Filminterpretation: Alien – Die Angst des Mannes vor der Frau als Gebärerin?


Dass der Kopf des Xenomorphen aus Alien einem Penis nachempfunden ist, ist bereits vielen bekannt. Auch die vielen sexuellen Anspielungen sind weitestgehend geläufig. Doch schon mal darüber nachgedacht, dass ihr ein langes Geburtsvideo seht?

Zugegeben der Gedanke kam nicht von mir. Während einer Vorlesung über Symbolik ließ der Dozent zum Thema “Die Angst des Mannes vor der Frau als Gebärerin” den Filmtitel so beiläufig fallen, wie Faust zum Paktmotiv. Die Theorie der Gebärsymbolik beruht im Übrigen zum Großteil auf Werner Faulstich (Medienwissenschaftler). Der Dozent witzelte darüber, dass wohl jedes echte Geburtsfilmchen erschreckender wäre. Meine Neugier war geweckt und die DVD durfte mich am selben Abend mal wieder unterhalten.

Das letzte Mal wurde diese aus dem Schrank gekramt, als ich mit Jakob und einem Freund der Theorie nachgehen wollte, ob wirklich 43 Phallussymbole vorkommen. Leider konnten wir dies nicht gänzlich bestätigen. Um einige Szenen wieder in Erinnerung zu rufen, hier ein moderner Trailer zum Film:

Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt

Bei dieser Interpretation des Filmes steht die Besatzung der Nostromo für die männlichen Samenzellen und das fremdartige Raumschiff (welches eine gewisse Ähnlichkeit zu einer Frau mit gespreizten Beinen aufweist), in das die Besatzung durch den mittleren Eingang eindringt, steht dementsprechend für die Frau. Bei einer Befruchtung schafft es nur ein Spermium ins Ovar. In diesem Fall wäre dies Kane, der in dem Raumschiff das Ei mit dem Facehugger genauer untersucht. In dem Moment, als der Facehugger aus seinem Ei springt und den Helmschutz Kanes durchbricht, wird die Verschmelzung von Spermium und Ei symbolisiert.

Nun beginnt die symbolische Schwangerschaft. Das befruchtete Ei wandert den Eileiter entlang sowie die Verschmelzung von Mensch und Facehugger die Luftschleuse, bis sie schließlich ins Landungsboot beziehungsweise in die Gebärmutter gelangen. Sobald  das Alien aus der Brust Kanes bricht und beginnt, in einem rasanten Tempo zu wachsen, versinnbildlicht dies den Abschluss der Embryophase. Das Alien wird somit zum Fötus.

Das Ei und die Samenzelle werden nicht mehr benötigt. Damit hätten wir auch eine plausible Erklärung, warum der Facehugger stirbt und nicht nur der missbrauchte Mensch (mit aufgebrochenem Brustkorb natürlich nicht mehr lebensfähig).

Dallas, der Captain, versucht nun das Alien mit dem Flammenwerfer “abzutreiben.” Dieses löscht nun die nicht mehr benötigten Samenzellen Stück für Stück aus. Nur Ripley, die nach Werner Faulstich die Rolle der werdenden Mutter zugeschrieben bekommt, überlebt. Was unterscheidet Ripley von den anderen? Erst mal erkennt sie als Einzige, dass es sich um ein Warnsignal handelt. Sie bemüht sich weiterhin darum, ihre Gruppe zurück zu ordern. Im Prinzip also, die Verschmelzung zu verhindern. Doch das Wichtigste: Ripley verlangt als Einzige nach Kanes Unfall die Quarantäne, welche nicht nur sinnvoll gewesen wäre, sondern für die Verhütung stehen kann.

Ihre Bemühungen sind erfolglos und mit der Selbstzerstörungsvorbereitung des Raumschiffes setzen quasi die Wehen ein und das Alien begibt sich zum Geburtskanal oder dem Gang zum Rettungsboot. Der Muttermund ist weit geöffnet und das Alien bewegt sich Richtung Beckenausgang. Die Geburt/Selbstzerstörung ist nicht mehr aufzuhalten und das Rettungsboot wird vom Mutterschiff getrennt. Erschöpft von den ganzen Torturen ist Ripley nun genötigt, das Alien aktiv loszuwerden und den Körper sinnbildlich “herauszupressen”.  In der Kabine/Bauchhöhle des Rettungsboots findet ein Druckabfall statt und das Alien wird nach draußen gestoßen. Das Band zum Xenomorphen wird durchtrennt.

Die Geburt ist vollzogen und das Alien im Weltraum. Verstörend? Nur wenn man es sich zu bildlich vorstellt.

Der Sinn und Unsinn von Interpretation

In der Schule habe ich mich immer gefragt, warum ich ein literarisches Werk in alle Einzelteile zerrupfen soll, um es zu interpretieren. Trotz Studium bin ich noch immer kein großer Fan davon. Nur weil eine Schlange vorkommt, ist es nicht gleich die Erbsünde oder das männliche Geschlechtsorgan. Einige Werke wollen interpretiert werden aber einige Sachen entstehen beim Schreiben, produzieren etc.

Insbesondere bei toten Künstlern wird es schwierig, einige Interpretationen zu bestätigen oder zu widerlegen. Und selbst wenn ein Künstler etwas verneint, argumentieren viele noch mit der psychoanalytischen Interpretation, dass der Erschaffer des Artefakts unbewusst auf dieses Thematik hinweisen wollte. Dabei ist es uninteressant, ob die Person weiß, dass die Schlange für die Erbsünde steht oder nicht.

Ich bestreite nicht, dass jedes Objekt in einem Kunstwerk mehr oder weniger gewollt dort platziert wurde (bei einem Film schleichen sich ja immer wieder gern ungewollte Sachen ein). Jedoch finde ich es insbesondere bei abstrakten Symboliken riskant zu sagen, dass dies nun für genau das steht und für nichts anderes.

Im Falle des Films Alien sehe ich natürlich die ganzen sexuellen Attribute und auch die Geburtentheorie ist sehr eingängig. Insbesondere da Dan O’Bannon (Drehbuchautor) selber bestätigt hat, mit sexuellen Elementen zu spielen, damit die Männer im Kino vor Angst die Beine übereinanderschlagen. Auch wenn sich bei dieser Interpretation Symbole immer wieder verschieben. Im Hinblick darauf, dass das Ende eigentlich ein tödlicher Kampf zwischen Ripley und dem Alien werden sollte, steht die Frage im Raum, ob damit die ganze Interpretation in sich zusammenfällt oder  dann aus einer Geburt eine Abtreibung werden würde?

Warum diese ganzen Worte am Ende? Nun ich möchte nur damit sagen: Eine Interpretation schließt eine andere nicht aus und hat noch lange nicht ein Anrecht darauf, richtig zu sein. Dennoch hoffe ich, dass euch dieser Ansatz bezüglich des Alien Films gefallen hat. Würdet ihr gerne noch mehr Film- oder Spieleinterpretation lesen?

 

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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