein “Schicksal” als heimatloser Gaukler ganz bewusst gewählt, fühlt sich aber gleichzeitig für seine Gruppe verantwortlich. Da er eine Familie nicht (mehr) hat, betrachtet er seine Freunde und Begleiter als das höchste Gut. Dementsprechend würde er alles tun, um sie vor Unheil zu bewahren, geht dabei aber niemals unüberlegt vor. Die Flucht ist im Zweifel häufig die bessere Wahl, insofern ein bevorstehender Kampf nicht durch taktisches Geschick zu seinen Gunsten entschieden werden kann.

Das heißt aber nicht, dass der schwarze Prinz ein Feigling ist. Sein Wagemut ist legendär, doch ist er keinesfalls dumm. Der direkte Weg ist meist zu leicht und nicht ganz so zielführend. Durch diese Denkweise ist er erstaunlicherweise ein guter Taktiker. Sollte er ein Schlachtfeld aussuchen müssen, wäre es vermutlich ein Wald, in dem eine Guerilla-Taktik den meisten Erfolg verspricht.

Der schwarze Prinz ist charismatisch und eher auf der guten Seite anzusiedeln. Er kann Ungerechtigkeiten nicht ausstehen, hat aber durchaus schurkische Eigenschaften. Warum nicht die Betuchteren der Welt um ihre wertvollen Münzen bringen, um dadurch Ärmere (und natürlich die eigene Gruppe) zu unterstützen?

Woher kommt er?

Die Hintergrundgeschichte ist beim schwarzen Prinzen besonders wichtig. Wie bereits geschrieben, hat er keine Familie. Woran liegt das? Wurde sie vielleicht von Soldaten getötet? Ist er als Waise aufgewachsen? Ist er von zu Hause weggelaufen, weil sein Vater ihn verprügelt hat? Überlegt euch etwas, aus dem ein plausibler Antrieb erwächst, eure Gruppe als neue Familie zu sehen. Vorher muss euch aber klar sein, was eben mit euer alten Familie geschehen ist.

Außerdem solltet ihr euch insbesondere darüber Gedanken machen, warum euer tierischer Begleiter nicht mehr von eurer Seite weicht. Eventuell habt ihr ihn als Welpe gerettet, nachdem ein Jäger bereits die Mutter erlegt hat. Vielleicht war es auch einfach nur Zufall, dass euer Begleiter gerade euch ausgewählt habt. Doch woher kommt der Zufall? Was ist passiert? Ohne Antworten auf diese Fragen verliert die Verbindung zu eurem Begleiter an Glaubwürdigkeit. Denn nicht nur eure Mitspieler, sondern auch die NPCs werden sich fragen, warum ihr mit eurem Begleiter so vertraut umgeht – und umgekehrt.

Andere Beispielcharaktere

Felix Mohring

Mit 11 Jahren aus Versehen in die Rollenspielrunde des großen Bruders gerutscht und seither nicht mehr von dem Hobby losgekommen. Gründer und Marketing-Äffchen, Moderator und Formatentwickler der NonPlayableCharacters.
Hauptthemen: Pen&Paper

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