Epische Pixelschlacht?


Pixel- und Retrolook sind aktuell voll im Trend. So auch bei dem Brettspiel Epix, das vom Heidelberger Spieleverlag vertrieben wird. Das Strategiespiel machte neugierig und gespannt. Konnte es die Erwartungen erfüllen?

Gleich vorweg: Ich mag den Retro-Pixellook, sofern das nicht das einzige Feature eines Spiel ist. Außerdem bin ich ein Freund von wirklich guten Strategiespielen auf dem ganz realen Spieltisch. Somit hatte ich schon zwei Gründe, weshalb ich mir Epix unbedingt anschauen wollte. Übrigens hat mich  letztlich der wirklich schicke Trailer gelockt.

Wir haben uns das Spiel innerhalb der Redaktion angeschaut und ausgiebig getestet. Ehe ich euch aber das Ergebnis offenbare, vorher schnell zum Spiel selbst.

Das Spiel ist für zwei bis vier Personen ausgelegt. Je nach Anzahl der Spieler gibt es ein eigenes Spielfeld. So brauchen vier Spieler natürlich mehr Platz als nur zwei. Jeder Spieler startet mit seiner eigenen Burg sowie den beiden angrenzenden Provinzen als Besitz. Zu Beginn wird eine kleine Grundarmee aufgestellt, die zumindest für die Verteidigung einer Provinz ausreichen könnte. Dann gilt es

Der Aufbau, wenn auch kein einziges unserer Spiele nach wenigen runden wirklich so aussah...

Der Spielaufbau – auch wenn kein einziges unserer Partien nach wenigen Runden wirklich so aussah…

innerhalb von vier Jahreszeiten, was eben vier Spielrunden entspricht, möglichst viele Provinzen einzunehmen oder gar die Burg eines Kontrahenten zu erobern. Wem die Besetzung einer feindlichen Burg als Erstes gelingt oder wer am Ende des Jahres die meisten Provinzen sein Eigen nennen kann, gewinnt das Spiel.

Ausrüstungskarten geben dem Spielprinzip aus Truppen anheuern, Angreifen und Verteidigen noch eine weitere interessante Komponente. So könnt ihr beispielsweise eure Ritter stärker machen oder vor dem Start jeder Runde ein Goldstück von euren Mitspielern abkassieren.

FIGHT!

Wie viel Geld hat er wohl in der Hand? Wenn du falsch rätst, stirbt dein Ritter!

Wie viel Geld hat er wohl in der Hand? Wenn du falsch rätst, stirbt dein Ritter.

Der Kampf läuft wie folgt ab: Der Angreifer bezahlt an seine Truppen im Geheimen einen bestimmten Geldwert. Der Verteidiger muss wiederum erraten, wie viel sein Gegenüber bereit ist zu löhnen. Ob der Angriff glückt oder nicht, hängt also zum einen davon ab, wie viel Geld zur Verfügung steht, und zum anderen auf einer Art Pokermechanismus. Das klingt im ersten Moments ehr innovativ, da es eben nicht einfach nur vom Würfelglück abhängt, wer den Kampf für sich entscheidet. Auf der anderen Seite hat derjenige mit dem größeren Vermögen auch deutlich größere Chancen einen erfolgreichen Angriff auszuführen.

Dieses Problem zeigt sich im Spiel dann wie folgt: Soll ich nun  Truppen anheuern, was Geld kostet, oder mit möglichst viel Geld angreifen, um eine höhere Chance auf Erfolg zu haben. Das mag wie eine taktische Entscheidung klingen, ergibt aber im Spielverlauf leider nicht besonders viel Sinn. Denn innerhalb der vier Spielrunden ist es uns kein einziges Mal gelungen, ein wirklich solides, finanzielles Polster aufzubauen.

Ich brauch’ Geld!!!

Kommen ein Soldat, ein Dinoreiter und ein Katapult nach Lochmess und treffen einen Soldaten und ein Zelt...

Kommen ein Soldat, ein Dinoreiter und ein Katapult nach Lochmess und treffen auf  einen Soldaten und ein Zelt…

Pro Runde habt ihr nämlich immer nur eine Aktion zur Verfügung: Truppen anheuern, Truppen bewegen (und gleichzeitig andere Provinzen angreifen) oder Steuern eintreiben, was euch drei Geldstücke einbringt. Da der Ritter bereits sechs Gold kostet, ist es also sehr schwierig, eine ordentliche Armee aufzubauen und gleichzeitig genügend Geld für einen Angriffskrieg zu haben – vor allem in der kurzen Zeit von nur vier Runden.

Es gibt zwar einige Provinzen, die ein weiteres Goldstück pro Runde einbringen, und auch mit Lagern kann weiteres Geld generiert werden, dennoch haben wir es kein einziges Mal geschafft, auch nur ansatzweise die Burg eines Gegner zu erstürmen. Tatsächlich hat meist der Spieler gewonnen, der als erstes weitere Provinzen erobert hat, ohne gleichzeitig seine eigenen zu verlieren. Wer demnach in den ersten beiden Runden sein Gebiet nicht ausweiten konnte, hatte in der Regel keine Chance mehr auf den Sieg.

Irgendwer hat hier nicht bis zum Ende gedacht…

Mir kommt also die Zeit von vier Spielrunden viel zu kurz vor und mich beschleicht das Gefühl, dass dieses Spiel nicht vollständig durchdacht wurde, ehe es auf den Markt kam. Eigentlich schade, denn das Spiel hat Potenzial. Daher werde ich wohl die Regeln zu Gunsten des Spaßfaktors selbst noch ein Mal gehörig modifizieren.

Der Knick des Spielbretts ist auf der Vierspieler-Seite. Warum nicht bei den beiden anderen Spielfeldern?!1einself!

Der Knick des Spielbretts ist auf der Vierspieler-Seite. Warum nicht bei den beiden anderen Spielfeldern?!1einself!

Das Spielmaterial ist im Großen und Ganzen gut. Zwar weiß ich noch nicht, warum es eigentlich so viele Geldmünzen gibt (siehe oben), aber vielleicht kann ich die ja später noch gebrauchen. Auf das Spielbrett sind insgesamt drei “Szenarien” aufgedruckt: für zwei, drei und vier Spieler jeweils ein eigenes Feld. Grundsätzlich eine gute Idee, aber irgendjemand hat bei der Produktion nicht mitgedacht. Während sich auf der einen Seite das Feld für vier Spieler über die gesamte Fläche erstreckt, befinden sich auf der anderen Seite die zwei kleineren Felder für weniger Spieler. Aus irgendeinem Grund wurde aber das große Feld auf die Seite mit dem Knick gedruckt und nicht die beiden kleineren. Sonst hätte man nämlich das Spielbrett genau einmal zusammenfalten können, sodass nur das für die entsprechende Spielerzahl relevante Feld zu sehen ist. So sieht man entweder auf einer Seite das Feld für vier Spieler komplett oder auf der anderen Seite die beiden Felder für zwei und drei Spieler nebeneinander.

Fazit

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Epische Schlacht? Fehlanzeige. So sieht es leider wirklich nie nach vier Spielrunden aus.

Vor allem nach dem schicken Trailer hatte ich mich wirklich sehr auf Epix gefreut. Wirklich überzeugen konnte mich das Spiel leider nicht. Die Grundidee finde ich nicht schlecht, aber mir scheint es so, als ob das Spiel nicht gänzlich zu Ende getestet wurde. Die Grafiken sind ganz nett, mehr aber leider auch nicht. Das einzige Coole in der Gestaltung sind die verschiedenen Reiter – die gelben Dinoreiter sind übrigens die coolsten! Ich werde mir das Spiel und die Regeln noch einmal vornehmen und sie um einiges erweitern. ich hoffe, das Spiel dadurch deutlich zu verbessern. So wie es jetzt ist, bereitet es leider nicht sonderlich viel Spaß. Dennoch würde ich es als Geschmackssache einstufen, da gerade so Spielebastler wie ich damit noch ihre Freude haben könnten.

Was bedeutet diese Wertung? Findet es hier heraus.

Fehlerfindung

Online hat es der Heidelberger Spieleverlag schon angepasst, in der gedruckten Spielanleitung noch nicht: Es versteckt sich ein kleiner aber sehr bedeutender Fehler im Regelwerk. Statt fünf Geldstücken zum Anfang soll jeder Spieler eigentlich 15 erhalten. Das bringt natürlich gleich viel mehr Action in das Spiel, vor allem am Anfang. Und schon ist das größte Problem dahin und ich würde sagen, das Spiel ist doch unterhaltsam. Nur ärgerlich, weil wohl nicht jeder immer gleich online nach dem Regelwerk schaut, wenn er es in der Schachtel hat…

 

Epix

Autor: Rikki Tahta

Verlag: Heidelberger Spieleverlag

Spieleranzahl: 2-4

Dauer: 30 Minuten

Alter: 8+

Epix • DT./ENGL./FRZ.

Price: EUR 15,00

4.0 von 5 Sternen (2 customer reviews)

7 used & new available from EUR 13,89

Felix Mohring

Mit 11 Jahren aus Versehen in die Rollenspielrunde des großen Bruders gerutscht und seither nicht mehr von dem Hobby losgekommen. Gründer und Marketing-Äffchen, Moderator und Formatentwickler der NonPlayableCharacters.
Hauptthemen: Pen&Paper

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  • Marco Schugk

    Die Aufmachung ist wirklich sehr hübsch. Es wäre schade drum,w enn man da nix draus machen könnte…