Ein gelungener Spieleabend: Einsteigertipps


Ihr habt richtig Lust, mit Freunden und Bekannten in geselliger Runde zu spielen, aber euch fehlt noch das gewisse Etwas, um aus euer müden Tischgesellschaft beherzte Spieler zu machen? Dann haben wir etwas für euch. Mit diesen praktikablen Tipps könnt ihr euren bevorstehenden Spieleabend merklich aufpeppen.

Grundsätzlich spielt es erst einmal keine entscheidende Rolle, ob ihr gemeinsam finstere Dungeons erforscht, im Wettstreit auf Entdeckungsreise geht oder euch in erbitterten Schlachten bis aufs Blut bekämpft.

Das Einzige, was ihr mitbringen solltet, ist schlichtweg genügend Zeit und Motivation, um vor der geplanten Spielrunde die ein oder andere Kleinigkeit vorzubereiten.

Die Qual der Wahl

Als wenig spontaner Mensch bin ich zwar ein Freund der soliden Voraborganisation, finde mich aber häufiger in folgender, misslicher Lage wieder: Entweder bin ich super motiviert, ein ganz bestimmtes Spiel zu spielen, und suche dafür noch passende Mitstreiter; oder wir haben uns als Truppe bereits zusammengefunden und müssen noch ein entsprechendes Spiel finden. Egal wie  ich es angehe, es ist bleibt immer recht verzwickt.

Der Einfachheit halber gehe ich an dieser Stelle aber erst einmal davon aus, dass ihr im Vorfeld schon mindestens ein Spiel ins Auge gefasst habt. Nachdem ihr es nun gekauft, ausgeliehen, geschenkt bekommen oder einfach nur wieder hervorgekramt habt, muss es natürlich ausprobiert werden.

1. Lernt euer Spiel kennen

Gewiss werfen die meisten von euch nach dem Neuerwerb voller Neugier einen ersten Blick in den Spielekarton. Aber investiert ruhig schon mal etwas mehr Aufwand, um euch im Vorfeld mit den Spielregeln auseinanderzusetzen! Zwar muss auch ich mich gerade bei komplexeren Spielen durch zuweilen nicht enden wollende Regelwerke beißen, wenn ihr diese dann aber kurz und verständlich erklären könnt, vereinfacht das den späteren Einstieg am Tisch stets ungemein.

Häufig hilft es mir dabei deutlich, das Spiel nebenher aufzubauen. Wem das dennoch zu viel ist, der sollte sich auf jeden Fall mal bei Youtube umsehen. Insbesondere für geläufigere Spiele gibt es häufiger “Let’s Plays” oder Gameplay-Videos, in denen Spiele samt Regelwerk detailliert vorgestellt werden.

Außerdem kann es sich für kooperative Spiele lohnen, zusätzlich noch ein paar Tipps und Tricks von den Profis im Web abzuschauen. Nichts ist nämlich frustrierender, als stundenlang  auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten, das aber schon bei der Wahl der Charaktere oder nach den ersten paar Spielzügen kaum mehr erreicht werden kann.

Davon abgesehen erwartet aber auch niemand von euch, dass ihr das Regelwerk mit allen Extras punktgenau herunterbeten könnt, aber ein solides Verständnis der Spielmechanik wäre für die spätere Tischgesellschaft sehr komfortabel.

2. Wählt passende Mitspieler

Wenngleich im Web zahllose, mehr oder minder wissenschaftlich fundierte Klassifikationen zu Spielertypen kursieren, helfen uns diese tatsächlich nur bedingt. Schaut euch lieber euer favorisiertes Spiel an und bemesst es ganz grob anhand folgender Tendenzen:

  • Dauer: von kurzweilig bis langwierig
  • Typus: kompetitiv oder kooperativ
  • Kommunikation: interaktiv oder nebeneinanderher
spieleabend_andor

Die Legenden von Andor: Eine reguläre Mission in diesem Rollenspiel dauert nicht selten eine Stunde. Die Spieler kämpfen gemeinsam gegen die vom Spiel selbst regulierten Widersacher. Ihr Vorgehen als Gruppe zu koordinieren erhöht die Chancen auf Erfolg maßgeblich. Somit handelt es sich um ein eher langwieriges, kooperatives und interaktives Spielerlebnis. Es eignet sich also für vorausschauende Planer und Spielrunden-Optimierer, die gern als Team auftreten, um Strategien für den ultimativen Endsieg aufeinander abstimmen.

Das Einzige, was ihr nun “nur” noch tun müsst, ist, die Vorlieben eurer potenziellen Gäste mit den von euch analysierten Charakteristika des Spiels abzugleichen und die Leute mit der größten Schnittmenge für euch zu gewinnen. 

3. Richtet euch ein

Neben Spiel und Spieler gibt es eigentlich nur noch eine Sache, dir ihr wirklich braucht: ausreichend Platz. Idealerweise steht euch dafür ein entsprechend großer Tisch zur Verfügung, der genügend Fläche für den Spielaufbau, spielereigene Ablagen und zum Würfeln bietet. Je größer der Tisch ist, desto flexibler seid ihr mit der Platzierung zusätzlicher Komponenten wie Dekor, Snacks und Getränke. Bei der Wahl der Stühle solltet ihr daran denken, dass eure Gäste auf diesen mehrere Stunden verbringen werden. Kissen oder anderweitige Polsterungen sollten im Zweifelsfall bereitliegen.

Sollte derlei Mobiliar nicht zur Verfügung stehen, schafft euch anderweitig genügend Platz und sorgt für komfortable Sitz- oder Liegemöglichkeiten, sodass euch eure Gäste den Abend über nicht aufgrund von Haltungsschwächen wegsterben.    

4. Schafft ein gemütliches Ambiente

Beleuchtung: Insbesondere durch die Wahl der richtigen Lichtverhältnisse und -farbe lässt sich euer spielerisches Umfeld leicht beeinflussen. Während flackerndes weißes Licht eher eine kalte und sterile Krankenhausatmosphäre erzeugt, könnt ihr mit gelbem Licht eine wohlig warme Ausleuchtung erzielen.

Sollte es der Grundstimmung dienlich sein, könnt ihr euren Aufenthaltsraum auch etwas abdunkeln. Gebt aber unbedingt darauf Acht, dass Kartentexte gut lesbar und Spielfiguren farblich unterscheidbar bleiben! Von Kerzen rate ich daher tendenziell ab, da sie bei Unachtsamkeit eine entsprechende Gefahrenquellen darstellen und als alleiniger Lichtspender zu wenig Strahlkraft besitzen.

Dekor: Wenn ihr mögt, könnt ihr euer Ambiente noch mit zusätzlichem Dekor verfeinern. Jedoch muss euch bewusst sein, dass derlei Dinge auf der Spielfläche zumeist die Sicht einschränken und anderweitig benötigten Platz rauben. Da es mir vor allem bei umfangreicheren Strategie- und Rollenspielen manchmal so schon schwer fällt, den Überblick zu behalten, rate ich dringend – wenn überhaupt – zum dezenten Dekorieren. Ausnahmen sind hierbei allerdings besondere Anlässe wie Halloween oder Weihnachten

Abseits der Spielfläche könnt ihr zwar mit Postern, Pappaufstellern, maßstabsgetreuen Modellen, Actionfiguren oder was auch immer punkten, scheint mir aber keineswegs notwendig. Solltet ihr hingegen Snacks und andere Speisen anbieten, könnt ihr diese gern mit kleinen Extras wie farbigen Fähnchen, motivreichen Servietten oder anderen Dingen für den schmalen Taler schmücken.

Musik: Auch die euch umgebende Geräuschkulisse müsst ihr nicht dem Zufall überlassen. So könnt ihr einerseits ganz grob dem Setting des favorisierten Spiels folgen, in dem ihr thematisch verwandte Melodien aus euren Boxen ertönen lasst. So bieten sich beispielsweise für Fantasy-Settings die Soundtracks der Herr der Ringe Filme an.

Andererseits dürft ihr aber auch gern bei realitätsnaheren Szenarien direkt eintauchen und mit zeitgenössischen Klängen den Charakter eures favorisierten Spiels betonen. Spontan denke ich da an Saloon-Geklimper für Western oder Jazz für die 1930er oder so.

Für die etwas Experimentierfreudigeren unter euch empfehle ich die Wiedergabe von Naturgeräuschen: beispielsweise strömender Regen für Spuk- und Mordgeschichten oder Möwengeheul und tosende Wellen für Seefahrerszenarios aller Art.

5. Füttert die Meute

Wann auch immer ihr eure Gäste geladen habt, früher oder später kann das kontinuierlich anwachsende Grummeln im Bauch nicht mehr ignoriert werden. Doch statt schon wieder überteuerte Pizzen beim Lieferservice um die Ecke zu bestellen, macht sie doch lieber gleich selbst.

Da wahrscheinlich nur die wenigsten unter uns passionierte Pizzabäcker sind, genügt es völlig, vorgefertigten Teig beim Discounter eurer Wahl zu kaufen. Diesen bedarf es dann nur noch mit dem Nudelholz auszurollen und später mit der oft schon beiliegenden Tomatensoße zu bestreichen. Je nach Lust und Laune kann der weitere Belag wie Wurst, Pilze, Gemüse und extra viel Käse bereits zurecht geschnitten im Kühlschrank auf seinen Einsatz warten.

Sollte der Hunger dann gravierende Ausmaße annehmen, bestreicht ihr in der Spielpause den Teig mit Soße, belegt ihn nach eigenem Ermessen und lasst ihn dann für die nächste halbe Stunde in der Backröhre verschwinden. Auf diese Weise erhaltet ihr mit wenigen Handgriffen nicht nur ein geschmacklich ausdifferenziertes, frisch zubereitetes und sättigendes Mahl, sondern schont auch eure(n) Geldbeutel erheblich. Eure Tischgesellschaft wird es euch danken. Selbiges funktioniert übrigens auch mit Sandwiches und überbackenen Baguettes.

Solltet ihr das Abendmahl allein vorbereiten, ist es ungeheuer wichtig, dass ihr euch schon vorher bei euren späteren Gästen nach Essensunverträglichkeiten und Allergien informiert. Das wird meiner Erfahrung nach leider viel zu oft vergessen.

Alternativ könnt ihr euch auch im Vorfeld aufeinander abstimmen, sodass jeder ein paar Würstchen, Salat, belegte Brote oder was auch immer für das kalte Buffet mitbringt. Das macht sogar noch weniger Arbeit.

6. Seid ungestört

Ich für meinen  Teil finde es immer super nervig, wenn Spieler nur halbherzig bei der Sache sind, weil sie auf Störungen reagieren müssen oder sich anderweitig ablenken lassen. Daher gilt für alle Anwesenden: Schaltet den TV aus! Legt den Telefonhörer zur Seite. Vergrabt euer Smartphone/Handy! Schickt unbeteiligte Bälger zu den Nachbarn! Mischt euren Vierbeinern K.O.-Tropfen ins Futter. Und so weiter und sofort… Dieser Abend gehört nur euch!

Lange Rede, kurzer Sinn

Sobald ihr euch für ein Spiel entschieden und mit seinem Regelwerk vertraut gemacht habt, wählt ihr dazu passende Mitspieler. Idealerweise steht euch ein großer Tisch zur Verfügung, der sowohl für den Spielaufbau als auch für alle Beteiligten genügend Platz bietet. Mit Licht, Dekor und Hintergrundmusik könnt ihr euch und eure Gäste zusätzlich einstimmen. Die Abendverpflegung bereitet ihr entweder so vor, dass nur geringe Wartezeiten entstehen, oder aber ein jeder Teilnehmer bringt nach vorheriger Absprache eben eine Kleinigkeit mit. Nun müsst ihr euch nur noch von jeglichen störenden Ablenkungen befreien und den Abend nach Herzens Laune genießen. Alles eigentlich ganz einfach… in der Theorie.

Marco Schugk

Marco Schugk

Tauscht gern Schwert und Rüstung gegen Federkiel und Tinte, um den Geschichten und Erzählungen seiner Kameraden gelehrsam Ausdruck zu verleihen.
Hauptthemen: Lektor, Games, Brettspiele.

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  • ghoul

    Irgendwie erinnern mich diese Tipps an die Geschichte “Wie Till Eulenspiegel die Schneider aufklärte”.

    • Marco Schugk

      Auch der beste Schneider musste den Umgang mit Nadel, Faden, Zwirn und Fingerhut erst erlernen. 😉